Die Berichterstattung und Youtube-Videos zum Thema Dropshipping fällt zu positiv aus. Aufstrebenden Selbstständigen und Gründern wird suggeriert, dass es sich um den perfekten Start in das Online-Business handelt. Niedrige Einstiegshürden, das geringe Startkapital und die einfache Logistik zählen zu den Vorteilen des Online-Streckengeschäfts. Der hohe Zeitaufwand und rechtliche Hürden werden gerne ausgeblendet. Dieser Artikel gibt euch einen kurzen Überblick, was ihr beachten solltet, wenn ihr euch für Dropshipping entscheidet.

Was ist Dropshipping?

Dropshipping ist einfach nur das neue hippe (englische) Wort für das so genannte Streckengeschäft. Es bezeichnet eine spezielle Form der Logistik, bei der ein Händler die Waren nicht selbst lagert, sondern im Falle einer Bestellung diese direkt beim Großhändler bezieht und an den Endkunden weiterleitet. Der Händler bekommt die Ware so nie zu Gesicht und muss weder für die Lagerkosten noch für den Transport zahlen.

Diese Form des vermeintlich einfachen Handels erfreut sich einer steigenden Beliebtheit in der Online-Welt. Onlineshop-Betreiber müssen keine eigenen Lager mehr besitzen und entledigen sich auch der lästigen Verpackungs- und Versandarbeit. Beliebte Lieferanten (Supplier) sind vor allem Amazon und Aliexpress.

So könnt ihr euch beispielsweise einen eBay-Shop zulegen und eure Ware ausschließlich bei Amazon beziehen. Die Produkte müssen ausgewählt und dann in euren Shop kopiert werden. Mit Preisaufschlag versteht sich, denn die Marge stellt im Endeffekt euren Gewinn dar. Wer nun glaubt, dass man so in kürzester Zeit reich wird, hat sich allerdings geirrt.

Überall lauern Abmahnfallen

Aller Anfang ist schwer. Zu Beginn ist alles noch aufregend und neu. Wer dem Thema mit einer gewissen Ernsthaftigkeit begegnet, dem fällt die Komplexität schnell auf. Zuerst einmal benötigt ein Online-Shop professionell erstellte AGBs und ein abmahnsicheres Impressum. Nicht zu vergessen: die Widerrufsbelehrung.

Da Dropshipper oft über ein breit gefächertes Produktsortiment verfügen, werden Pflichtangaben gerne vergessen. Elektrogeräte müssen gemäß deutschem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) registriert sein und eine WEEE-Nummer besitzen. Gewerbliche Onlineshop-Inhaber müssen die Anmeldung entweder selber vornehmen oder als Dropshipper zumindest überprüfen, ob die Geräte eine solche Nummer besitzen. Ansonsten drohen hohe Abmahnsummen, die den Traum vom eigenen Online-Business schnell zerplatzen lassen. Ob ein Hersteller das Gerät registriert hat, könnt ihr im Online-Verzeichnis der ear-Stiftung recherchieren.

Im Online-Handel lauern viele Abmahnfallen

Dasselbe gilt für eingetragene Marken, die ihr im DPMA-Register überprüfen könnt. Noch zu erwähnen seien die vielfältigen Kennzeichnungspflichten bei Spielzeugen und Lichtquellen. Informiert euch, bevor ihr einfach wahllos Produkte copy-und-pastet! Eine gute Anlaufstelle bietet die IT-Recht Kanzlei oder der Online Händlerbund.

Von den meisten Shopbetreibern und eBay-Händlern unbeachtet ist die Verpackungsverordnung (VerpackV). Die Verpackung und Füllmaterialien der vom Dropshipper im Umlauf gebrachten Ware muss bei einem Anbieter flächendeckender Rücknahmesysteme registriert werden. Zwar kann man davon ausgehen, dass der gewählte Supplier (z.B. Amazon) diese Registrierung bereits vorgenommen hat, im Falle einer Überprüfung steht der Dropshipper jedoch in der Nachweispflicht.

