ARYA – eine App hilft gegen Depressionen

Können Smartphones Depressionen verhindern oder heilen? Allein sicher nicht, genauso wenig wie Bilder von Blumenwiesen. Die richtige App kann aber dabei helfen, diese viel zu oft schamhaft verschwiegende Volkskrankheit erfolgreich zu behandeln. Das Startup Arya hat eine entsprechende App entwickelt und sucht nun per Crowdfunding Geldgeber und Mitstreiter.

„Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt ein Mal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit ca. 4 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.“ So steht es auf der Webseite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Diese Zahlen sind nicht unumstritten, denn oft werden Depressionen gar nicht als solche erkannt oder definiert. Fakt ist, dass diese Volkskrankheit im Prinzip jeden treffen kann und nur eine Minderheit der Betroffenen eine optimale Behandlung erhält.

Diese Erfahrung musste auch Kristina Wilms machen, die selbst mit einer Depression lebt und das Projekt Arya ins Leben rief. Während ihrer Therapie hat sie sich ein unterstützendes Tool wie Arya gewünscht und hofft nun, dass andere von ihren Erfahrungen profitieren können. Die App ermöglicht es den Patienten jederzeit und überall,  ihre Verhaltensmuster festzuhalten und zu reflektieren; das ist ein zentrales Element während der Verhaltenstherapie zur Bekämpfung von Depressionen. Bisher müssen dafür mehrmals täglich öffentlich Fragebögen in Papierform ausgefüllt werden, was sowohl aus praktischen als aus Gründen der Diskretion keine ideale Lösung ist. Über eine sichere Verbindung werden die von den Anwendern erfassten Daten mit dem Therapeuten oder der Therapeutin geteilt. Diese Features befinden sich bereits in einer Testphase, weitere Anwendungen, die Patienten zu positiven Handlungen und sozialen Kontakten ermuntern sollen, sind in der Entwicklung.

ARYA-App

Leute schämen sich für Depressionen

“Leider sind Depressionen immernoch ein Grund sich zu schämen, was das Leid unnötig vergrößert”. Kristina Wilms weist damit auf ein Anliegen hin, dass bei dem hinter Arya stehenden Sozialunternehmen besondere Dringlichkeit hat. Das Team will gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen vorgehen und einen offenen Dialog über darüber anstoßen. Gefunden haben sich die vier Mitglieder, zu denen auch Purcy Marte (CPO), Menno Wildeboer (CTO) und Mark Eibes (Android-Entwicklung) gehören, nachdem Wilms im Oktober 2013 einen Startplatz beim StartupBus Europe hatte ergattern können und mit ihrem Pitch gewonnen hatte.

Seither finanzierte sich das Team durch Nebenjobs und die Unterstützung von Freunden und Bekannten. “Für uns war es wichtig so lange wie möglich unabhängig zu bleiben”, erklärt Purcy Marte. Um die Software für App und Benutzeroberfläche fertigstellen zu können, startete am 13. Dezember 2014 eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo, die am 26. Januar mit einer Party endet. Im Februar soll die App für iOS und Android offiziell gelauncht werden, dann steht im März geht das Social Impact Lab in Berlin auf dem Programm. Das Hauptziel besteht darin, bis zum Sommer schon einige Kunden gewonnen zu haben; erste Krankenkassen und Kliniken haben bereits Interesse angemeldet.

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Das Arya-Team: Mark Eibes, Purcy Marte, Kristina Wilms, Menno Wildeboer

    • Dr. Martin Winkler

      Ich arbeite selber in einer Psychosomatischen Klinik mit vielen depressiven Menschen. Da ich selber mal mit dem Projekt http://web4health.info/de im Bereich eHealth bzw. eContent tätig war, habe ich den Vorgänger der jetzigen App bzw. ARYA mit grossem Interesse verfolgt. Ich hoffe, dass es mehr Unterstützung von den Kassen bzw. auch Fördermittel gibt als damals. Die Ärzte oder Psychologen werden vermutlich nur schwer zum KAUF motiviert werden können. Ich werde auf jeden Fall weiter Werbung machen !

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