ello – so funktioniert der Rollator mit Elektroantrieb

Mobilität ist heutzutage quasi ein Grundrecht, und mittlerweile gibt es fast von jedem Fahrzeugtyp eine mit einem Elektromotor ausgestattete Version. Ein Personenkreis, der mehr als alle anderen auf eine Mobilitätshilfe angewiesen ist, wurde von dieser Entwicklung allerdings bisher ausgeschlossen. Das ändert sich jetzt: ello ist der erste elektrisch angetriebene Rollator.

Der Antrieb lässt sich leicht steuern, hilft bei der Überwindung von Steigungen und Hindernissen wie Bordsteinkanten und ist mit einer automatischen Bremse ausgestattet. Die Akkulaufzeit beträgt laut Herstellerangabe vier Stunden, die Ladezeit sechs Stunden. Und das hat der ello außerdem zu bieten: ein Notrufsystem, mit dem mit einem einigen Knopfdruck Angehörige oder andere Kontaktpersonen im Ernstfall verständigt werden können. Eine Ortungsfunktion per GPS, damit der Rollator und sein Besitzer nicht verloren gehen. Und ein umfangreiches Beleuchtungssystem um zu sehen und gesehen zu werden.

Entwickelt haben den E-Rollator die Stuttgarter Benjamin Rudolph, Max Keßler und Matthias Geertsema (Bild oben von links nach rechts). Wir haben Ben gefragt, wie das Projekt entstanden ist und wie es nach einer erfolgreichen Crowdfundingkampagne weitergeht.

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Wie ist die Idee zu ello entstanden – gibt es eventuell eine persönliche Geschichten aus den Familien der Gründer, die den Anstoß geliefert haben?

Tatsächlich waren es Erfahrungen aus dem eigenen Familienkreis, die zu dem Projektstart von ello geführt haben. Einmal war es die Großmutter eines Gründers, die auf der Schwäbischen Alb wohnt. Aufgrund einer Krankheit wurde sie schwächer und schaffte es mit ihrer normalen Gehhilfe noch nicht einmal mehr, das Haus zu verlassen, um zum Einkaufen zu gehen. Hier merkten wir zum ersten Mal, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt.

Das zweite Mal stürzte meine eigene Oma im Bus, weil dieser abrupt anhielt, sie so schnell jedoch gar nicht die Bremse feststellen konnte – dadurch entstand die Idee zur automatischen Bremsfunktion, die wir für den ello entwickelt haben. Je mehr wir in die Arbeit einstiegen, desto klarer wurde uns zudem, welch ein verstaubtes Image Rollatoren haben. Dies gab uns noch mehr Ansporn und sorgte dafür, dass wir eine Kooperation mit der Produktionsdesign-Agentur Phönix initiierten. Mit dieser haben wir es uns zum Ziel gesetzt, den neuen Rollator nicht nur technisch auf ein neues Niveau zu heben, sondern auch im Bereich Design.

Wie genau funktioniert die Geschwindigkeitsregulierung, die dafür sorgt, dass das Gerät sich dem Gehtempo anpasst und für die Nutzer nicht zu schnell wird?

Wir haben eine Steuerung entwickelt, die erkennt, welche Gehgeschwindigkeit eingestellt ist. Sie ist sehr leicht mit großen Knöpfen zu bedienen und kann jederzeit angepasst werden. Die Steuerung regelt die Motoren so, dass ello immer mit der gewünschten Geschwindigkeit fährt. Dabei können die Antriebe unterstützen,  wenn es zum Beispiel bergauf geht, aber auch bremsen, wenn es bergab geht. So wird immer eine Geschwindigkeit gehalten, die an den jeweiligen Benutzer angepasst ist.

bedienungseinheit

Wie kam es zu der Idee, sich per Crowdfunding zu finanzieren?

Wir haben sehr lange unter dem Schutzschirm der Uni Stuttgart gearbeitet, was für die Zeit der Produktentwicklung optimal war. Im Frühjahr dieses Jahres war dann der Zeitpunkt gekommen, ein eigenständiges Unternehmen aus dem E-Rollator-Projekt zu machen. Wir gründeten eMovements. Intensiv schauten wir uns die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten an und fanden, dass Crowdinvesting genau das Richtige für uns ist: Wir bieten ein attraktives Investitionsmodell, müssen jedoch noch keine Anteile abgeben, was uns wichtig war. Außerdem haben wir viele Investoren, die daran interessiert sind, sich als Empfehler und Multiplikatoren zu engagieren.

Wie ist die Kampagne aus Eurer Sicht verlaufen und wie geht es jetzt weiter?

Wir sind sehr zufrieden. Wir haben uns sehr viel Mühe mit der Kampagne gemacht, aber wussten natürlich wirklich, nicht wie das Produkt ankommt. Wir haben kein sehr „sexy“ Thema im Gegensatz zu manch anderen Startups. Wir wurden dann zum Glück positiv überrascht, als wir schon nach zwei Wochen die 100.000 Euro-Marke knacken konnten. Jetzt haben wir beschlossen, die Kampagne sogar um einen Monat zu verlängern.

Lässt sich die für ello entwickelte Technologie auch für andere Mobilityprojekte nutzen und ist in absehbarer Zeit etwas in diese Richtung geplant?

Das ist genau richtig, viele der Features, die wir für den E-Rollator entwickelt haben sind in anderen Bereichen ebenfalls einsetzbar. Der ello ist nur der Anfang von einer hoffentlich breiten Produktreihe. Wir haben Pläne, uns auch im Reha-Bereich zu engagieren und die dortigen Mobilitätshilfen zu optimieren. Der Bereich Kinderwagen ist ebenfalls im Visier und noch ein paar Produkte, über die wir jedoch noch nicht sprechen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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