Lebensmittel online: die Frische fehlt

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien führt der Lebensmittelhandel im Internet in Deutschland noch ein stiefmütterliches Dasein. Besonders bei Frischeprodukten ist das Angebot gering, wie eine aktuelle Studie zeigt, die 250 Anbieter unter die Lupe genommen hat.

Obst und Gemüse sind Mangelware im Angebot deutscher Online-Lebensmittelhändler. Um den typischen Wocheneinkauf ausschließlich online zu tätigen, reicht das im Netz angebotene Sortiment noch längst nicht aus, so die Ergebnisse der Studie Lebensmittel E-Commerce 2015 . Außerdem birgt die derzeit von den Händlern bevorzugte Lieferung per externem Logistikpartner zusätzliche Hürden für einen reibungslosen Ablauf.  „Für den Kunden sollte der Onlinekauf von Lebensmitteln schnell und unkompliziert sein und ihm einen absoluten Mehrwert bieten“, fordert Sascha Berens, E-Commerce-Experte beim EHI, das die Studie initiiert hat.

„Wer seinen  Wocheneinkauf online bestellt, erwartet ein breit gefächertes Sortiment – schließlich herrscht  in Deutschland eine hohe stationäre Abdeckung mit Vollsortimentern“, meint Sascha Berens. Gerade bei frischen Lebensmitteln ist hier allerdings noch viel Luft nach oben, maximal ein Drittel der untersuchten Onlinehändler hat diese im Angebot.

WarengruppenDagegen sind bei einem Großteil der Lebensmittelhändler haltbare Produkte lieferbar. Kein Wunder, denn diese müssen nicht gekühlt werden, sind leichter und oft auch Platz sparender zu lagern und halten monate- oder sogar jahrelang. Aus diesen Gründen sind auch Süßwaren und Snacks bei über der Hälfte der Shops erhältlich. Bei Getränken verhält es sich ähnlich.  Erst danach folgen die frischen Lebensmittel wie Käse, Fleisch und Wurst, frische Backwaren, Milchprodukte sowie Obst und Gemüse. An frischen Fisch und Tiefkühlprodukte trauen sich nur die wenigsten Onlinehändler heran.

Dabei besteht im Internetgeschäft gerade für Nischenanbieter eine große Chance. So sind unter den untersuchten Shops relativ viele Metzger und Käsehändler (7 beziehungsweise 6 %), während deren Anteil am stationären Markt abnimmt.
LogistikpartnerDie meisten Onlineshops beauftragen einen Logistikpartner, um die Lebensmittel zum Kunden zu bringen. Das ist häufig sinnvoll, vor allem wenn Trockenprodukte oder reine Tiefkühlwaren ausgeliefert werden. „Sobald jedoch mehrere Kühlzonen abgedeckt werden müssen, lohnt es sich, einen eigenen Lieferdienst in Erwägung zu ziehen“, meint Sascha Berens. Diesen haben bei den untersuchten 250 Onlineshops bisher nur 13 Prozent. Der bevorzugte Logistikpartner ist ganz klar DHL: 77 % haben die Lieferung mit DHL im Angebot. Weit abgeschlagen folgen UPS  und DPD.

Über EHI

Das EHI Retail Institute ist ein Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner mit rund 60 Mitarbeitern. Das internationale EHI-Netzwerk umfasst rund 700 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Konsum- und Investitionsgüterindustrie. Gegründet wurde das Unternehmen 1951. Geschäftsführer ist Michael Gerling. Die GS1 Germany, eine jeweils 50-prozentige Tochtergesellschaft des EHI und des Markenverbandes, koordiniert die Vergabe der Global Trading Item Number (GTIN, ehem. EAN) in Deutschland. In Kooperation mit dem EHI veranstaltet die Messe Düsseldorf die EuroShop, die weltweit führende Investitionsgütermesse für den Handel, und die EuroCIS, wo neueste Produkte, Lösungen und Trends der IT- und Sicherheitstechnik vorstellt werden.

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