Die Logistik-Plattform catkin aus Dortmund, die im Mai 2018 ihren 5. Geburtstag feiert, ist mittlerweile etabliert. Aber auch wenn das junge Unternehmen bereits Gewinne erzielt, weht immer noch der Geist eines Start-ups durch die Geschäftsräume mit direktem Blick auf den Phoenix-See an der Dortmunder Hafenpromenade. Um schneller expandieren zu können, sind die Logistikexperten aktuell auf der Suche nach Investoren. Wir haben exklusiv mit den beiden Gründern Geert-Jan Gorter und Christian Krüger gesprochen.

GF: Erklärt doch zu Beginn euren Firmennamen und was ihr genau macht.

GJG: Unser Firmenname „catkin“ kommt aus dem Englischen und bedeutet zu Deutsch „Weidenkätzchen“. Das Weidengewächs ziert auch unser Logo. Es hat sehr verzweigte Äste, genauso wie die Dienstleisterstrukturen in unserem ursprünglichen Anwendungsfall – im Kombinierten Verkehr. Dort wird zum einen die Transportleistung durch verschiedene Verkehrsmittel erbracht, zum anderen sind zahlreiche Dienstleister an dem Umschlag der Ladeeinheiten beteiligt.

CK: Unsere Plattform verbindet einfach, schnell und sicher Unternehmen in der Logistikkette über gemeinsame Dienstleistungsaufträge. Mobile Einheiten wie beispielsweise Personal und Fahrzeuge werden einfach über Smartphone- oder Tablet-App eingebunden. Sämtliche Daten liegen in der catkin-Cloud, sind in Echtzeit an jedem Ort verfügbar und können von allen Zugangsberechtigten jederzeit abgerufen und ausgewertet werden. Die so gewonnene Transparenz vermeidet Fehler und Zusatzarbeiten bei allen Beteiligten in Logistikketten, der Abwicklungsprozess wird beschleunigt, was zu deutlichen Kosteneinsparungen führt.

catkin Logistik
Geschäftsführung catkin
GF: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine solche Plattform zu entwickeln und was ist euer persönlicher Hintergrund?

GJG: Egal ob Spedition, Bahnunternehmen oder Binnenschiff: Überall herrscht eine viel zu geringe Transparenz über den Status eines konkreten Auftrags. Ich komme ursprünglich aus den Niederlanden und entwickele schon seit 2004 in Dortmund Software für die Transportlogistik von privaten Eisenbahnen. Mit der Konzeption und Entwicklung des catkin-Portals haben wir bereits Jahre vor der eigentlichen Gründung im Jahr 2013 begonnen. Aber erst die fortgeschrittene Entwicklung von Cloudspeichern, Smartphones, Apps, Schnittstellenstandards und vernetzten Web-Plattformen ermöglichte die technologische Basis für die Realisierung der neuen Geschäftsidee. Mit dem Internet of Things und der Blockchain-Technologie kommt jetzt der nächste Schub für Logistik 4.0.

CK: Ich war vor dem Schritt in die Selbstständigkeit bei boxXpress, der Hamburger Hochbahn und der Deutschen Bahn tätig. Und überall habe ich festgestellt, dass der manuelle Anteil in den Logistikprozessen immer noch sehr hoch ist und in der Regel eine eindeutige und nachvollziehbare Beauftragung sowie eine automatische Statusüberwachung bei Dienstleistungsaufträgen fehlt. Auch heute wird im Logistikbereich meist noch parallel per Telefon, Fax und Email beauftragt sowie Detailinformationen zum selben Auftrag ausgetauscht. Dies führt zu Doppeleingaben, vermeidbaren Fehlern und unnötiger Hektik in den disponierenden Unternehmenseinheiten. Vorhandene IT-Systeme sind zudem nur über aufwendig zu erstellende und zu pflegende Schnittstellen miteinander koppelbar. Das alles kann mit Hilfe der catkin-Plattform einfach vermieden werden. In der Praxis – so das Ergebnis etlicher Kundenprojekte – halbieren sich damit die Fehlerquoten in der Administration und die Durchlaufzeiten werden deutlich kürzer.

