TL DR: Autonomes Gebiet Dänemarks, 1985 aus EG ausgetreten – NICHT EU. Größte Insel der Welt, 56.000 Einwohner, Nuuk (18.800) als Hauptstadt. Für DACH-Bürger keine Freizügigkeit: Residence Permit mit konkretem Aufenthaltsgrund nötig. Fachkräftemangel bei Ärzten, Ingenieuren, Lehrern. Steuern: 42-44 % Flatrate, 0,9 % AMA, 25 % Corporate, 0 % MwSt (dafür Importzölle). Klima arktisch: Sommer 5-10 °C, Winter -5 bis -15 °C. Wegzugsbesteuerung § 6 AStG ohne EU-Stundung sofort fällig. Kein DBA Deutschland-Grönland.
Grönland ist 2026 das wahrscheinlich extremste Auswanderungsziel Europas – mit 56.000 Einwohnern auf 2,16 Millionen Quadratkilometern (davon über 80 Prozent von Eis bedeckt) das dünn besiedeltste eigenständige Land der Welt. Als autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark ist Grönland politisch mit Dänemark verbunden, hat aber eigenes Parlament (Inatsisartut), eigene Regierung (Naalakkersuisut), eigenes Aufenthaltsrecht, eigene Sprache (Grönländisch/Kalaallisut als Amtssprache seit 2009) und – anders als Dänemark – gehört NICHT zur EU (1985 durch Volksabstimmung ausgetreten).
Für Deutsche, Österreicher und Schweizer bedeutet das: keine automatische Freizügigkeit, sondern ein regulärer Residence Permit ist erforderlich. Die Auswanderungswege sind eng: Arbeit in Mangelberufen, Familienzusammenführung, Studium. 2025 rückte Grönland durch die US-Kaufabsichten wieder ins internationale Bewusstsein. Dieser Leitfaden zeigt dir die realistischen Wege, wie Steuern und Alltag im arktischen Alltag aussehen und worauf du bei der Vorbereitung achten solltest.

Warum Grönland als Auswanderungsziel besonders ist
Grönland ist die größte Insel der Welt: 2.166.086 Quadratkilometer, davon rund 1,7 Millionen Quadratkilometer Inlandeis. Die eisfreien Küstenstreifen im Süden und Westen beherbergen rund 56.000 Einwohner, von denen etwa 88 Prozent Inuit-Herkunft sind. Nuuk ist die Hauptstadt mit rund 18.800 Einwohnern, gefolgt von Sisimiut (5.500), Ilulissat (4.700) und Qaqortoq (3.000). Klimatisch arktisch: im Süden Sommer 5 bis 10 °C, Winter -5 bis -15 °C; im Norden Sommer 3 bis 7 °C, Winter -25 bis -40 °C. Polartag im Sommer, Polarnacht im Winter. Keine Straßenverbindungen zwischen den Städten – Transport ausschließlich per Flugzeug, Boot oder Hundeschlitten/Schneemobil.
Drei Faktoren machen Grönland für spezifische Profile interessant. Erstens die Nachfrage nach Fachkräften: Wegen der demografischen Situation und der geografischen Herausforderungen sucht Grönland aktiv Ärztinnen und Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Handwerker. Zweitens die einzigartige Natur: Für Menschen mit tiefer Verbindung zur arktischen Naturwelt gibt es kein vergleichbares Ziel. Drittens die überschaubaren Steuern für Unternehmer: 25 Prozent Körperschaftsteuer, 0 Prozent Mehrwertsteuer, 0,9 Prozent Sozialabgaben. Dagegen stehen erhebliche Herausforderungen: extremes Klima, sehr begrenzte medizinische Versorgung, Sprachbarriere (Grönländisch und Dänisch), hohe Lebenshaltungskosten, sehr eingeschränkter Wohnungsmarkt und weitgehende Isolation.
In Kürze: Größte Insel der Welt, 2,16 Mio. km², davon 80 % Eis. 56.000 Einwohner (88 % Inuit), Nuuk (18.800) als Hauptstadt. Klima arktisch, keine Straßen zwischen Städten. Drei Vorteile: Fachkräftenachfrage, einzigartige Natur, moderate Steuern (25 % Corporate, 0 % MwSt). Drei Nachteile: extremes Klima, begrenzte medizinische Versorgung, sehr enger Wohnungsmarkt.
