Die E-Zigarette ist ein viel diskutiertes Thema – manche sehen in ihr die beste Alternative zum Tabakkonsum, andere eine neue Gefahr für die Gesundheit. Im Exklusivinterview mit Simeon Kazianis, Gründer von John Smoke, einem Online-Shop für hochwertige E-Liquids, gehen die Gründerfreunde auf die Suche nach der Wahrheit.

 Herr Kazianis, Sie haben 2013 über Ihr Unternehmen John Smoke mit dem europaweiten Vertrieb von E-Liquids begonnen, das sind Nachfüllflüssigkeiten für E-Zigaretten. Wie sehen Sie die diese im Vergleich zu echten Zigaretten?

Die E-Zigarette wird derzeit von vielen Medien verteufelt. Man spricht ihr willkürlich Eigenschaften zu oder ab. So ist zum Beispiel klar, dass kein krebserregender Stoff während des Verdampfens entsteht; viele Studien haben das belegt. Dennoch melden sich ständig selbsternannte Experten zu Wort und stigmatisieren das E-Dampfen. Ob das Dampfen schlussendlich einem Tabakaucher helfen kann, damit aufzuhören, das liegt einzig und allein am Raucher. Manche hören das Rauchen auf und essen dafür doppelt so viel, andere kauen Kaugummi. Die E-Zigarette befriedigt sicherlich das Bedürfnis, an etwas zu saugen, und ermöglicht damit die Ausübung eines Rituals, denn das Ritual als Gewohnheit ist oft das Problem.

Sie bieten neben einigen Tabakaromen auch viele Fruchtgeschmäcker an und bewerben diese intensiv. Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, damit auch ganz junge Konsumenten an die E-Zigarette heranzuführen?

Sicherlich sind die Geschmäcker an sich, unabhängig vom Alter, ein Grund für das Dampfen. Hier ist die Aufmerksamkeit der Erwachsenen gefragt – ich würde meine Kinder auch nicht Kischlikör trinken lassen – und so ist es mit den meisten Dingen, die als Genussmittel gelten.

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Wie überprüfen Sie das Alter Ihrer Kunden?

Wir können unsere Kunden nur bis zu einem bestimmten Grad überprüfen. Ein elektronischer Ausweis würde hier einige Möglichkeiten eröffnen, allerdings sind wir noch gut ein halbes Jahrzehnt von der Massentauglichkeit entfernt. Das Problem erfasst allerdings alle Bereiche der Neuen Medien. Das reicht von den frei zugänglichen Inhalten pornographischen Materials bis hin zu der sehr einfach durchzuführenden Bestellung einer Kiste Rotwein. Da sind in jedem Fall die Eltern gefragt zu überprüfen: „Was bestellen meine Kinder und wie bezahlen sie das?“

Wir haben im Offline-Segment, also am Kiosk an der Ecke, alle Händler vertraglich in die Pflicht genommen, unsere Produkte ausschließlich an Volljährige zu verkaufen. Egal ob mit oder ohne Nikotin. Damit sind wir der deutschen Gesetzgebung voraus, denn dieses regelt das Mindestalter noch nicht. Wir erwarten das allerdings mit der nächsten Novellierung der Tabakrichtlinien, finden das gut und sind vorbereitet.

Sie erwähnten im Vorgespräch, dass Sie früher regelmäßig Tabak konsumiert haben und ganz auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Wie sehen Sie allgemein die Zukunft des E-Rauchens?

Ich würde es gerne Dampfen nennen, denn das ist es tatsächlich auch. Verzeihen Sie die Korrektur, aber der Unterschied ist wirklich eklatant. Denn bei der Verbrennung, wie es bei dem konventionellen Tabakrauchen der Fall ist, findet eine relativ starke chemische Reaktion mittels Feuer bzw. Glut statt. Dabei entstehen mehr als 4.000 Substanzen, davon 40 klar als krebserregend klassifiziert. Beim Dampfen ist es anders. Hier wird das E-Liquid bei 80-­120 Grad verdampft. Krebserregende Substanzen wurden nicht gefunden. Die Technologie ist bekannt von Nebelmaschinen, die bei Konzerten und in Diskotheken seit Jahrzehnten eingesetzt werden. Diese Anwendung hat die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation, bisher nicht auf den Plan gerufen.

