Kürzlich hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seinen Gründerreport 2018 herausgegeben. Demnach ist die Quote der Unternehmensgründungen in Deutschland derzeit niedriger als noch Anfang des neuen Jahrtausends. Dabei gibt es hierzulande eine interessante Startup-Szene, auf die auch internationale Investoren längst aufmerksam geworden sind.

Start-up Chancen

Wir stehen erst am Anfang der größten technologischen Revolution der Geschichte. Künstliche Intelligenz ist derzeit das Buzzword. Das Konzept ist nicht neu – fast so alt wie der elektronische Computer selbst – und schon seit Jahrzehnten in etliche Wirtschaftsprozesse integriert. Lange war aber das Potential von künstlicher Intelligenz erstens durch geringe Volumen von elektronischen Daten sowie durch Engpässe bei den Prozessorleistungen begrenzt. Was uns jetzt bevorsteht, ist eine Art kambrische Explosion, die nicht nur Dienstleistungsprozesse, sondern insbesondere die für Deutschland so bedeutende Herstellungsindustrie, insbesondere die Automobil- und Maschinenbauindustrie, komplett auf den Kopf stellen wird.

Besonders die Verbindung von künstlicher Intelligenz mit Robotik, zwei Wirtschaftszweige, die bis vor Kurzem relativ getrennt waren, sollten für Deutschland von besonderer Relevanz sein.

Was für traditionelle Unternehmen als Bedrohung gelten mag, kann für Erfinder und Gründer große Chancen bieten. Die deutsche Stärke im Maschinenbau und der Robotik und das damit verbundene Know-how sowie hochqualifizierte Arbeitskräfte machen Deutschland zu einem geeigneten Standort, um die Verschmelzung von KI und traditioneller Herstellungsindustrie voranzutreiben.

Die Tatsache, dass viele hochtechnologische Industrieunternehmen hierzulande zudem oft Privatunternehmen sind und somit oft bessere Voraussetzungen für Veränderungen bieten als börsennotierte Unternehmen, sollte gute Möglichkeiten für Kooperationen bieten.

Industrielle Themen gestalten sich für ein Startup aber anfangs sehr kapitalintensiv. Im vergleich zu reinen Softwareunternehmen sind die Entwicklungskosten hoch und Vertriebszyklen lang. Deshalb ist es für ein frisch gegründetes Unternehmen wichtig, schon frühzeitig genügend Einnahmen zu erzielen. Leider tun sich Investoren in Deutschland und Europa im Vergleich zu den USA oft noch schwer, schon frühzeitig auch große Schecks für Unternehmen ohne Einnahmen auszustellen. Ein bisschen mehr Mut zum Risiko wäre schön, damit Gründer sich nicht gezwungen sehen, aus finanziellen Gründen schon früh große Anteile ihrer Unternehmen abzugeben.

Ein Tipp: Der Blick außerhalb des Tellerrandes lohnt sich für Gründer fast immer. Natürlich sollten Gründer auch die Vorteile ihres jeweiligen Standorts nutzen – etwa die Nähe zu potentiellen Kunden oder zu Universitäten, die technologische Fortschritte und neue Talente hervorbringen. Letzteres gilt besonders für den Bereich künstliche Intelligenz und dessen Verknüpfung mit Industrieprozessen. Programme zur Kooperation zwischen Unis und Industrie sind durchaus wertvoll und Gründer sollten auf jeden Fall erwägen, dort Kontakte zu knüpfen. Auch hier bietet der Standort Deutschland viele Vorteile.

Start-up Chancen

Startups, die ambitionierte Ideen haben, sind daneben gut beraten, sich nicht zu sehr dem Mainstream anzupassen, sondern selbstbewusst ihre ganz eigenen Wege und Ziele zu verfolgen. Den Deutschen wird gerne eine Mentalität nachgesagt, in der Ordnung, analytisches Vorgehen und Vorsicht im Vordergrund stehen, und das leider manchmal auf Kosten der Visionskraft. Startups besonders in Randtechnologien dürfen – und müssen – aber gerne etwas wagen und disruptiv sein.

Bei EQT Ventures suchen wir nach den Gründern mit einer großen Vision: Menschen, die mit ihren Ideen und ihrer Technologie die Welt verändern wollen, aber auch Gründer, die ganz klar global denken. Und eine gute Idee alleine reicht noch nicht, auch das Timing muss stimmen. Die besten Startups stechen ganz klar hervor, weil sie die Motivation haben, die Dinge auch anders zu machen, weil sie voller Energie sind und weil wir sehen können, dass sie ein starkes Durchhaltevermögen mitbringen.  Denn: Ohne Durchhaltevermögen geht es nicht. Schwere Phasen gehören zum Unternehmensaufbau einfach dazu. Wie ein Startup sie meistert, das ist es, was am Ende zählt.

Autor: Axel Bard Bringéus, EQT Ventures