Inhalt dieses Artikels

Die 20. Staffel „Die Höhle der Löwen“ ist am 7. September 2026 gestartet. Fünf Startups pitchten, drei bekamen einen Deal. Wer genau hinsieht, findet in dieser einen Folge zwei Muster, die für jede Gründerin und jeden Gründer wichtiger sind als das Ergebnis: Was ein Deal wirklich kostet, und ab welcher Bewertung die Löwen aussteigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fünf Pitches, drei Deals, zusammen 890.000 Euro Kapitalwunsch.
  • Zwei der drei Deals kosteten am Ende deutlich mehr Firma als angeboten: 25 statt 10 Prozent und 30 statt 15 Prozent, bei unveränderter Summe.
  • Die höchste Forderung des Abends, 500.000 Euro für 10 Prozent, scheiterte an der Bewertung von 5 Millionen Euro.
  • Waldemar Zeiler, Mitgründer von Einhorn, stand zum zweiten Mal in der Höhle. Auch beim zweiten Mal ohne Deal.
  • Folge 2 läuft am 14. September 2026 auf VOX und liegt seit dem 7. September bei RTL+.

Die fünf Pitches der Auftaktfolge im Überblick

Der Auftakt der Jubiläumsstaffel lief am Montag, 7. September 2026, um 20:15 Uhr auf VOX. Neu im Rudel ist Andreas W. Herb, der gleich in seiner ersten Folge zuschlug.

Tabelle: Forderung und tatsächlicher Anteil der drei Deals aus Folge 1 der 20. Staffel Die Höhle der Löwen
Gleiches Geld, mehr Firma: Bei zwei von drei Deals stieg der Anteil, die Summe blieb.

sauberdropz: Reinigungstabs für Trinkflaschen

Andreas Berger (44) und sein Sohn Fabian (21) aus Weiler in Vorarlberg pitchten biologisch abbaubare Reinigungstabs für wiederverwendbare Trinkflaschen. Sie boten 10 Prozent für 65.000 Euro. Am Ende stiegen Frank Thelen und Ralf Dümmel gemeinsam ein, für dieselben 65.000 Euro, aber für 25 Prozent.

KORALLS: Haaröl aus 17 Pflanzenölen

Kashma Bakhtiar (38) aus Köln wollte 150.000 Euro für 15 Prozent. Sie bekam die 150.000 Euro von Judith Williams und Andreas W. Herb, gab dafür aber 30 Prozent ab, je 15 Prozent an beide. Doppelter Anteil bei gleicher Summe: Das ist die klarste Einzelbeobachtung des Abends, weil sie eine Zahl gegen eine Zahl stellt.

Piesel Piepser: Weckapparat gegen Bettnässen

Elke (66) und Marlon Osthoff (63) suchten 100.000 Euro für 10 Prozent für ihr medizinisches Hilfsmittel, das Kindern beim Trockenwerden hilft. Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler stiegen zu diesen Konditionen ein, zuzüglich weiterer Anteile für einen neuen Geschäftsführer.

Interessanter als der Deal ist die Vorgeschichte: Das Produkt ist kein Neuling. Es liegt seit Jahren in Apotheken, hat eine Pharmazentralnummer und seit 2019 eine eigene iPhone-App. Hier holt sich also ein eingeführtes Hilfsmittel nach Jahrzehnten Fernsehkapital, es startet nicht bei null.

Naturally Naughty: Ingwer-Spray

Ingwer Sörensen (49) aus Berlin trat mit Markenbotschafterin Micaela Schäfer (42) an und wollte 75.000 Euro für 10 Prozent für ein aphrodisierendes Ingwer-Spray. Die Löwen fragten nach Verkaufszahlen, Marktpotenzial und Positionierung. Es blieb beim Gespräch, ein Deal kam nicht zustande.

Ding Dong Ping Pong: automatisierte Tischtennis-Clubs

Waldemar Zeiler (44) und Kian Pariwar (43) betreiben vollautomatisierte Tischtennis-Clubs mit digitalem Buchungssystem, die rund um die Uhr geöffnet sind und ohne Personal auskommen. Das Konzept setzt auf leerstehende Ladenflächen in zentraler Lage. Clubs laufen bereits in Berlin und Essen, Zeiler selbst spricht von drei Standorten.

