Inhalt dieses Artikels

Kein Land zieht so viele Deutsche an wie Österreich. Am 1. Januar 2025 lebten dort rund 239.500 deutsche Staatsangehörige, sie sind damit die größte Gruppe ohne österreichischen Pass (Statistik Austria). Die gemeinsame Sprache macht den Schritt leicht. Gerade deshalb unterschätzen viele, wie verschieden Alltag, Behörden und Arbeitskultur sind.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

VorteileNachteile
Deutsch als Amtssprache, keine Sprachprüfung nötigstarke Dialekte, vor allem auf dem Land
EU-Freizügigkeit: kein Visum, keine ArbeitserlaubnisMeldepflicht binnen drei Tagen, Anmeldebescheinigung binnen vier Monaten
hohe Sicherheit und Lebensqualitäthohe Mieten in Wien, Salzburg, Innsbruck und Tourismusorten
gesetzlich fünf Wochen Urlaub, 13. und 14. Monatsgehalt über KollektivverträgeGehälter in vielen Branchen unter süddeutschem Niveau
Natur, Berge und kurze Wege zurück nach DeutschlandDoppelstaatsbürgerschaft bei Einbürgerung in der Regel nicht möglich
Eigene Zusammenstellung, Rechtsstand September 2026

Ob die Vorteile überwiegen, hängt vor allem an zwei Fragen: Haben Sie vor dem Umzug einen Arbeitsvertrag oder ein sicheres Einkommen, und wo wollen Sie wohnen? Wer mit Job nach Graz oder Linz zieht, lebt anders als jemand, der ohne Stelle eine Wohnung in Wien sucht.

Anmeldung und Aufenthalt: was Deutsche erledigen müssen

Als EU-Bürger reisen Sie mit Personalausweis oder Reisepass ein, ein Visum brauchen Sie nicht. Sobald Sie eine Wohnung beziehen, beginnt eine kurze Frist: Innerhalb von drei Tagen melden Sie sich mit dem Meldezettel bei der Meldebehörde an. Wer das versäumt, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 726 Euro, im Wiederholungsfall mehr (Meldegesetz 1991).

Bleiben Sie länger als drei Monate, beantragen Sie zusätzlich die Anmeldebescheinigung bei der Niederlassungsbehörde, in Wien bei der MA 35. Der Antrag muss binnen vier Monaten ab der Einreise gestellt sein (oesterreich.gv.at). Sie brauchen dafür einen Ausweis und den Nachweis, warum Sie sich aufhalten dürfen: einen Arbeitsvertrag, eine Gewerbeanmeldung, eine Inskription oder ausreichende Existenzmittel samt Krankenversicherung.

Für Menschen ohne Erwerbstätigkeit, etwa im Ruhestand, gilt der Ausgleichszulagen-Richtsatz als Orientierung für ausreichende Mittel. 2026 liegt er für Alleinstehende bei 1.308,39 Euro im Monat (Sozialministerium). Nach fünf Jahren rechtmäßigem und ununterbrochenem Aufenthalt können Sie die Bescheinigung des Daueraufenthalts beantragen.

gruenderfreunde-auswanderungsberatung

Arbeiten in Österreich

Deutsche brauchen für eine Anstellung keine Arbeitserlaubnis. Die Arbeitsbedingungen regeln in fast allen Branchen Kollektivverträge, die Mindestlöhne, Arbeitszeiten und Sonderzahlungen festlegen. Üblich sind ein 13. und 14. Monatsgehalt, die steuerlich begünstigt sind. Gesetzlich stehen Ihnen fünf Wochen Urlaub im Jahr zu, nach insgesamt 25 Dienstjahren sechs Wochen (Urlaubsanspruch).

Die Bruttogehälter liegen in vielen Branchen unter denen in Bayern oder Baden-Württemberg. Vergleichen Sie deshalb Nettojahresgehalt und Wohnkosten am Zielort, nicht das Monatsbrutto. Gute Chancen haben Fachkräfte in Pflege, Technik, IT, Bau und Tourismus. Offene Stellen finden Sie beim Arbeitsmarktservice AMS, auf den großen Jobportalen und direkt bei den Unternehmen.

Im Bewerbungsgespräch zählen Höflichkeit und Form. Titel werden in Österreich auch im Alltag verwendet, und ein zu direkter Ton kommt schlechter an als in Deutschland. Klären Sie früh, ob Ihr Abschluss anerkannt werden muss, vor allem in reglementierten Berufen.

Wohnen und Lebenshaltungskosten

Der größte Kostenblock ist die Miete. In Wien, Salzburg, Innsbruck und den Tourismusregionen liegen die Preise oft über deutschem Niveau, in kleineren Städten und auf dem Land deutlich darunter. Vermieter verlangen meist Einkommensnachweise, eine Kaution von mehreren Monatsmieten und häufig eine Maklerprovision. Befristete Mietverträge sind verbreitet.

