Wir haben uns ausführlich mit Jan Rabe unterhalten. Jan hat zusammen mit Max Both den Wechseldienst Wechselpilot gegründet, der deutschen Haushalten den Wechselprozess abnimmt und Strom- und Gaskosten langfristig reduziert.

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Jan Rabe

Gründerfreunde: Hallo Jan, was macht Wechselpilot?

Jan Rabe: Wechselpilot ist ein Wechselservice für Strom und Gas. Wir wechseln unsere Gewerbe- und Privatkunden jedes Jahr in den besten Energievertrag. Viele Verbraucher sind zu träge und haben keine Lust sich mit dem Thema zu beschäftigen. Dies wird dann von den Energieversorgern ausgenutzt. Somit zahlt man, wenn man den Anbieter nicht wechselt, einen erhöhten Tarif. Eine Energiewende wird als Begründung dem Kunden vom Energieversorger genannt, jedoch wird verschwiegen, wie gut die Renditen sind, die sie durch ihre Bestandskunden bekommen. Wechselpilot versteht sich somit als Dienstleister, der für unsere Kunden die Energiekosten senkt. Wir wickeln im Auftrag der Kunden den Anbieterwechsel ab. Durch einen Wechsel kann man hunderte Euro im Jahr einsparen. Somit lassen sich die Energiekosten ganz bequem und einfach um 20-30 Prozent reduzieren.

Gründerfreunde: Bitte erzähle uns etwas zur Entstehungsgeschichte von Wechselpilot.

Jan Rabe: Im Energiemarkt und Stromhandel waren Max und ich schon damals als Kollegen unterwegs. Freunde fragten uns auch häufig nach passenden Stromanbietern. Wir konnten als Tipp immer weitergeben, dass man sich einen günstigen Anbieter mit Hilfe eines Vergleiches auswählen soll. Außerdem war ein weiterer Ratschlag an unsere Freunde, dass es wichtig ist, jedes Jahr zu vergleichen und gegebenenfalls Anbieter zu wechseln. Die meisten Leute waren jedoch davon überfordert und wollten sich nicht selbst darum kümmern. Dies war der Anlass für Max und mich, ein Programm zu bauen, dass sich um den Vertragswechsel regelmäßig kümmert − der Anfang von Wechselpilot. 2016 hatten wir den ersten Prototypen und mit der Idee wurde weiter herumgespielt. Immer mehr Freunde und Bekannte wollten sich dann mit der Zeit eintragen. Zu dieser Zeit steckten wir noch unsere meiste Zeit in ein anderes, eigenes Projekt, in dem wir für größere Energieversorger Handelsalgorithmen programmierten.

Gründerfreunde: Gab in dieser Zeit für euch Stolpersteine?

Jan Rabe: Uns hat es damals sehr geholfen, dass wir zu zweit waren. Die Feinheiten gemeinsam zu besprechen und eine Meinung zum Austausch zu haben war uns sehr wichtig. Ein Stolperstein zu Beginn war es, dass es so viel zu erledigen gab. Zwei Leute konnten diesen Arbeitsaufwand kaum schaffen. Unsere Business-Angel haben uns in der Zeit einerseits finanziell aber andererseits auch mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Diese Mitarbeit war für uns sehr wichtig. Eine Herausforderung war es auch, Leute zu finden, mit denen man sich eine Zusammenarbeit, beispielsweise im Bereich Design, vorstellen kann. Wenn man schon Kontakte und Agenturen kennt, spart das eine Menge Nerven und Zeit.

Gründerfreunde: Wie finanziert ihr euch?

Jan Rabe: Zu Beginn haben wir viel gebootstrapped, damit wir einen Prototypen hinbekommen. Aus der bestehenden Firma wurden einige Dinge querfinanziert. Der Code, der dort entwickelt wurde, konnten wir teils in unserem neuen Projekt verwenden. Danach haben wir nach Investoren gesucht, die von dem Geschäftsmodell genauso überzeugt sind wie wir. Nun haben wir Business Angels und ein Family Office, die uns sehr unterstützen.

Gründerfreunde: Wie unterscheidet ihr euch von Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox?

Jan Rabe: Hauptunterschied ist, dass wir eine unabhängige Tarifempfehlung geben und auch den Vetragswechsel für unsere Kunden durchführen. Und das jährlich, damit unsere Kunden dauerhaft von den Wechselboni profitieren.

Gründerfreunde: Wie sieht euer Erlösmodell aus?

Jan Rabe: Wechselpilot bekommt 20 Prozent der tatsächlichen Einsparungen unserer Kunden. Eine unabhängige Beratung ist somit fest in unserem Geschäftsmodell verankert. Andere Wechseldienste und die großen Vergleichsportale machen ihren Umsatz durch Provisionen, die von Stromversorgern gezahlt werden. Unabhängige Tarifempfehlungen für Kunden sind so kaum möglich.

Gründerfreunde: Wie viele Anbieter für Strom gibt es derzeit in Deutschland?

Jan Rabe: Aktuell sind es 110 Anbieter in Deutschland. Manche produzieren selbst den Strom, andere Unternehmen vermarkten die Energie nur. Diese können sie an der Strombörse kaufen. EON, Vattenfall, RWE und EnBW sind die größten vier Anbieter. Sie erzeugen selbst den Strom und verteilen ihn. Außerdem handeln und liefern sie Strom.

Wichtig ist hierbei der Unterschied zwischen den alternativen Stromanbietern und den Grundversorgern. Die örtlichen Stadtwerke als Grundversorger stellen sicher, dass kein Haushalt ohne Strom sein muss. Wenn man den Strom noch nie gewechselt hat, ist man in der Grundversorgung. Bei einem Drittel der deutschen Haushalte ist das so.

Gründerfreunde: Was muss man bei einem Wechsel alles tun und wie läuft dieser ab?

Jan Rabe: Wichtig ist, dass der Wechselprozess rechtzeitig vor der Kündigungsfrist startet. Teilweise kann dieser bis zu einem Monat dauern. Über die MaBiS ist die Abwicklung geregelt. Bevor die Neuanmeldung beim neuen Versorger gemacht werden kann, erfolgt die Kündigung beim aktuellen Anbieter. Die Neuanmeldung wird dann vom Verteilnetzbetreiber bestätigt. Dazu hat dieser gesetzlich 14 Tage Zeit. Danach erfolgt die Belieferung. Diesen Prozess übernehmen wir für unsere Kunden.

Gründerfreunde: Plant ihr euer Geschäftsmodell auch auf andere Bereiche zu adaptieren?

Jan Rabe: Ja, denn Tarif- und Vertragsdurcheinander herschen schließlich auch Telefon, Internet und Versicherungen.

Gründerfreunde: Aus deiner Sicht als Gründer, wo müsste die Politik aktiv werden?

Jan Rabe: Meiner Meinung nach sollten kleine Unternehmen besondern beim Personalaufbau unterstützt werden. Gute Leute zu bekommen ist speziell in dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld für junge Unternehmen schwierig. Hierbei könnte man dieses erleichtern, indem Unternehmen mit unter 25 Mitarbeitern, teile der Einkommensteuer erlassen werden, so dass den Arbeitnehmern höhere Gehälter gezahlt werden könnten. Denn speziell die Fixkosten für Löhne sind am Anfang eines jeden Unternehmens, welches keine Riesen-Finanzierung bekommen hat, eine große Herausforderung für viele junge Unternehmen.

Gründerfreunde: Vielen Dank für das nette Gespräch Jan!

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