Aufenthaltsoptionen: Diese Wege führen nach Grönland
Grönland ist trotz seiner Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark ein eigenständiger Rechtsraum. Anders als bei Dänemark selbst gilt für DACH-Bürger KEINE Freizügigkeit. Der Aufenthalt bis 90 Tage ist visumfrei möglich, für längere Aufenthalte ist ein Residence Permit (Uppikaneq) beim Departementet for Selvstyre og Udenrigsanliggender erforderlich. Sechs Wege stehen zur Verfügung:
| Aufenthaltstyp | Zielgruppe | Zentrale Voraussetzung | Aufenthaltsdauer (Erstvergabe) |
| Visumfreie Einreise (Kurzaufenthalt) | Deutsche, Österreicher, Schweizer | Reisepass mit 3 Monaten Restgültigkeit; Grönland akzeptiert dänisches Schengen-Visum | Bis 90 Tage in einem 180-Tage-Zeitraum |
| Residence Permit (Uppikaneq) | Deutsche, Österreicher, Schweizer für längeren Aufenthalt | Antrag bei der grönländischen Ausländerbehörde. Grönland ist NICHT EU/EWR, keine automatische Freizügigkeit für DACH-Bürger | 1-2 Jahre, verlängerbar |
| Arbeitsbewilligung (Suliffik-akuersissut) | Arbeitnehmer mit konkretem Jobangebot | Arbeitsvertrag mit grönländischem Arbeitgeber; Nachweis, dass Position nicht mit lokalem Personal besetzt werden kann | Meist 2 Jahre, verlängerbar |
| Aufenthalt zum Studium | Studierende an der Universität Ilisimatusarfik in Nuuk | Zulassung, Finanznachweis, Krankenversicherung | Studiendauer |
| Familienzusammenführung | Angehörige von Personen mit Aufenthaltsstatus | Familienverhältnis, Wohnungsnachweis, Einkommensnachweis des Bürgen | Abhängig vom Bürgen |
| Nordische Bürger | Isländer, Norweger, Schweden, Finnen, Dänen | Nur Personalausweis. GILT NICHT für Deutsche, Österreicher oder Schweizer | Unbefristet |
In Kürze: Grönland NICHT EU/EWR – KEINE Freizügigkeit für DACH-Bürger. 90 Tage visumfreier Aufenthalt in 180-Tage-Zeitraum. Neuer internationaler Flughafen in Nuuk seit November 2024. Residence Permit (Uppikaneq) nur mit konkretem Aufenthaltsgrund. Bearbeitungszeit 3-6 Monate. Antragsgebühr DKK 3.000. Nordische Bürger genießen Freizügigkeit, Deutsche nicht.
Visumfreie Einreise als Erstschritt
Deutsche, Österreicher und Schweizer dürfen bis zu 90 Tage in einem 180-Tage-Zeitraum ohne Visum nach Grönland einreisen. Reisepass mit mindestens 3 Monaten Restgültigkeit genügt. Praktisch: Direktflüge gibt es aus Kopenhagen (täglich), Reykjavik (mehrmals wöchentlich), Toronto (saisonal) sowie neu seit 2024 einen internationalen Flughafen in Nuuk mit weiteren Verbindungen. Der Kurzaufenthalt eignet sich zur Erkundung – Arbeit ist nicht erlaubt. Wer länger bleiben will, muss vor Ablauf einen Residence Permit beantragen.

Der Residence Permit wird bei der grönländischen Einwanderungsbehörde beantragt. Bearbeitungszeit ist deutlich länger als in EU-Ländern: 3 bis 6 Monate sind normal. Voraussetzung ist immer ein konkreter Aufenthaltsgrund (Arbeit, Studium, Familie). Reine Lifestyle-Migration ohne wirtschaftliche Anknüpfung wird abgelehnt. Antragsgebühr rund DKK 3.000 (EUR 400), plus Kosten für Übersetzungen und Apostillen von Dokumenten.
Residence Permit über Arbeitsangebot
Der realistische Hauptweg für DACH-Auswanderer nach Grönland: Residence Permit in Verbindung mit einem Suliffik-akuersissut (Arbeitsbewilligung). Voraussetzung ist ein konkretes Jobangebot eines grönländischen Arbeitgebers. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass die Position nicht mit einheimischem Personal besetzt werden kann. Bevorzugt werden Berufe mit deutlichem Fachkräftemangel: Ärztinnen und Ärzte (extrem gefragt), Krankenpflegepersonal, Lehrer, Ingenieure (Bau, Rohstoff, Energie), IT-Spezialisten, spezialisierte Handwerker.
