Fintech-Querschnitt: Es gibt einiges zu berichten von der Fintech-Front. Zum einen rückt die Branche, durch das erste strategische Fintech-Partnerprogramm, enger zusammen, zum anderen setzt man auf noch mehr Digitalisierung und wird von außen angegriffen: Check 24 holt zum Frontalschlag aus und hat verschiedene Tools gelauncht, die führenden Finanz-Start-ups wie dem Festgeld-Vermittler Weltsparen oder dem Online-Versicherungsmakler Clark, ihren Marktanteil streitig machen sollen. Geschichten von Verbrüderung und Kampf also; spannend!

Spannend ist auch das beste Fintech des Jahres 2016: Bilendo, die Mahnsoftware für eine verbesserte Zahlungsmoral der Kunden. Das Fintech belegte den ersten Platz bei der Publikumsabstimmung von PaymentandBanking. Es ist viel los in der Branche.

In unserer Serie Querschnitt Fintech wollen wir euch wöchentlich einen fundierten Überblick über die wichtigsten Ereignisse in der Fintech-Welt verschaffen. Den Auftakt bildet die gemeinsame Sache von Bitkom und dem deutschen Bankenverbund:

Die Finanzbranche digitalisiert sich

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Die Finanzbranche setzt auf Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert derzeit das Finanzwesen grundlegend. Einstige Gegner werden zu Partnern auf Augenhöhe, so Bitkom-Chef Rohleder: „Banken waren weniger Partner, sondern saßen auf der anderen Seite des Tisches.“

Bei der gestrigen Diskussionsrunde mit dem Titel „Digitale Geschäftsmodelle: Chancen für alle Beteiligten?“, die von Bitkom und dem Bankenverband gemeinsam ausgerichtet wurde, diskutierten u.a. Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Dr. Markus Pertlwieser, Chief Digital Officer bei der Deutsche Bank AG und Prof. Dr. Hendrik Send, Projektleiter Forschung am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, über die Zukunft des Finanzwesens – in Bezug auf die Digitalisierung. Vier Hauptforderungen lagen der Diskussionsrunde zugrunde:

  • Eine zukunfts- und wettbewerbsfähige europäische Basis für die deutsche Finanzbranche zu schaffen
  • Ein innovationsfreundliches Klima für digitale Lösungen zu erzielen
  • Rechtssicherheit für Banken und FinTechs 
  • Europaweit einheitliche Maßstäbe für den Daten- und Verbraucherschutz im Zahlungsverkehr zu entwickeln

Nach Ansicht des Bankenverbands und Bitkom dürfe man Innovationen nicht im Weg stehen, es sollten stattdessen die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, auf denen neue Geschäftsmodelle florieren könnten. Man habe eine optimale Ausgangslage deutscher Banken und Fintech-Unternehmen, um auf dem internationalen Parkett wettbewerbsfähig zu bleiben, diese Kapazitäten müssten ausgebaut und dürften nicht wegrationalisiert werden.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder betont: „Neue Technologien haben in der Finanzbranche schon immer vor allem auch zu mehr Komfort und mehr Sicherheit für die Kunden geführt – das gilt für die Einführung von Banknoten über Geldautomaten und Kreditkarten bis zum Mobile Banking per Smartphone. Innovative Ideen, ob sie von etablierten Banken oder von Start-ups kommen, brauchen Freiraum und dürfen nicht schon im Ansatz wegreguliert werden.“

Fintech-Partnerprogramm

Die Münchner Banking-App Outbank möchte die FinTech-Landschaft einen. Das erste strategische Fintech-Partnerprogramm wurde bereits auf den Weg gebracht. Individuelles Finanzmanagement soll so noch komfortabler für die Kunden werden. Bereits dabei sind WeltSparen und in Kürze auch Dienstleister und Produkte wie Finanzcheck und Bonify. Alle Finanzen in einer App zu vereinen, ist das erklärte Ziel der Initiative. Alles soll unkomplizierter, schneller und übersichtlicher werden.

