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Die Insolvenz – ein Wort, das vielen GründerInnen sauer aufstößt. “Mängel beim Führungsstil” oder “Kommunikationsprobleme” sowie “fehlendes Controlling” sollen die Gründe für das Scheitern vieler Startups und Unternehmen sein.

Doch ist dem wirklich so? Tatsächlich gibt es zahlreiche Geschichten darüber, wie eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte gegen die Wand fährt – meist nicht nur aufgrund von internen, sondern vielmehr wegen eines Zusammenspiels externer und internerner Gründe.

Startups wie dawanda oder lesara, die einen erfolgversprechenden Start verzeichneten, konnten trotz sorgfältiger Führung und einem einzigartigen Unternehmenskonzept dem Druck des Marktes nicht standhalten. Doch wieso? Welche Gründe bringen Startups ins Verderben und was kannst du als künftige/r GründerIn daraus lernen?

Wenn Platzhirschen Startups verschlucken

Eine Entwicklung wie aus dem Bilderbuch: Dawanda verzeichnete ein lukratives Geschäftskonzept, das vielen VerkäuferInnen und HandwerkerInnen zugute kam. Doch die Zahlen hinkten denen von der großen Konkurrenz hinterher: Während etsy 2017 einen Umsatz von rund 441 Millionen Dollar verzeichnete, kam dawanda mit 16,4 Millionen Euro hinterher.

Ein Grund dafür könnte sein, dass etsy weltweit agierte und attraktivere Geschäftsmodelle für VerkäuferInnen anbot. Weniger Abgaben für die VerkäuferInnen heißt geringere Produktpreise – KundInnen wechseln zur Konkurrenz. Dawanda war nicht dazu imstande, diesen Druck von außen zu händeln, weshalb ein Partner gesucht wurde – doch auch das ohne Erfolg.

Ähnlichen Missmut ließ das insolvente Startup lesara verlauten: Der E-Commerce ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Chinesische Händler entwickeln sich zur mächtigen Konkurrenz. So müssen sie vor allem nicht die gleichen Regeln wie europäische Firmen befolgen – insbesondere im Bereich Verzollung, Mehrwertsteuer oder Produkthaftung. Zur Folge hat das große Verschiebungen der Marktanteile, die Kostennachteile für die europäischen Wettbewerber mit sich zieht.

Kein Partner in Sicht – keine Rettung in Sicht

Da der Außenhandelsumsatz von dawanda nicht mehr im erforderlichen Maße wuchs – also der Umsatz, den VerkäuferInnen über die Plattform machen – entschied sich dawanda dazu, einen Partner zu suchen.

Grundsätzlich eine gute Idee: Die Insolvenz wird umgangen und gemeinsam geht’s besser als einsam durch so eine Krise.

Deshalb folgten viele Gespräche mit potenziellen Geldgebern, u.a. mit dem Hauptinvestor Insight Venture Partners. Doch alle Bemühungen schienen umsonst: Es ließ sich kein Partner finden. Vermutet wird, dass Etsys Übermacht jegliche Kooperationen für Geldgeber unattraktiv und zu risikoreich machte. Niemand wollte sich auf ein derartiges Wagnis einlassen.

Zu hoch gepokert: Schnelles Wachstum kann auch schnelles Scheitern bedeuten

“Ich glaube nach wie vor, dass es richtig ist, in unserem Bereich auf schnelles Wachstum zu setzen. Aber man muss beispielsweise auch merken, wenn man von dem zehnten in den, sagen wir, siebten oder achten Gang schalten muss”, sagt Roman Kirsch, Gründer von lesara, nachdem sein Startup gegen die Wand fuhr.

Der Bau eines eigenen Logistikzentrums für 40 Mio Euro sollte das Unternehmen für das Weihnachtsgeschäft rüsten. Doch alles lief anders als geplant: Die Kreditauszahlung einer Bank verzögerte sich, das Geld wurde knapp und es ließ sich keine kurzfristige Finanzierung finden. Und schon war es aus.