Das Problem ist, dass die Kennzeichnungspflicht für Verpackungen am 01.01.2009 aufgehoben wurde. Die Online-Händler/-Wiederverkäufer haben somit kaum eine Chance zu erfahren, ob die vom Großhändler verwendeten Verpackungen auch ordnungsgemäß registriert worden sind.

Eine Zuwiderhandlung kann mit Geldbußen bis zu 50.000 Euro belegt werden! Da das zentrale Verpackungsregister noch eingerichtet werden muss, bleibt jedem gewerblichen Online-Händler nichts weiter übrig, als sich vorerst selbst zu registrieren. Je nach Verpackungsmenge kommen unterschiedliche Anbieter in Frage. Zum ersten Einstieg hier eine mögliche Auswahl:

  1. https://www.noventiz.de/
  2. https://www.usepac.de/
  3. http://www.verpackungslizenz.de/ 

Zuguterletzt: Bild- und Urheberrechte. Die meisten Dropshipper besitzen die Bildrechte der hochgeladenen Produkte nicht. Auch hier drohen Abmahnungen im teilweise fünfstelligen Bereich. Ihr solltet, um auf Nummer sicher zu gehen, die Fotos selber machen oder andere Mittel und Wege finden, an Fotolizenzen zu gelangen. Kopierte Produktbeschreibungen können Rechte des geistigen Eigentums verletzen. Nehmt euch die Zeit, eine eigene Beschreibung zu verfassen oder diese zumindest umzuschreiben.

Passives Einkommen? Denkste!

Gerade zu Beginn ist das Dropshipping mit einem hohen Zeitaufwand verbunden. Die Einarbeitung in Software, Shop-Strukturen und rechtliche Hürden erfordern ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und letztlich Leidenschaft. Denn wer nicht für die Sache brennt, ist schnell ausgebrannt!

Der Zeitfaktor sollte beim Dropshipping nicht unterschätzt werden!

Sind die anfänglichen Hürden erst einmal überwunden und die ersten „Ka-Chings“ (der Ton, der auf dem Handy zu hören ist, wenn bei eBay ein Kauf getätigt wurde) gesammelt, dann beginnt das alltägliche Geschäft. Dieses ist je nach Umsatz und Jahreszeit (ja zu Weihnachten wird es stressiger…) von Kundenanfragen, -nachfragen und Retouren gekennzeichnet. Auch die Produktrecherche, das Einstellen der Produkte („Listing“), Buchhaltung und die Organisation im Allgemeinen sollten zeitlich nicht unterschätzt werden.

Ein Ausweg aus dem „Selbst-und-ständig“-Schema finden einige große Dropshipper durch die Zuhilfenahme von Virtual Assistants (kurz: VAs). Allerdings werden diese aus Kostengründen eher im englischsprachigen Raum genutzt. Die Skalierung des Geschäftsmodells basiert auf der smarten Nutzung von verschiedenen Softwarelösungen und einer „winning strategy“ bei der Produktrecherche. Denn egal, wie viel man arbeitet und wie viele Produkte man auch einstellt, wenn sie sich nicht verkaufen, dann nützt auch das kostengünstigste Handelsmodell nichts.

Nur Mut!

Trotz aller Widrigkeiten ist Dropshipping ein idealer Einstieg in das Online-Geschäft. Das geringe Startkapital lädt dazu ein, es einfach einmal auszuprobieren. Was kann schon passieren, außer dass man „scheitert“ und dazulernt? Wer kann schon von sich behaupten, von zu Hause aus ein Online-Unternehmen gestartet zu haben? Habt Mut und wagt es! Das Leben ist schließlich zu kurz, um in der Mittelmäßigkeit von Sicherheit zu leben.

Wer dafür brennt, kann es trotzdem schaffen. Keep hustling!