Der Arbeitgeber übernimmt die Federführung des Antragsverfahrens. Du reichst deine Unterlagen ergänzend ein: Ausbildungs- und Berufszeugnisse mit Apostille und Übersetzung ins Dänische, Führungszeugnis, Krankenversicherungsnachweis, biometrisches Passfoto. Bei Ärzten und Krankenpflegepersonal ist zusätzlich eine Anerkennung durch die grönländische Gesundheitsbehörde (Nakorsanut) erforderlich. Der Permit gilt zunächst 2 Jahre, verlängerbar. Nach 5 Jahren durchgehendem Aufenthalt kann dauerhafter Aufenthaltsstatus beantragt werden.
In Kürze: Realistischer Hauptweg: Suliffik-akuersissut mit konkretem Jobangebot. Bevorzugt: Ärzte (extrem gefragt), Krankenpflegepersonal, Lehrer, Ingenieure, IT, Handwerker. Bei Ärzten Anerkennung durch Nakorsanut nötig. Permit gilt 2 Jahre, verlängerbar. Nach 5 Jahren Dauerstatus möglich.
Studium und Familienzusammenführung
Die Universität Ilisimatusarfik in Nuuk bietet Studiengänge in Sozialwissenschaften, Verwaltung, Sprachwissenschaften und Lehramt. Unterrichtssprache überwiegend Dänisch, einige Programme auf Grönländisch oder Englisch. Für internationale Studierende gibt es begrenzte Plätze und Stipendien. Der Studien-Aufenthaltstitel ist zeitlich begrenzt und erlischt mit Studienende.
Familienzusammenführung ist für Angehörige von Personen mit grönländischem Aufenthaltsstatus möglich. Der Bürge muss Wohnung, Einkommen und Krankenversicherung nachweisen. In der Praxis ist Familienzusammenführung ein häufiger Weg für ausländische Partnerinnen und Partner von Personen, die aus Arbeitsgründen nach Grönland gezogen sind.
In Kürze: Universität Ilisimatusarfik in Nuuk, überwiegend Dänisch-Unterricht. Autonomiegebiet Dänemarks seit 1979, erweiterter Selvstyre seit 2009. US-Kaufabsichten 2025 von grönländischer und dänischer Regierung klar abgelehnt. Grönland bleibt Teil des Königreichs. Assoziiertes Gebiet der EU, kein Vollmitglied.
In Kürze: Einkommensteuer 42-44 % flatrate-artig (Kein progressiver Verlauf). AMA-Sozialabgabe nur 0,9 %. Körperschaftsteuer 25 %. Keine Mehrwertsteuer – stattdessen Importzölle. Kapitalertragsteuer wie Einkommen. Ehepartner erben steuerfrei. Bei Bruttoeinkommen EUR 67.000 Effektivbelastung 42-44 %.
Politischer Status: Das Autonomiegebiet und die USA-Frage
Grönland ist seit 1979 ein Autonomiegebiet innerhalb des Königreichs Dänemark, seit 2009 mit erweitertem Selbstverwaltungsstatus (Selvstyre). Dänemark ist zuständig für Verteidigung und Außenpolitik, Grönland für Innenpolitik, Wirtschaft, Justiz, Bildung und Gesundheit. 2025 rückte Grönland durch wiederholte US-Kaufabsichten der zweiten Trump-Regierung ins internationale Bewusstsein. Sowohl die grönländische als auch die dänische Regierung lehnten diese Vorstöße klar ab; die Insel bleibt Teil des Königreichs Dänemark.

Für Auswanderer relevant: Grönland ist 1985 durch Volksabstimmung aus der EG (Vorläufer der EU) ausgetreten und heute Teil der ‚Assoziierten Länder und Gebiete‘ der EU – nicht Vollmitglied. Damit gelten weder die EU-Freizügigkeit noch die Zoll-Union noch der Binnenmarkt. Grönländische Bürger haben durch die dänische Staatsbürgerschaft dennoch EU-Rechte in Kontinentaleuropa. Die politische Debatte um mögliche vollständige Unabhängigkeit von Dänemark ist präsent, aber ein konkreter Zeitplan existiert nicht.
