Das Frankfurter Unternehmen BRDGE hat eine Networking- App entwickelt, die in Zukunft weltweit die Anbahnung von Geschäftskontakten einfach und frei von Streuverlusten machten soll. Die Gründerfreunde haben nachgefragt, wie das funktioniert.

Liebes BRDGE-Team, man könnte Ihre App als Tinder für das Networking bezeichnen. Finden Sie den Vergleich treffend oder eher unpassend?

Es ist natürlich so, dass uns Tinder zu BRDGE inspiriert hat – Allerdings haben wir sehr schnell gemerkt, dass wir mehr bieten müssen als nur einen Tinder-Klon für den Businessbereich. Dating funktioniert nach anderen Regeln: emotionaler, visueller und oftmals kurzlebiger. Im Geschäftsleben verläuft die Suche nach einem passenden Partner vorwiegend nach rationalen Kriterien, und ein Kontakt muss auf andere Weise ausgebaut werden – ein reines Matching-Angebot reicht hier nicht aus. Wir müssen darüber hinaus Funktionen bieten, die es Nutzern erleichtern, anlassbezogen nachhaltige Geschäftsbeziehungen aufzubauen und eben auch zu pflegen. Hier unterscheiden wir uns deutlich von Tinder & Co.

Zum Beispiel ermöglichen wir dem Nutzer schon jetzt, im Rahmen von Events wie Messen oder Konferenzen direkten Kontakt mit anderen Teilnehmern aufzunehmen. Dazu erhält er Profilvorschläge von möglichen Geschäftspartnern, die sich unmittelbar in seiner Nähe aufhalten (der „On-Location“-Mode). Auf dieser Basis kann ein direkter Austausch vor Ort entstehen – und zwar von Mensch zu Mensch. Weitere Features in dieser Richtung sind geplant und werden im kommenden Jahr gelauncht.

Das Unternehmen hat zwar seinen Sitz in Frankfurt, die Webseite ist aber komplett auf Englisch, und vorgestellt wurde die App erstmals im November 2014 in Dublin. Kann man daraus schließen, dass Sie primär den internationalen Markt ansprechen wollen? Wie sind im Vergleich dazu Ihre Ambitionen im deutschsprachigen Raum?

Business Networking funktioniert heute international, und Länder- bzw. Sprachgrenzen sollten keine Barrieren mehr sein. Deshalb haben wir bewusst entschieden, BRDGE in englischer Sprache zu launchen, um möglichst viele begeistern zu können. Eine hohe Reichweite ist ein wichtiges Erfolgskriterium, und wir freuen uns, dass schon heute Nutzer aus insgesamt 18 Ländern bei uns vertreten sind – viele davon arbeiten bei internationalen Unternehmen wie Facebook, Apple oder Amazon.

Dennoch spielt der Heimatmarkt Deutschland für uns eine entscheidende Rolle. Die Lokalisierung der Webseite, der App selbst sowie  aller weiterer Kommunikationspunkte ist für 2015 geplant. Aber auch die neuen Features, die wir im kommenden Jahr launchen werden, zielen ganz klar auf den deutschsprachigen Markt ab.

Bisher ist eine Verwendung der App nur möglich, wenn ich gleichzeitig bei LinkedIn angemeldet bin. Wie sieht es in Zukunft für Nutzer aus, die dort nicht Mitglied sind und sein wollen?

Die Anmeldung über LinkedIn hat natürlich etwas mit unserer internationalen Ausrichtung zu tun. Zudem bietet LinkedIn mit dem Bereich „Endorsements“ sehr relevanten Content für BRDGE an. Wir werden jedoch im Jahr 2015 auch eine Anmeldung über Xing anbieten.

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Wann wird die App für Android verfügbar sein?

Derzeit ist BRDGE für iOS verfügbar und kann hier heruntergeladen werden. Android befindet sich momentan in der Planung, ein Datum zur Veröffentlichung steht noch nicht fest.

Die Registrierung bei BRDGE ist unverbindlich und kostenlos. Wie sieht da ihr Geschäftsmodell aus, womit wollen Sie Umsatz erzielen?

Dies steht natürlich auf der internen Agenda, und es gibt eine Menge möglicher Richtungen für eine Monetarisierung eines Services wie BRDGE. Das Thema ist für uns sehr wichtig, wir werden hierzu aber keine Details bekanntgeben. Priorität hat für uns die User Experience und die Mehrwerte, die BRDGE in der Nutzung bringen kann.

Können Sie uns Details zur Finanzierung Ihres Unternehmens verraten?

Wir bootstrappen derzeit über die Gesellschafter, planen allerdings eine erste Kapitalrunde bis Mitte 2015. Seit unserem Launch auf der Web Summit in Dublin vergangenen Monat haben wir großen Zuspruch und Interessensbekundungen seitens der Investoren bekommen und führen im Moment vielversprechende Gespräche.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Layer?

Aus der Erfahrung zahlreicher Mobile Projekte, die das Team von BRDGE in ihrer bisherigen Karriere entwickelt haben, war von Anfang an klar, dass das Thema In-App-Messaging das komplexeste wird. Wir haben daher gar nicht erst angefangen, ein Communications-Stack selbst zu bauen – dies wäre viel zu zeit- und kostenintensiv geworden. So haben wir uns bei Layer für Early-Stage-Access beworben, und die Idee von BRDGE wurde ad hoc sehr positiv aufgenommen. Seitdem pflegen wir eine intensive Partnerschaft, die beide Seiten sehr bereichert.

Wir bedanken uns für das Interview.

Das BRDGE-Team

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Torben Toepper (Lead Developer Backend), Garrit Schaap (Kernteam/CTO), Jan Pleser (Kernteam/CMO), Claas Nieraad (Co-Founder), Daniel Putsche (Kernteam/CEO)

Daniel Putsche und Jan Pleser kannten sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Frankfurter Werbeagentur Publicis. Die Idee  zu BRDGE hatten sie recht spät am Abend in einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Split, Kroatien – ein weiterer Beweis dafür, dass gute Ideen an den ungewöhnlichsten Orten entstehen. Garrit Schaap, der gemeinsam mit Daniel Putsche nicht nur die Schulbank gedrückt hat sondern auch geschäftlich verbunden war, konnte sich, wie Claas H. Nieraad und Torben Toepper, schnell für die Idee begeistern und stieg mit ein. Alle Teilnehmer waren sofort von BRDGE überzeugt, anfangs jedoch noch sehr stark in ihre Alltagsjobs eingespannt. Im Juni hatte das Team BRDGE für das ALPHA Programm der Web Summit gepitcht und wurde tatsächlich unter tausenden von Bewerbungen ausgewählt. Diese Zusage war die Initialzündung dafür, das Projekt weiter voranzutreiben und als vollwertige Unternehmung aufzustellen.