Die Höhle der Löwen als Suppenküche

In der Höhle der Löwen ging es gestern eher zahm zu, nur selten zeigten die Juroren ihre Krallen. Geld gab es für leckere Suppen und flotte Flitzer, während zwei Einhörner etwas überraschend leer ausgingen. Aber vielleicht passen Fabeltiere und Löwen einfach nicht zusammen.

Die Höhle der Löwen
Eduard Sabelfeld und Michael Feicht von Buddy Watcher (Foto © VOX/Bernd-Michael Maurer)

Als leidenschaftliche Taucher wissen Eduard Sabelfeld und Michael Feicht, dass man niemals ohne Partner auf Tauchstation gehen sollte. Aber was tun, wenn man sich doch einmal aus den Augen verliert, auseinander driftet und in Not gerät? Dann hilft der Buddy Watcher, ein Armband, das Ultraschallsignale aussendet. Für diese Erfindung möchten die Jungunternehmer 250.000 Euro, um noch einen Peilsender einzubauen; der fehlt nämlich. Das bemängeln auch die Löwen, die das Gerät grundsätzlich zwar nützlich finden, am Businessplan aber einiges auszusetzen haben. So ist die zurzeit mögliche Höchststückzahl von nur 10.000 Stück pro Jahr viel zu gering, um vernünftig Umsatz oder gar Gewinn machen zu können. Judith Williams bezeichnet das Geschäftsmodell als „Wischi-Waschi-Whirlpool“. So gehen die Tauch-Buddys leider baden.

Die Höhle der Löwen
Die Suppen von Little Lunch (Foto © VOX/Sony)

Obenauf sehen sich die Brüder Daniel und Denis Gibisch. Immerhin bezeichnen sie ihre Erfindung als Tütensuppe 2.0, die konsequenterweise im Glas daher kommt. Little Lunch gibt es in sechs Sorten, wird mithilfe einer neuartigen Vakuumtechnik so schonend produziert, dass auch nach zwei Jahren der gleiche Vitamingehalt wie am ersten Tag drin sein soll, und richtet sich in erster Linie an gestresste Büromenschen, die eine schnelle und gesunde Mahlzeit wollen. Lecker sind die von einem Sternekoch kreierten Suppen auf jeden Fall, das bestätigen alle fünf Löwen. Für die Entwicklung zwei neuer Sorten möchten die Gründer, die „einzigen vier Mitarbeiter“ von Little Lunch,  60.000 Euro und bieten 8 % ihres Unternehmens. Vural Öger, Judith Williams und Frank Thelen gefallen das Produkt und das Konzept, in Zukunft auch Gastronomen oder beispielsweise Fluglinien beliefern zu wollen, und wollen sogar 100.000 Euro für allerdings 30 % investieren. Das passt, was für die Suppenbrüder aber keine große Überraschung sein sollte, denn am Boden ihrer Tassen stand schon das Zauberwort: „Deal“.

Einen Deal konnte in der letzten Staffel auch Crispy Wallet abschließen. Nach dem Weihnachtsgeschäft brach die Nachfrage nach Handyhüllen und ähnlichen Produkten aus Recyclingmaterialien allerdings ein, und das Unternehmen stand auf der Kippe. Zum Glück hat Investor Frank Thelen einen guten Draht zur Telekom, und seitdem deren Shops Crispy Wallet führen, geht es wieder bergauf.

Alles ziemlich harmonisch bisher, und ein bisschen langweilig. Aber jetzt: Zoff! „Das sind solche Arschlöcher!“, entfährt es einer der Gründerinnen von The Ecletic Journey beim Verlassen der Höhle der Löwen. Dabei waren die ehemaligen Unternehmensberaterinnen Christina van Elteren und Janina Schuster aus München vor ihrem Auftritt noch so sicher, vor allem mit ihrem Zahlen überzeugen zu können. Ihr Geschäftsmodell: Edle Stücke aus Second-Hand-Läden mitnehmen, fotografieren, wieder in den Laden bringen und online zum Verkauf anbieten. Klingt ziemlich umständlich, und in Sachen Proof of Concept und Skalierbarkeit, um es mal für den gemeinen Zuschauer verständlich auszudrücken, ist auch nicht viel los. Da schauen die Gründerinnen wenig glücklich aus ihren Luxusklamotten, die früher richtig sauteuer waren und jetzt immer noch ziemlich sauteuer sind – und auch nicht wirklich schön (aber das ist ja Geschmackssache). Als Judith Williams ihnen in ihrem eigenen Interesse auch noch einen Misserfolg wünscht, ist die Stimmung endgültig im Keller (siehe Eingangszitat). Trotzdem: Seit der Sendung ist der Server überlastet; auch ein missratener Auftritt bei den Löwen ist immer noch gute Werbung. Clever geht trotzdem anders.