Steuern in Grönland: Flatrate und keine Mehrwertsteuer
Das grönländische Steuersystem ist eigenständig und unterscheidet sich deutlich vom dänischen. Zwei Besonderheiten: Erstens ist die Einkommensteuer praktisch flatrate-artig aufgebaut (kein progressiver Verlauf wie in Dänemark). Zweitens erhebt Grönland KEINE Mehrwertsteuer – stattdessen werden Importzölle auf viele Waren erhoben. Zentrale Sätze für 2026:
| Steuerart | Satz / Spannweite | Bemessungsgrundlage in Grönland 2026 |
| Einkommensteuer (Skatteqarneq) | 42 – 44 % | Flatrate-artiges System aus Staatssteuer (rund 10-12 %) plus kommunalem Zuschlag (30-32 %). Grönland hat KEIN progressives System wie Dänemark |
| Sozialabgaben (AMA-Beitrag) | 0,9 % | Auf Bruttoeinkommen; sehr niedrig im internationalen Vergleich |
| Kirchensteuer | Kommunal (0,5-1 %) | Nur für Mitglieder der grönländischen Volkskirche |
| Körperschaftsteuer | 25 % | Auf Gewinne grönländischer Kapitalgesellschaften |
| Umsatzsteuer (Merværdiafgift) | 0 % | GRÖNLAND ERHEBT KEINE MEHRWERTSTEUER – Besonderheit im europäischen Umfeld |
| Import-Zölle | Variabel | Statt MwSt werden auf viele Waren Importzölle erhoben – Kaffee, Alkohol, Tabak besonders belastet |
| Kapitalertragsteuer | 42 – 44 % | Auf realisierte Veräußerungsgewinne, wie Einkommen behandelt |
| Erbschaft- und Schenkungsteuer | 0 – 36,25 % | Progressiv nach Verwandtschaftsgrad; Ehepartner steuerfrei |
| Vermögensteuer | 0 % | Grönland erhebt keine Vermögensteuer |
In Kürze: Kein eigenes DBA Deutschland-Grönland – höheres Doppelbesteuerungsrisiko. Wegzugsbesteuerung § 6 AStG: OHNE EU-Stundung, sofort fällig bei Beteiligungen ab 1 %. Kann sechsstellig werden. Frühzeitige Planung mit Steuerberater 12-18 Monate vor Umzug Pflicht.
Effektivbelastung und Wegzugsplanung
Bei einem Bruttojahresgehalt von DKK 500.000 (EUR 67.000) liegt die Effektivbelastung durch Einkommensteuer plus AMA plus ggf. Kirchensteuer bei rund 42 bis 44 Prozent. Anders als in Dänemark oder Deutschland skaliert das nicht mit dem Einkommen – 100.000 oder 200.000 Euro Bruttoeinkommen unterliegen praktisch demselben Marginalsatz. Für Hochverdiener ist das ungünstig verglichen mit progressiven Systemen, für Normalverdiener etwa auf europäischem Durchschnitt. Der Vorteil: keine Mehrwertsteuer, dafür Importzölle auf viele Konsumgüter.

Zwischen Deutschland und Grönland besteht kein eigenständiges DBA – die deutsch-dänischen Regelungen gelten nicht automatisch, da Grönland aus dem dänischen Steuerabkommen ausgenommen ist. Praktisch bedeutet das: höheres Risiko von Doppelbesteuerung, besonders bei Renten und Kapitalanlagen. Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG greift bei Beteiligungen ab 1 Prozent an Kapitalgesellschaften. Da Grönland nicht zum EU/EWR-Raum gehört, ist eine zinslose Stundung nach § 6 Abs. 4 AStG AUSGESCHLOSSEN – die Steuer wird sofort fällig. Bei wesentlichen Beteiligungen kann dies sechsstellige Beträge bedeuten. Frühzeitige Planung mit einem auf internationales Steuerrecht spezialisierten Berater ist Pflicht.
