420.000: so viele Pflegekräfte werden laut dem Institut der deutschen Wirtschaft bis 2025 in Deutschland fehlen. Eine beängstigende Zahl. Um die Lücke zu schließen, bieten Start-ups Lösungen an – und zwar per Algorithmus und digitalen Tools.

Personalmangel als größte Herausforderung des Gesundheitssystems

Die eigenen Eltern oder Großeltern werden pflegebedürftig: plötzlich steht man vor dem Problem der Pflege. Eine verlässliche Betreuungsperson zu finden, kann für Angehörige zu einer schier unlösbaren Aufgabe werden.

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Aktuell fehlen in Deutschland rund 100.000 Pflegekräfte – gleichzeitig steigt die kontinuierlich die Zahl der Pflegebedürftigen. 3,4 Millionen waren es 2017 – und damit 70 Prozent mehr als noch zu Beginn des Jahrtausends. Die Ursache für diesen rasanten Zuwachs ist die stetig wachsende Zahl an älteren Menschen, weil die medizinische Versorgung immer besser wird. Auf der anderen Seite ergreifen nicht genug Auszubildende einen Pflegeberuf. Abhilfe schafft hier vor allem Information. Über geeignete Portale wie medi-karriere kann man beispielsweise alles über die Ausbildung zur Krankenschwester erfahren.

Pflegekraft finden per Match

Auch Start-ups versucht ihren Beitrag zu leisten: und zwar per Algorithmus. Zwischen Kliniken und Pflegeeinrichtungen auf der einen Seite und den Bewerber*innen auf der anderen suchen Plattformen den bestmöglichen Match. Der Clou: die Pflegekräfte sind nicht fest bei einer Einrichtung angestellt, sondern wechseln je nach Bedarf und Interesse. Der Vorteil ist, dass sie so erheblich mehr Gehalt verdienen und ihren Dienstplan flexibel gestalten können.

Verschiedene Arbeitsmodelle sind möglich

Per App können die Bewerber*innen unter verschiedenen Arbeitsmodellen auswählen.

  • Modell „Vollzeit“: für Bewerber*innen, die flexibel arbeiten und das meiste Gehalt im Vergleich zu anderen Modellen verdienen wollen. Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
  • Modell „Teilzeit“: für Bewerber*innen, denen eine gute Work-Life-Balance wichtig ist. Arbeitszeit: 12-36 Stunden pro Woche
  • Modell „Nebenjob“: für Bewerber*innen, die eine neue Arbeitsumgebung kennenlernen wollen, als Schicht-Retter einspringen oder sich noch etwas dazuverdienen möchten
Krankenschwester

Start-up sucht Pflegekräfte im Ausland

Andere Unternehmen aus der Start-up-Szene setzen vor allem auf Kranken- und Altenpflegekräfte aus dem Ausland. Unter anderem aus Südamerika, Südosteuropa, und Asien. Die Anbieter bringen diese neuen Arbeitnehmer mit Einrichtungen in Deutschland zusammen, die dringend auf der Suche nach Mitarbeiter*innen sind. Eine Hürde bei der Rekrutierung stellen häufig die Sprachkenntnisse und die Qualifikation der Bewerber*innen dar. Deshalb erhalten die Pflegeeinrichtungen während des gesamten Prozesses Unterstützung: inklusive Rekrutierung, Immigration, Integration und Anerkennung.

Die Idee macht Schule: im Laufe der letzten beiden Jahre haben sich auf verschiedenen Plattformen schon tausende Pflegekräfte aus dem Ausland registriert.

Defizite der ausländischen Pflegeausbildung werden ausgeglichen

Probleme kann es bei der Anwerbung von ausländischen Pflegekräften vor allem bei der Sprache und Qualität der Ausbildung geben. Deshalb müssen die Bewerber*innen optimal auf ihre Aufgaben in Deutschland vorbereitet werden. Auf der anderen Seite sollen auch die deutschen Arbeitgeber*innen den Einsatz und die Integration von ausländischem Pflegepersonal möglichst professionell handhaben. Denn das Ziel ist klar: dass die Pflegekräfte sich bei der Arbeit  wohl fühlen. Und eben nicht nach kurzer Zeit wieder abbrechen und in ihr Heimatland zurückgehen.

Eine im Jahr 2019 veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung stellt dar, dass die meisten zugewanderten Pflegekräfte im Arbeitsalltag in Deutschland gut zurecht kämen. Trotzdem gäbe es aber auch immer wieder Schwierigkeiten und Missverständnisse – vor allem was die unterschiedliche Ausbildung und Arbeitsteilung von einheimischen und zugewanderten Beschäftigten betrifft. 

Doch auch hierfür haben sich viele Start-up-Gründer schon gerüstet: Sie bieten im Vorfeld der Rekrutierung umfangreiche Schulungen für die ausländischen Bewerber*innen an. So können diese die möglichen Defizite der Pflegeausbildung aus dem Heimatland ausgleichen. Die Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen sollten ihrerseits die neu zugewanderten Betreuungskräfte mit ihren Herausforderungen nicht allein lassen. Wichtig ist, dass genug Zeit für Austausch und Konfliktlösung mit den Kollegen bleibt.

Fazit

Dem Mangel an Pflegekräften in Deutschland lässt sich mit neuen Ideen von Start-ups begegnen – ob per Algorithmus oder durch die professionalisierte Anwerbung von Bewerber*innen aus dem Ausland.

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