
Für die Pressefreiheit
Pressevertreter aus Ländern wie der Türkei, Ägypten, Ungarn sowie der russische Oppositionelle und Schachheld Gary Kasparov, riefen dazu auf, die Pressefreiheit zu schützen und zusammenzustehen – gegen Zensur und Unterdrückung. Der türkische Medienmacher Can Dündar zeigte Bilder der Zelle des inhaftierten deutschen Journalisten Dennis Yücel. Er bat das Publikum, die inhaftierten Kollegen zu unterstützen. Die Besucher waren sichtlich gerührt, und drückten das in einer minutenlangen Standing Ovation aus.
Die Forderungen der re:publica 2017
„Fuck yeah, wir dürfen das Internet nicht den Arschlöchern überlassen“, sagte re:publica-Gründerin Tanja Häusler zu Beginn und ihr Kollege Markus Beckedahl ergänzte: „Es ist unsere digitale Gesellschaft. Wir müssen sie gestalten“. Man dürfe die Augen nicht verschließen und müsse sich behaupten gegen Hass. Aber wie der Desillusionierung durch tägliche Beschallung mit negativen Nachrichten entgegenwirken? Diese Antwort blieb die re:publica 2017 schuldig.Fake News vs. Fact-Checking
Auch Fake News waren natürlich ein brandheißes Thema der Konferenz. Dr. Rasmus Kleis Nielsen, Director of Research am Reuters Institute für Journalistik an der Universität von Oxford, referierte und sinnierte über Falschmeldungen und ihren Nährboden. Laut einer Reuters-Studie liegt das Problem in der Nachrichtenrezeption der Millenials: 18- bis 24-Jährige zögen Social Media als Informationsquelle dem Fernsehen vor. „Wenn sich die Leute von ‚echten Nachrichten‘ abwenden, öffnen wir den Raum für Fake News“, erklärte Nielsen. Dabei bleibt jedoch zu beachten, dass auch das Fernsehen in der Vergangenheit Falschmeldungen aufgegriffen hatte, deutlich weniger, aber dennoch.Max Hoppenstedt, Chefredakteur von Motherboard Deutschland, dem Technologie- und Wissenschaftsmagazin von VICE, geht einerseits optimistisch, andererseits analytisch an die Sache: „Fake-News sind keine Naturgewalt, die plötzlich über uns gekommen ist und der wir jetzt machtlos ausgeliefert sind“, erklärt Max Hoppenstedt. „Man kann dieses Phänomen differenzieren, analysieren, auseinander nehmen. Fake News – das ist nicht alles dasselbe.“.@tagesschau fällt auf den offensichtlichen Aprilscherz von @badischezeitung rein. Wozu eine Anti-Fake-News-Einheit? https://t.co/h1QeuanJ5t pic.twitter.com/76aAcZjvo5
— Daniel Laufer (@DanielLaufer) April 6, 2017
Die re:publica 2017: illustrierte Algorithmen
Vladan Joler, Direktor der Share Stiftung und Vorsitzender des Lehrstuhls für Neue Medien im serbischen Novi Sad, wagte den Versuch Algorithmen zu illustrieren. Joler und sein Kollege Djorde Krivokapic projizierten eine Darstellung an die Wand, die einer riesigen Landkarte mit kleinen Örtchen und Abzweigungen glich. Ein Versuch das abstrakte Gebiet der Algorithmen greifbarer zu machen. Ein gelungener Versuch? Machen Algorithmen weniger Angst, wenn man sie besser versteht? Und ist der Mensch überhaupt in der Lage seine eigene Kreation zu beherrschen oder beherrscht sie längst uns? Joler und sein Team haben sich anderthalb Jahre lang mit dem Facebook Algorithmus befasst und zugesehen, wie er Daten sammelt. Der Algorithmus weiß, wann jemand aufsteht, Mittagspause macht und wo er gerne Kaffee trinkt. Die Maschine werde ständig von den Nutzern selbst gefüttert. Joler warnte, dass jede auf Facebook verbrachte Minute, dem Unternehmen helfe, seine Daten zu erweitern und den Algorithmus zu verfeinern. Er sehe das Problem vor allem darin, dass die Nutzer die Spielregeln des “massiven Überwachungskapitalismus” akzeptierten.Redet miteinander!
Zum Thema Hate Speech wurde die Rede von Autor und Blogger Sascha Lobo mit Spannung erwartet, ist er doch bekannt für seine deutlichen Worte. Er legte eine Strategie zum Umgang mit Hatern und Hetzern vor: „Wir haben gesehen, dass Debatten eine Wirkmacht haben“. Man solle das Gespräch mit vermeintlich politisch Rechten suchen, um so die Demokratie zu stärken, sagte Lobo und sprach aus eigener Erfahrung, die er in einer bald erscheinenden Dokumentation filmisch aufbereitet hat. Wie geht man mit Trollen um? Darüber referierte Luca Hammer. Wer sind Trolle? Leute, die provokante bzw. hasserfüllte Kommentare in sozialen Netzwerken verbreiten, um zu provozieren. Hammer berichtete in seiner Rede „Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen“„Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen“ von seinen persönlichen Erfahrungen mit Trollen. Hammer sagte, zum Erstaunen vieler, dass die Gruppe eher links als rechts sei. Der Spaß am Regelverstoß sei es, um den es gehe. Sein Rat: Trolle ignorieren und ggf. diffamierende Posts melden, sie aber bloß nicht blocken, denn darum gehe es den Provokateuren.Return on Investment bei Frauen höher

Nächster Termin: re:publica 2027 findet vom 10. bis 12. Mai 2027 in der STATION Berlin statt. Alle Termine im Event-Kalender.



















