Seit Jahren sind die verheerenden Auswirkungen der Textilbranche auf die Menschen und die Umwelt in den Entwicklungsländern, in denen hergestellt und gefärbt wird, bekannt. Doch Michel May, Gründer von Aizome Bedding, glaubt etwas erkannt zu haben, das die meisten übersehen:

„Natürlich sind die Rückstände von diesen Chemikalien, die aus dem gleichen Material wie Plastik hergestellt wurden, auch für den Verbraucher in Europa problematisch. Deswegen empfehlen ja Ärzte für Kleinkinder oder Menschen mit Hautkrankheiten besonders gereinigte Textilen oder ganz ungefärbte Stoffe.″

May, der zehn Jahre lang in Tokio für ein medizintechnisches Software-Unternehmen gearbeitet hat, erklärt: „Dieses Reinigen geschieht ebenfalls mit starken Chemikalien und mit extrem viel Wasser, etwa 4.000 Liter pro Quadratmeter Stoff. Wir verhalten uns so, als müssten wir mit diesen aus Erdöl gewonnen Chemikalien färben. Wir haben vergessen, dass es pflanzliche Alternativen gibt.″

Zusammen mit einen traditionellen japanischen Färber – von denen es laut May selbst in Japan nur noch gut ein Dutzend gibt –, einem Dermatologen und einem Ingenieur entwickelte das Team von Aizome Bedding ein Verfahren, das es erlaubt, Pflanzenfärbung extrem farbfest zu machen, sogar fester als die meisten chemischen Färbungen. „Aizome” ist die japanische Kunst, mit der Pflanze Indigo Naturalis wunderschöne Blautöne zu färben.

Aizome

Tatsächlich ist das Färben mit chemischen Farben relativ neu. Erst nach dem Ersten Weltkrieg ersetzten chemische Farbstoffe die pflanzlichen in unseren Textilen. Dies führte auch zum Zusammenbruch vieler Kolonien. Damit, so May, sei auch viel über das Wissen, mit Pflanzen zu färben, verloren gegangen. Dass Textilen heute in der Herstellung so billig sind, liegt großteils daran, dass sowohl der Stoff als auch das Färbemittel auf Petroleum basieren.

Pflanzen sind erneuerbare Rohstoffe, die sich auch leicht anbauen lassen. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt: Pflanzen wurden von Färbern nicht nur wegen dekorativer Aspekte ausgewählt, sondern auch wegen ihren gesundheitsfördernden Eigenschaften. Pflanzen wie Indigo werden bis heute in Form von Cremes als Heilmittel benutzt. Da unsere Haut von den Substanzen auf Textilien penetriert werden kann, ist die Vermeidung von Giftstoffen nicht nur extrem wichtig, die richtigen Materialien können zudem einen positiven Einfluss auf unsere Haut haben.

Aber wie bringt man Pflanzenfarbe auf Textilien, ohne dass sie abfärben? Aizome Bedding verwendet eine alte japanische Färbetechnik und verstärkt sie zusätzlich mit Sonarwellen, die die Farbpigmente tief in die Textilien binden. Damit kann nicht nur der Einsatz chemischer Farben vermieden werden, sondern auch der nicht unerhebliche Einsatz von Bindemitteln und Chemikalien, die zur Vorbehandlung eingesetzt werden müssen. Dies alles passt gut in den Zeitgeist von #noplastics und #nowaste.

Gesunde Stoffe herzustellen ist eine logische Konsequenz von einem wachsenden Bewusstsein für besseren Konsum. „Die Wende in unserem Denken wird kommen“, prophezeit May. „Wir geben jedes Jahr mehr und mehr zum Heilen unserer Krankheiten aus und werden dabei ungesünder. Das macht keinen Sinn. Viele Leiden können wir durch bewussteren Konsum vermeiden. Aizome Bedding, wir der Name sagt, will einen Beitrag durch gesunde Bettwäsche leisten, die komplett ohne Zusätze von Chemikalien produziert wurde. Wir sehen, dass dies besonders von Menschen mit sensibler Haut geschätzt wird.“

Aizome

Wie überraschend Crowdfunding sein kann, hat sich auch bei der Indiegogo-Kampagne von Aizome Bedding gezeigt, die im Juni endete: Mit einem kurzen Video mit liebevoll inszenierte Bildern wurde innerhalb von nur zwei Tagen mit fast 70.000 US-Dollar 650 Prozent des Fundingziels (!) erreicht . Dadurch hat Aizome Bedding Bestellungen aus 52 Ländern und beginnt dieses Jahr mit einem E-Commerce Geschäft und beliefert B2B-Kunden in Europa und den USA, die wohl erkannt haben, dass ökologische Textilen stylisch sein können. „Es freut uns, das viele Menschen eine klare Linie zwischen der Gesundheit unserer Umwelt, ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Familie ziehen. Die neuen Generationen denken anders als ihre Eltern“, sagt May.

Wie sieht die Zukunft aus? „Mit unserer Sonartechnik ist es natürlich auch möglich, andere Pflanzenpigmente zu nutzen. Indigo unterstützt Wundheilung und ist antibakteriell, was die Nutzung in Gesundheitsbereichen sinnvoll macht. Im ersten Schritt werden wir daher weiter mit Indigo-gefärbten Textilien arbeiten.“

Die Nachfrage nach zusätzlichen Textilprodukten, die Hautkontakt haben, sei bereits groß.

Noch bis Ende Juli werden Vorbestellungen mit Nachlass aufgenommen auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo: www.igg.me/at/aizome-bedding