Über 3 Milliarden Menschen sind inzwischen online. Das berichtet der „Measuring the Information Society Report„, der Anfang der Woche in Genf der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Demnach boomt die Internetnutzung nach wie vor überall auf der Welt. Wir fassen die spannensten Ergebnisse zusammen.

Aus der Untersuchung, die die UN-Organisation ITU initiiert hat, geht hervor, dass die Zahl der Internetuser 2014 weltweit um 6,6 % steigt (um 3,3 % in den entwickelten Ländern, um 8,7 % im Rest der Welt). In den Entwicklungsländern hat sich die Zahl der Nutzer innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Trotzdem stammen immer noch 90 % derjenigen, die keinen Internetzugang haben, aus diesen Regionen.

„Die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs) haben das Potenzial, die Welt zu einem viel besseren Ort zu machen – insbesondere für die Ärmsten und Entrechtetesten, einschließlich Frauen, junger Menschen und solcher mit Behinderungen“, sagte ITU-Generalsekretär Dr. Hamadoun I. Touré. „Dieser bedeutende Bericht ist ein entscheidender Beitrag zu einem globalen ICT-Entwicklungsprozess.“

Im Bereich der Mobiltelefonie wird es bis Ende des Jahres sieben Milliarden Verträge geben, prognostiziert der Report. Diese Zahl entspricht ungefähr der Weltbevölkerung. Das soll aber nicht heißen, alle Menschen wären telefonisch erreichbar; tatsächlich haben viele Nutzer mehrere Verträge, während geschätzte 450 Millionen in Gegenden leben, die von Mobilfunknetzen nicht abgedeckt werden können, auch wenn schon spürbare Fortschritte erreicht wurden in den letzten zehn Jahren.

„Es sind genau die armen und ländlichen Gegenden, in denen ICTs eine besonders signifikante Wirkung haben können“, sagte Brahima Sanou, Direktor des Entwicklungsbüros für Telekommunikation der ITU. Er führte aus, dass positive Entwicklungen der Kommunikationsinfrastruktur Hand in Hand gehen mit der allgemeinen Entwicklung dieser Regionen.

Pressekonferenz_MISAuf der Pressekonferenz der ITU in Genf. Im Bild rechts: Brahima Sanou.

Die Rangliste der ICT-Entwicklung

Dänemark belegt den ersten Platz in einer Rangliste, die den Grad der Entwicklung bezüglich der Informations- und Kommunikationstechnologien bewertet. Dieser Wert, genannt ICT Development Index (IDI), berücksichtigt das Ausmaß an Zugang, Verwendung und Kenntnissen in diesem Bereich. Unter den 166 bewerteten Ländern nimmt Südkorea den zweiten Platz ein. Deutschland erreicht Rang 17, auch europaweit langt es nur für Position 11. Das liegt nicht an den technischen Zugangsmöglichkeiten, denn dort belegt Deutschland einen hervorragenden 5. Platz, während es bei der tatsächlichen Internetnutzung (27.) und der Internetkompetenz (31.) schlechter aussieht. Die skandinavischen Länder sind allesamt in den Top 10 zu finden, die Internet-Supermacht USA kommt über einen 14. Platz nicht hinaus.

Die dynamischsten Länder, also die mit der rasantesten Entwicklung, sind über den ganzen Globus verteilt: Die Vereinigten Arabischen Emirate, Fiji, die Kapverden, Thailand, Oman, Katar, Weißrussland, Bosnien & Herzegovina und Georgien führen dieses Ranking an.

Bis Ende des Jahres werden knapp 44 % aller Haushalte weltweit Internetzugang haben (2013 waren es 40 %, 2010 30 %). In den entwickelten Ländern liegt der Wert bei 78 %, im Rest der Welt bei 31 %, und in den 48 ärmsten Ländern bei nur 5 %. In vielen Industrienationen haben bereits 100 % der Schulen Internet, während im Rest der Welt die Werte nicht nur von Land zu Land, sondern vor allem innerhalb der Länder von Region zu Region stark schwanken. Selbst die reichsten Nationen spüren die wachsende Kluft zwischen der Stadt und dem Land, was die technologische Aussattung betrifft, in Schwellenländern wie Marokko und Kolumbien beträgt die Diskrepanz bereits 35 %.

Big Data und Online-Content

Der diesjährige Bericht richtet ein besonderes Augenmerk auf die Möglichkeiten von „Big Data“ bei der Verbesserung des öffentlichen Sektors, so bei der medizinischen Versorgung, der Bildung und im Umweltmanagement. Durch die zunehmende Digitalisierung menschlicher Aktivitäten ist es möglich, Analysedaten aus einer großen Zahl unterschiedlicher Quellen zu schöpfen. Schon jetzt gibt Big Data der Politik zum Beispiel Auskunft über ungleiche Einkommensverteilungen, in Zukunft lassen Mobilitätsprofile oder Zahlen über die Nutzung von unterschiedlichen Serviceangeboten wichtige Rückschlüsse zu. Die ITU arbeitet mit der United Nations Statistical Commission (UNSC) und nationalen Statistikbehörden zusammen, um Wege zu finden, Big Data für die Sozial- und Wirtschaftspolitik einzusetzen.

Die ständig steigende Zahl von Usern spiegelt sich wider im steilen Anstieg der Menge an Online-Content. Soziale Medien haben einen entscheidenden Anteil an der wachsenden Internetnutzung, da mehr und mehr Menschen Inhalte kreieren, hochladen und teilen. Wie der Bericht bestätigt, haben sich eine Handvoll Giganten zu den führenden globalen Content-Providern entwickelt. Zum Beispiel werden jede Minute über 100 Stunden an Videomaterial auf YouTube hochgeladen. YouTube ist längst der weltgrößte Filesharing-Service, mit Angeboten in 61 Ländern und über einer Milliarde Unique Visitors jeden Monat. Wikipedia, das größte und am weitesten verbreitete Online-Lexikon, enthält inzwischen über 30 Millionen Beiträge in 287 Sprachen.

Die entwickelten Länder dominieren die Produktion von Internet-Content. 80 % aller Neuregistrierungen von Domainnamen im Jahre 2013 stammten von dort; aus Afrika kamen dagegen weniger als 1 %.

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Big Data: Schwarzes Loch für manche, Licht am Ende des Tunnels für andere.

Über die ITU

Die International Telecommunication Union (ITU), auf Deutsch Internationale Fernmeldeunion, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Informations- und Kommunikationstechnologie. Seit fast 150 Jahren aktiv, hat die ITU die globale Verwendung von Funkfrequenzen koordiniert, die internationale Kooperation bei der Zuordnung von Satellitenbahnen unterstützt, daran gearbeitet, die Kommunikationsinfrastruktur in Entwicklungsländern zu verbessern, und die weltweiten Standards etabliert, die eine nahtlose Verknüpfung breit gefächerter Kommunikationssysteme fördern. Von Breitbandnetzen und Wireless-Technologien der neuesten Generation über Navigation in Luft- und Seefahrt, Radioastronomie und satellitenbasierter Meterologie bis zur Konvergierung von Mobiltelefonie, Internet und Datenübertragungstechnologien: Die ITU hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt  zu vernetzen.

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