Hongkong gilt als eine der attraktivsten Destinationen in Asien für Fachkräfte, Unternehmer und vermögende Privatpersonen. Die Sonderverwaltungszone bietet ein einfaches Steuersystem mit einem Spitzensatz von 17 Prozent, ein vollständig englischsprachiges Verwaltungs- und Geschäftsumfeld sowie mit dem Top Talent Pass Scheme einen vergleichsweise niedrigschwelligen Visumweg ohne vorheriges Jobangebot.

Gleichzeitig gehören die Wohnkosten zu den höchsten weltweit, ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland fehlt bis heute, und seit 2020 hat sich das politische Umfeld spürbar verändert. Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Visa infrage kommen, mit welchen Kosten du rechnen musst, wie die Besteuerung funktioniert und worauf du bei der Vorbereitung achten solltest.

Warum Hongkong als Auswanderungsziel interessant ist

Hongkong vereint mehrere Faktoren, die für eine Auswanderung relevant sind: ein wirtschaftlich freies Umfeld, ein etabliertes Common-Law-Rechtssystem, eine zentrale Lage in Asien und eine Infrastruktur, die zu den effizientesten der Welt zählt. Englisch ist neben Kantonesisch und Mandarin Amts- und Geschäftssprache, was den Einstieg gegenüber anderen asiatischen Standorten deutlich erleichtert.

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Für Fachkräfte aus dem deutschsprachigen Raum sind vor allem drei Punkte ausschlaggebend: niedrige direkte Steuern, eine global ausgerichtete Wirtschaftsstruktur in Finanzdienstleistungen, Logistik, Technologie und Handel sowie eine gut ausgebaute internationale Schullandschaft für Familien. Wer in spezialisierten Bereichen arbeitet, findet einen dichten Arbeitsmarkt mit überdurchschnittlichen Bruttogehältern.

Visumoptionen: Diese Wege führen nach Hongkong

Für Aufenthalte über 90 Tage hinaus brauchst du einen entsprechenden Aufenthaltstitel. Welcher Visumtyp passt, hängt von deiner Qualifikation, deinem Vermögen und davon ab, ob du bereits ein Jobangebot hast.

VisumtypZielgruppeZentrale VoraussetzungAufenthaltsdauer (Erstvergabe)
Top Talent Pass Scheme (TTPS)Hochqualifizierte ohne JobangebotJahreseinkommen ≥ 2,5 Mio. HKD oder Abschluss von einer der ca. 200 gelisteten Universitäten24 Monate
General Employment Policy (GEP)Fachkräfte mit Jobangebot in HongkongMarktübliches Gehalt, Stelle nicht durch lokale Kraft besetzbarIn der Regel 24 Monate
Quality Migrant Admission Scheme (QMAS)Hochqualifizierte ohne Jobangebot, PunkteverfahrenMindestpunktzahl, abgeschlossenes Studium, SprachkenntnisseZunächst bis zu 36 Monate
Capital Investment Entrant Scheme (CIES)Vermögende InvestorenInvestition von mindestens 30 Mio. HKD in zugelassene Anlageklassen24 Monate
Dependent VisaEhepartner und minderjährige KinderHauptantragsteller mit gültigem AufenthaltstitelIdentisch mit Hauptantrag

Top Talent Pass Scheme (TTPS)

Das TTPS richtet sich an internationale Fachkräfte mit hohem Einkommen oder einem Abschluss von einer der gelisteten Universitäten. Seit Januar 2026 umfasst die Liste 200 Hochschulen weltweit, darunter zahlreiche Einrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Genehmigte Antragsteller dürfen 24 Monate lang ohne vorhandenes Jobangebot in Hongkong leben, arbeiten oder ein Unternehmen gründen. Die Genehmigungsquote lag in den vergangenen Jahren bei rund 95 Prozent.