Wie schnell das gehen kann, obwohl lesara das Jahr 2017 mit über 45 Prozent Umsatzwachstum beendete, ist schockierend und lehrreich zugleich. Viele Faktoren spielten im Scheitern von lesara zusammen und das so unabsehbar und plötzlich, dass es im Gegensatz zu dawanda einen ganz anderen Fall darstellt.

Hat lesara zu hoch gepokert? “In den ersten vier Jahren lief definitiv nicht alles super und wir haben etliche kleine Fehler gemacht. Und natürlich können wir uns jetzt fragen: Haben wir uns zum falschen Zeitpunkt für ein eigenes Logistik-Zentrum entschieden? Aber hätte es dann nicht Engpässe im Weihnachtsgeschäft gegeben? Alles ist eine Frage der Abwägung und im Nachhinein ist man sowieso immer ein wenig schlauer”, äußerte er sich auf Gruenderszene.

Ungünstige Finanzierungen zu Krisenzeiten

Vielleicht lag es nicht einmal zwingend daran, dass lesara einen Schritt zur Produktionserweiterung machte. Da sich eine Kreditauszahlung verzögerte, fiel das Startup in einen Engpass. Warum also konnte nicht einfach einer der beteiligten InvestorInnen aushelfen?

“Wir haben keinen Investor wie Softbank oder Rocket Internet, der schnell Millionen nachschießen kann. Es sind bei uns viele kleine bis mittelgroße Investoren beteiligt, die das nicht mal eben so machen können”, erklärt Roman Kirsch hierzu.

Ob es deshalb sinnvoller ist, sich von vornherein eine andere Finanzierung oder reiche InvestorInnen als Partner auszusuchen, ist kaum zu beantworten.

Scheitern vorprogrammiert? Insolvenzen nach Branche

Die schwarzen Schafe der Unternehmenskultur – es gibt bestimmte Branchen, in denen der Hase nicht läuft. Witzigerweise gehört zu den unten gezeigten risikobehafteten Branchen nicht der E-Commerce, obwohl dawanda und lesara beiderseits hier vertreten sind. Stattdessen haben Umzugstransporte, Bars, private Wach- und Sicherheitsdienste sowie Post-, Kurier- und Expressdienste die Nase ganz weit vorn (bzw. hinten).

Quelle: creditreform

Eine andere Statistik vom Statistischen Bundesamt zeigt, dass vor allem Dienstleistungsunternehmen und Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen im Jahr 2019 dem Untergang geweiht waren. 

Diese Statistiken solltest du im Blick behalten, jedoch nicht immer für bare Münze nehmen. Schließlich liegt es oftmals nicht an dem Produkt oder der Dienstleistung, die du anbietest, sondern meist an der eigentlichen Durchführung auf dem Markt, der erbarmungslos alle Startups verschluckt, die nicht alle Aspekte des Werdegangs im Auge behalten.

Was ist mit deinem Personal? Sind deine Prioritäten richtig gesetzt? Bist du immer noch auf dem richtigen Weg, um deine Mission als UnternehmerIn zu erfüllen? Gibt es Kommunikationsprobleme? Ist die Investitionsplanung durchdacht? Hast du das stetig veränderte Marktumfeld im Blick? Setzt du auf strategische Planung oder kurzfristige Entscheidungen? Bist du der Entwicklung deines Unternehmens vielleicht schon zu weit voraus oder hinderst du es daran, sein volles Potenzial zu entfalten?

All dies sind Fragen, die du dir stellen solltest, um die richtigen Entscheidungen für dein Startup treffen zu können. Dabei ziehe dir ruhig Experten wie deinen Business Angel oder dein näheres Umfeld zu Rate. Egal, wie der Weg aussehen mag: Es geht niemals bergauf, ohne, dass es auch mal bergab geht. Das Startup-Leben ist manchmal hart und erbarmungslos und kann so manchen in den Wahnsinn treiben. Rückschläge sind Normalität – wenn es bei dir also gerade nicht so rosig aussieht, mache das Beste daraus und denke daran, dass du und dein Unternehmen gestärkt aus diesen Zeiten hervorgeht.

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