Lebenshaltungskosten: Sehr hoch bei knappem Angebot
Grönland ist teuer. Als Insel ohne Straßenverbindungen zwischen den Städten, ohne eigene Nahrungsmittelproduktion (außer Fisch, Robbe, Rentier) und mit sehr weiten Transportwegen sind praktisch alle Konsumgüter importiert und mit Aufschlägen versehen. Alkohol und Tabak sind besonders teuer wegen hoher Verbrauchsteuern. Der Wohnungsmarkt ist extrem eng – viele Wohnungen werden über die kommunale Wohnungsgesellschaft INI vergeben, oft mit jahrelangen Wartezeiten. Ausländische Fachkräfte erhalten in der Regel eine dienstliche Wohnung über den Arbeitgeber, was praktisch die einzige realistische Option ist.
| Kostenpunkt | Spanne (EUR/Monat) | Hinweis |
| 2-Zimmer-Wohnung Nuuk (Zentrum) | 1.100 – 1.800 | Hauptstadt, extrem knappes Angebot, sehr lange Wartezeit |
| 2-Zimmer-Wohnung Sisimiut, Ilulissat | 800 – 1.400 | Zweit- und drittgrößte Städte, kaum verfügbar auf freiem Markt |
| 2-Zimmer-Wohnung kleinere Siedlungen (Qaqortoq, Aasiaat) | 600 – 1.000 | Sehr wenige Angebote; oft nur über Arbeitgeber-Wohnungen |
| Nebenkosten (Strom, Heizung, Wasser) | 250 – 450 | Sehr hohe Heizkosten wegen arktischem Klima. 8-9 Monate Heizperiode |
| Internet (Satellit/Kabel, ab 50 Mbit/s) | 70 – 150 | Sehr teuer, oft langsamer als in Europa. Ausbau via TAT-Kabel begrenzt |
| Lebensmittel (eine Person) | 500 – 900 | Alles importiert außer Fisch, Robbe, Rentier. Preise 60-100 % über Dänemark |
| Restaurant lokal | 35 – 65 pro Mahlzeit | Sehr wenige Restaurants, praktisch nur in Nuuk und Ilulissat |
| Auto/Schneemobil | 300 – 700 | Zwischen Städten keine Straßenverbindung, Transport per Flug oder Boot |
| Flugreisen innerhalb Grönlands | 150 – 400 pro Flug | Zwischen Städten Flugzeug oder Boot, sehr hohe Preise |
Für eine Einzelperson mit moderatem Lebensstil sind in Nuuk 2.500 bis 3.500 Euro pro Monat realistisch, in kleineren Orten 2.000 bis 2.800 Euro. Familien mit zwei Kindern kommen in Nuuk nicht unter 4.500 bis 6.000 Euro pro Monat aus. Kinderbetreuung und Schulen sind kostenfrei. Öffentliches Schulsystem ist zweisprachig Grönländisch/Dänisch, mit Englisch als erster Fremdsprache. Internationale Schulen existieren praktisch nicht.
Beliebte Wohnorte in Grönland
- Nuuk: Hauptstadt an der Südwestküste, 18.800 Einwohner, seit 2024 mit neuem internationalen Flughafen. Alle Behörden, Universität, Zentralkrankenhaus, größtes Kulturangebot. Praktisch die einzige realistische Wohnadresse für internationale Auswanderer im Erwerbsalter.
- Sisimiut: Zweitgrößte Stadt an der Westküste, 5.500 Einwohner. Kupferabbau-Vergangenheit, moderne Fischerei, technische Fachschule. Etwas günstiger als Nuuk.
- Ilulissat: Drittgrößte Stadt (4.700 Einwohner) an der Diskobucht, UNESCO-Weltnaturerbe wegen des Eisfjords. Tourismus wachsend, wichtiger Standort für Wissenschaft und Klimaforschung.
- Qaqortoq: Größte Stadt im Süden Grönlands, 3.000 Einwohner. Etwas mildes Klima im grönländischen Vergleich, Schafzucht möglich, kleinere internationale Community.
- Kleinere Siedlungen: Für Auswanderer praktisch nicht realistisch. Sehr eingeschränkte Infrastruktur, kaum Wohnungsangebote am freien Markt.
Beim Immobilienkauf: Ausländer können in Grönland grundsätzlich kein Land besitzen – Land gehört dem grönländischen Volk und wird nur in Erbbaupacht vergeben. Häuser können gekauft werden, aber der Markt ist extrem eng. Praktisch alle internationalen Auswanderer wohnen in Miete, oft in dienstlichen Wohnungen des Arbeitgebers.
In Kürze: Nuuk (Hauptstadt, 18.800, neuer Flughafen), Sisimiut (5.500), Ilulissat (4.700, UNESCO-Eisfjord), Qaqortoq (3.000, mildester Süden). Ausländer können in Grönland KEIN Land besitzen (Land gehört grönländischem Volk, nur Erbbaupacht). Häuser können gekauft werden. Miete meist über Arbeitgeber-Wohnung.