Drei Kategorien stehen zur Wahl:

  • Kategorie A: Personen mit einem Bruttojahreseinkommen von mindestens 2,5 Mio. HKD (rund 295.000 Euro) im Vorjahr.
  • Kategorie B: Absolventen einer der gelisteten Universitäten mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung in den letzten fünf Jahren.
  • Kategorie C: Absolventen einer der gelisteten Universitäten innerhalb der letzten fünf Jahre, mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung. Hier gilt eine jährliche Quote.

General Employment Policy (GEP)

Die GEP ist der klassische Weg über ein konkretes Jobangebot. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass die Stelle nicht ohne weiteres durch eine lokale Arbeitskraft besetzt werden kann, und ein marktübliches Gehalt zahlen. Für hochspezialisierte Profile ist dieser Visumtyp in der Regel unproblematisch. Voraussetzung sind ein anerkannter Hochschulabschluss oder vergleichbare einschlägige Berufserfahrung.

Quality Migrant Admission Scheme (QMAS)

Das QMAS arbeitet mit einem Punktesystem, das Alter, akademische Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Familienstand bewertet. Ein Jobangebot ist nicht erforderlich, allerdings ist die Hürde im Punkteverfahren spürbar höher als beim TTPS. Sinnvoll vor allem für Bewerber mit langer internationaler Berufserfahrung oder seltenen Spezialqualifikationen.

Capital Investment Entrant Scheme (CIES)

Die 2024 neu aufgelegte Investorenroute richtet sich an vermögende Privatpersonen. Erforderlich ist eine Investition von mindestens 30 Mio. HKD (rund 3,5 Mio. Euro) in zugelassene Anlagen wie Aktien, Fonds, Anleihen oder Gewerbeimmobilien. Wohnimmobilien sind nur in einem begrenzten Rahmen anrechenbar. Nach sieben Jahren ununterbrochenen Aufenthalts ist der Antrag auf permanente Aufenthaltsberechtigung möglich.

Steuern in Hongkong: Territorialprinzip und niedrige Sätze

Hongkong besteuert ausschließlich Einkünfte mit lokalem Bezug. Dieses sogenannte Territorialprinzip ist der zentrale Vorteil des Steuersystems. Dividenden, Veräußerungsgewinne, Zinsen und ausländisch erwirtschaftete Erträge bleiben in der Regel unbesteuert. Zudem gibt es keine Mehrwertsteuer und keine Quellensteuer auf Dividenden.

SteuerartSatzBemessungsgrundlage
Salaries Tax (progressiv)2 % – 17 %Einkommen aus nichtselbstständiger Tätigkeit in Hongkong
Standard Rate (alternativ)15 %Pauschalsatz auf das Nettoeinkommen, sofern günstiger als der progressive Tarif
Profits Tax (Unternehmen)8,25 % bzw. 16,5 %Erste 2 Mio. HKD Gewinn / darüber hinausgehender Gewinn
Mehrwertsteuer0 %In Hongkong nicht erhoben
Quellensteuer auf Dividenden0 %Keine Besteuerung von Dividenden und Veräußerungsgewinnen
Kapitalertragsteuer0 %Keine eigenständige Capital Gains Tax

Salaries Tax: So wird dein Gehalt besteuert

Bei der Lohnsteuer (Salaries Tax) hast du jedes Jahr die Wahl zwischen einem progressiven Tarif von 2 bis 17 Prozent und einem pauschalen Standard Rate von 15 Prozent. Die Steuerbehörde wendet automatisch den günstigeren Wert an. Persönliche Freibeträge und Abzüge etwa für Ehegatten, Kinder oder Altersvorsorge mindern die Bemessungsgrundlage zusätzlich. Das Steuerjahr läuft vom 1. April bis zum 31. März des Folgejahres.

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Profits Tax: Besteuerung bei Selbstständigkeit und Unternehmen

Selbstständige Tätigkeit fällt unter die Profits Tax. Auf die ersten 2 Mio. HKD Gewinn werden 8,25 Prozent erhoben, auf den darüber liegenden Anteil 16,5 Prozent. Seit 2023 gilt zusätzlich das Foreign-Sourced Income Exemption Regime (FSIE): Bestimmte passive Auslandseinkünfte multinationaler Gruppen können in Hongkong steuerpflichtig werden, wenn keine ausreichende wirtschaftliche Substanz nachgewiesen wird.

Achtung: Kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland

Zwischen Deutschland und Hongkong existiert bis heute kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Verhandlungen wurden 2014 aufgenommen, sind aber nicht abgeschlossen. Praktisch bedeutet das: Wer in Deutschland weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig ist, muss seine Einkünfte aus Hongkong in Deutschland nachversteuern, eine Anrechnung erfolgt nur unter den engen Voraussetzungen des § 34c EStG. Ein sauber dokumentierter Wegzug aus Deutschland ist daher Pflicht, wenn du steuerlich tatsächlich von Hongkong profitieren willst. Beachte in diesem Zusammenhang auch die deutsche Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG sowie die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG.

Für Österreich existiert seit 2011 ein DBA mit Hongkong, für die Schweiz seit 2012. Wer von dort aus auswandert, hat damit eine deutlich klarere steuerliche Ausgangslage.

Lebenshaltungskosten: Mit diesen Ausgaben musst du rechnen

Hongkong gehört bei Wohnkosten regelmäßig zu den drei teuersten Städten weltweit. Die übrigen Lebenshaltungskosten sind dagegen moderater, je nach Lebensstil sogar günstiger als in deutschen Großstädten. Entscheidend ist die Wohnlage: Zwischen einer Wohnung in Central und einer vergleichbaren Einheit in Tuen Mun können leicht 15.000 HKD Miete pro Monat liegen.

KostenpunktSpanne (HKD/Monat)Hinweis
1-Zimmer-Wohnung, Stadtzentrum (Central, Mid-Levels, Wan Chai)18.000 – 30.000Kleine Flächen üblich (20–35 m²)
1-Zimmer-Wohnung, Außenbezirke (New Territories, Tuen Mun)8.000 – 15.000Längere Pendelwege, MTR-Anbindung prüfen
Nebenkosten (Strom, Wasser, Klima)1.500 – 2.500Klimatisierung im Sommer ist Hauptkostentreiber
Internet (60 Mbit/s und mehr)150 – 350Glasfaser flächendeckend verfügbar
Lebensmittel (eine Person, eigene Zubereitung)3.500 – 6.000Importwaren deutlich teurer
MTR/Bus-Pendelpauschale500 – 800Gilt für die meisten Strecken auf dem Stadtgebiet
Krankenversicherung (privat, international)2.500 – 6.500Stark abhängig von Alter und Leistungsumfang

Für eine Einzelperson liegt das realistische Monatsbudget je nach Lage und Lebensstil zwischen 25.000 und 45.000 HKD (rund 2.900 bis 5.300 Euro). Familien mit Kindern in internationalen Schulen müssen zusätzlich mit Schulgebühren von 100.000 bis 250.000 HKD pro Kind und Jahr rechnen. Öffentliche Schulen sind kostenlos, unterrichten aber überwiegend auf Kantonesisch.

Wohnen: Stadtteile und Vermietung verstehen

Der Wohnungsmarkt in Hongkong funktioniert anders als in Deutschland. Wohnungen werden in der Regel möbliert oder unmöbliert über Makler vermittelt, der Maklerlohn beträgt üblicherweise eine Monatsmiete und wird hälftig zwischen Mieter und Vermieter geteilt. Zwei Monatsmieten Kaution sind Standard, Mietverträge laufen meist über zwei Jahre mit einer Break Clause nach zwölf Monaten.

