Matthias Spanic ist Geschäftsführer der scrappel GmbH. Gemeinsam mit seinem Team hat sich Matthias seit 2018 das Ziel gesetzt, die analog geprägten Prozesse des Wertstoffhandels zu digitalisieren. Der Ansatz hierfür: Gelebtes digital erlebbar machen. Hierbei vertritt scrappel nicht nur den Gedanken des mobile first, sondern vor allem die Bedürfnisse der Branchenteilnehmer.

Hallo Matthias, was genau ist scrappel und welchen Mehrwert haben eure Nutzer?

scrappel ist eine digitale B2B-Plattform, welche die komplette Geschäftsabwicklung von Metallen und weiteren Wertstoffen optimiert. Hierfür haben wir analog geprägte Prozesse in ein digitales Umfeld übersetzt, aus dem die Anbieter und Abnehmer in vielfacher Hinsicht einen Mehrwert schöpfen können: Zum einen ist die Plattform einfach in bereits bestehende IT-Infrastrukturen integrierbar. Zum anderen profitieren die Nutzer von reduzierten Transaktions- und Suchkosten bei der Geschäftsanbahnung und -abwicklung. So bieten wir unseren Nutzern mehrere Services aus einer Hand (z.B. Transportlösungen sowie Treuhandverfahren für Zahlungen). Darüber hinaus kann man scrappel auch als Kundenportal nutzen, bei dem sich einfach potenzielle Partner finden lassen. – Das alles komplett digital über den Computer oder das Smartphone.

Heißt die Plattform richtet sich ausschließlich an Nutzer aus dem B2B-Bereich? Wie groß ist euer Marktpotential?

Ja, genau. Unsere Plattform richtet sich an Teilnehmer der Kreislaufwirtschaft. Die Zielgruppe umfasst rund 80.000 potentielle Kunden in Deutschland. Darunter gewerbliche Händler, Aggregatebetreiber, Schmelzerein und Gießerein sowie Stahlwerke und Betriebe, die in Deutschland mit den Wertstoffen Eisen-, Metall- und Stahlschrott aber auch anderen Stoffen handeln oder diese aufbereiten, weiter- und/oder verarbeiten.

Wieso braucht es eine digitale Plattform wie scrappel? (Was waren die Beweggründe für die Gründung von scrappel?)

Die Prozesse innerhalb des Handels und vor allem der ganzheitlichen Abwicklung von Altmetall haben ein enormes Digitalisierungs-Potential. Dies stellten wir bereits im Vorfeld der Gründung fest, wo wir uns ausführlich mit Teilnehmern der Branche ausgetauscht haben, um deren Bedürfnisse zu verstehen.

So sind die Arbeitsprozesse der Branche noch immer von einer stark analogen Vorgehensweise geprägt. Beispielsweise wickeln Händler von Altmetall ihre Geschäfte noch immer über Telefon, Email oder den persönlichen Kontakt ab. Dies erfordert nicht nur viel Zeit. Insbesondere die damit verbundene manuelle Pflege von Tabellen ist fehleranfällig. Wenn man hier nun bedenkt, dass allein die deutsche Metallindustrie einen Umsatz von insgesamt 46,5 Milliarden Euro im Jahr erwirtschaftet und davon rund 50 Prozent der Produktion aus Recyclingmaterial hergestellt wird, ist diese analoge Vorgehensweise auf lange Sicht unwirtschaftlich.

Digitale Plattformen wie scrappel helfen, ohne in die alltäglichen Abläufe einzugreifen oder diese umzustrukturieren. Hierfür spricht unser Ansatz Gelebtes digital erlebbar zu machen. Vor allem kleine bis mittelständische Unternehmen profitieren hiervon, da sie zumeist nicht die technischen Möglichkeiten oder Ressourcen haben, um schnell und effizient am Markt zu agieren. scrappel reduziert sowohl den technischen als auch administrativen Aufwand für alle Beteiligten.

Trotz eurer vorherigen Recherche, welche Hürden mussten anfänglich gemeistert werden und wie ist das Feedback eurer Nutzer heute?

Natürlich war eine anfängliche Skepsis zu spüren, was darauf zurückzuführen ist, dass die Wertstoff- und Metallbranche geprägt ist von historisch gewachsenen Geschäftsbeziehungen. Wichtig war es somit die nötige Infrastruktur zu schaffen, in der sich die Nutzer sicher fühlen und der bisherige Aufwand reduziert wird. Weiterhin leisten wir bis heute Aufklärungsarbeit in Hinblick auf die Vorteile der digitalen Transformation.  Hierfür sind wir nicht nur Mitglied in verschiedenen Verbänden wie dem Verband deutscher Metallhändler (VDM) oder der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Wir stehen ebenso im ständigen Austausch mit den Teilnehmern der Branche und holen Feedback ein, was von unseren Nutzern hoch honoriert wird. Mehr als 300 Nutzer aus über 200 Unternehmen, die auf scrappel registriert sind, zeigen, dass die Akzeptanz merklich gestiegen ist. Dabei steht das Thema “Digitalisierung im Werstoffhandel” bei allen wichtigen Entscheidern auf der Agenda.

Wie funktioniert scrappel und wie deckt Ihr damit die Bedürfnisse eurer Nutzer ab?

Die Anmeldung auf scrappel funktioniert in drei einfachen Schritten und dauert weniger als 10 Minuten. Um bereits hier die nötige Seriosität und Transparenz zu schaffen, muss sich eine vertretungsberechtigte Person des Unternehmens über unseren Partner IDnow via Video-Ident verifizieren. Im Anschluss lassen sich weitere Mitarbeiter des Unternehmens hinzufügen, um die verschiedenen Abläufe innerhalb der Abwicklung bestmöglich zu gewährleisten.

Die Suche nach neuen Geschäftspartnern wird somit erleichtert, da nur vertrauenswürdige Unternehmen auf scrappel agieren können. Firmenprofile bieten hierbei die Möglichkeit sich bestmöglich darzustellen und erleichtern die sonst sehr aufwendige Suche nach potenziellen Partnern. Über unsere Suchfunktion lassen sich aber nicht nur die Nutzer und Unternehmen finden. Durch integrierte Filter ist es möglich auch nach dem für sich passenden Inserat zu suchen. Diese lassen sich für spätere Suchen speichern. Zudem bietet unsere Such-Agent-Funktion die Möglichkeit per Email über neue Inserate informiert zu werden, wenn diese den Suchkriterien entsprechen. Sobald das passende Gesuch oder Angebot gefunden ist, unterstützen weitere Features von scrappel eine reibungslose Abwicklung des Geschäfts zwischen den Unternehmen. Neben einer vollständig digitalen compliance-konformen Dokumentation aller Prozessschritte, einer erleichterten Kommunikation im Chat-Format sowie Logistiklösungen bietet unsere Plattform ebenso eine sichere Bezahlung. Hierfür besteht die Option, den verhandelten Kaufbetrag auf ein Treuhandkonto zu überweisen. Nach Bestätigung über Wareneingang und der Qualitätskontrolle durch eine integrierte digitale Wiegenote wird das Geld automatisch freigegeben.

Somit deckt scrappel die komplette Geschäftsabwicklung digital ab. Dabei sind die Anmeldung, das Inserieren und der Verkauf komplett kostenfrei. Lediglich auf den Ankauf erheben wir eine geringe Provisionsgebühr, wobei die ersten 100 Tage provisionsfrei sind.

Wie hat sich scrappel seit dem Jahr seiner Gründung entwickelt und was sind die nächsten To-Dos?

Wir haben in diesem Jahr nicht nur auf der Plattform einen Zuwachs verzeichnen können. Auch unternehmensintern hat sich unser Team erweitert und wir freuen uns über den Neuzugang aus den Bereichen Sales, Kommunikation, Marketing und IT. Dabei sind wir immer wieder auf der Suche nach interessanten Menschen, die sich gleichermaßen für das Thema Digitalisierung und natürlich die Wertstoffbranche begeistern können.

Mit dem Neuzuwachs firmenintern und extern streben wir an, den Bedürfnissen der Branche noch besser gerecht zu werden. So arbeiten wir beispielsweise an einer Lösung flexible Workflows auf scrappel abzubilden. Wir möchten damit die Abwicklung noch effizienter gestalten. So erfordern unterschiedliche Arbeitsabläufe unterschiedliche Aktivitäten verschiedener Personenkreise. Um hier eine Kosten- und Zeitersparnis zu erzielen, sollen die arbeitsintensiven Prozesse durch dynamische Strukturen gebündelt werden.  So kann die Qualität der Geschäftsprozesse gesteigert und Abweichungen von Arbeitsabläufen schnell abgefangen werden – branchenübergreifend Hand in Hand.

Da es bisher nur möglich ist Eisen-, Metall- und Stahlschrott auf der Plattform zu inserieren, planen wir für die Zukunft die Zuschaltung weiterer Stoffströme, damit auch andere Teilnehmer der Kreislaufwirtschaft von dem optimierten Prozess profitieren können.

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