„Österreich ist ein Entwicklungsland, was Risikokapital angeht“, zitierte unlängst die Wiener Zeitung Bernhard Sagmeister, den Geschäftsführer der staatlichen Förderbank Austria Wirtschaftsservice. Doch es gibt eine Menge Startups in der Alpenrepublik, die trotzdem ihren Weg gemacht haben. Die Gründerfreunde stellen fünf von ihnen vor.

Die Grundidee für die App von Runtastic wurde während eines Projektes der FH Hagenberg geboren, bei dem es um das Tracken von Segelregatten ging. Weil die Zielgruppe zu klein war, beschlossen die Gründer Florian Gschwandtner, Christian Kaar, René Giretzlehner und Alfred Luger schnell, sich auf populärere Sportarten wie Laufen, Walken und Biken zu konzentrieren. Das Licht der Welt erblickte Runtastic schließlich im Oktober 2009 in Pasching bei Linz.

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Seitdem wächst das Unternehmen rapide und mit ihm das Angebot an Fitnessprodukten, die inzwischen weit über die App hinausgehen, mit der Leistungsdaten erfasst und ausgewertet werden. Das hat auch die Axel Springer AG nicht übersehen und im Oktober 2013 50,1 % der Runtastic GmbH übernommen. Über 110 Millionen Downloads, 50 Millionen registrierte User, die Webseite in 12 und die wichtigste App in 16 Sprachen machen Runtastic zu einem weltweiten Marktführer made in Austria.

Tractive GPS (5)

Genau wie Runtastic präsentierte sich tractive Anfang des Jahres in Las Vegas auf der CES, der großen Elektronik-Leistungsschau, und auch die Geschäftsidee ist gar nicht so verschieden; allerdings werden mit tractive keine Sportler geortet, sondern Hunde. Das 2012 ebenfalls in Pasching gegründete Unternehmen launchte 2013 seinen ersten GPS-Tracker für die vierbeinigen Freunde des Menschen. Das am Halsband befestigte Gerät (Bild oben) sorgt dafür, dass das Tier jederzeit per Smartphone zu lokalisieren ist. Inzwischen gibt es auch einen Anhänger, der Aktivitäts- und Ruhephasen misst und somit noch stärker an das Fitnessprinzip von Runtastic erinnert.

Gründer Michael Hurnaus, der selber keinen Hund besitzt, berichtet von erheblichen Umsatzsteigerungen nach der Messe und kündigt für den Sommer eine verkleinerte Version des Tierortungssystems an. Tractive GPS 2 soll der „kleinste und leichteste Haustier-GPS-Tracker der Welt“ werden, kleiner als eine Streichholzschachtel.

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Am 8. Oktober 2013 war es soweit: „Welcome to hitbox!“, hieß es im Blog der gleichnamigen Live-Streaming-Plattform für Videospiele. Scheinbar übermächtiger Konkurrent auf diesem Markt ist Twitch, das im Sommer 2014 für knapp eine Milliarde US-Dollar an Amazon ging. Hitbox aus Wien versucht dagegenzuhalten, indem es seine Community stark in seine Entwicklungen einbindet. Mit neuem Design, permanenten technologischen Verbesserungen und Kooperationen mit Partnern wie Freedom!, einem Multi-Channel-Network auf YouTube, oder G2A, einem Shop für Videospieler, zeigen die Österreicher, dass sie den Kampf gegen die amerikanischen Dominatoren noch längst nicht aufgegeben haben.

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Die Community ist auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Tupalo. Im Frühjahr 2007 in Wien durch den Österreicher Clemens Beer und den US-Amerikaner Mike Borras ohne Fremdkapital gegründet, dient Tupalo als Social-Networking-Plattform zur Online-Bewertung lokaler Geschäfte und Dienstleistungen, genannt Spots, durch Konsumenten. Tubalo kooperiert dabei eng mit diversen nationalen Gelbe-Seiten-Anbietern und funktioniert über eine Webseite und per App inzwischen in Österreich, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Schweden, Finnland, der Schweiz, Frankreich und sogar in den USA. Nur der deutsche Markt bleibt bisher außen vor.

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Ganz anders bei kununu; auch hier handelt es sich um eine Bewertungsplattform, in diesem Fall um eine, auf der Arbeitnehmer ihre Meinung über aktuelle oder ehemalige Arbeitgeber veröffentlichen können und die weit mehr Nutzer in Deutschland als in Österreich hat. „Kununu“ stammt aus der afrikanischen Sprache Suaheli und bedeutet „unbeschriebenes Blatt“. Die Plattform versammelt nach Untenehmensangaben aktuell 767.000 Erfahrungsberichte zu 189.000 Unternehmen. Firmen wie Allianz, Siemens Deutschland oder Microsoft Schweiz nutzen das kostenpflichtige Angebot, sich mit Arbeitgeberportraits zu präsentieren. Seit dem 1. Januar 2013 ein Tochterunternehmen der XING AG, wurde kunumu 2007 von Martin und Mark Poreda in Wien gegründet; Dr. Florian Mann ist seit März 2014 neues Mitglied der Geschäftsführung.