Ursprünglich als reines Musikfestival gestartet, ist das SXSW (sprich: South By South West) mittlerweile die größte Leistungsschau der Kreativwirtschaft weltweit und auch eine hervorragende Bühne für Startups. Jetzt wurden die beiden Kandidaten gekürt, die Hamburg in Austin, Texas vertreten dürfen: Triprebel und Minubo.

Am 13. Februar traf sich die Hamburger Startup-Szene im Betahaus, um die zwei Teilnehmer zu ermitteln, die sich am 15. März im Rahmen der SXSW im Austin Hilton einer internationalen Jury präsentieren dürfen, und zwar bei der German Startup Engine, einer Pitch-Session speziell für deutsche Unternehmen. Sechs Strartups stellten sich in Hamburg einer Fachjury und dem Publikum, gepitcht wurde in zwei Segmenten, E-Commerce und Travel & Mobility, womit der Wettbewerb eröffnet wurde.

Als erstes stellte sich Knowhere vor, eine Portal für Reisende, die noch nicht genau wissen, wo sie hin möchten, aber bereits ein Bild von ihrem Traumziel im Kopf haben. Dort setzt die Geschäftsidee tatsächlich an: Die Nutzer können sich von schönen Bildern verführen lassen und bekommen Destinationen vorgeschlagen, in denen diese Bilder Realität sind. Weitere Suchkriterien sind Freizeit- und Urlaubsaktivitäten. Außerdem möchte Knowhere eine Art Online-Reiseführer und eine Social Media-Plattform für Traveler werden. Die Jury lobte den Ansatz, riet aber, sich bei den ersten Schritten stärker zu fokussieren; das Unternehmen steht noch ganz am Anfang, ein Launch ist erst für das 4. Quartal 2015 geplant.

Nächster Kandidat war Jaano, ein Vespa-Verleih, der in der Hansestadt bereits getestet wurde und im Frühjahr mit 100 Fahrzeugen an den Start geht. Per App können die Nutzer ermitteln, wo der nächste Motorroller steht, und dann gleich damit losfahren. Zwei Helme gehören zur Grundausstattung, Halterungen und Ladegeräte für Smartphones ebenso, und sogar an hygienische Einweg-Helmhauben wurde gedacht. Die Idee hat Charme und die Chance, sich international durchzusetzen, denn von der Prakplatzsuche genervte Großstadtmenschen gibt es überall. Nur kalte, schmuddelige Winter, wie sie nicht nur Hamburg ertragen muss, könnten den Umsatz beeinträchtigen.

Sieger in der Kategorie Travel & Mobility wurde nach Meinung von Jury und Publikum Triprebel, ein Startup, das seinen Kunden immer das beste Hotel zum günstigsten Preis verspricht. Das funktioniert so: Man sucht sich das Hotel seiner Wahl und bucht es über Triprebel, ohne sich um den Preis weiter zu kümmern. Gleichzeitig gibt man als Alternativen weitere Hotels im Umkreis des Favoriten an, die eine höhere Einstufung haben, z. B. vier statt drei Sterne. Der Algorithmus von Triprebel ermittelt dann permanent den günstigsten Preis oder bucht auf eine Alternative um, falls diese preiswerter ist. Die Nutzer sparen also die Zeit für die Suche nach den Schnäppchen und bekommen in der Regel am Ende sogar Geld zurück. Ein Geschäftsprinzip, das weltweit Erfolgschancen haben könnte.

Ein Video über die SXSW, das einen Eindruck vermittelt, was die Startups in Austin erwartet

Das Segment E-Commerce eröffnete Shipcloud, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Paketversand für kleinere und mittlere Unternehmen zu revolutionieren. Gerade solche Firmen sind oft auf einen einzelnen Versandanbieter angewiesen, der nicht immer die besten Antworten auf alle Fragen hat. Über Shipcloud kann man nun mühelos auf die Dienste aller relevanten Versender zugreifen, ohne großen bürokratischen Aufwand betreiben zu müssen. Die Geschäftsidee fand Anklang bei der Jury, allerdings verlief die Präsentation, die auch ein Bewertungskriterium war, nicht optimal.

Channel Pilot Solutions ist eine Software, die Onlineshops vernetzt und bereits international erfolgreich ist; auch die Gründerfreunde haben darüber schon berichtet. Die Bekanntheit hat sicherlich dazu beigetragen, dass Channel Pilot vom Publikum favorisiert wurde. Die Jury dagegen zollte zwar der Erfolgsgeschichte respekt, war aber der Meinung, dass die Geschäfstidee nicht originell genug sei; im Prinzip kann sie jedes Unternehmen selbst inhouse umsetzen, wenn den die entsprechenden Kenntnisse und Kapazitäten vorhanden sind.

Daher stellte die Jury Minubo das Ticket für Austin aus. Minubo (Esperanto für meine Wolke)  hilft den Betreibern von Onlineshops, alle wichtigen verfügbaren Daten zu bündeln und auszuwerten und damit die Effizienz des Unternehmens und den Geschäftserfolg in allen Bereichen zu verbessern. Auf den heißumkämpften Märkten im Internet können die richtigen Informationen überlebenswichtig sein, und das natürlich überall auf der Welt. Somit hat Minubo gute Chancen, auch auf der SXSW zu überzeugen.

Insgesamt lobte die Jury die Ideen und das Engagement aller sechs Kandidaten, allerdings fügte sie hinzu, dass an an den Präsentationen noch kräftig gefeilt werden müsse. Das Niveau und die Ansprüche seien diesbezüglich in den USA sehr hoch, so dass die Gefahr bestünde, sich unabhängig von einem erfolgsversprechenden Geschäftsprinzip eine blutige Nase zu holen, wenn nicht auch die „Show“ stimmen würde. Wir Gründerfreunde drücken jedenfalls sowohl Triprebel als auch Minubo für die SXSW die Daumen!

GruppenfotoSo sehen Sieger aus: Torben Sominka von minubo und Carlos Borges von Triprebel, umrahmt von der Jury

    • Carlos Borges Guimaraes Filho

      Hi Mathias, danke für den Artikel.Es hat Spaß gemacht!