Gerade für Startups sind Jugendliche oft nicht nur die Zielgruppe der Zukunft, sie sind bereits die wichtigsten Kunden der Gegenwart. Eine aktuelle Studie zeigt, wie junge Deutsche mit Medien umgehen und welche Rolle Computer und Handy dabei spielen. Die Gründerfreunde fassen die spannensten Ergebnisse zusammen.

Bei Befragungen zur sogenannten JIM-Studie 2014 (mehr dazu am Ende des Artikels), die letzten Freitag veröffentlicht wurde, äußerten sich Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren zu ihrer Mediennutzung und dabei auch zu der Frage, welches für sie das vertrauenswürdigste Medium sei. Ergebnis: 40 % schenkten am ehesten der Tageszeitung Glauben. Ist also die Tageszeitung gegen alle Erwartungen die bevorzugte Informationsquelle der Jugend? Wohl kaum, den nur 32 % nutzen sie regelmäßig, während das beim Internet 94 % sind. Grund genug, dass wir uns in diesem Artikel auf die Ergebnisse der Jugendstudie zu den Themenfeldern Computer und Smartphone konzentrieren.

Computer und Internet

Drei Viertel aller Jugendlichen haben einen eigenen Computer (32 %) oder Laptop (57 %), wobei manchen  auch beide Geräte zur Verfügung stehen. Insgesamt nutzen 81 % der 12- bis 19-Jährigen das Internet täglich, weitere 13 % mehrmals pro Woche. Nach eigener Einschätzung sind sie an einem durchschnittlichen Wochentag  192 Minuten online (2013: 179 Minuten). 86 % der Jugendlichen, die in den letzten 14 Tagen vor der Befragung das Internet genutzt haben, taten dies über ein Handy. Damit werden Computer bzw. Laptop mit 82 % auf den zweiten Rang verwiesen.

YouTube erhält mit 30 % die meisten Stimmen bei der Frage nach dem beliebtesten Online-Angebot, es folgen Facebook (23 %) und – obwohl streng genommen gar kein Internet-Angebot –  WhatsApp (11 %). Google und Instagram werden von jeweils 3 % der Onliner genannt.

Laut Jugendstudie entfällt mit 44 % entfällt der größte Anteil der persönlichen Online-Nutzung nach Selbsteinschätzung auf den Bereich „Kommunikation“. Ein Viertel umfasst die Beschäftigung mit unterhaltenden Inhalten (Videos, Musik), 18 % werden für Spiele und 13 % für Recherche und Information verwendet.

Chatten steht an der Spitze der kommunikativen Tätigkeiten. 80 % der Jugendlichen tauschen sich mindestens mehrmals pro Woche in Echtzeit mit anderen aus, die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook findet bei 62 % regelmäßig statt. 41 % kommunizieren mit dieser Häufigkeit per E-Mail, das internetbasierte Telefonieren bzw. Skypen nehmen 20 % der Jugendlichen regelmäßig in Anspruch. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung spielt Twitter nur eine untergeordnete Rolle und wird lediglich von 6 % regelmäßig genutzt.

Als Recherche- und Informationsmedium nutzen die Jugendlichen das Internet in erster Linie in Form einer Suchmaschine – 85 % geben mindestens mehrmals pro Woche Suchbegriffe ein. Informationen zu Themen außerhalb der Schule suchen gut 40 % regelmäßig im Internet, etwas weniger informieren sich bei Wikipedia.