Krankenversicherung und Gesundheitssystem
Grönland hat ein staatliches Gesundheitssystem (Nakorsanut), das nach Anmeldung beim Meldeamt für ansässige Personen kostenfrei zugänglich ist. Zentralkrankenhaus Dronning Ingrids Hospital in Nuuk bietet Grundversorgung. Für komplexere Behandlungen (Onkologie, Kardiologie, komplexe Chirurgie) werden Patienten regelmäßig nach Dänemark (Rigshospitalet Kopenhagen) transportiert – die Kosten trägt das grönländische System. Wichtig: Die medizinische Versorgung in Grönland ist gemessen an europäischen Standards begrenzt. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder besonderem medizinischen Bedarf ist Grönland kein geeignetes Auswanderungsziel.
Wartezeiten für Fachärzte können lang sein. Zahnmedizinische Leistungen sind für Ansässige kostenfrei, aber Kapazitäten begrenzt. Für Neuankömmlinge gilt eine Wartezeit von 6 Monaten – während dieser Zeit ist eine private oder internationale Krankenversicherung nötig. Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung endet mit dem Wegzug; eine Anwartschaftsversicherung kann für spätere Rückkehr sinnvoll sein.
Sprache, Kultur und Alltag
Grönland hat zwei Amtssprachen: Grönländisch (Kalaallisut, seit 2009 als einzige Amtssprache anerkannt, praktisch aber gleichberechtigt mit Dänisch) und Dänisch. Grönländisch ist eine Inuit-Sprache und für Deutsche extrem schwierig zu erlernen (polysynthetische Sprachstruktur, keine Verwandtschaft mit indoeuropäischen Sprachen). Fast alle Grönländer sprechen auch Dänisch, viele auch Englisch. Für den Berufsalltag in Nuuk kommst du mit Englisch und Dänisch weit; für tiefere Integration und viele Positionen (Bildung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung) wird Grönländisch schrittweise erwartet.
Kulturell ist Grönland eine überwiegend Inuit-geprägte Gesellschaft mit starken traditionellen Werten (Verbindung zur Natur, Jagd, Fischerei, Familie) und modernen Elementen. Sozialer Anschluss braucht Zeit und Bereitschaft, die kulturellen Codes zu respektieren. Die Kolonialgeschichte (Grönland war bis 1953 dänische Kolonie) ist ein sensibles Thema, das Auswanderer im Bewusstsein haben sollten. Positives: sehr sichere Gesellschaft, niedrige Kriminalitätsrate. Herausforderungen: Alkoholismus und Suizidrate historisch überdurchschnittlich, aber mit deutlichen Verbesserungen in den letzten Jahren.
In Kürze: Staatliches Nakorsanut, nach Anmeldung kostenfrei. 6 Monate Wartezeit für Neuankömmlinge. Zentralkrankenhaus Dronning Ingrids Hospital in Nuuk. Komplexe Behandlungen in Kopenhagen. Amtssprachen Grönländisch (Kalaallisut) und Dänisch. Englisch und Dänisch für Berufsalltag ausreichend, Grönländisch für tiefe Integration.
Vorbereitung: Schritt für Schritt zur Auswanderung
- Grundlegende Machbarkeit prüfen: Ohne konkretes Jobangebot in einem Mangelberuf oder Familienanker praktisch keine Chance auf Residence Permit.
- Vor-Ort-Erkundung: 2 bis 4 Wochen visumfreier Aufenthalt in Nuuk zur ersten Einschätzung. Wohnungsmarkt-Realität, Klima und Isolation ehrlich einordnen.
- Arbeitsangebot sichern: Bewerbungen bei Zentralkrankenhaus Dronning Ingrids Hospital, kommunalen Verwaltungen (Kommuneqarfik Sermersooq für Nuuk-Region), größeren Fischereiunternehmen, Bergbaufirmen, Bildungseinrichtungen. Extremer Fachkräftemangel v.a. in Medizin.
- Residence Permit beantragen: Über den Arbeitgeber bei der grönländischen Einwanderungsbehörde. Bearbeitungszeit 3-6 Monate. Antragsgebühr DKK 3.000.
