MVP (Minimum Viable Product)

MVP (Minimum Viable Product), kurz erklärt: Die einfachste Fassung eines neuen Produkts, mit der ein Gründerteam echtes Verhalten von Kunden misst: Zahlen sie, melden sie sich an, kommen sie wieder?

Ein MVP (Minimum Viable Product) ist die einfachste Fassung eines neuen Produkts, mit der ein Gründerteam echtes Verhalten von Kunden messen kann. Es geht nicht um ein halbfertiges Produkt, sondern um einen Test: Zahlen Menschen, melden sie sich an, kommen sie wieder? Wer die Frage vorher festlegt, spart Monate Entwicklung an einer Idee, die niemand braucht.

Was bedeutet MVP?

Die Abkürzung steht für Minimum Viable Product, auf Deutsch etwa „minimal funktionsfähiges Produkt“. Bekannt gemacht hat den Begriff Eric Ries, der Erfinder der Lean-Startup-Methode. Seine Definition ist bis heute die genaueste: Das MVP ist die Fassung eines neuen Produkts, mit der ein Team mit dem geringsten Aufwand das meiste über seine Kunden lernt. So steht es in seinem Leitfaden zum Minimum Viable Product von 2009.

Wichtig ist das Wort „lernen“. Ries schreibt selbst, dass es beim MVP nicht darum geht, minimale Produkte zu bauen. Ein MVP ist ein Experiment mit einer Hypothese, einer Messgröße und einer Entscheidung am Ende. Wer nur eine abgespeckte Software ausliefert und dann abwartet, hat ein kleines Produkt, aber kein MVP.

Im Sport heißt MVP übrigens „Most Valuable Player“. Wer nach der Bedeutung sucht, landet deshalb oft bei Basketball. Im Gründerkontext ist immer das Produkt gemeint.

Welche Arten von MVP gibt es?

Ein MVP muss keine Software sein. Oft reicht eine Seite, ein Video oder ein Mensch, der im Hintergrund von Hand erledigt, was später ein Programm übernimmt. Die Wahl hängt davon ab, welche Annahme du prüfen willst.

Art So funktioniert es Was es prüft Aufwand
Landingpage Eine Seite beschreibt das Produkt, ein Knopf führt zur Anmeldung oder Vorbestellung Interesse und Klickbereitschaft Tage
Erklärvideo Ein kurzes Video zeigt, wie das Produkt funktionieren würde Ob das Problem verstanden wird und Neugier weckt Tage
Concierge Du erbringst die Leistung persönlich für die ersten Kunden Ob die Lösung das Problem wirklich löst Wochen
Wizard of Oz Kunden sehen eine fertige Oberfläche, dahinter arbeitet ein Mensch Nutzung und Abläufe vor der Automatisierung Wochen
Vorverkauf Kunden zahlen vor der Herstellung, etwa über Crowdfunding Zahlungsbereitschaft Wochen
Ein-Funktions-Produkt Software mit genau der Kernfunktion, sonst nichts Wiederkehrende Nutzung Wochen bis Monate

Die stärkste Aussage liefert Geld. Eine Anmeldung kostet nichts, eine Vorbestellung schon. Wer Zahlungsbereitschaft prüfen will, sollte deshalb früh einen Preis nennen, auch wenn das Produkt noch nicht geliefert werden kann.

So baust du ein MVP in fünf Schritten

Der häufigste Fehler ist, mit dem Bauen anzufangen. Besser beginnt ein MVP mit einem Satz auf Papier. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Riskanteste Annahme benennen. Meist ist es nicht die Technik, sondern die Frage, ob jemand das Problem stark genug spürt, um zu zahlen.
  2. Messgröße und Schwelle vorher festlegen. Zum Beispiel: 40 von 1.000 Besuchern tragen sich ein, oder 10 von 50 angesprochenen Firmen vereinbaren einen bezahlten Test.
  3. Die billigste MVP-Art wählen, die genau diese Annahme prüft.
  4. Echte Zielkunden erreichen, nicht Freunde und Familie. Deren Zuspruch misst Höflichkeit, keine Nachfrage.
  5. Entscheiden: weitermachen, die Richtung ändern (der sogenannte Pivot) oder aufhören.

Die Schwelle aus Schritt zwei ist der Kern. Ohne sie lässt sich jedes Ergebnis schönreden, und das MVP liefert keine Entscheidung.

MVP, Prototyp und Proof of Concept: der Unterschied

Die drei Begriffe werden oft vermischt. Ein Proof of Concept zeigt, dass eine Technik grundsätzlich funktioniert. Ein Prototyp zeigt, wie das Produkt aussehen und sich bedienen lassen könnte, meist intern oder mit wenigen Testern. Ein MVP dagegen trifft auf den Markt und misst, ob Kunden es wollen.

Bei technologiegetriebenen Gründungen kommen die drei oft nacheinander: erst die Machbarkeit, dann ein Prototyp, dann das MVP für erste zahlende Kunden. Bei digitalen Geschäftsmodellen mit einfacher Technik kann das MVP der allererste Schritt sein.

Auch Investoren unterscheiden genau. Wer mit einem MVP und ersten Umsätzen in ein Gespräch geht, hat ein anderes Gewicht als mit einer Präsentation allein. Welche Kennzahlen dann zählen, steht in unserem Ratgeber zum Pitchdeck; wie sich ein Startup aus eigenen Umsätzen finanziert, im Beitrag über Bootstrapping.

Was ein gutes MVP ausmacht

Ein gutes MVP ist klein im Umfang, aber gründlich in der Messung. Es spricht eine klar umrissene Zielgruppe an, statt allen ein bisschen zu gefallen. Und es ist ehrlich gegenüber den Testern: Wer beim Wizard-of-Oz-Ansatz vorgibt, eine Software arbeite, sollte nach dem Test aufklären und keine Daten zweckentfremden.

Qualität darf trotzdem nicht fehlen. „Minimal“ bezieht sich auf den Funktionsumfang, nicht auf die Sorgfalt. Ein fehlerhafter Bezahlvorgang misst nicht die Nachfrage, sondern die Geduld der Kunden. Y Combinator beschreibt in seiner Startup Library ausführlich, wie Gründer ein MVP planen und schnell an den Markt bringen.

Häufige Fragen zum MVP

Was kostet ein MVP?

Das hängt von der Art ab. Eine Landingpage mit Anmeldeformular entsteht mit Baukastenwerkzeugen an wenigen Tagen und für wenige hundert Euro. Ein Software-MVP mit einer Kernfunktion kostet je nach Umfang einige Wochen Entwicklungszeit. Entscheidend ist, die günstigste Art zu wählen, die deine riskanteste Annahme prüft.

Wie lange sollte ein MVP-Test laufen?

So lange, bis die vorher festgelegte Zahl an Zielkunden das MVP gesehen hat. Bei einer Landingpage können das zwei bis vier Wochen Werbung sein, bei einem B2B-Angebot einige Dutzend Gespräche. Ein Zeitlimit hilft, nicht endlos auf ein besseres Ergebnis zu warten.

Ist ein MVP dasselbe wie eine Beta-Version?

Nein. Eine Beta ist ein weitgehend fertiges Produkt, das auf Fehler getestet wird. Ein MVP prüft eine Geschäftsannahme und kann ganz ohne fertiges Produkt auskommen, etwa als Vorverkauf oder als Dienstleistung von Hand.

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