Beliebte Lagen für Auswanderer:

  • Hong Kong Island (Mid-Levels, Sai Ying Pun, Kennedy Town): zentral, kurze Wege ins Geschäftsviertel, hohe Mieten.
  • Kowloon (Tsim Sha Tsui, Hung Hom): gute Anbindung, etwas günstiger, größere Wohnungen verfügbar.
  • New Territories (Sha Tin, Tai Po, Sai Kung): mehr Platz und Natur, längere Pendelzeiten von 30 bis 60 Minuten.
  • Lantau und die Outlying Islands (Discovery Bay, Lamma): ruhig und familienfreundlich, Anbindung über Fähre.

Krankenversicherung und Gesundheitssystem

Hongkong betreibt ein duales Gesundheitssystem aus stark subventionierten öffentlichen Einrichtungen und einem qualitativ hochwertigen Privatsektor. Permanent Residents zahlen für eine Behandlung im öffentlichen Krankenhaus nur eine geringe Tagesgebühr. Wartezeiten in nicht akuten Fällen können allerdings mehrere Monate betragen, weshalb Auswanderer in der Praxis meist eine internationale private Krankenversicherung abschließen.

Die innovativsten Health-Startups

Wichtig für Auswanderer aus Deutschland: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) endet mit der Wohnsitzaufgabe. Eine Anwartschaftsversicherung kann sinnvoll sein, falls eine Rückkehr nicht ausgeschlossen ist. Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob sich der bestehende Tarif zu einem internationalen Tarif erweitern lässt, das ist häufig deutlich günstiger als ein kompletter Neuabschluss im Ausland.

Arbeitsmarkt und Geschäftsumfeld

Wirtschaftsstark sind in Hongkong vor allem Finanzdienstleistungen, Logistik und Handel, Immobilien, Tourismus sowie zunehmend Technologie und Biotech. Im Rahmen des TTPS arbeiten laut Behördenangaben rund 43 Prozent der Inhaber im Bereich Innovation und Technologie, 21 Prozent in Finanzdienstleistungen und 12 Prozent in professionellen Dienstleistungen wie Recht, Beratung oder Wirtschaftsprüfung.

Englischkenntnisse reichen für die meisten Positionen aus. Kantonesisch oder Mandarin sind ein klarer Vorteil im Vertrieb, im Kundenkontakt und in lokalen Mittelstandsunternehmen, in der Finanzbranche und in internationalen Konzernen wird überwiegend Englisch gesprochen.

Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Seit Inkrafttreten des National Security Law im Juni 2020 und der ergänzenden Article-23-Gesetzgebung 2024 hat sich das politische Klima verändert. Wirtschafts- und Privatleben bleiben vom Common-Law-System geprägt, das Investitionsschutz, Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit garantiert. Im Bereich Meinungs- und Pressefreiheit gibt es jedoch Einschränkungen, die in den Indizes von Reporter ohne Grenzen oder Freedom House dokumentiert sind.

Für Auswanderer ist daraus vor allem ein praktischer Schluss zu ziehen: Politische Aktivitäten, kritische Berichterstattung über Behörden oder Themen mit Bezug zu Festlandchina solltest du sorgfältig abwägen. Geschäftliche Aktivitäten und privater Alltag sind davon im Regelfall nicht betroffen.

Vorbereitung: Schritt-für-Schritt zur Auswanderung

Eine geordnete Vorbereitung verhindert kostspielige Steuerfehler und vermeidbare Verzögerungen. Die folgenden Schritte haben sich als praktikable Reihenfolge bewährt:

  1. Visumstrategie festlegen: Prüfe TTPS, GEP, QMAS und CIES gegen dein Profil und plane mindestens drei bis sechs Monate Bearbeitungszeit ein.
  2. Abschluss- und Berufsdokumente beglaubigen: Hochschulzeugnisse, Arbeitszeugnisse und Geburts- bzw. Heiratsurkunden international anerkennungsfähig machen (Apostille bzw. Beglaubigung).
  3. Wegzugsplanung mit Steuerberater: Klärung der Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG, Behandlung von Beteiligungen, Abmeldung beim Finanzamt, Behandlung von Versicherungen und Vorsorge.
  4. Wohnsitzabmeldung in Deutschland: Erst nach Abschluss aller laufenden steuerlichen und behördlichen Themen, idealerweise mit fixiertem Auszugsdatum.
  5. Internationale Krankenversicherung abschließen: Lückenlosen Übergang sicherstellen, GKV-Anwartschaft prüfen.
  6. Wohnung in Hongkong sichern: Erste 6 bis 8 Wochen über Service-Apartment oder befristete Anmietung überbrücken, dauerhafte Wohnung in Ruhe besichtigen.
  7. Bankkonto und HKID beantragen: Das Hong Kong Identity Card ist innerhalb von 30 Tagen nach Einreise verpflichtend zu beantragen.
  8. Steuerliche Ansässigkeit dokumentieren: Mietvertrag, HKID, Arbeitsvertrag und tatsächlicher Aufenthalt sind die zentralen Nachweise gegenüber dem deutschen Finanzamt.

Häufige Fehler und Stolperfallen

  • Steuerlicher Wohnsitz nicht sauber gelöst: Wer den Lebensmittelpunkt formal in Deutschland behält, bleibt unbeschränkt steuerpflichtig. Hongkongs Vorteile laufen dann ins Leere.
  • Wegzugsbesteuerung übersehen: Beteiligungen ab 1 Prozent an Kapitalgesellschaften lösen beim Wegzug eine Besteuerung der stillen Reserven aus.
  • Wohnungssuche unterschätzt: Wohnflächen sind klein, Mietverträge laufen schnell, Maklerprovisionen üblich. Plane Budget und Zeit großzügig.
  • Krankenversicherungslücke: Zwischen GKV-Ende und Beginn der internationalen Versicherung darf keine Lücke entstehen, sonst drohen Probleme bei späteren Tarifwechseln.
  • Devisen und Banking: Hongkong-Konten haben strenge Compliance-Anforderungen. Plane mehrere Wochen für die Kontoeröffnung ein und halte Einkommensnachweise bereit.

Häufig gestellte Fragen zum Auswandern nach Hongkong (FAQ)

Brauche ich ein Visum, um nach Hongkong auszuwandern?

Ja. Visafrei sind nur Aufenthalte bis zu 90 Tagen für deutsche, österreichische und schweizerische Staatsbürger. Für Arbeit, Selbstständigkeit, Studium oder dauerhaften Aufenthalt ist ein entsprechendes Visum oder ein Entry Permit erforderlich. Die häufigsten Wege sind das Top Talent Pass Scheme, die General Employment Policy und das Quality Migrant Admission Scheme.

Wie hoch sind die Steuern in Hongkong wirklich?

Die Salaries Tax beträgt maximal 17 Prozent, der alternative Pauschalsatz liegt bei 15 Prozent. Es gibt keine Mehrwertsteuer, keine Kapitalertragsteuer und keine Quellensteuer auf Dividenden. Da Hongkong nach dem Territorialprinzip besteuert, sind ausländisch erwirtschaftete Einkünfte grundsätzlich steuerfrei. Voraussetzung für die volle Nutzung dieser Vorteile ist allerdings, dass du in Deutschland nicht weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig bist.

Gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Hongkong?

Nein. Zwischen Deutschland und Hongkong existiert bis heute kein umfassendes DBA, lediglich ein Sonderabkommen für Schifffahrtsunternehmen aus dem Jahr 2003. Verhandlungen über ein vollständiges Abkommen wurden 2014 aufgenommen, ein Abschluss ist bislang nicht erfolgt. Österreich und die Schweiz haben dagegen ein DBA mit Hongkong.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten für eine Einzelperson?

Für eine Einzelperson mit moderatem Lebensstil sind 25.000 bis 35.000 HKD pro Monat realistisch (rund 2.900 bis 4.100 Euro). Größter Posten ist die Miete: 8.000 bis 30.000 HKD je nach Lage und Größe. Lebenshaltungskosten ohne Miete sind grob mit deutschen Großstädten vergleichbar.