Facebook-logoWährend im Jahr 2012 noch 87 % der 12- bis 19-jährigen Internet-Nutzer zumindest selten Soziale Netzwerke besuchten, ging dieser Anteil im Jahr 2013 leicht auf 84 % zurück. Im Jahr 2014 ist nun erneut ein Rückgang sichtbar, der diesmal aber weitaus deutlicher ausfällt – nur noch knapp drei Viertel der Jugendlichen geben an, zumindest selten Online-Communities zu nutzen. Bei den 12-bis 13-Jährigen zählen mit 45 % inzwischen weniger als die Hälfte zu den Nutzern Sozialer Netzwerke (14-15 Jahre: 73 %, 16-17 Jahre: 83 %, 18-19 Jahre: 90 %). Bei der Frage, welche Communities die Jugendlichen überhaupt in Anspruch nehmen, steht Facebook nach wie vor uneinholbar an der Spitze (69 %, 2013: 80 %), deutliche Zuwächse verzeichnen bei dieser Fragestellung aber Instagram (13 %, 2013: 2 %) und der Messenger-Dienst WhatsApp (11 %, 2013: 3 %).

Smartphones und Apps

Hatte 2010 nur etwa jeder Siebte ein eigenes Smartphone, so besitzen ein solches aktuell 88 % der12- bis 19-Jährigen. Nimmt man auch herkömmliche Mobiltelefone in die Zählung auf, so haben insgesamt 97 % der Jugendlichen ein eigenes Handy oder Smartphone. An erster Stelle der häufigsten Tätigkeiten stehen erstmals nicht mehr Telefonieren und SMS-Schreiben, sondern die Nutzung von Musik (78 %) und die mobile Internetnutzung (75 %). Mit 70 % kommt das Telefonieren erst an dritter Stelle, gefolgt von der Nutzung von Communities (62 %), nur noch 45 % kommunizieren via SMS (2013: 72 %).

Gefragt nach den beliebtesten Apps – bis zu drei Nennungen waren hier möglich – zählen Messenger-Apps für 86 % zu den wichtigsten. Meist handelt es sich hier um WhatsApp (84 %). Messenger-Apps haben inzwischen die Kommunikation via SMS abgelöst und ermöglichen auch die Übermittlung von Bildern und gesprochenen Nachrichten. An zweiter Stelle folgen mit Abstand dann Apps von Communities (46 %), hierbei handelt es sich weitgehend um Facebook (43 %). Mit 26 % der Nennungen kommen Foto-Apps und Bildbearbeitungsprogramme auf den dritten Platz. Am häufigsten wird hierbei Instagram (21 %)  genannt.

WhatsApp_logo-color-vertical.svgZur Grundausstattung bei Jugendlichen gehört inzwischen WhatsApp. 94 % der Besitzer von internetfähigen Handys haben diese App installiert. Gegenüber der JIM-Studie 2013 hat sich dieser Wert deutlich um 25 Prozentpunkte erhöht. Dieses Kommunikationsangebot wird dann auch rege genutzt: 86 % nutzen WhatsApp täglich und weitere 6 % mehrmals pro Woche. Durchschnittlich rufen Jugendliche WhatsApp 26-mal pro Tag auf, jeder Fünfte, der diese App täglich nutzt, macht dies sogar häufiger als 50-mal am Tag.

Fragt man diejenigen Jugendlichen, die sowohl bei Facebook als auch bei WhatsApp aktiv sind, welches der beiden Angebote ihnen persönlich wichtiger ist, bevorzugen 83 % WhatsApp, 10 % entscheiden sich für Facebook und für 6 % sind beide gleich wichtig.

Fazit: Gerade bei den ganz Jungen verliert Facebook an Bedeutung, während WhatsApp für die große Mehrheit inzwischen unverzichtbar ist. So gesehen ist Facebook doch wieder der Gewinner, schließlich gehört dem Unternehmen seit diesem Jahr WhatsApp. Instagram ja schon länger. Ohne Facebook kommt die Jugend also nach wie vor nicht aus, auf welche Weise auch immer.

Über die JIM-Studie

Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, (Multi-) Media) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Jugendstudie bildet das Medienverhalten der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland ab. Für die Befragung wurden 1.200 Jugendliche im Frühsommer 2014 telefonisch befragt.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR). Kooperationspartner bei der JIM-Studie ist die Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG).