Eine gute Geschäftsidee und eine große Zielgruppe allein garantieren noch nicht den Erfolg – das musste auch bikesale, eine Plattform für gebrauchte Fahrräder, erfahren. Eine hohe sechsstellige Finanzierung, die bereits im Dezember 2014 gesichert werden konnte, soll nun das Münchener Unternehmen stabilisieren und weiter voran bringen. Mitgründer Axel Donath erzählt im Interview, was war und wie es weitergeht.

In einer Pressemitteilung hat bikesale kürzlich verkündet, eine Finanzierung im hohen sechstelligen Bereich an Land gezogen zu haben. Was gibt es zu den Investoren zu sagen?

Ja, wir sind noch immer beflügelt durch diesen Erfolg, hat es doch einiges an Kraft gekostet. Gleichwohl wissen wir, dass eine abgeschlossene Finanzierungsrunde natürlich noch kein nachhaltiger Erfolg ist. Die Arbeit geht jetzt also erst so richtig los. Bisher kann ich sagen, dass die Investoren, die nun ja Gesellschafter sind, uns sehr gut dabei unterstützen. Es sind alles Business Angels, die neben den finanziellen Mitteln auch über die Erfahrung verfügen, um uns unter die Arme zu greifen – oder auch mal in die richtige Richtung zu stoßen.

In der Pressemittleilung heißt es weiterhin, im ersten Jahr von bikesale seien bereits eine halbe Million Fahrradbegeisterte erreicht worden. Auf welchen Personenkreis bezieht sich diese Zahl genau, und wie viele Verkäufe wurden tatsächlich über die Plattform abgewickelt?

Es gibt in Deutschland ca. 40 Millionen aktive Radfahrer, die ein Rad also regelmäßig nutzen. Zum Markteintritt haben wir uns ganz gezielt die Biker rausgesucht, die zudem aktiv Radsportler sind und viel Leidenschaft mit dem Rad verbinden. Das war erfolgreich. Wir wussten, dass dort ein großes Problem besteht, weil es zu häufigem Radwechsel kommt, das alte Rad dann aber noch einen hohen Wert hat. Auf bikesale.de kann dieser Wert nun wieder monetarisiert werden.

Unsere größte Herausforderung im ersten Jahr bestand darin, eine konstante Reichweite zu erzeugen. Ohne ausreichende finanzielle Mittel war unser Marketing eine ständige on-off-Geschichte. Mal hatten wir ein paar Euro, die wir sehr effektiv einsetzen konnte, dadurch massenhaft Inserate bekamen – und dann mussten wir wieder abschalten, konnten also die passenden Käufer nicht schnell genug ansprechen. Das war sehr ärgerlich. Schlussendlich können wir aber sagen, dass wir bisher für ca. 5.000 Räder die passenden Käufer gefunden haben. Manchmal zwar zu spät, aber das ist jetzt glücklicherweise Schnee von gestern.

axel-donathAxel Donath

Bei der Prognose für 2015 ist zudem von einer Verfünfachung der bisherigen Ergbnisse die Rede. Wie ist gerade diese Zahl begründet und welche konkreten Maßnahmen sind dazu geplant?

Die Akzeptanz von bikesale.de ist phänomenal. Der First-Mover Nachteil in der Finanzierung ist im Marketing natürlich ein gigantischer Vorteil. Es gibt nichts vergleichbares und daher sind unsere Marketingaktionen immer sehr erfolgreich. Auf Basis dieser Erfahrungen und den Plänen, die wir 2015 noch haben – die natürlich noch geheim bleiben – können wir entsprechend optimistisch prognostizieren. Sicher kein Geheimnis ist unsere Aktivität im Online-Marketing, die wir noch weiter ausbauen. Auch erhalten wir enormen Zuspruch vom stationären Handel, weil wir dort ein wichtiges Problem lösen: wohin mit dem gebrauchten Fahrrad.

Auf der Webseite ist unter der Überschrift „Käuferschutzprogramme“ von einem Treuhandservice und Schutzprogrammen für den Zahlungsverkehr die Rede, die aber anscheinend noch nicht existieren. Was hat es damit auf sich, und wann werden diese Services zur Verfügung stehen?

Der Treuhandservice ist erst einmal in den Hintergrund gerückt. Wir haben festgestellt, dass der Zahlungsverkehr heute kein so wichtiges Thema bei unseren Usern ist, wie wir anfangs dachten. Viel wichtiger ist aber, den Käufer vor betrügerischen Verkäufern und Hehlerware zu schützen. Dafür gibt es auf bikesale.de den Käuferschutz. Mit einigen komplexen Verfahren aus technischen Methoden, aber auch manuellen Prüfungen, können wir einerseits Betrugsfälle deutlich reduzieren und andererseits Schäden minimieren. Für den Käufer bedeutet das mehr Sorgenfreiheit beim Kauf eines Fahrrads, wenngleich er noch immer achtsam sein sollte.

Kunden haben die Möglichkeit, sich online beraten zu lassen. Wie läuft das konkret ab?

bikesale.de aufrufen, Kaufberatung anklicken, Formular ausfüllen, Antwort per email erhalten – fertig. Derzeit werden die Beratungsanfragen noch weitestgehend manuell bearbeitet. Wir können aber einen Teil auch schon automatisieren. Trotzdem ist jede Antwort individuell. Es geht darum, die wahren Bedürfnisse eines Users zu ermitteln, um dann das passende Rad bzw. die richtigen Kriterien nennen zu können. Zwar werden dabei Marken und Modelle empfohlen, es geht aber vielmehr um die Eigenschaften, die wir dem User nahelegen zu beachten. Dieser Service ist übrigens einzigartig, vor allem weil wir marken- und sortimentsunabhängige Empfehlungen aussprechen können.

Wie wird überprüft, ob die Angaben, die Verkäufer zu ihren Rädern machen, der Wahrheit entsprechen, und ob der angestrebte Verkaufspreis marktkonform ist?

Für die Angaben ist jeder Verkäufer selbst verantwortlich und für die Überprüfung der Käufer. Wir klinken uns ein, wenn wir darum gebeten werden oder uns etwas auffällt. Und wir helfen natürlich dabei, dass Käufer auch wissen, worauf sie achten müssen. Das funktioniert aber sehr gut, weil Käufer entweder auf einzelne Anbauteile wert legen und sich dann auch damit auskennen bzw. darauf achten, oder es ist ihnen egal, aber dann spielt es auch keine Rolle, was der Verkäufer angibt. Dann zählt rein der Gesamteindruck.

Auch beim Verkaufspreis hat der Verkäufer freie Hand, wobei wir hierauf zukünftig mehr Einfluss nehmen werden. Wir können anhand der Verkaufsdaten auf bikesale.de und mittels unserer Erfahrung genau einschätzen, welchen Wert ein Rad hat. Im Zuge der vielen Wertermittlungen, die bei uns täglich angefragt werden, teilen wir das den Verkäufern auch mit. In Kürze werden wir die Inserate, die zu attraktiven Konditionen eingestellt werden, stärker promoten und den Verkäufern helfen, diese Räder schneller zu verkaufen.

Wie groß ist das aktuelle Angebot, und wie hat es sich im Laufe des vergangenen Jahres entwickelt?

Von den über 10.000 inserierten Fahrrädern sind derzeit auf bikesale.de noch ca. 3.000 Fahrräder verfügbar. Deswegen arbeiten wir auch unter Hochdruck daran, mehr Inserate zu bekommen und können nur jedem empfehlen, sein Fahrrad zu verkaufen – denn so viel wie heute ist es morgen nicht mehr wert!