Im Interview mit dem BERLINboxx BusinessMagazin spricht Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups, über das Jahr 2017. Welchen Verbesserungsbedarf er sich für die deutsche Startup-Szene auf politischer Ebene wünscht, erfahrt ihr in diesem Jahresrückblick.

Mehr Gründer, mehr Vielfalt, mehr Kapital

Hauptsächlich sieht Nöll das Problem von deutschen Startups in dem unangemessenen regulatorisch-politischem Rahmen begründet. Deutschland habe in den letzten Jahrzehnten verlernt, gründerfreundliche Bedingungen zu schaffen. Dazu zähle insbesondere die unzulängliche „Entrepreneurship Education“, die Einführung in das Unternehmertum an Schulen und Universitäten. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung, den Gründergeist schon möglichst früh an Kinder und Jugendliche heranzutragen, haben wir bereits in einer früheren Veröffentlichung thematisiert.

Eine Willkommenskultur, die ausländischen Gründern und Fachkräften den Einstieg in die deutsche Startup-Szene erleichtere, müsse laut Nöll weiter ausgebaut werden. Er plädiert für ein transparentes Einwanderungsgesetz, das im Endeffekt zur kulturellen Vielfalt beiträgt. Mit der Etablierung des Business Information Services (BIS) hat die Bundesregierung, unser Meinung nach, einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Was genau die in Berlin ansässige Stelle für die Integration ausländischer Talente tut, könnt ihr hier nachlesen.

In puncto Kapital sieht Nöll vorwiegend Probleme bei der Finanzierung deutscher Startups, die sich in der Wachstumsphase befinden. Im Gegensatz zur Frühphase mangele es „noch erheblich an Wachstumskapital“, so Nöll. Er fordert deshalb eine Lockerung der gesetzlichen Restriktionen, die Investitionen von potenziellen Anlegern wie beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen verhindern.

Florian Nöll ©Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Ausblick für das neue Jahr

Den Trend zur FinTech-Technologie, insbesondere für Machine Learning, Artifical Intelligence oder Blockchain, sieht Nöll weiterhin anwachsen. Er rechnet im Jahre 2018 mit der höchsten Anzahl von Neugründungen in dieser Branche. Darüber hinaus hofft er darauf, dass „die neue Regierungskoalition das Thema Digitalisierung endlich anpackt.“ Dazu müsse ein Ministerium für Digitales eingerichtet werden, welches dem derzeitigen „digitalpolitischen Flickenteppich“ ein Ende bereitet. Wir sind gespannt auf das Jahr 2018 und wünschen euch allen einen guten Rutsch!