Wohnhäuser in einer Siedlung am Stadtrand

Starten Sie die Suche drei bis sechs Monate vor dem Umzug und bündeln Sie Besichtigungen. Halten Sie Unterlagen als PDF bereit, lesen Sie Betriebskosten und Befristung genau und dokumentieren Sie bei der Übergabe die Zählerstände mit Fotos. Wer eine Küche vom Vormieter übernimmt, hält die Ablöse schriftlich fest.

Krankenversicherung und Gesundheit

Österreich verfügt über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit Pflichtversicherung für Erwerbstätige. Arbeitnehmer werden automatisch über die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) versichert und erhalten die e-card als Nachweis. Wer noch nicht bei der ÖGK erfasst ist, etwa in den ersten Wochen nach dem Umzug, schließt für diese Zeit üblicherweise eine Auslandskrankenversicherung ab, etwa bei Redion (bis September 2026 Europ Assistance).

Wer nicht erwerbstätig ist, kann sich bei der ÖGK selbst versichern. Klären Sie den Wechsel aus der deutschen Kasse oder PKV rechtzeitig, damit keine Lücke entsteht. Die Notrufnummern lauten 112 für den Euro-Notruf, 144 für die Rettung und 133 für die Polizei.

Umzug, Auto und Alltag

Persönliches Umzugsgut bringen Sie innerhalb der EU zollfrei mit. Vor der Abreise kündigen Sie Wohnung, Strom und Internet, richten einen Nachsendeauftrag ein und melden sich in Deutschland ab. Ein Auto mit deutschem Kennzeichen müssen Sie nach der Wohnsitznahme in Österreich ummelden. Dabei kann die Normverbrauchsabgabe (NoVA) anfallen, die sich nach dem CO2-Ausstoß richtet. Bei großen Fahrzeugen ist ein Verkauf in Deutschland und ein Neukauf vor Ort manchmal günstiger.

Umzugskartons in einer leeren Altbauwohnung

Im Alltag hilft Offenheit. Vereine, Feuerwehr, Musik und Sport sind auf dem Land der schnellste Weg zu Kontakten. Wörter wie Jänner, Paradeiser, Erdäpfel oder Sackerl lernen Sie schnell. Schwerer ist die indirekte Art, Kritik zu äußern. Wer zuhört und nicht jede Frage sofort ausdiskutiert, kommt besser an.

Für wen sich Österreich eignet

Gut passt Österreich für Fachkräfte mit Jobzusage, für Familien mit langfristiger Perspektive, für Grenzpendler und für alle, die Berge und Natur schätzen. Weniger geeignet ist es für Menschen mit sehr knappem Budget, die ein günstiges Auswanderungsziel suchen. Verbringen Sie vor der Entscheidung einige Wochen zur Probe vor Ort.

Wer noch vergleicht: Ähnlich nah und deutschsprachig sind die Schweiz, Liechtenstein und Südtirol. Grundsätzliches zum Wegzug aus Deutschland steht in unseren Tipps zur Rechtslage beim Auswandern.

Häufige Fragen zum Auswandern nach Österreich

Kann man als Deutscher ohne Visum nach Österreich auswandern?

Ja, als EU-Bürger reisen Deutsche ohne Visum ein und dürfen ohne Arbeitserlaubnis arbeiten. Den Wohnsitz melden Sie binnen drei Tagen an, bei mehr als drei Monaten Aufenthalt beantragen Sie binnen vier Monaten die Anmeldebescheinigung.

Was spricht für und gegen das Auswandern nach Österreich?

Dafür sprechen gemeinsame Sprache, EU-Freizügigkeit, hohe Sicherheit, fünf Wochen Urlaub und das 13. und 14. Gehalt. Dagegen stehen hohe Mieten in den Städten, oft niedrigere Gehälter als in Süddeutschland und kulturelle Unterschiede.

Wie viel Geld braucht man, um in Österreich zu leben?

Das hängt vor allem von der Miete ab, die in Wien, Salzburg und Innsbruck hoch ist. Wer ohne Arbeit eine Anmeldebescheinigung beantragt, orientiert sich am Ausgleichszulagen-Richtsatz, 2026 für Alleinstehende 1.308,39 Euro im Monat.

Verdient man in Österreich weniger als in Deutschland?

In vielen Branchen liegen die Bruttogehälter unter süddeutschem Niveau. Dafür sichern Kollektivverträge Mindeststandards und meist ein 13. und 14. Monatsgehalt. Vergleichen Sie Nettojahresgehalt und Wohnkosten.

Wie viele Deutsche leben in Österreich?

Laut Statistik Austria lebten am 1. Januar 2025 rund 239.500 deutsche Staatsangehörige in Österreich. Sie sind die größte Gruppe ohne österreichische Staatsbürgerschaft.

Newsletter abonnieren

Vorheriger ArtikelAuswandern nach Dänemark: CPR-Nummer, Steuern, Jobs und Kosten für Deutsche
Nächster ArtikelAuswandern nach Kanada: Express Entry, Arbeitserlaubnis, Steuern und Firma gründen
Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.