Noch nie haben sich so viele junge Unternehmen an der Umfrage des Deutschen Startup Monitors beteiligt. Die Ergebnisse der insgesamt 1837 befragten Startups zeigen, dass ein Mehr an Internationalisierung, Zuwanderung und eine verstärkte Kooperation mit etablierten Unternehmen wünschenswert wären. Welche Einblicke der Deutsche Startup Monitor uns über die deutsche Startup-Landschaft noch geben kann, zeigen wir Euch an dieser Stelle im Überblick.

Der 5. Deutsche Startup Monitor (DSM) ist am 16. Oktober 2017 vom Bundesverband Deutsche Startups in Berlin vorgestellt worden. Die Online-Befragung fand vom 2. Mai bis 17. Juni 2017 statt und zeichnet ein umfassendes Bild der deutschen Startup-Szene. Laut Florian Nöll, Vorsitzender des Startup-Verbandes, soll er Politikern und Verwaltung als Orientierungshilfe dienen. Wie schon im Jahr zuvor, erweist sich Berlin mit 17 % als Leuchtturm der deutschen Startup-Szene. Der Frauenanteil unter den DMS-Gründern hat sich zum dritten Mal in Folge erhöht.

Florian Nöll ©Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Allgemeine Kennzahlen

Über die Hälfte aller DSM-Startups stammen den folgenden sechs Gebieten: Berlin, Rhein-Ruhr, München, Stuttgart/Karlsruhe, Hamburg und Hannover/Oldenburg. Im Durchschnitt sind die Unternehmen 2,7 Jahre alt. Fast jedes vierte befragte Startup befindet sich bereits in der „Growth Stage“, einer Phase des starken Umsatz- und Nutzerwachstums.

Gründer und Mitarbeiter

Gründen ist in Deutschland immer noch vor allem Männersache. Ein kleiner Lichtblick: Der Anteil von weiblichen DMS-Gründern ist in diesem Jahr auf 15 % angestiegen. Keinen Anstieg konnte man bei den ausländischen Gründern verzeichnen. Nur jeder zehnte Befragte besitzt keine deutsche Staatsbürgerschaft. Spitzenreiter in kultureller Vielfalt ist erneut Berlin. Fast jeder zweite Startup-Mitarbeiter kommt hier aus dem (EU-)Ausland.

Da Startups neue Arbeitsplätze schaffen, wurden die Teilnehmer der Online-Studie erstmalig zu den Hürden bei Einstellungen ausländischer Mitarbeiter befragt. Das Ergebnis überrascht kaum: Über ein Drittel empfand die Einstellung als sehr oder eher schwierig. Insbesondere die bürokratischen Hürden im Vorfeld der Neueinstellung erleben fast 60 % aller DMS-Startups als eine Herausforderung.

Außerdem wurden die DMS-Gründer zum ersten Mal nach ihrem Bildungshintergrund befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass vier von fünf Gründern einen Hochschulabschluss haben. Die relevantesten Studienfächer sind Wirtschaftswissenschaften mit 37 und MINT mit 20 %. Die Lebenszufriedenheit der DMS-Gründer liegt weiterhin über der von Arbeitnehmern.

©2017 KPMG AG

Finanzen

Wie schon in den Jahren zuvor, bilden die eigenen Ersparnisse bei über 80 % der DMS-Startups die wichtigste Finanzierungsquelle. Platz 2 belegen staatliche Fördermittel (35 %), Platz 3 Freunde und Familie (32 %) und Platz 5 Business Angels (21 %). Knapp jedes dritte Berliner Startup ist Venture-Capital-finanziert.

Internationalisierung

Die große Mehrheit der DMS-Startups plant eine weitere Internationalisierung. Dabei beschreiben zwei von drei Teilnehmern die Differenzen in Gesetzgebung und Regulierung als die größte Herausforderung bei der Internationalisierung. Die zweitgrößte Herausforderung (41 %) sind die Unterschiede im Steuersystem.

©2017 KPMG AG

Kooperationen

Der Anteil an Kooperationen zwischen Startups hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozentpunkte auf 68 % Prozent erhöht. Ein deutlicher Rückgang ist jedoch bei Kooperationen mit etablierten Unternehmen zu verzeichnen: Waren es im letzten Jahr noch 70 %, kooperieren im diesjährigen DSM nur noch 50 % der Befragten mit ihnen. Das bedeutet einen Rückgang von fast 20 Prozentpunkten.

Trotz dieser rückläufigen Tendenzen bilden Marketing-Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen weiterhin die wichtigste Art der Zusammenarbeit. Vier von fünf Startups versprechen sich durch diese Kooperationen einen Kunden-/Marktzugang.

Politik

Versteht die deutsche Politik Startups eigentlich? Die Hälfte der DMS-Gründer beurteilt das Politik-Verständnis auf einer Schulnoten-Skala als ungenügend oder mangelhaft. Zu den drei wichtigsten Erwartungen an die deutsche Politik zählen weniger Bürokratie (21 %), weniger Steuern (14 %) sowie mehr Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung (11 %).

©2017 KPMG AG

Welche Maßnahmen zum Bürokratieabbau 2017 bereits getroffen wurden, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen. Über die Ergebnisse der vergangenen Startup-Monitore, den Europäischen Startup-Monitor mit eingeschlossen, haben wir auch berichtet.

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