Das Outbank-Partnerprogramm ist eine Affiliate-Kooperation. Die Nutzer von Outbank können sich in verschiedenen Medien über die Produkte der Partner informieren. Wird ein Produkt ausgewählt, werden alle weiteren Registrierungsmaßnahmen ausschließlich zwischen dem Finanzinstitut und dem Nutzer abgewickelt, ohne dass Outbank in den Prozess involviert wäre. Fügt der Nutzer sein neues Produkt in der Outbank-App hinzu, kommt Outbank wieder auf den Plan. Hier greift dann wieder das für Outbank übliche Zero-Knowledge-Prinzip.

Check 24 greift Fintech-Branche an

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Check 24 legt sich mit Fintechs an

Das größte deutsche Vergleichsportal Check 24 nimmt es mit der deutschen Fintech-Branche auf. Die Produktoffensive zielt vor allem auf den Versicherungsbereich ab, Insurtech Unternehmen wie Clark und Festgeld-Vermittler Weltsparen, dürfte diese Offensive weniger schmecken. Check 24 Geschäftsführer Röttele äußerte sich kampfeslustig:

“Wir gehen jetzt genau in die Segmente hinein, die momentan noch von Fintechs besetzt sind. Gegenüber den Fintechs verfügen wir vor allem über den Vorteil, dass wir bereits auf einen festen Stamm von rund 15 Millionen zufriedenen Kunden zurückgreifen können.“

Bei den gelaunchten Tools geht es um die Verwaltung sämtlicher Versicherungen an einem Ort. Check 24, das durch die Vermittlung von Verträgen im Geschäftsjahr 2015/16 Provisionen von knapp 500 Millionen Euro einfuhr, bietet künftig einen Ordner an, in dem nicht nur die über Check 24 abgeschlossenen Policen verwaltet werden können, sondern auch Policen externer Anbieter. Das ist nicht neu, bietet Clark dieses kostenlose Modell bereits seit längerem an, allerdings nur mit Maklermandat. Die Fintechs finanzieren sich schließlich über Provisionen, was Check 24 nicht nötig hat. Es bleibt abzuwarten, auf welche Art die Fintech-Branche zurückschlägt.

Bilendo – Fintech des Jahres 2016

Es gibt nichts Schlimmeres für Unternehmen als Kunden, die nicht bezahlen wollen bzw. zu spät bezahlen. So manchen Unternehmer trieb genau dieses Kundenverhalten in den Konkurs. Die Macher von Bilendo setzen dem eine Mahnsoftware entgegen, die sich bereits bewährt hat, wie die folgende Grafik vor Augen führt:

Mit jeder Woche Nutzung der Mahnwesen-Software reduziert sich die durchschnittliche Zeit zur Zahlung.

Das größte Problem an konsequentem Mahnmanagement ist, dass es extrem zeitaufwendig ist und von anderen Aufgaben des Kerngeschäfts abhält. Häufig wurden die Kunden daher entweder nicht konsequent genug oder gar nicht abgemahnt. Hier kommt Bilendo ins Spiel – die effiziente Mahnsoftware.

Effizient, kostengünstig und nutzerfreundlich: Bilendo erhielt dafür die Auszeichnung „Fintech des Jahres“. Über 5.000 Teilnehmer haben Ihre Stimme bei der Publikums-Abstimmung von Paymentandbaking.com zum FinTech des Jahres 2016 abgegeben. Neben Bilendo standen 75 weitere interessante Fintechs zur Auswahl.

Gründer Florian Kappert: „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung zum Fintech des Jahres 2016 im Bereich des Publikumvotings. Wir waren schon während der Abstimmung sehr optimistisch, weil das Feedback von unseren Kunden und über die Sozialen Netzwerke so positiv war. Umso schöner, dass es am Ende tatsächlich zum ersten Platz gereicht hat.“

Wir gratulieren und sind gespannt, was sich nächste Woche im Fintech-Universum tut. Klar ist jedenfalls, dass der Kampf Check 24-Goliath gegen Fintech-David, gerade erst begonnen hat.