Welche Sprache spreche ich im Alltag?

Englisch reicht in Hongkong für die meisten alltäglichen und beruflichen Situationen aus. Behörden, Banken und größere Unternehmen kommunizieren auf Englisch, viele Restaurants und Geschäfte ebenfalls. Kantonesisch ist die dominante Umgangssprache, ist aber für die Auswanderung keine zwingende Voraussetzung. Für tieferen sozialen Anschluss und Arbeit im lokalen Mittelstand sind Grundkenntnisse hilfreich.

Wie funktioniert die Krankenversicherung?

Permanent Residents haben Zugang zum stark subventionierten öffentlichen Gesundheitssystem. Die meisten Auswanderer schließen zusätzlich eine private internationale Krankenversicherung ab, um kürzere Wartezeiten und Zugang zu Privatkliniken zu sichern. Die Beiträge liegen je nach Alter und Leistungsumfang zwischen 2.500 und 6.500 HKD pro Monat.

Wann erhalte ich eine permanente Aufenthaltserlaubnis?

Nach sieben Jahren ununterbrochenem rechtmäßigem Aufenthalt mit Hongkong als gewöhnlichem Aufenthaltsort kannst du den Status als Permanent Resident beantragen. Damit erhältst du das Right of Abode, das Wahlrecht und uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zum öffentlichen Gesundheitssystem ohne weitere Beschränkungen.

Kann ich Familie nachholen?

Ja. Ehepartner und unverheiratete Kinder unter 18 können über das Dependent Visa nachgeholt werden. Voraussetzung ist ein gültiger Aufenthaltstitel des Hauptantragstellers sowie ein Nachweis ausreichender finanzieller Mittel und einer geeigneten Wohnung. Inhaber eines Dependent Visa dürfen ohne weitere Genehmigung in Hongkong arbeiten und studieren.

Wie sieht es mit Altersvorsorge und Rente aus?

Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen verpflichtend in den Mandatory Provident Fund (MPF) ein, jeweils 5 Prozent des Bruttogehalts bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze. Das angesparte Guthaben kann ab dem 65. Lebensjahr ausgezahlt oder bei früherem Wegzug vorzeitig entnommen werden. Eine staatliche Rente nach deutschem Vorbild gibt es nicht. Wer freiwillige Beiträge in die deutsche gesetzliche Rentenversicherung leisten möchte, sollte das frühzeitig mit der Deutschen Rentenversicherung klären.

Lohnt sich Hongkong steuerlich für Selbstständige?

Für Selbstständige mit überwiegend international ausgerichtetem Geschäft kann Hongkong attraktiv sein. Die Profits Tax beträgt 8,25 Prozent auf die ersten 2 Mio. HKD Gewinn und 16,5 Prozent darüber. Voraussetzung ist eine saubere Strukturierung und ein vollständig vollzogener Wegzug aus Deutschland. Da kein DBA besteht, ist die Beratung durch einen auf internationale Steuerplanung spezialisierten Steuerberater unverzichtbar.

Fazit: Für wen Hongkong als Auswanderungsziel passt

Hongkong eignet sich besonders für Fachkräfte in international vernetzten Branchen, für Selbstständige mit globalem Geschäftsmodell und für vermögende Privatpersonen, die ein steuerlich effizientes, rechtssicheres und englischsprachiges Umfeld in Asien suchen. Wer überwiegend mit dem deutschen Mittelstand arbeitet, eine günstige Wohnsituation braucht oder politische Stabilität nach europäischem Maßstab erwartet, sollte alternative Standorte ergänzend prüfen.

Der entscheidende Hebel für den Erfolg deiner Auswanderung liegt in der Vorbereitung. Visumstrategie, steuerlicher Wegzug und Krankenversicherung gehören vor dem Umzug auf den Tisch, nicht danach. Mit einer sauberen Planung wird Hongkong zu einem der attraktivsten Standorte weltweit, ohne sie verpufft der Steuervorteil schnell.

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