Der klassische Anlageberater hat ausgedient. Bei Fintechs wie Outbank, Moneymeets und Scalable Capital laufen die Anlagestrategien ganz automatisch via Robot Advisor – je nach Angebot mit einem vollautomatischen Rebalancing, außerdem transparent gebündelt auf einem Portal und nahezu ohne Transaktionsgebühren. Das Problem: Große Anbieter wie Check24 sehen nicht länger zu, wie die Finanz-Startups ihr gewinnbringendes Süppchen kochen. Und auch Banken wie Comdirect und Deutsche Bank liebäugeln mittlerweile mit der vollautomatischen Vermögensverwaltung.

Noch im vergangenen Jahr sah die Situation völlig anders aus. Da ging Check24 großherzig unter die Business Angels und gründete Risikokapitalfonds, um Startups insbesondere aus der Finanzbranche zu finanzieren. Jetzt holt sich das Vergleichsportal die neu erschlossenen Geschäftsfelder der Fintechs zurück. Wie Check24-Geschäftsführer Christoph Röttele dem Wirtschaftsmagazin Capital gegenüber unlängst bestätigte, greift das Münchner Vergleichsportal die Fintech-Branche knallhart an: „Wir gehen jetzt genau in die Segmente hinein, die momentan noch von Fintechs besetzt sind“, so der Check24-Sprecher gegenüber dem Wirtschaftsmagazin. Dort verkündete er, dass gleich mehrere Finanz-Tools kurz vor dem Launch stünden.

Spätestens im Juli wolle das Münchner Unternehmen, das nach Branchenschätzungen für die Vermittlung von Verträgen im Geschäftsjahr 2015 und 2016 Provisionen von knapp 500 Millionen Euro einsammelte, eine Banking-Funktion und ein Tool zum Versicherungsvergleich einführen: Eine wahnsinnige Produktoffensive, die nach Einschätzung von Capital die Weichen im deutschen Fintech-Markt neu ausrichteten.

Finanzen im Internet verwalten und optimieren: Das können wir auch

Nicht nur vom Vergleichsportal drohen den Fintechs nun ernstzunehmende Konkurrenz. Neben Check24 attackieren auch die Deutsche Bank und die Commerzbank-Tochter Comdirect die Finanz-Start-ups mit neu eingeführten Robo-Advisors, respektive einer automatischen Vermögensberatung. Dabei agieren die Banken bei ihren Anlage-Konzepten mittels Robo-Advisors ähnlich, wie die meisten Fintechs und demnächst also auch Check24: Grundsätzlich hängt das Angebot hier wie dort schlichtweg von den über Fragebögen ermittelten Voreinstellungen ab: Nach einer Befragung des Kunden zu seiner Risikobereitschaft, seiner finanziellen Situation, und dem jeweiligen Anlagehorizont wird in der Regel eine Verteilung des Anlagevermögens auf unterschiedliche Anlageklassen, Aktien und Anleihen vorgenommen – gestaffelt nach Risikoklasse und Asset Allocation. Der User kann das angebotene Portfolio schlussendlich erwerben und in seinem Depot abbilden lassen.

Inwiefern Kunden ihr Geld nun halbautomatisiert anlegen, ob sie ihr Portfolio komplett online managen lassen oder weiterhin allein verwalten wollen, das bleibt – wie bei den meisten Fintechs im Übrigen auch – ihnen selbst überlassen.

Eine Idee, viele neue Wege

Für die grundlegende Idee, Bankgeschäfte zentral über eine Seite verwalten und steuern zu können, gibt es also viele neue Wege. Während Banken entsprechendes Know-how mitbringen und Fintechs neben ihrer Branchenkenntnis ihre Transparenz ins Rennen schicken, leidet check24 nach wie vor unter den Vorwürfen von Verbraucherschützern und Politikern, die dem Münchner Unternehmen wie vielen anderen Vergleichsportalen noch vor Kurzem mangelnde Transparenz vorwarfen und eine Offenlegung aller Provisionen nahelegten.

Auf der anderen Seite steht Check24 mit einem Kundenstamm von über 15 Millionen auf mehr als breiten Beinen und will vom Thema Provisionen nichts wissen. Check24-Sprecher Röttele gegenüber Capital: „Die Fintechs brauchen das Mandat, weil sie sich über die Provisionen finanzieren müssen. Wir dagegen können es uns leisten, den Service kostenlos anzubieten.“  Demnach fallen Maklergebühren, über die sich die meisten Finanz-Startups finanzieren, bei dem Vergleichsportal weg, das sich vorrangig über Werbeeinnahmen finanziert.

Und nun? Bangen die Fintechs vor den Ankündigungen der großen Player?  Dieter Fromm, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von Moneymeets, äußerte sich Gründerfreunde gegenüber entspannt: „Die Ankündigung von CHECK24 und anderer Anbieter kommt für uns nicht überraschend. Wir sagen seit vielen Jahren, dass der Weg zur Plattformökonomie auch vor dem Finanz- und Versicherungsbereich nicht haltmachen wird – und wir leben dies mit moneymeets bereits exemplarisch vor.“

Gelassenheit auf Seiten der Fintechs

Letztlich zähle nicht nur die Technologie, die dahinterstehe, sondern vielmehr die Fachkompetenz: „Auf moneymeets.com aggregieren wir die Finanz- und Versicherungsinformationen unserer Mitglieder und stellen ihnen alle Informationen über ihre Konten, Depots und Versicherungen und die damit verbundenen Kosten in einer übergreifenden Übersicht kostenlos zur Verfügung. Darauf aufbauend weißt moneymeets den Nutzer auf Möglichkeiten zur Qualitäts- und Preisoptimierung bei seinen Versicherungen und den anderen Finanzprodukten hin.

Dieter Fromm, Geschäftsführer von Moneymeets

Auch beim Thema Provisionen zeigt Fromm Gelassenheit: „Wir geben die Effizienzgewinne, die wir durch unsere digitalen Prozesse generieren, als Preisvorteile an unsere Kunden weiter, etwa durch die Rückerstattung von Provisionen, den Wegfall von Ausgabeaufschlägen oder die Erstattung von Depotgebühren.“