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Als Karōshi (jap. 過労死, Tod durch Überarbeiten) bezeichnet man in Japan einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Unausgeglichene Work-Life-Balance und Schlafstörungen führen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen

Gerade in Startups muss man aufpassen, sich nicht zu überarbeiten. Die heutige Leistungsgesellschaft verlangt viel von einem ab. Wer erfolgreich sein will, muss sich ins Zeug legen und viele Stunden arbeiten. Gerade junge Gründer*innen, die ihr Unternehmen und Kundennetzwerk erst aufbauen müssen, arbeiten selbst und ständig sowie das Wort Selbstständigkeit es ja auch irgendwie besagt. Die finanziellen Mittel für Mitarbeiter*innen, an die man Aufgaben delegieren kann, fehlen am Anfang meist.

Die Corona Pandemie, die wirtschaftliche Schwierigkeiten und besondere Herausforderungen mit sich bringt, trägt oft zu noch härterem Arbeiten und weniger Möglichkeiten zur Entspannung bei. Nicht nur der Urlaub fällt aus, sondern auch zahlreiche Unternehmungen wie Theater, Kino, Essen gehen, der lebenswichtige soziale Kontakt mit Freunden wird rein ins Virtuelle verlegt und sportliche Betätigung wird aufgrund von geschlossenen Studios oft beiseite geschoben.

Aufgrund von Stress und schlechter Work-Life-Balance kommt es in vielen Fällen auch zu Schlafstörungen. Homeoffice hat natürlich seine positiven Seiten, bringt aber auch eine große Herausforderung mit sich, um den Alltag nicht mit ins Schlafzimmer zu nehmen. Gerade Eltern stehen unter enormen Druck, da die Kids ebenfalls zu Hause sind und Distance Learning betreiben. Doch gerade bei zu wenig Schlaf oder Schlafstörungen fängt es an, gefährlich zu werden. Ständig spielt der Körper da nicht mit. Wer über lange Zeit zu wenig schläft, drohen ernste gesundheitliche Probleme, die von Krankheit bis Burnout reichen können. Ein extremes Beispiel ist die Arbeitskultur in Japan, dort gibt es sogar ein eigenes Wort für den Tod durch Überarbeitung: Karōshi.

Die Arbeitspolitik in Japan

Durch zu viel Arbeit sterben? Klingt unrealistisch, kommt in Japan allerdings so häufig vor, dass sich dafür sogar ein eigenes Wort etabliert hat: Karōshi.

Der erste bekannte Fall von Karōshi ist ein 29-jähriger junger Mann, der obwohl er keinerlei Vorerkrankungen aufwies, im Jahr 1969 plötzlich an einem Schlaganfall während der Arbeit verstarb. Seit den 80er-Jahren haben sich die berufsbezogenen Todesfälle so sehr gehäuft, dass Japan sogar damit begann Karōshi-Statistiken zu führen. Behördlich anerkannt sind jährlich ca. 150 Todesfälle durch Überarbeitungen, Experten schätzen die Zahl der Toten durch stressbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen jedoch auf 10.000 pro Jahr.

Meist handelt es sich bei dem Karōshi-Tod um stressbedingte Hirnschläge, Herzinfarkte oder Suizid. Besonders Karōshi gefährdet sind Männer mittleren Alters und Menschen in Führungspositionen, jedoch begann es in den letzten Jahren auch immer mehr jüngere Menschen und Frauen zu betreffen.

Neue Prävention für Karōshi in Japan

Seit April 2019 bekämpft die Regierung in Japan dieses Phänomen mit neuen Gesetzen. 2019 wurde in großen Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter Überstunden auf 100 im Monat und 720 im Jahr begrenzt. Seit 2020 gilt diese Regelung auch für kleinere Unternehmen.