Die Gründer forderten 500.000 Euro für 10 Prozent. Sie versuchten, die Investoren mit einem Rundlauf abzuholen, den ausgerechnet der bekennende Tischtennisfan Frank Thelen gewann. Am Ende gab es trotzdem keinen Deal.

Warum 5 Millionen die Grenze waren

Tabelle: geforderte Summe und daraus errechnete Firmenbewertung der fünf Pitches aus Folge 1 der 20. Staffel Die Höhle der Löwen
Hinter jeder Forderung steckt eine Bewertung. Ausgerechnet sieht die Reihe anders aus als abgelesen.

500.000 Euro für 10 Prozent bedeuten eine Bewertung von 5 Millionen Euro. Genau daran zerbrach der Pitch, nicht an der Idee. Carsten Maschmeyer hielt die Bewertung für unangemessen und stieg aus, Janna Ensthaler schloss sich an.

Frank Thelen hat seine Entscheidung einen Tag nach der Ausstrahlung öffentlich begründet, auf LinkedIn. Der Beitrag ist der lehrreichste Teil dieser Folge, weil dort steht, was in der Sendung nur angedeutet wird:

„Die schwersten Entscheidungen sind die, bei denen man gegen seine Leidenschaft und für die Wirtschaftlichkeit entscheiden muss. […] Super Idee, trifft genau meinen Geschmack. Denn: Mein Herz schlägt für Tischtennis. […] Aber: Tischtennis ist leider nicht Padel. Unser Sport ist komplexer und du kannst gute Spieler nicht mit Anfängern mischen. […] Die Idee von Ding Dong Ping Pong finde ich stark. Die Bewertung dagegen hat für mich keinen Sinn ergeben […]. Ich hätte gern geholfen, dafür hätte ich aber ein Entgegenkommen gebraucht.“

Frank Thelen am 8. September 2026 auf LinkedIn, zum Beitrag

Der fachliche Einwand ist für jedes Freizeitkonzept übertragbar: Padel wächst gerade überall aus dem Boden, weil Anfänger und Fortgeschrittene zusammen spielen können. Beim Tischtennis geht das nicht. Wer eine Fläche für alle bauen will, hat ein Matching-Problem, das kein Buchungssystem löst.

Die Antwort des Gründers, und warum sie sich zu lesen lohnt

Bemerkenswert ist, was danach passierte: Waldemar Zeiler hat unter dem Beitrag geantwortet, sachlich und mit Zahlen. Er verweist darauf, dass sein Unternehmen bereits im Vorjahr eine Pre-Seed-Runde bei 3 Millionen Euro Bewertung abgeschlossen habe, mit Investoren wie einem der trivago-Gründer, und das zu einem Zeitpunkt mit weniger Standorten als heute. Sein Einwand gegen die Kritik:

„Oft wird Gründern in Deutschland vorgeworfen, dass wir nicht groß genug denken und für große Visionen braucht es auch Funding. In den USA würde niemand zucken bei dieser Bewertung.“

Waldemar Zeiler in den Kommentaren zum selben Beitrag

Im selben Atemzug räumt er den Kernpunkt aber ein: Beim Zusammenbringen unterschiedlicher Spielstärken seien noch Fragen offen, und ob die Bewertung gerechtfertigt war, werde sich erst in ein bis zwei Jahren zeigen. Wer wissen will, wie eine Absage in der Höhle professionell beantwortet wird, findet hier das Muster: nicht beleidigt, mit eigenen Zahlen, und mit einer Einladung zum Gegenbesuch.

Das deckt sich mit einem Muster, das wir in unserem Rückblick über elf Staffeln über hunderte Pitches hinweg gemessen haben: Die geforderte Bewertung entscheidet häufiger über die Zusage als das Produkt, und je größer der Deal, desto häufiger platzt er.

Zum zweiten Mal in der Höhle, zum zweiten Mal ohne Deal

Waldemar Zeiler ist kein Unbekannter. 2015 stand er schon einmal in der Höhle, damals in Staffel 2 mit Einhorn, den fair produzierten Kondomen in der Chipstüte. Auch damals bot er 10 Prozent, damals für 300.000 Euro, was einer Bewertung von 3 Millionen Euro entsprach. Kein Löwe machte ein Angebot.

Elf Jahre später dieselbe Struktur: 10 Prozent, eine hohe Bewertung, kein Deal. Und hier liegt die eigentliche Pointe für Gründerinnen und Gründer: Einhorn ist trotzdem groß geworden. Das Unternehmen hat sich ohne Fernsehkapital etabliert, mit Crowdfunding, einer eigenen Haltung und einem Vertriebsweg, den es sich selbst gebaut hat. Eine Absage in der Höhle ist ein Nein zu einer Bewertung an einem Abend, kein Urteil über das Unternehmen.

Was Gründer aus dieser Folge mitnehmen

Erstens: Rechne deine Bewertung aus, bevor du sie nennst. „65.000 Euro für 10 Prozent“ klingt nach einer Summe. Es ist aber eine Aussage über den Wert der ganzen Firma, in diesem Fall 650.000 Euro. Wer das nicht selbst ausgerechnet hat, verhandelt über eine Zahl, die er nicht kennt.

Zweitens: Der genannte Anteil ist der Startpunkt, nicht der Preis. Zwei von drei Deals dieses Abends endeten mit deutlich mehr abgegebener Firma bei gleichbleibendem Geld. Wer mit 10 Prozent hineingeht und bei 25 herauskommt, hat nicht schlecht verhandelt, sondern das Übliche erlebt. Man sollte es nur vorher wissen und den eigenen Spielraum entsprechend planen.

Drittens: Eine Absage ist eine Information, kein Urteil. Bei Ding Dong Ping Pong scheiterte nicht das Produkt, sondern die Preisvorstellung. Das ist eine Rückmeldung, mit der man arbeiten kann.

Wie es weitergeht

Folge 2 läuft am Montag, 14. September 2026, um 20:15 Uhr auf VOX. Bei RTL+ Premium liegt sie bereits seit dem 7. September, der Streamingdienst zeigt jede Folge sieben Tage vor der Fernsehausstrahlung.

Zwei Startups sind bekannt. Stefano Suich (63) tritt mit einem mediterranen Salatdressing an, unterstützt von Gastlöwe Johann Lafer. Und Leonie Neisinger (31) pitcht mit ivyclip eine flexible Haarklammer. Dabei soll etwas passieren, das es in der Sendung so noch nicht gab: Johannes Kliesch, Gründer von SNOCKS, bietet nach Angaben der Programmvorschau eine Investition ohne Firmenanteile. Sollte das so kommen, wäre es die interessanteste Neuerung der Staffel.

Alle Sendetermine und die vollständige Jury der 20. Staffel stehen in unserer Übersicht zu Staffel 20.

Häufige Fragen zur ersten Folge der 20. Staffel

Wann lief Folge 1 der 20. Staffel?

Am Montag, 7. September 2026, um 20:15 Uhr auf VOX. Bei RTL+ Premium war sie bereits ab dem 31. August 2026 verfügbar.

Welche Startups waren in Folge 1 dabei?

sauberdropz, KORALLS, Piesel Piepser, Naturally Naughty und Ding Dong Ping Pong.

Wie viele Deals gab es?

Drei von fünf. sauberdropz, KORALLS und Piesel Piepser bekamen Zusagen, Naturally Naughty und Ding Dong Ping Pong gingen ohne Deal.

Warum bekam Ding Dong Ping Pong keinen Deal?

An der Idee lag es nicht, mehrere Löwen fanden sie gut. Die Forderung von 500.000 Euro für 10 Prozent entspricht einer Bewertung von 5 Millionen Euro, und die war den Investoren zu hoch.

Wer ist der neue Löwe?

Andreas W. Herb. Er stieg gleich in seiner ersten Folge bei KORALLS ein, gemeinsam mit Judith Williams.

Wann läuft die nächste Folge?

Am Montag, 14. September 2026, um 20:15 Uhr auf VOX. Bei RTL+ ist sie seit dem 7. September verfügbar.

Titelbild: Waldemar Zeiler und Kian Pariwar, die Gründer von Ding Dong Ping Pong. Foto: Helmut Sattler, Pressematerial von Ding Dong Ping Pong.

Newsletter abonnieren

Vorheriger ArtikelAuswandern nach Batumi: Leben, Kosten & Steuern in Georgien
Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.