Bekanntlich ist es in Deutschland nicht ohne weiteres möglich eine therapeutische Behandlung zu erhalten. Obwohl das Thema der Mentalen-Gesundheit immer relevanter wird, ist der Weg zu einer regelmäßigen Therapie-Sitzung in Deutschland oft ein langwieriger Weg, verbunden mit reichlich Bürokratie, Telefonaten und Versicherungs-Anträgen. Durchschnittlich kann es in Deutschland rund 20 Wochen dauern, bis eine Behandlung bei einem zertifizierten Therapeuten beginnen kann. Das deutsche Gesundheitssystem ist ein gutes, ohne Frage. Doch geht es um die Versorgung von Patient*innen, die Unterstützung und Behandlung bezüglich ihrer mentalen Gesundheit benötigen, ist allein der Weg zum Beginn der Therapie selbst, ein langwieriger.

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Deutschland und Mental-Health Startups 

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Und hier geht es nur um Muttersprachler. Für Betroffene, die mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen sind, ist es in der Regel noch komplizierter und aufwendiger, eine passende therapeutische Unterstützung zu finden. All diese Fakten lenken den Blick auf die Defizite in unserem Gesundheitssystem und die stetig wachsende Welle an Mental-Health Startups. Die Frage wird aufgeworfen: Ist Deutschland bereit für Mental-Health Startups und die innovative Möglichkeit den Zugang zu therapeutischer Unterstützung in Deutschland zu erleichtern? 

Zu Beginn sollte zunächst gleich einmal erwähnt werden, dass diese Frage nur bedingt in einem regulären Artikel beantwortet werden kann. Trotz allem wollen wir das Thema ansprechen und die Diskussion starten, um zumindest ansatzweise zu klären, wie der Stand der Dinge ist. 

Was unter keinen Umständen außer Acht gelassen werden sollte, ist das neugewonnene Rampenlicht der mentalen Gesundheit, durch die Folgen der Covid-19-Pandemie. Es lässt sich dabei kaum leugnen, dass der Bedarf an digitalen Diensten im Bereich der mentalen Gesundheit immens gestiegen ist. Man könnte es beinahe so sagen: Der Bedarf an digitalen Diensten im Bereich der mentalen Gesundheit ist mittlerweile so offensichtlich, dass er Deutschland ungeniert ins Gesicht starrt. Akkurat, nicht wahr?! 

Sowohl das vereinigte Königreich, als auch Schweden meldeten kürzlich, dass die Anfragen für Dienste im Bereich der mentalen Gesundheit um ein vielfaches gestiegen sein. Während Schweden einen 50 prozentigen Anstieg meldete, toppte das Vereinigte Königreich diese Zahl mit ganzen 79 Prozent. 

Aber wie sieht das Ganze in Deutschland aus? Nun, seit einer geraumen Zeit gelten Probleme der mentalen Gesundheit als die zweithäufigste Ursache für Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Da dies keineswegs eine geringe Zahl ist, scheint sich nun eine neue Generation von Startups im Bereich der mentalen Gesundheit zu bilden. Es lässt sich beobachten, dass die Mehrzahl dieser Startups entweder einen digitalen Therapie-Dienst bei zertifizierten Therapeuten, oder hilfreiche Übungen zur Unterstützung der mentalen Gesundheit anbieten. 

Die Innovation steht also in ihren Startlöchern. 

Mental-Health Startups als Beispiel

Es gibt einige Startups, die momentan den Mental-Health Markt in Deutschland revolutionieren. Um ein ungefähres Bild zu zeichnen, wie diese Startups aussehen, haben wir zwei der bekanntesten Mental-Health Startups hier kurz für euch vorgestellt. 

MindDoc

Gründer*in: Felix Frauendorf & Max Goering

MindDoc, das erste Mental Health Startup auf unserer Liste, kommt tatsächlich, man glaube es kaum, aus Deutschland. Es wurde im Oktober 2016 von Felix Frauendorf und Max Goering gegründet, um Menschen dabei zu helfen, die Symptome einer Depression frühzeitig zu erkennen. Das ganze funktioniert über eine App, die sowohl für iOS-, als auch für Android-Geräte im App-Store zum Download zur Verfügung steht. Die Nutzer*innen beantworten über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich Fragen zu ihrem psychischen und physischen Wohlbefinden. In diesem Prozess wird die psychologische, emotionale und physische Gesundheit der Nutzer*innen verfolgt, um auf der Grundlage der Antworten die psychische Gesundheit der Betroffenen personalisiert zu bewerten. Dies gibt den Nutzer*innen die Möglichkeit, die Symptome zu erkennen und bietet einen Ausgangspunkt für Gespräche mit Therapeuten, Psychologen und diversen anderen medizinischen, qualifizierten Fachkräften. Mittlerweile wird MindDoc von über einer Million Nutzer weltweit verwendet, um ihre psychische Gesundheit zu stärken.

Humanoo

Gründer*in: Philip Pogoretschnik 

Humanoo ist ein weiteres Mental-Health Startup, das seinen Nutzer*innen eine Plattform für mentale Gesundheit, Human Resources, persönliche Gesundheit und Wellbeing bieten wollte. Gründer Philip Pogoretschnik rief also im Februar 2016 das Berliner Startup ins Leben, um die (mentale) Gesundheit möglichst vieler Menschen zu unterstützen. Besonders interessant ist jedoch, dass sich das Unternehmen spezifisch auf Arbeitnehmer und Versicherungskunden spezialisiert hat. Das Ziel ist es, den Nutzer*innen dabei zu helfen, besonders die mentale Gesundheit zu verbessern. Das ganze Programm kann gebündelt in einer App aufgerufen werden. Die Nutzer*innen können durch maßgeschneiderter Programme und innovativer eHealth-Lösungen Achtsamkeit, Yoga und Ernährung ihre Gesundheit fördern. Das Unternehmen befindet sich derzeitig in der Series-B Finanzierungsphase und beschäftigt in etwa 65 Mitarbeiter*innen. 

Wie wir sehen, lässt sich das Thema kaum in einem einzigen Artikel abschließend behandeln. Offensichtlich scheint die Aufmerksamkeit auf diesen Bereich stark zu wachsen. Die Frage wird sich erst dann gründlich beantworten lassen, wenn die Umsetzung neuer, innovativer Mental-Health Startups auch ausreichend ausprobiert wurde. Zunächst können wir allerdings Folgendes festhalten: Ob Deutschland wirklich bereit für Mental-Health Startups ist, lässt sich nur sagen, wenn wir die Tore zu diesen Startups so zugänglich und offen wie möglich gestalten und sehen, wie die entsprechende Zielgruppe auf das Angebot reagiert. 

Bleibt nur: Abwarten und Tee trinken. 

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