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Und wie wird es nun weitergehen?

Derzeit ist es ähnlich dem Kampf zwischen David und Goliath. Es gibt viele kapitalstarke industrielle Strukturen, die ein Interesse an der starken Regulierung dieses neuen Marktes haben, weil es ein Substitut zu ihren ureigenen Produkten darstellt und sie derzeit noch nicht in diesem Markt vertreten sind. Die letzte europäische Tabakverordnung, die von Brüssel aus verabschiedet wurde, hat das ganz deutlich gezeigt. Ich persönlich glaube allerdings, dass die Technologie noch viel Positives zu bieten hat und dem klassischen Tabakrauchen sehr stark überlegen ist. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung.

Sie sprachen gerade von der WHO. Welches Interesse hätte diese wohl an einer Stigmatisierung einer, wie Sie sinngemäß sagen, guten Sache im Vergleich zu klassischem Tabak?

Tabakrauch ist nachweislich tödlich. Sechs Millionen Menschen sterben laut WHO jährlich an den Folgen des Rauchens, aber es ist dennoch nicht verboten. Was denken Sie warum das so ist? Das Verbot oder die Regulierung des Dampfens sehe ich daher kritisch. Null Tote jährlich auf unserer Seite der Bilanz, sechs Millionen auf der anderen Seite. Klar sollte die Abgabe und der Konsum auf Erwachsene beschränkt werden, alles im vernünftigen Rahmen. Doch bevor auch nur ein einziges toxikologisches Gutachten veröffentlich wurde, riefen schon die ersten Politiker und Medien nach einem Verbot. Das steht in keinem Verhältnis.

Was wünschen Sie sich konkret?

Ich wünsche mir eine stärkere Aufklärung. Oder überhaupt eine. Die Medien sollten nicht nur die möglichen Risiken publizieren, sondern auch die Chancen thematisieren. Die amerikanische nature hat da zum Beispiel im August einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht, mit der Aussage: “Make smoking uncool, expensive and stupid, and vaping cool and smart.” Ich wünsche mir ein produktives Bündnis aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem Bürger.

Herr Kazianis, wir danken für dieses Gespräch.

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Über John Smoke

Raucher von E-Zigaretten sollten sich den Namen John Smoke merken. Dahinter verbergen sich ein Düsseldorfer Label für „Premium E-Liquids“ und die drei Freunde André Schiffer (Designer), Simeon Kazianis (Betriebswirt) und Haris Pandza (Einzelhändler). „Das Feinste von Feinen“ zu bieten lautet ihr Versprechen, und das zu fairen Preisen. 4,90 Euro kostet das 10 ml-Fläschen und soll bei moderatem Verbrauch für eine Woche reichen. Im Angebot sind Liquids mit Tabak- oder Fruchtaromen und solche, die nach Kuchen oder Mokka schmecken. Insgesamt gibt es über 20 Sorten, die sich auch kombinieren lassen und in aller Welt produziert werden. Bevor es eine neue Geschmacksrichtung auf den Markt schafft, hat sie zahlreiche Qualitätsprüfungen hinter sich sowie einen Test durch passionierte Dampfer, und zwar nach der einzigartigen 535-Methode: 5 Verkoster probieren 3 Sorten über 5 Tage. So ist sichergestellt, das alle Aromen nicht nur sämtliche Standards erfüllen, sondern auch garantiert gut ankommen. Kein Wunder also, dass das Unternehmen in den letzten Quartalen monatliche Umsatzsteigerungen von durchschnittlch 50 % verzeichnen konnte.