Eine dringend notwendige Konsequenz, die Japans Regierung aufgrund der vielen Todesfälle durch Karōshi umsetzen musste. Viele fleißige Geschäftsmenschen starben im Stillen, der Tod anderer ging viral, wie zum Beispiel der einer 31-jährigen Fernsehmoderatorin, die nach einem Monat mit 159 Überstunden tot in ihrem Bett aufgefunden wurde. Ein viel zu junger und unnötiger Tod. Viele Familien der Karōshi-Betroffenen verklagen mittlerweile die Arbeitgeber.

Jahrzehntelang wurde Japan insgeheim bewundert für seine hohe Arbeitsleistung, für seinen Fleiß, die Bildung der Kinder und den enormen wirtschaftlichen Wachstum. Nun wird klar zu welchem Preis.

Zu viel Arbeit senkt Geburten und Konsum

Nicht nur die Gesundheit leidet unter den enormen Arbeitsanforderungen, sondern auch das Liebesleben. Japan hat eine stetig sinkende Geburtenzahl. Kaum verwunderlich bei der Zahl der Überstunden. Doch nicht nur die Zahl der zukünftigen Steuerzahler*innen sinkt, sondern auch der Konsum. Denn wer ständig arbeitet, hat weniger Zeit, um zu konsumieren. Dies wirkt sich wiederum schlecht auf Japans Wirtschaft aus, somit hat Japan erkannt, dass es neben fleißigen Arbeiter*innen, die produzieren, auch Menschen mit Freizeit braucht, die konsumieren.

Weitere neue Regelungen Japans sollen mehr Konsum fördern. Japaner*innen stehen üblicherweise 10 bis 20 Urlaubstage pro Jahr zu, in der Vergangenheit wurden die freien Tage aber nur von 50 Prozent der Arbeitnehmer*innen genutzt – und auch hier oft nur bei Krankheit. Die neuen Gesetze sehen vor, dass Arbeitnehmer*innen zukünftig mindestens 5 Tage des Jahresurlaubs nehmen müssen, wenn noch 10 Urlaubstage verbleiben. 

Eine weitere für Japan bemerkenswerte neue Regelung sieht seit 2019 eine vereinfachte Einwanderung von Fachkräften für bestimmte Arbeitsbereiche vor, um der Überalterung der Bevölkerung und somit dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken. Die neue Visa-Erlaubnis gilt für bis zu fünf Jahre.

Tod durch Überarbeitung nicht nur in Japan

Nicht nur Japan hat mit Karōshi ein Wort für einen plötzlichen berufsbezogenen Tod, sondern auch Südkorea mit kwarosa und China mit guòláosǐ. Die Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. Umstritten ist, ob Suizide, die auf arbeitsbedingte psychische Erkrankungen zurückzuführen sind, ebenfalls unter der Sterbedefinition Karōshi fallen.

Umso wichtiger ist, rechtzeitig vorzusorgen. Auch, wenn man denkt, jetzt ist keine Zeit für Pause oder etwas kann nicht aufgeschoben werden – es kann immer aufgeschoben werden. Kein Unternehmenserfolg kann so wichtig sein, dass die eigene Gesundheit darunter leidet. Schließlich sollte man immer noch arbeiten, um zu leben und nicht umgekehrt. 

Wie verhindert man Karōshi?

Für eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist es wichtig, dass man über ein gutes Organisationstalent verfügt. Seine Aufgaben in Wichtig und Unwichtig unterteilt und gegebenenfalls delegiert, sowie für regelmäßige Pausen sorgt. Eine hohe Wasserzufuhr, kurze Dehnungsübungen und Spaziergänge, sind wichtiger, als man zu meinen scheint und kosten im Endeffekt viel weniger Zeit, als man denkt. Sport, Gesunde Ernährung und genügend Quality Time mit Familie und Freunde sind ebenso das A und O für eine langes gesundes Leben. 

Mehr Tipps, um Stress und stressbedingte Krankheiten zu verhindern, findest du z. B. in unseren Artikeln:

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Mental Health: Zufriedene Mitarbeiter

CBD – Der neue Trend zur Stressbewältigung

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Titelbild from Freepik by valuavitaly

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