Spotgun – was die Löwen nicht zeigten

Wie inzwischen allgemein bekannt ist, wird längst nicht jeder Deal, der in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ verabredet wird, später tatsächlich abgeschlossen. Wenige dagegen wissen, dass nicht alle eingeladenen Startups am Ende auch gezeigt werden. Eines davon ist Spotgun, und wir berichten, was im TV nicht zu sehen war.

Stell Dir vor, es läuft Fernsehwerbung, und alle schauen zu. Dann sind sie wahrscheinlich Nutzer der App von Spotgun und machen mit bei einem Quizspiel rund um die Werbespots, die sonst eine lästige Unterbrechung des eigentlichen Programms sind. Anscheinend eine Idee, mit der man bei Fernsehsendern offene Türen einrennen sollte, und ein idealer Kandidat für die Erfolgsshow „Die Höhle der Löwen.“ Dachten sich auch die Gründer des Stuttgarter Startups Spotgun, doch es kam etwas anders. Aber der Reihe nach.

Schon während seines Studiums und des Praxissemesters bei ProSiebenSat1 reifte in Jürgen Gomeringer die Idee, etwas für die Akzeptanz von Fernsehwerbung zu tun. Zu der Zeit kam der Begriff „Second Screen“ gerade in Mode, der das Phänomen beschreibt, dass immer mehr Zuschauer neben dem Fernsehbildschirm zeitgleich noch ein zweites Gerät im Blick haben, meist ein Smartphone. Zusammen mit seinem Kommilitonen Philipp Rottmann konzipierte er 2013 im Rahmen seiner Masterarbeit Spotgun, wofür es in der Folge auch ein EXIST-Gründerstipendium gab. Als dritter im Bunde stieß bald Dominic Herr dazu, und im September 2014 wurde Spotgun dann veröffentlicht.

Teamfoto_spotgunDominic Herr, Philipp Rottmann und Jürgen Gomeringer – das Team von Spotgun

Spotgun greift eine alte Idee auf, nämlich TV-Werbung mit einem Quizspiel zu verbinden und dadurch die Aufmerksamkeit deutlich zu erhöhen, und bringt sie auf den neuesten Stand der Technik. Man muss der App nur mitteilen, welchen Sender man gerade schaut, und die im Hintergrund arbeitende Software schaut parallel quasi mit (dafür muss man das Smartphone nicht vor den Fernseher halten!) und stellt passende Quizfragen zu den einzelnen Spots. Gespielt wird mit- und gegeneinander in der Community, und die erfolgreichsten Quizzer können attraktive Prämien gewinnen, passend zum jeweiligen Programmumfeld.

15.000 Downloads hat Spotgun bisher erreicht, 2.500 aktive Nutzer spielen mindestens einmal pro Woche mit ihr. Die App ist kostenlos und will über Affiliate-Kooperationen mit den Sponsoren der Gewinne Geld verdienen. Und längerfristig durch Partnerschaften mit Fernsehsendern, TV-Vermarktern und Werbungtreibenden, denn sie alle profitieren schließlich von der intensiveren Beschäftigung mit Reklame, die ihnen Spotgun beschehrt.

Erhöhte Aufmerksamkeit braucht auch jedes Startup, und kein Format garantiert mehr davon als „Die Höhle der Löwen“. Das war den Jungs von Spotgun gleich nach Ende der erfolgreichen ersten Staffel klar, also bewarben sie sich im November 2014 für die nächste Saison. Daraufhin bekamen sie einen Casting-Fragebogen zu Team und Geschäftsmodell zugeschickt sowie den Auftrag, sich selbst in einem Video darzustellen, inklusive Ratschlägen, wie zum Beispiel dafür das Smartphone zu halten sei. Diese Hürde konnten die „Gunners“ locker nehmen und wurden im März 2015 zur Aufzeichnung nach Köln eingeladen.

Dieses Video erklärt, wie Spotgun funktioniert

Der Auftritt vor den Löwen, zu denen vorher keinerlei Kontakt bestanden hatte, dauerte dann knapp zwei Stunden. Spielerisch stellte das Trio seine App vor und bekam dafür von der Jury sehr viel Lob. „Ich glaube, dass ihr damit Geld verdienen könnt“, urteilte Frank Thelen. In der Folge gab es dann trotzdem viele Fragen zum Hintergrund der Gründer und wenige zum Geschäftsmodell, erinnert sich Jürgen Gomeringer. Und dann wurde es nahezu philosophisch. Grundsätzliche Kritik wurde laut an dem Trend zum „Second Screen“, der sich nicht mit dem Ideal vom selektiven Ansehen hochwertiger Programme vereinbaren ließe. Da ging es letzlich gar nicht mehr um Spotgun, so dass die Gründer kaum darauf reagieren konnten. Zum Deal kam es dementsprechend nicht.

Im Juli erhielt Spotgun die Erlaubnis, über den Auftritt in der Löwenhöhle zu sprechen, da nun die Ausstrahlungstermine der neuen Staffel feststanden. Die Gründer gaben diese Info an einige Werbekunden weiter – leider etwas voreilig, wie sich später herausstellte. Über den genauen Sendetermin ließ man Spotgun noch im Dunkeln, erst jeweils drei bis fünf Tage vorher würde die genaue Zusammenstellung der einzelnen Folgen beschlossen. Dann kam lange nichts mehr, und als ab August Folge um Folge über den Sender ging und immer noch keine verbindliche Zusage vorlag, wurden die Gründer unruhig und fragten nach. Es folgte die Ernüchterung: Spotgun hatte es nicht in die Show geschaft. Eine eindeutige Begründung gab es nicht, vermutlich ließ sich der Auftritt nicht fernsehgerecht genug aufbereiten.

Spotgun ist kein Einzelfall, etwa 15 % der eingeladenen Kandidaten können nicht für die Sendung berücksichtigt werden. Aus Sicht der Produzenten ist es nachvollziehbar, mit mehr Bewerbern zu drehen als letztlich gebraucht werden, um bei missratenen Auftritten eine Reserve zu haben, für die Startups ist es aber ärgerlich, wenn sie erst so spät darüber informiert werden und ihr Marketing bereits auf die Sendung ausgerichtet haben. Zum Glück gibt es noch andere Wege zum Erfolg: Spotgun wird inzwischen vom next media accelerator in Hamburg gefördert und hat damit Zugang zu vielen Entscheidern aus der Medienwelt – es geht auch ohne die Löwen.

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