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Viele Gründungen scheitern nicht an der Idee, sondern am Geld, das zum falschen Zeitpunkt fehlt. Wer zum ersten Mal mit einer Bank über seine Finanzierung spricht, merkt schnell, dass es selten um das Ob geht. Es geht um die Form. Wie du dich auf dieses Gespräch vorbereitest, steht im Beitrag zum Banktermin für das KfW-StartGeld. Eine Ebene davor steht die Frage, aus welchen Töpfen dein Startkapital überhaupt kommt und was jeder dieser Töpfe von dir verlangt.
Eigenkapital und Fremdkapital: der Unterschied beginnt bei der Haftung
Eigenkapital ist das Geld, das dir selbst gehört oder das dir ein Gesellschafter dauerhaft überlässt. Es hat keinen Rückzahlungstermin, es kostet keine Zinsen, und es trägt den ersten Verlust. Genau das ist sein Preis: Wer Eigenkapital von außen hereinholt, gibt Anteile und damit Mitsprache ab.
Fremdkapital ist geliehenes Geld. Die Bank, der Lieferant oder der Darlehensgeber hat einen festen Anspruch auf Rückzahlung, unabhängig davon, ob dein Jahr gut lief. Dafür bleibt dein Unternehmen dir allein. Fremdkapital verlangt im Gegenzug meist Sicherheiten, und die hat eine junge Firma selten.
In der Bilanz stehen beide auf derselben Seite, der Passivseite, aber in anderer Ordnung: Das Eigenkapital steht oben, die Verbindlichkeiten darunter. Diese Reihenfolge ist keine Formsache. Sie bildet ab, wer im Ernstfall zuletzt bedient wird.
Bei den Kapitalgesellschaften schreibt das Gesetz einen Mindestbetrag an Eigenkapital vor. Das Stammkapital einer GmbH beträgt nach § 5 Abs. 1 GmbHG mindestens 25.000 Euro. Wer das nicht aufbringt, gründet nach § 5a Abs. 1 GmbHG eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und muss diesen Zusatz im Firmennamen führen. Sie legt dafür ein Viertel ihres Jahresüberschusses als gesetzliche Rücklage zurück, vermindert um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr, bis das Stammkapital der GmbH erreicht ist.
Quellen: § 5 GmbHG | § 5a GmbHG

Die Eigenkapitalquote: woran Banken deine Finanzierung messen
Die Eigenkapitalquote setzt dein Eigenkapital ins Verhältnis zum gesamten Kapital der Firma. Sie ist die eine Zahl, die bei jedem Kreditgespräch auf dem Tisch liegt, weil sie in einem Wert zusammenfasst, wie viel Verlust ein Unternehmen aushält, bevor es an die Substanz der Gläubiger geht.
Ein Maßstab dafür, was in Deutschland üblich ist, liefert das Mittelstandspanel der KfW: Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand bei 30,7 Prozent. Junge Unternehmen liegen fast immer darunter, und das ist normal. Eine Bank erwartet von einer Gründung keinen Mittelstandswert, sie will sehen, dass überhaupt eigenes Geld im Spiel ist.
Rechenbeispiel: die Eigenkapitalquote einer kleinen Tischlerei
Beispiel: Eine Tischlerin braucht für Maschinen, Umbau und das erste halbe Jahr insgesamt 120.000 Euro. Aus Ersparnissen bringt sie 30.000 Euro selbst ein, die restlichen 90.000 Euro nimmt sie als Kredit auf. Ihre Eigenkapitalquote liegt damit bei 25 Prozent.
Fällt ein großer Kunde aus und die Werkstatt schreibt im ersten Jahr Verlust, zehrt dieser Verlust zuerst an ihren eigenen 30.000 Euro. Erst danach wird es für die Bank eng. Genau diesen Puffer kauft die Bank sich mit ihrer Frage nach der Quote.
Quellen: KfW Research, Mittelstandspanel
Fremdkapital für Gründer: warum der Förderkredit meist der erste Weg ist
Der klassische Bankkredit setzt Sicherheiten voraus. Eine Gründung hat Maschinen, die noch nicht bezahlt sind, und Umsätze, die es noch nicht gibt. Diese Lücke schließen Förderkredite, bei denen der Staat einen Teil des Risikos übernimmt, damit die Hausbank überhaupt zusagen kann.
Das wichtigste Programm für kleine Gründungen ist der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW. Er reicht bis zu 200.000 Euro, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, also für Waren, Miete und Löhne statt für Anschaffungen. Die Laufzeit beträgt bis zu 10 Jahre. Entscheidend für die Zusage ist ein anderer Punkt: Die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos, und erst das macht viele Hausbanken bereit, ohne Sicherheiten zu finanzieren.