Die Höhle der LöwenChristoph Becker und Magnus Schmidt von scoo.me (Foto © VOX/Bernd-Michael Maurer)

Verleiher von Vespas oder Elektrorollern gibt es mittlerweile in mehreren deutschen Städten. Die Münchener Variante nennt sich scoo.me und ist eine Gründung von Christoph Becker und Magnus Schmidt. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung der Sendung hatten sie 13 der Vehikel am Start, 30 sollten es dieses Jahr noch werden. Zahlen, die den Löwen viel zu niedrig erscheinen. Jochen Schweizer rechnet vor, dass selbst von den 4.500 Leihfahrrädern in München oft keines zur Verfügung stünde, wenn er eines benötigte. Sie steigen die Löwen einer nach dem anderen aus, bis nur noch Lencke Steiner übrig ist, die sich als großer Fan von Motorrollern bezeichnet. Sie wird doch nicht wirklich? Lencke Steiner?? Ganz allein??? Mit diesem Cliffhanger geht es in die Pause. Und danach: Deal! Mit 100.00 Euro für 30 % ist sie tatsächlich dabei und will dabei auch ihre guten Beziehungen zur Deutschen Bahn einbringen. Das war nicht unbedingt zu erwarten.

Die Höhle der Löwen3aArt: Patrick Keller, Judith Grote (Foto © VOX/Bernd-Michael Maurer)

Tragische Schicksale der Kandidaten kennt man hauptsächlich aus Castingshows, wo die Sangestalente oft eine aber auch wirklich schwere Kindheit hatten. Die Höhle der Löwen verzichtet dankenswerterweise weitestgehend auf solche Geschichten, aber die von Judith Grothe musste erzählt werden. Die Fotografin und Bildhauerin, die auch schon mal eines ihrer Werke in den Louvre geschmuggelt hat, musste mit ihrem Startup 3aArt nämlich dramatische Rückschläge erleben: Betrug, Selbstmord ihres Lebens- und Geschäftspartners, Kampf um Rechte und Lizenzen – kaum etwas blieb ihr erspart. So konnte das 2001 gegründete und nach den Schicksalsschlägen 2011 wiederbelebte Unternehmen nie mehr an alte Erfolge anknüpfen. Die Löwen loben das Produkt – auf Baumwolle geduckte Bilder und flexible Rahmen auch für sehr große Größen -, haben aber Zweifel an einem nachhaltigen Erfolg. Den Respekt der Jury hat Judith Grothe dagegen uneingeschränkt.

Dafür, dass es nicht zu ernst bleibt, sorgen Waldemar Zeiler und Philip Siefer. Die Berliner Gründer kommen mehr oder weniger als Einhörner verkleidet auf die Bühne und sind sich auch sonst für kaum einen Quatsch zu schade. Dabei ist ihr Anliegen durchaus seriös. Sie verkaufen fair produzierte Kondome und wollen 50 % der Gewinne in soziale Projekte investieren. Alle loben den brillianten Pitch von einhorn, Lencke Steiner preist die grandiose Verpackung, und Frank Thelen sagt: „Ihr seit brilliant!“ Dann steigt er aus. Überhaupt hat die anfängliche Euphorie keine erfreulichen Konsequenzen für das Gründerduo. Dem einen fehlt das Erfolg versprechende Geschäftsmodell und stört dabei die soziale Komponente, die andere zweifelt an dem Alleinstellungsmerkmal. So haben zwar alle ihren Spaß, aber keiner die erhofften 300.000 Euro übrig. „Make magic happen“ ist das Motto von einhorn. Der gestrigen Folge der Höhle der Löwen fehlte am Ende die Magie.

Foto ganz oben © VOX/Sony

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