- Wegzugsplanung mit deutschem Steuerberater: § 6 AStG greift OHNE EU-Stundungsoption. Kein DBA Deutschland-Grönland (nur Dänemark-DBA gilt eingeschränkt). Bei wesentlichen Beteiligungen sofort fällig.
- Dienstliche Wohnung mit Arbeitgeber klären: Auf dem freien Markt praktisch keine Wohnungen. Klärung mit Arbeitgeber Teil der Vertragsverhandlung.
- Krankenversicherung für Übergangszeit: Internationale Deckung für die ersten 6 Monate bis zur Aufnahme ins grönländische System.
- Anmeldung beim Meldeamt: Nach Ankunft und Einzug, mit Residence Permit und Wohnungsnachweis. Erhalt der CPR-Nummer (grönländische Personenkennziffer).
- Wohnsitzabmeldung in Deutschland, Österreich oder Schweiz: Erst nach aktivierter CPR-Nummer und faktischem Wohnsitz vor Ort.
- Bankkonto eröffnen: Grønlandsbanken oder BankNordik in Nuuk. CPR-Nummer und Wohnsitznachweis erforderlich.
Häufige Fehler und Stolperfallen
- EU-Freizügigkeit angenommen: Grönland ist 1985 aus der EG ausgetreten und ist heute Teil der ‚Assoziierten Länder und Gebiete‘ der EU. KEIN Freizügigkeitsrecht für Deutsche.
- Arbeitsangebot fehlt: Ohne konkretes Jobangebot in einem Mangelberuf ist der Residence Permit praktisch nicht zu bekommen. Reine Lifestyle-Migration wird abgelehnt.
- Klima unterschätzt: Arktisches Klima ist eine deutliche physische und mentale Herausforderung. Polarnacht im Winter, extreme Kälte, Wintermonate mit sehr wenig Tageslicht – vor Umzug realistisch prüfen.
- Medizinische Versorgung überschätzt: Für chronische Erkrankungen und speziellen medizinischen Bedarf ist Grönland ungeeignet. Grundversorgung solide, komplexe Fälle nur über Transport nach Dänemark.
- Wegzugsbesteuerung übersehen: Ohne EU-Stundungsoption sofort fällig – kann sechsstellig werden. KEIN eigenes DBA Deutschland-Grönland.
- Wohnungsmarkt-Realität: Extrem enger Markt. Ohne dienstliche Arbeitgeber-Wohnung praktisch keine Chance. Klärung Teil der Vertragsverhandlung.
- Isolation nicht bedacht: Zwischen den Städten keine Straßen. Reisen sehr teuer und wetterabhängig. Regelmäßiger Rückflug nach Europa selten unter EUR 800.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich als Deutscher ein Visum für Grönland?
Für Aufenthalte bis 90 Tage in einem 180-Tage-Zeitraum nein – Reisepass genügt. Für längere Aufenthalte JA: Grönland ist NICHT Teil der EU (1985 ausgetreten). Du brauchst einen Residence Permit (Uppikaneq) von der grönländischen Einwanderungsbehörde.
Kann ich einfach so nach Grönland ziehen?
Nein. Ein Residence Permit wird nur mit konkretem Aufenthaltsgrund erteilt: Arbeitsangebot in einem Mangelberuf, Studium, Familienzusammenführung. Reine Lifestyle-Migration wird abgelehnt. Der Wohnungsmarkt ist zusätzlich so eng, dass ohne dienstliche Wohnung des Arbeitgebers praktisch keine Chance auf Wohnraum besteht.
Welche Berufe sind besonders gefragt?
Extremer Fachkräftemangel bei: Ärztinnen und Ärzte (praktisch alle Fachrichtungen), Krankenpflegepersonal, Lehrer (v.a. mit Dänisch-Sprachfähigkeit), Ingenieure (Bau, Energie, Rohstoff), IT-Spezialisten, spezialisierte Handwerker. Bewerbungen bei Zentralkrankenhaus in Nuuk, kommunalen Verwaltungen und größeren Unternehmen.
Wie hoch sind meine Steuern in Grönland?
Einkommensteuer 42-44 % (flatrate-artig, kein progressiver Verlauf wie in Dänemark). AMA-Sozialabgabe nur 0,9 %. Körperschaftsteuer 25 %. KEINE Mehrwertsteuer, stattdessen Importzölle. Kapitalertragsteuer wie Einkommen 42-44 %. Ehepartner erben steuerfrei. Kein eigenes DBA Deutschland-Grönland – Doppelbesteuerungsrisiko höher als bei EU-Zielen.
