Wir haben uns nett mit Hello Ticket Gründer Alberto Martínez, 34, unterhalten und erfahren, welche Veranstaltungen Deutsche im Vergleich zu Spaniern besuchen und warum Scheitern ein guter Lehrer ist.

Bitte erzähl uns etwas zu deiner Person und deinem Werdegang.

Alberto Martinez: Ich bin CEO von Hello Tickets und habe Jura in Madrid studiert und meinen MBA in Madrid und der University of California absolviert. Die letzten Jahre habe ich als Direktor für die Firma „The Perfect Market“ gearbeitet, einer Digitalagentur mit Sitz in Miami. 2016 habe ich dann Hello Tickets gegründet.

Was ist das Konzept hinter Hello Tickets?

A.M.: Hellotickets ist ein spanisches Startup, das Tickets für unzählige Events in den USA und London verkauft, den Bedürfnissen der internationalen Touristen angepasst. Unser Ziel ist es die größte globale Plattform im Direktvertrieb zu werden – wir machen keinen Wiederverkauf.

Woher stammt die Idee zu Hello Tickets?

A.M.: Ich war mit ein paar Freunden in New York und wir hatten im Vorfeld große Probleme Tickets für ein NBA-Spiel, das wir uns anschauen wollten, zu finden. Dennoch wollten wir es unbedingt vorher buchen, sodass sich vor Ort kein Raum für Überraschungen auftun würde. Wir mussten allerdings aufgeben, da wir lediglich Wiederverkaufs-Tickets finden konnten, zu völlig überhöhten Preisen. Anderen dubiosen amerikanischen Websites vertrauten wir schlichtweg nicht. Also gingen wir die Sache pragmatisch an und gründeten, statt uns zu beschweren! Einige Teammitglieder arbeiteten vormals in der Ticket-Branche und hatten noch alte Kontakte, die sie uns vermittelten. Zusätzlich profitierten wir von ihrer Expertise in diesem Bereich und wußten direkt, welche Fehler es zu vermeiden gilt – etwas Glück war also auch dabei.

Ich kann mir kaum vorstellen nur einen Tag ohne Smartphone klarzukommen.

Für wen ist Hello Tickets interessant?

A.M.: Menschen, die in die USA oder Großbritannien reisen und eine Veranstaltung erleben möchten, die den Ton für die gesamte Reise setzen könnte!

Warum sollten die Leute Tickets im Vorfeld kaufen?

A.M.: Die Menschen sollten ihre Tickets aus zwei Gründen im Vorfeld kaufen: Zeit und Sicherheit! Wenn man im Urlaub ist, hat man ein begrenztes Zeitfenster, außerdem möchte man vielleicht eine spezielle Veranstaltung sehen, aber nicht stundenlang für Tickets anstehen oder noch schlimmer vor Ort herausfinden, dass die gewünschte Veranstaltung ausverkauft ist. Bei uns kauft man die Tickets in wenigen Schritten und kann sich auf die bevorstehende Veranstaltung freuen, ganz ohne Sorgen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Kaufgewohnheiten der verschiedenen Länder? Was die Shows angeht zum Beispiel?

A.M.: Absolut, sogar sehr große Unterschiede.

In Spanien und Italien liebt man Sportveranstaltungen. NBA Spiele oder Baseball-Spiele (unser Bestseller sind Tickets für die New York Yankees!) sind generell hoch im Kurs.

Franzosen lieben Broadway-Musicals und ihr Deutschen kauft bevorzugt Konzerttickets und Tickets für Shows à la David Copperfield. Spanien, Frankreich und Italien sind da traditioneller unterwegs und schauen sich eher Klassiker an, wie den König der Löwen oder Cats.

In Deutschland ist  man auch an unbekannteren Stücken interessiert wie Avenue Q oder Hello, Dolly.

In welchem Land wird Hello Tickets am meisten angenommen?

A.M.: Momentan verkaufen wir besonders in unserem Gründungsland Spanien gut, aber auch in Frankreich und Deutschland ist die Nachfrage groß. Gerade haben wir auch begonnen in Südamerika zu verkaufen, auch von diesem Markt erwarten wir gute Resultate.

Wie weit war der Weg von der Idee zur Umsetzung?

A.M.: Es dauerte 18 Monaten von der Idee zum Verkauf der ersten Tickets.

Welche Eigenschaft muss ein Gründer definitiv besitzen?

A.M.: Die Entschlossenheit die Idee auch wirklich umzusetzen und ein gutes Team.

Ich glaube aus tiefstem Herzen an zweite Chancen

Welchen Rat haben Sie für Gründer?

A.M.: Man sollte sich realistische Ziele setzen, aber auch ehrgeizig sein, um das Maximale aus seinen Projekten rauszuholen. Und natürlich hart arbeiten.

Was halten sie von dem Begriff Kultur der 2.Chance?

A.M.: Ich glaube aus vollem Herzen an zweite Chancen. Das Leben ist zu lang, um nicht wenigstens einmal gescheitert zu sein. Scheitern ist ein guter Lehrer und kann als Lehreffekt wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Ist es als Gründer wichtig Fehler zu machen?

A.M.: Hat man noch nie eine schlechte Erfahrung durch einen Fehler gemacht, kennt man nur einen begrenzten Teil der Realität, aber um erfolgreich zu sein, muss man ein breites Verständnis für gute und schlechte Dinge haben und wissen, wie man vorgeht.

Welches Tool benutzen Sie am häufigsten?

A.M.: Mein Smartphone ist ein Teil von mir. Ich kann mir kaum vorstellen nur einen Tag ohne klarzukommen.

Was fasziniert Sie am digitalen Zeitalter?

A.M.: Ich beantworte deine Fragen in meinem Office in Madrid, du bist in Deutschland. Währenddessen verkauft Hello Tickets Konzertkarten für Miami an Menschen aus Argentinien. Ist das  etwa nicht faszinierend?