Kostenlos ist Fremdkapital deshalb nicht. Neben den Zinsen fällt eine Bereitstellungsprovision von 0,15 Prozent pro Monat an. Sie setzt erst sechs Monate und zwei Bankarbeitstage nach der Zusage ein, und abgerufen werden muss das Geld innerhalb von zwölf Monaten. Wer den Kredit also lange vor dem eigentlichen Bedarf festzurrt, zahlt am Ende für das Warten.

Den Antrag stellst du nie direkt bei der KfW, sondern bei deiner Hausbank, die ihn weiterreicht. Deshalb ist die Vorbereitung des Banktermins keine Formalie, sondern der eigentliche Prüfungstermin.
Quellen: KfW, ERP-Gründerkredit StartGeld
Mischformen: wenn Kapital beides zugleich ist
Zwischen den beiden Polen liegt ein breites Feld, und für Gründungen ist es oft das praktischste. Ein Gesellschafterdarlehen ist rechtlich ein Kredit, kommt aber von dir selbst oder von einem Mitgesellschafter. In der Insolvenz wird es nachrangig bedient, steht also hinter allen anderen Gläubigern.
Beim Nachrangdarlehen vereinbaren die Beteiligten diesen letzten Rang ausdrücklich. Banken rechnen solche Mittel häufig wie Eigenkapital an, obwohl sie formal Schulden bleiben. Die stille Beteiligung geht einen Schritt weiter: Jemand gibt Geld und wird am Gewinn beteiligt, tritt nach außen aber nicht in Erscheinung und führt nicht mit.
Für wachstumsstarke Firmen mit Investoren im Rücken kommt später Venture Debt hinzu, ein Kredit, der die nächste Finanzierungsrunde überbrückt, ohne dass die Gründer sofort weitere Anteile abgeben.
Die Finanzierungsarten im Vergleich
| Kapitalart | Was sie kostet | Rang im Ernstfall | Mitsprache |
|---|---|---|---|
| Eigene Ersparnisse | Dein Risiko | Haftet zuerst | Bleibt bei dir |
| Beteiligungskapital | Anteile am Unternehmen | Haftet zuerst | Investor redet mit |
| Förderkredit | Zinsen und Provision | Wird vorrangig bedient | Keine |
| Bankkredit | Zinsen und Sicherheiten | Wird vorrangig bedient | Keine, aber Auflagen |
| Gesellschafterdarlehen | Vereinbarte Zinsen | Nachrangig | Über die Gesellschafterstellung |
| Stille Beteiligung | Anteil am Gewinn | Meist nachrangig | Nur Kontrollrechte |
Aus der Tabelle folgt eine einfache Reihenfolge für die Praxis: erst die eigenen Mittel und Förderkredite ausschöpfen, dann über Mischformen nachdenken, und Anteile zuletzt hergeben. Jeder Schritt nach unten kostet mehr von dem, was sich nicht zurückkaufen lässt.
Häufige Fragen
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Gründung?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Beim ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW ist kein Eigenkapital erforderlich, weil die Förderbank einen großen Teil des Risikos trägt. In der Praxis verlangen Hausbanken trotzdem einen sichtbaren Eigenanteil, weil er zeigt, dass du selbst im Risiko stehst.
Ist ein Gesellschafterdarlehen Eigenkapital oder Fremdkapital?
Bilanziell ist es Fremdkapital, denn es wird zurückgezahlt. In der Insolvenz steht es jedoch hinter den übrigen Gläubigern, und Banken behandeln es bei der Bonität oft wie Eigenkapital. Diese Doppelrolle macht es für Gründungen so brauchbar.
Zählt das Stammkapital der GmbH als Eigenkapital?
Ja. Das Stammkapital ist der gesetzlich festgelegte Kern des Eigenkapitals einer GmbH. Mit ihm darf nach der Gründung gearbeitet werden, es muss also nicht auf dem Konto liegen bleiben.
Was ist günstiger, Eigenkapital oder Fremdkapital?
Fremdkapital ist in Geld gerechnet fast immer billiger, weil Zinsen begrenzt sind und ein Anteil am Unternehmen nicht. Dafür muss es bedient werden, auch in einem schlechten Quartal. Die Frage ist deshalb weniger, was billiger ist, als was deine Firma im schlechtesten Monat noch tragen kann.
Fazit
Eigenkapital kauft Ruhe, Fremdkapital kauft Tempo. Eine Gründung braucht beides, und die Mischung ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Rechnung: Wie viel Verlust muss dein Puffer aushalten, bevor es ernst wird, und wie hoch darf die monatliche Rate dabei sein. Wer diese beiden Zahlen kennt, bevor er in den Banktermin geht, verhandelt über Konditionen statt über das Ob. Rechts- und Steuerfragen zur konkreten Gestaltung gehören in das Gespräch mit der Steuerberatung oder der zuständigen Kammer.



















