So viel ist passiert, in so kurzer Zeit – das Wichtigste bei einem Ereignis wie dem START Summit 2015, der vergangenes Wochenende in St. Gallen stattgefunden hat, ist die vielen tollen Eindrücke zu bewahren, die man in den zwei Tagen sammeln konnte. Hier ist also eine erste Zusammenfassung der Highlights aus Gründerfreunde-Sicht.
Weitere folgen in den nächsten Stunden und Tagen.

Als Hamburger freut es uns natürlich besonders, wenn Unternehmen aus der Hansestadt weltweit Furore machen. Definitiv der Fall ist das bei Kreditech, die nicht erst seit einer spekakulären Finanzierungsrunde (wir berichteten) obenauf sind. CTO und Gründer Alexander Graubner-Müller stellte die Strategie des FinTech-Startups vor, das in so unterschiedlichen Märkten wie Osteuropa und Lateinamerika, aber auch Spanien und Australien erfolgreich ist. Deutschland ist für Kreditech dagegen kein Thema, denn die Methode, Kredite an Kunden zu vergeben, für die kein herkömmliches Scoring möglich ist, ist hierzulande nicht erlaubt. Zurückgegriffen wird dabei auf eine gewaltige Datenmenge, die z.B. über den Handygebrauch oder das Facebookprofil abgegriffen werden.

Bemerkenswert auch die Vorgeschichte von Kreditech: So arbeiteten die Gründer zunächst an einem Programm, das Mikrowetten auf elementare Fragen, wie ob es morgen regnet oder nicht, bei einem Einsatz von einem Dollar ermöglichen sollte – ein Flop. Zusammen mit Internet-Tausendsassa Oliver Samwer wurden noch einige andere Ideen ausgeheckt, so eine Plattform, auf der alle möglichen Dienstleistungen angefragt werden konnten (z. B. „Wer holt meine Hemden von der Reinigung ab?“). Ähnliche Konzepte verfolgen inzwischen Anbieter wie magic oder GoButler, die viel Aufmerksamkeit und auch Investoren erreichen konnten; damals kam auch das nicht so richtig an. Doch zum Glück gab es ja noch die Idee für Kreditech.

Joerg_VortragJörg Rheinboldt erklärt den Axel Springer Plug And Play Accelerator

Der Name Oliver Samwer taucht auch wieder auf im Vortrag von Jörg Rheinboldt; zusammen entwickelten die beiden einst das Online-Auktionshaus Alando, das sie dann konsequenterweise an eBay verkauften. Nach erfolgreicher Familiengründung und beruflichen Stationen unter anderem bei der Beteiligungsgesellschaft M 10 und der Digitalagentur denkwerk brachte er vor zwei Jahren den Axel Springer Plug And Play Accelerator an den Start. In der ersten Runde dabei war Number26, dessen Mitgründer Valentin Stalf er beim START Summit 2013 kennengelernt hatte. Gerade hat das Unternehmen eine Finanzierung von zehn Millionen Euro erhalten – der bisher größte Erfolg für den Accelerator, der bald in die nächste Runde geht. Rheinboldts Vortrag fand so reges Interesse, dass er aufgrund der vielen Nachfragen gerade die Hälfte der vorbereiteten Charts zeigen konnte – was ja auch eine Art Kompliment ist.

Nächste Station: der Pfalzkeller in der Altstadt von St. Gallen. Diese beeindruckende Location ist Schauplatz einer besonderen Variante des Speed Datings, die erstmals in einer Kooperation der Universtät von St. Gallen und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürch stattfindet. Der federführende ETH Entrepreneur Club wurde 2011 gegründet, hat rund 1.000 Mitglieder, veranstaltet um die 25 Events pro Jahr und möchte motivierte Talente und Unternehmen zusammenbringen. Zusammen mit cofoundme und YEC, die ähnliche Ziele verfolgen und Gründerinnen und Gründer fördern wollen, hat der Club 25 Startups eingeladen, die Mitarbeiter, Mitgründer oder Investoren suchen. Für die erste Vorstellung stehen nur 30 Sekunden zur Verfügung, im zweiten Schritt bleiben sechs Minuten um sich besser kennenzulernen.

