Im Showgeschäft ist es üblich, über Skandale im Gespräch zu bleiben, mal mehr, mal weniger freiwillig. Aber in der Startup-Szene? Eher nicht, sollte man denken, es sei denn, man heißt Uber. Die umstrittene Taxialternative dominierte 2014 die Schlagzeilen wie kein anderes Unternehmen.

Ursprünglich hatten wir einen Beitrag geplant unter der Überschrift „Uber – ein Jahr in Schlagzeilen“, doch schnell stellten wir fest, dass das zu einem mittelgroßen Roman geführt hätte und nicht zu einem kleinen Lesestück zwischen den Jahren. Also haben wir uns auf die letzten beiden Monate beschränkt, und selbst da können wir für Vollständigkeit nicht garantieren; es ist einfach zu viel passiert.

Anfang November standen noch alle Ampeln auf grün. Nach diversen Rechtsstreitigkeiten wollte der Fahrdienstvermittler richtig durchstarten und bis zu zwei Milliarden Investorengelder einsammeln. Schon im Juni hatte sich Uber 1,2 Milliarden besorgt, der Unternehmenswert sollte mittlerweile zwischen 25 und 30 Milliarden Dollar liegen, so genau konnte das keiner mehr sagen.

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Mitte November machte der Tratsch die Runde, Uber-Manager Emil Michael habe im kleinen Kreis über die Möglichkeit gesprochen, das Privatleben kritischer Journalisten auszuspionieren und sie mit der Drohung, kompromittierende Informationen zu veröffentlichen, mundtot zu machen. War alles nicht so gemeint, hieß es schnell, aber es passte so schön ins Bild der größenwahnsinnigen und rüpelhaften Taxihasser. Der Schauspieler Ashton Kutcher, der selbst in Uber investiert hat, fand die Idee übrigens gut.

Ab Ende November überschlugen sich dann die Ereignisse. In Madrid, wo Uber seit September besonders stark gewachsen war, griffen fünf erboste Taxifahrer einen Konkurrenten an und sollen ihn sogar mit dem Tode bedroht haben. Eine Klage gegen das amerikanische Unternehmen hatte der heimische Taxifahrerverband bereits eingereicht, und am 9. Dezember war es dann soweit: Ein Gericht in Madrid untersagte Uber bis auf weiteres jegliche Vermitllung von Fahrdiensten, und zwar für ganz Spanien.

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Spanien ist nicht das einzige Land, in dem Uber mit Einschränkungen und Verboten zu kämpfen hatte. UberPop, also die Vermittlung von Privatfahrern, ist in den Niederlanden illegal, in Frankreich gilt das ab
1. Januar. Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen Uber-Fahrer war am
8. Dezember in Neu-Delhi Schluss für das Unternehmen, fast zeitgleich hagelte es zudem Verbote in Thailand und Rio de Janeiro, bereits am 26. November hatte Nevada die Luft aus den Reifen gelassen, wogegen sich Uber aus Portland in Oregon am 21. Dezember für drei Monate freiwillig zurückzog.

Dabei hatte Uber Anfang Dezember die Gerüchte über eine üppige Finanzspritze bestätigt und angekündigt, mit vorerst zusätzlichen 1,2 Milliarden Dollar vor allem in der Asien-Pazifik-Region zu expandieren. Inzwischen lag der Unternehmenswert angeblich schon bei 40 Milliarden. Es folgten die schon genannten Verbote, was den chinesischen IT-Konzern Baidu nicht davon abhielt, mit weiteren 600 Millionen Dollar bei Uber einzusteigen, wie am 12. Dezember durchsickerte. Baidu wird vorgeworfen, eine unrühmliche Rolle bei der Internetzensur in China zu spielen, aber kann man sich seine Geschäftspartner immer aussuchen?

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Mittlerweile läuft in Kalifornien einen Verfahren wegen Kundentäuschung, das sich zu einer Massenklage mit Folgekosten in dreistelliger Millionenhöhe ausweiten könnte. Während des Geiseldramas in Sydney stiegen vorübergehend die Fahrpreise auf mindestens 100 australische Dollar (ein Algrorithmus soll schuld gewesen sein – nach einer Empörungswelle gab es die Fahrten dann auf Kosten des Unternehmens), ein Sicherheitsexperte verglich Uber mit der NSA, und pünktlich zu Weihnachten klagte die Staatsanwaltschaft von Südkorea gleich Uber-Chef Travis Kalanick höchstpersönlich an. Das Unternehmen konterte mit einem Luxussegment für Nobelkarossen und setzte sich für hungernde Kinder und gegen Alkohol am Steuer ein. Und wir geben zu, inzwischen ein wenig den Uberblick verloren zu haben. Nur eins ist sicher: Es bleibt spannend.

    • Nikolai Shulgin

      Es ist unglaublich, welche Wege Uber geht, um ihr Produkt am Markt zu etablieren. Die Preise in Deutschland scheinen unter anderem deswegen so günstig zu sein (0,35€ pro Kilometer), um den Taxiunternehmen möglichst viel Schaden zuzufügen. Dabei zahlt Uber den Fahrern deutlich mehr, als der Fahrgast. Praktisch alle Fahrten (abgesehen von Uber Black) sind damit Verlustgeschäfte. Mal sehen, wie lange sich das Unternehmen diese Strategie noch leisten kann.

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