Zu wenige Führungspositionen, schlechtere Bezahlung für gleiche Arbeit, Unvereinbarkeit von Kinderwunsch und Karriere – Frauen sind in der Arbeitswelt von echter Gleichberechtigung oft ein gutes Stück entfernt. Auch in der Startup-Szene sind sie noch unterrepräsentiert. Events wie das Startup Weekend Women wollen das ändern.

Im Juli 2007 fand in Boulder, Colorado, das weltweit erste Startup Weekend statt. Schnell setzte sich das Konzept durch, Talente aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen und innerhalb von 54 Stunden eine tragfähige Geschäftsidee und idealerweise auch deren Umsetzung entwickeln zu lassen. Und fast ebenso schnell wurde deutlich, woran es bei diesen Veranstaltungen, die inzwischen in über 100 Ländern stattgefunden haben, durchgehend mangelt: an weiblichen Teilnehmern. Tatsächlich lag und liegt der Männeranteil im Schnitt bei 80 %, ein Wert, der sich ähnlich in anderen Bereichen (Anteil Männer/Frauen bei Gründerpersönlichkeiten zum Beispiel) wiederfindet.

field-guide-foodspottingFoodspotting-Gründerin Alexa Andrzejewski mit dem Buch zum Startup

Deshalb gab es bereits 2009 in San Francisco das erste Startup Weekend, das sich explizit an weibliche Kandidaten richtete. Es war ein voller Erfolg: 19 Teams gingen mit Frauenpower an den Start, und mit Foodspotting entstand daraus sogar ein Unternehmen, das heute noch weltweit aktiv ist. Teamchefin Alexa Andrzejewski konnte ihr an einem Wochenende geborenes Startup, eine Community-Plattform für lecker Essen, später für satte 10 Millionen Dollar verkaufen. Auch wenn solch ein Coup die Ausnahme blieb, etablierte sich das Format schnell und trat wie das Original seinen Siegeszug um die Welt an.

Zum Erfolg beigetragen hat sicherlich die Tatsache, dass es sich beim Startup Weekend Women nicht um ein radikalfeministisches Event handelt; Männer waren von Anfang an zugelassen, sie sollten nur nicht die dominierende Rolle einnehmen, die ihnen oft allein durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit zufällt. Dabei lässt sich ziemlich schlüssig belegen, dass gemischte, gleichberechtigt agierende Teams effektiver und kreativer arbeiten also solche, in denen nur Männer das Sagen haben. An dem weit verbreiteten Missverhältnis haben aber nicht nur die bösen Jungs Schuld, sondern manchmal leider auch die allzu braven Mädchen, die sich nicht trauen, mit dem nötigen Selbstbewusstsein ihre Ideen zu präsentieren und durchzusetzen. Das Startup Weekend Women bietet ihnen da ein passendes Umfeld, um ihre Talente ins reche Licht zu rücken.

SWW_AlgerEs hat erstaunlich lange gedauert, bis auch Deutschland Schauplatz eines solchen Events wurde. Selbst Länder, denen man nicht unbedingt eine Führungsrolle in Sachen Gleichberechtigung zutraut, waren da schneller, etwa Indien, Nepal oder Algerien (Bild oben). Deutschlandpremiere war erst im September 2014 in Stuttgart; eine nachhaltige Erfolgsgeschichte ist davon allerdings nicht zu vermelden. An diesem Wochenende nun geht in Hamburg die erste Startup-Sause mit weiblichen Schwerpunkt über die Bühne, und die Hansestadt könnte ein guter Ausgangspunkt sein, denn auch aus der letzten regulären Ausgabe im Sommer 2014 ist schon ein Startup erwachsen, bei dem eine Frau eine tragende Rolle spielt: Shelfsailor, eine Art Airbnb für Lagerräume, mit der Co-Geschäftsführerin Miriam Bundel.

Gut möglich also, dass zum Finale am 12. April wieder die eine oder andere Idee präsentiert wird, die sich tatsächlich in ein reales Unternehmen überführen lässt. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben: Erfahrene Coaches, Mentoren und Juroren, Sponsoren und vielleicht sogar Investoren, die nur auf die richtige Innovation warten. Und da es sich um ein Startup Weekend Women handelt, ist auch für Kinderbetreuung gesorgt. Noch sind einige Startplätze in den Bereichen Softwareentwicklung und Design verfügbar (Infos hier, Tickets hier) – und wie gesagt, auch Männer sind willkommen!