GF: Und wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

CK: Unsere Logistikplattform basiert auf dem SaaS-Prinzip – also „Software as a Service“ – und funktioniert nach dem Modell „Pay-per-Transaction“. Die darüber abgewickelten Arbeitsabläufe werden also pro „Business Transaction“ mit uns abgerechnet. Zudem zahlen catkin-Nutzer eine Einrichtungsgebühr, die sich an den gewünschten Prozessberatungs- und Konfigurationsleistungen orientiert. Hinzukommen können optional beauftragte Entwicklungsprojekte, wie die Programmierung von Schnittstellen oder vernetzte Speziallösungen. Der Vorteil für unsere Kunden: In aller Regel liegen die von uns mit Hilfe der Plattform realisierten Projekte preislich deutlich unterhalb der Design-Kosten von üblichen Softwarelösungen im Logistikbereich.

GF: Aktuell seid ihr auf der Suche nach Investoren. Wieso das?

GJG: Unser kombiniertes Geschäftsmodell, das sich auf langfristige Verträge statt auf ein volatiles Projektgeschäft konzentriert, hat schon im November 2014 einen strategischen Investor überzeugt. Der zieht sich jetzt aber aus privaten Gründen zurück. Deshalb planen wir eine weitere Finanzierungsrunde, um das Wachstum von catkin schneller und deutlich stärker voranzutreiben. Was wir zurzeit erleben, ist eine Art Schneeballeffekt – vor allem im Kombinierten Verkehr verbreitet sich die Nutzung von catkin im Augenblick rasant. Mit Hilfe einer Kapitalfinanzierung wollen wir insbesondere unsere Manpower erweitern, um das schnell wachsende Arbeitsvolumen besser bewältigen zu können.

CK: Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut. Wir schreiben bereits schwarze Zahlen, haben einen gesunden Kundenstamm mit zahlreichen mittelständischen Unternehmen und einigen bedeutenden Playern auf dem Logistikmarkt. Unser Umsatz hat sich seit 2015 jährlich etwa verdreifacht und wird wahrscheinlich schon bald die magische Millionengrenze überschreiten. Mit dem neuen Investor an Bord wollen wir unseren Umsatz mit der nun bereits bewährten Technologie jährlich um den Faktor 10 erhöhen.

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GF: Wo seht ihr Wachstumschancen? Auch außerhalb der Logistikbranche?

CK: Auch wenn unsere Idee mittlerweile in der Logistik angekommen ist und auch große Unternehmen wie DB Cargo, VTG, TXLogistik oder die Spedition Kloiber die catkin-Plattform erfolgreich einsetzen, gibt es noch ein riesiges Potenzial in der Branche, das es zu erschließen gilt. Deshalb entwickeln wir auf Basis der universellen catkin-Plattform verschiedene vernetzte Spezialanwendungen. Zum Beispiel cTRANS, eine SaaS-Speditionssoftware in der Cloud für Containerspeditionen. Sie berücksichtigt die Besonderheiten dieses Branchenzweigs und ist vollständig mit unserer Plattform vernetzt.

GJG: In den nächsten fünf Jahren wollen wir weitere solcher Anwendungsfälle umsetzen und außerdem Kunden aus anderen Branchen gewinnen. Interessant sind beispielsweise der Energie- und Versorgersektor oder die Bereiche Reparatur und Instandhaltung oder Facility Management. Denn auch dort erbringen verschiedene Teams und mobile Mitarbeiter Einzelleistungen, die nur zusammengenommen die Gesamtleistung ergeben. Außerdem wollen wir verstärkt internationale Kunden hinzugewinnen. Dabei liegt der Fokus erst einmal auf Europa. Vertriebspartner gibt es bereits in Österreich, der Schweiz, Italien und den Niederlanden, weitere Märkte sollen bald hinzukommen.

GF: Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg!

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