PfalzkellerBeeindruckende Architektur: der Pfalzkeller

Doch wer soll nun das Herzblatt (oder besser das Business-Kreuz Ass) werden: cronodeal, ein Online-Auktionshaus mit Niedriggebotszuschlag, das ab Juni auch in Deutschland durchstarten will? beee, ein Bürgerbeteiligungssportal mit Schwerpunkt Biodiversität? Vielversprechend könnte auch eine Partnerschaft mit Captain Plant werden, die mit pflanzlichem Fast Food einen populären Trend aufgreifen. Das Sprachdialogsystem von dial once, die maßgezimmerten Möbel von dozamo, die Lifestyle-Produkte von fablife oder die Flugangebote für Freundschaftstreffen von fly2meet – sie alle scheinen ein Engagement wert zu sein.

Vielleicht möchte man auch gerne besser schlafen mit mementor, besser parken mit parquery, bessere Software entwickeln mit QBXnet oder bessere Algorithmen kreiren mit Quantler . rqmicro spürt gefährliche Mikrooranismen innerhalb von Minuten auf, Strensor Systems sorgt für zuverlässigere Metalldetektoren, tastier beschleunigt das Bezahlen in Restaurants, tracktrics analysiert Fußballtaktiken, triple 3d aus Amsterdam bietet innovatives 3D-Design und ybanking will Banking zum Gemeinschaftserlebnis machen. Puh, so viele tolle Ideen und so wenig Zeit sich mit ihnen zu beschäftigen!

Aber vielleicht hilft ja WhatAVenture dabei, eine Geschäftsidee zum Erfolg zu führen. Das Konzept von FASHWELL, Instagram und Shopping zu verbinden, ist auch nicht schlecht. Nur gut, dass wir uns nicht entscheiden müssen, denn jedes einzelne Startup verdient Respekt und Unterstützung. Und wenn wir bei unserer Aufzählung das eine oder andere Unternehmen vergessen haben, könnte es dennoch sein, dass wir ihm bald wieder begegnen. Sehr bald sogar!

START_Competition_FinalistsVorstellung der Finalisten der START Competition

Und tatsächlich: Bei der START Competition am nächsten Tag, einem der absoluten Höhepunkte des START Summits, treffen wir einige alte Bekannte wieder. Dazu gehören auch die Jungs von Expertiger, über deren Plattform für Computerhilfe wir schon ausführlich berichtet haben (hier). Heute haben sie nur drei Minuten Zeit, um sich in einem Pitch der Jury und dem Publikum zu präsentieren, genau wie ihre vier Mitbewerber. Neu für uns sind WealthArc, die ein Cloud-basiertes Tool zur Vermögensverwaltung entwickelt haben und damit im Bankenland Schweiz einen Nerv treffen müssten. Schon gestern positiv aufgefallen war die App von gymhopper, die Fitnessfans und -studios zusammenbringen will, und auch die Rechnungs-Vorfinanzierung von Advanon hatte bereits beim Speed Dating überzeugen können.

Sieger des Tages wurde dann allerdings ein Unternehmen, das so manchen Jungstraum erfüllen könnte, denn bei Equippo gibt es Bagger zu kaufen. Allerdings nicht für die Sandkiste, sondern in groß, ebenso eine breite Auswahl anderer gebrauchter Baumaschinen. Der Markt ist riesig und längst noch nicht richtig erschlossen. Das Potenzial hat offensichtlich auch die Jury erkannt und dem Unternehmen den Hauptpreis von 10.000 Schweizer Franken (und einige andere Goodies) zugesprochen. Wir haben den glücklichen Gewinner, CEO und Gründer Michael Rohmeder, gleich nach der Ehrung für ein Exklusivinterview gewinnen können – in Kürze auf dieser Seite!

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Natürlich gab es noch viel mehr zu sehen und zu erleben, was auch in weiteren Berichten der Gründerfreunde zu lesen sein wird. Jedenfalls hat die START Summit und die Schweiz einen bleibenden Eindruck beim Gründerfreunde-Team hinterlassen – und wir umgekehrt in der Schweizer Startup-Szene auch.