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten wirklich?
Sehr hoch. Einzelperson in Nuuk 2.500-3.500 €/Monat, in kleineren Städten 2.000-2.800 €. Familie mit zwei Kindern in Nuuk 4.500-6.000 €. Praktisch alle Waren importiert (60-100 % über Dänemark). Innerdörfliche Flüge zwischen Städten 150-400 € pro Flug. Rückflug nach Europa selten unter 800 €.
Wie funktioniert das Gesundheitssystem?
Staatliches Nakorsanut, nach Anmeldung kostenfrei. 6 Monate Wartezeit für Neuankömmlinge – internationale Krankenversicherung für Übergangszeit Pflicht. Zentralkrankenhaus Dronning Ingrids Hospital in Nuuk, komplexe Behandlungen in Dänemark (Kosten trägt Grönland). Für chronische Erkrankungen ungeeignet.
Muss ich Grönländisch lernen?
Für den Berufsalltag in Nuuk kommst du mit Englisch und Dänisch weit; fast alle Grönländer sprechen fließend Dänisch. Für tiefere Integration und viele Positionen (Bildung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung) wird Grönländisch schrittweise erwartet. Grönländisch ist als Inuit-Sprache extrem schwierig für Deutsche – Dänisch als praktikables Zwischenziel.
Wie ist das Klima wirklich?
Arktisch. Im Süden Sommer 5-10 °C, Winter -5 bis -15 °C. Im Norden noch deutlich extremer. Polarnacht im Winter (November bis Januar viele Stunden ohne Tageslicht), Polartag im Sommer (Juni-Juli 24-Stunden-Licht). Klima ist eine deutliche mentale und physische Herausforderung – realistisch vor Umzug einschätzen.
Wie steht es um die politische Zukunft mit den USA-Kaufabsichten?
Sowohl grönländische als auch dänische Regierung lehnten die US-Kaufabsichten der zweiten Trump-Regierung 2025 klar ab. Grönland bleibt Teil des Königreichs Dänemark. Die politische Debatte um mögliche vollständige Unabhängigkeit ist präsent, aber ein konkreter Zeitplan existiert nicht. Für Auswanderer aktuell keine unmittelbaren rechtlichen Auswirkungen.
Ist der neue internationale Flughafen in Nuuk relevant für Auswanderer?
Ja. Seit November 2024 gibt es einen internationalen Flughafen in Nuuk, der die Erreichbarkeit deutlich verbessert. Bisher waren die meisten internationalen Verbindungen über Kangerlussuaq mit Umsteigen nötig. Der neue Flughafen ermöglicht Direktverbindungen nach Kopenhagen und Reykjavik ohne Umsteigen.
Fazit: Für wen Grönland als Auswanderungsziel passt
Grönland ist 2026 ein Nischen-Auswanderungsziel für sehr spezifische Profile. Erstens für Fachkräfte in ausgeprägten Mangelberufen – v.a. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegepersonal, Ingenieure und Lehrer – mit konkretem Jobangebot und Bereitschaft, mindestens 2-3 Jahre unter arktischen Bedingungen zu leben. Zweitens für Menschen mit tiefer Verbindung zur arktischen Naturwelt und wissenschaftlichem Interesse (Klimaforschung, Geologie, Meeresbiologie). Drittens für Menschen im Rahmen von Familienzusammenführung mit grönländischen Partnern.
Nicht geeignet ist Grönland für: Lifestyle-Migranten ohne beruflichen Anker, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder speziellem medizinischen Bedarf, Familien mit Bedarf an internationalen Schulen, Menschen mit ausgeprägtem Bedarf an mildem Klima oder internationaler Vielfalt. Drei Punkte sind entscheidend für deinen Erfolg. Erstens: Arbeitsangebot in einem Mangelberuf und dienstliche Wohnung frühzeitig sichern, ohne beides praktisch aussichtslos. Zweitens: Wegzugsbesteuerung strukturieren – ohne EU-Stundung sofort fällig, kein eigenes DBA. Drittens: Sprach- und Klimabereitschaft realistisch einschätzen und vorab mit einem längeren visumfreien Aufenthalt (idealerweise inklusive Wintermonaten) testen. Mit dieser Vorbereitung wird Grönland zu einer einzigartigen und für die richtigen Profile prägenden Auswanderungserfahrung.







