Foodthemen sind in, das Interesse an bewusster Ernährung und die Lust, immer wieder neue Gaumenfreuden zu entdecken, verbreiteter denn je. Davon profitiert auch Foodvibes, ein Startup aus Hamburg, dass mit einer monatlichen Überraschungsbox voller Leckereien die Kunden begeistern will.

Die Idee, Feinschmecker per Abo jeden Monat mit neuen Köstlichkeiten zu beglücken, ist nicht völlig neu. Foodist zum Beispiel ist mit diesem Konzept schon etwas länger erfolgreich am Markt (hier dazu unser großes Interview). Foodvibes-Gründer Gordian Madsen ist trotzdem zuversichtlich, dass sich sein Unternehmen durchsetzen wird, denn sein Prinzip, ausschließlich mit deutschen, regional agierenden Manufakturen zu kooperieren, gibt ihm dann doch wieder ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Im Exklusivinterview erklärt er uns ausführlich sein im Ende 2014 gelaunchtes Startup.

Wie ist Foodvibes entstanden?

Ich komme ursprünglich aus dem Sportmanagement, aber mir war von Anfang an klar, dass ich mein eigenes Unternehmen gründen will. Die Idee zu Foodvibes kam dann durch meine Mutter. Sie hat schon immer viel mit hochwertigen, regionalen Produkten gekocht und irgendwann gesagt, dass Sie auch mal selber etwas herstellen und verkaufen möchte. Da habe ich dann überlegt, wie man den Verkauf am besten angehen könnte. Manufakturen, die tolle, handgemachte Nahrungsmittel anbieten gibt es ja en masse, meistens aber eben nur auf den lokalen Wochenmärkten. Mit Foodvibes wollen wir jetzt den Manufakturen eine Plattform geben, auf der Sie Ihre Produkte deutschlandweit anbieten können. Meine Mutter hat Ihre ursprüngliche Idee dann erst einmal auf Eis gelegt und hilft mir jetzt bei der Suche nach geeigneten Manufakturen, weil sie da einige sehr gute Kontakte hat.

Wie entwickelt sich das Geschäft bisher?

Bei den meisten Startups liegt der Trend ja darin, sofort viel Geld aufzunehmen und schnell groß zu werden. Dabei weiß niemand, ob so ein Unternehmen überhaupt wirtschaftlich sein kann und ob es in ein paar Jahren noch existiert. Dagegen ist mein Ansatz, die ersten sechs Monate erst einmal zu schauen, ob das, was ich mir mit Foodvibes vorgestellt habe, auch tatsächlich so gut funktioniert, um dann zu sehen, wie wir die Zukunft strukturieren. Aktuell verkaufen wir nach dem Start im Dezember 2014 schon jetzt über 200 Boxen monatlich und haben dabei maximal ein bis zwei Kündigungen pro Monat. Allein das zeigt mir, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

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Ihr habt zudem den Vorteil, ein bisschen ein Familienunternehmen zu sein.

Das stimmt, ich kann zum Beispiel die Räume der Firma meines Vaters als Büro und Lager nutzen. Meine Mutter hilft mir bei der Suche nach Manufakturen und schreibt Beiträge für unseren Blog. Meine Schwester hat Grafik und Design studiert – sie ist also die perfekte Besetzung für das Design unserer Homepage und für die Erstellung unseres Bildmaterials. Wir haben aber auch eine studentische Aushilfe und jemanden, der sich aktiv um die Kundenakquise kümmert. Zudem steigt ab April einer meiner besten Freunde mit ins Unternehmen ein. Er hat bisher bei der Kfw-Bank gearbeitet und ist für mich ein sehr wichtiger Pfeiler im Grundgerüst von Foodvibes.

 

Gordian Madsen

Was ist dann Deine Hauptaufgabe?

Grundsätzlich mache ich fast alles, ich denke das ist normal bei einem jungen Unternehmen. Der Fokus liegt aber ganz klar im Marketing und dem Sourcing der Manufakturen. Viele dieser kleinen Manufakturen findet man über das Internet, aber das sind dann natürlich genau die Anbieter, auf die auch jeder andere kommen kann. Interessanter sind oft noch die Empfehlungen, die wir von Manufakturen, Partnern oder auch von unseren Kunden bekommen. Außerdem besuche ich viele kleine Märkte und Messen.

Besuchst Du alle Manufakturen, mit denen Du kooperieren willst?

Das ist oft nicht immer sofort möglich, aber ich telefoniere mit jedem, oft stundenlang. Die haben alle wirklich spannende Geschichten zu erzählen, die wir dann ja auch in unserem Blog veröffentlichen. Dort gibt es übrigens auch diverse trendige Foodthemen, die über die reine Produktvorstellung hinausgehen.

Wie stellst Du die Box zusammen?

Bei der Boxenzusammenstellung schließen wir grundsätzlich nichts aus, aber wir achten darauf, dass nicht zu hochprozentiger Alkohol dabei ist, und wir haben kaum etwas mit Fleisch, weil viele unserer Kunden vegetarisch oder sogar vegan leben. Wir nutzen also schon Fleischprodukte, aber eben sehr wenig. Etwas zu trinken ist immer dabei, aber mehr möchte ich nicht verraten.

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Wie sieht Eure Wachstumsperspektive aus?

Schon jetzt mit 200 Boxen machen wir kein großes Minus mehr, und ab 1.000 Boxen sollte es langsam auch finanziell Spaß machen. Langfristig könnten wir in Deutschland mit unseren jetzigen Ressourcen bis zu 20.000 Boxen im Monat schaffen. Unsere Manufakturen sind zum größtenteil so professionell aufgestellt, dass wir mit größeren Mengen planen können. Im Moment wissen wir ca. 3 bis 4 Wochen vor Auslieferungstermin, was in unseren jeweiligen Boxen drin sein wird. Wenn sich das Geschäft so entwickelt, wie ich das erwarte, dann werden wir die Vorlaufzeiten entsprechend verlängern. Langfristig kann mir sehr gut vorstellen, dass unser Geschäftsmodell auch auf andere Länder übertragbar ist.

Wie seid ihr finanziert?

Ich habe bisher alles selber finanziert und mache mir folgerichtig um jeden Euro Gedanken. Wie erwähnt, möchte ich erst einmal sehen ob das Konzept aufgeht bevor ich eine Finanzierung abschließe. Natürlich sind wir offen für Investoren und wir haben auch schon die ersten Anfragen, aber nochmal, es muss einfach alles stimmen.

Ein Euro vom Verkaufspreis jeder Box wird als Spende einbehalten. Was ist mit dem Geld geplant?

Die Idee ist, etwas zurückzugeben und Projekte zu unterstützen, die ursprüngliche und nachhaltige Formen der Landwirtschaft erhalten wollen, wie beispielsweise durch den Anbau alter Obstsorten. Wie und wohin das Geld dann genau fließen soll, werden wir noch entscheiden und rechtzeitig kommunizieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kurz nachdem wir das Interview geführt hatten, erhielt Foodvibes durch einen Fernsehbericht im Regionalprogramm des NDR einen Bekanntheitsschub, der eine erhebliche Steigerung der Nachfrage mit sich brachte. So war im ursprünglichen Gespräch noch von gut 100 Boxen im Monat die Rede, die Zahl haben wir auf 200 nach oben korrigiert. Gut möglich also, dass es mit Foodvibes noch deutlich schneller bergauf geht, als bisher geplant!