Sind Fahrradfahrer die besseren Menschen? Wohl kaum, aber zumindest ist ihre Umweltbilanz besser als die von Autofahrern, und zudem fällt es ihnen leichter, einen Abstellplatz für ihr Verkehrsmittel zu finden. Doch so einfach ist das gerade bei Großereignissen auch wieder nicht. Es wird Zeit für die FahrradGarderobe.

Einen Platz für mein Fahrrad finde ich überall – so denken viele, die zu einem Großereignis wie einem Rockfestival radeln, und stellen ihren Drahtesel dann irgendwo ab. Schnell stellt sich dann heraus, dass der Parkraum doch viel knapper ist als gedacht. So entsteht nicht nur Chaos wie auf dem Bild unten, wild und unkoordiniert vor Fluchtwegen abgestellte Fahrräder konnen auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Hoch ist auch das Risiko, dass das Rad beschädigt oder schlicht geklaut wird. Im Theater und bei Konzerten ist es üblich, Jacken und Mäntel an der Garderobe abzugeben. Dieses Prinzip will das Gründerteam Helen Schepers und Michael Kellenbenz auch für Fahrräder populär machen und hat da schon einiges erreicht.

Fahrrad-ChaosMit ihrer mobil einsetzbaren FahrradGarderobe, die mit dem Deutschen Fahrradpreis 2014 ausgezeichnet wurde, haben sie eine schnell installierte und bereits vielfach erprobte Lösung entwickelt, die dem Veranstaltungsbesucher einen mobilen, sicheren, bewachten und versicherten Abstellplatz für sein Rad bietet. Vorbild für das Aufhängesystem (Bild unten) ist eine Konstruktion, wie sie beim Triathlon verwendet wird: Die Räder werden an der Sattelspitze auf ein Leichtmetallrohr fixiert, einen zweiten Berührungspunkt hat der vordere Reifen am Boden. Die Aufbauzeit beträgt etwa ein bis zwei Stunden (ohne Einzäunung, die ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten), für den Abbau wird eine Stunde benötigt.

Je nach Veranstaltung ist die Nutzung der FahrradGarderobe kostenlos, wenn sich ein Sponsor findet, oder es wird eine Gebühr von bis zwei Euro pro Tag erhoben; ein höherer Betrag ist erfahrungsgemäß nicht vermittelbar. Die Entgegennahme der Fahrräder ist relativ personalintensiv, da die Besitzer ihr gutes Stück nicht einfach abgeben möchten wie eine Jacke, sondern es in der Regel selbst in die Konstrukion einhängen wollen und dabei begleitet werden müssen. Wie gut das klappt, haben Einsätze unter anderem beim Hurricane Festival (70.000 Besucher), MS Dockville Festival Hamburg (15.000 Besucher) oder beim autofreien Stadtfest Norderstedt (40.000 Besucher) gezeigt.

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Die FahrradGarderobe hat auch schon Fahrradtouren zu Festivals veranstaltet und für die Zukunft noch so einiges vor, weshalb jetzt eine Crowdfundingkampagne über Startnext und Nordstarter angelaufen ist. Der erste und wichtigste Schritt ist die Herstellung eigener, maximal materialschonender Fahrradständer, die eine effizientere Logistik und eine bessere Kompatibilität mit E-Bikes (Stromanschluss) und anderen besonderen Fahrrädern ermöglichen. Insgsamt sollen Schnelligkeit und Flexibilität verbessert werden. Längerfristig stehen eine App für ein Online-Check-in, ein Reparaturservice vor Ort, ein Beleuchtungs- und Beschilderungskonzept für Nachteinsätze und ein bundesweit organisiertes Netzwerk auf der Agenda des bisher primär in Norddeutschland agierenden Unternehmens. Die Zielsumme des Crowdfundings ist mit 5.000 Euro recht bescheiden angesetzt und nach knapp zwei Tagen schon zu 20 % erreicht. Gefördert wird die FahrradGarderobe übrigens von Social Impact Lab in Hamburg (mehr dazu hier in unserem Bericht), wie viele andere spannende Projekte, auf die wir noch zurückkommen werden.

Bilder: FahrradGarderobe