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Wenn du als Online-Händler physische Produkte an Verbraucher verkaufst, hat sich für deinen Shop etwas geändert. Seit dem 27. September 2026 greifen neue Informationspflichten zur gesetzlichen Gewährleistung und zu gewerblichen Haltbarkeitsgarantien. Dieser Stichtag gilt EU-weit. Grundlage ist die EU-Richtlinie (EU) 2024/825, die Deutschland im Februar 2026 umgesetzt hat.

Die kurze Antwort auf die häufigste Frage: Die allgemeine Mitteilung zur gesetzlichen Gewährleistung brauchst du als Verkäufer von Konsumgütern. Das GARAN-Label brauchst du nur, wenn eine ganz bestimmte Art von Garantie im Spiel ist. Viele Teams verwechseln das und laden sich eine Grafik herunter, die sie gar nicht verwenden dürfen.

Teuer wird es an einer anderen Stelle. Das größte Risiko liegt dort, wo gesetzliche Gewährleistung, freiwillige Garantie und Werbeversprechen zur Langlebigkeit durcheinandergehen. Genau das passiert in D2C-Teams besonders leicht, weil Marketing, Produkt und Kundenservice ihre Texte getrennt voneinander schreiben.

Quellen: Umweltbundesamt zu den neuen Regeln | Your Europe: Gewährleistungslabel und GARAN-Label

Gewährleistung, Garantie und Haltbarkeitsgarantie trennen

Die gesetzliche Gewährleistung greift, wenn die Ware einen Mangel hat. Der Anspruch richtet sich gegen den Verkäufer, also gegen dich. Für alle in der EU verkauften Konsumgüter besteht er mindestens 2 Jahre. Diese Gewährleistungsrechte sind kein Service deiner Marke, sondern das gesetzliche Minimum, und deshalb solltest du sie nicht als Leistung bewerben.

Eine freiwillige Garantie ist die zusätzliche Zusage eines Garantiegebers neben den gesetzlichen Rechten. Sie kann auch durch Werbung entstehen. Was du in Anzeigen, auf Social Media oder auf der Produktseite versprichst, kann dich binden, selbst wenn es in keinem Garantiedokument steht. Das ist der Punkt, an dem alte Kampagnen plötzlich zum Thema werden.

Die Haltbarkeitsgarantie ist der Sonderfall, um den es beim GARAN-Label geht. Hier sagt der Hersteller zu, dass die Ware ihre Funktionen über eine angegebene Dauer in Jahren behält. Hält sie das nicht, muss er kostenlos reparieren oder ersetzen. Dazu gehören dann auch die Reparatur- und Ersatzpflichten, die dein Support am Ende abbilden muss.

Bleiben die Marketingclaims. Aussagen wie „besonders langlebig“ oder „hält ein Leben lang“ sind keine harmlosen Floskeln mehr. Sie müssen belegbar sein und dürfen nicht mehr zusagen, als Produkt, Garantiebedingungen und Support tatsächlich einlösen.

Quellen: Your Europe: Gewährleistungslabel und GARAN-Label | Your Europe: Garantien und Gewährleistungen für Verbraucher

Pinsel zieht eine zweite Lackschicht über eine Eichenholzfläche.
Symbolbild, mit KI erzeugt

Gewährleistungslabel im Online-Shop: Was die Mitteilung verlangt

Das Gewährleistungslabel hat eine standardisierte Form und muss von dir als Verkäufer gut sichtbar platziert werden. Für den Laden nennt die Kommission als Beispiel ein Poster an einer gut sichtbaren Wand neben der Kasse. Online gilt eine zusätzliche Anforderung: Dort muss das Label farbig sein, während es im Laden auch schwarz-weiß sein darf.

Baue die Kennzeichnung nicht selbst nach. Gestaltung und Inhalt legt eine EU-Durchführungsverordnung fest, die unmittelbar gilt und nicht erst in deutsches Recht umgesetzt werden musste. Sie enthält Elemente, die du nicht verändern darfst, darunter einen scannbaren QR-Code, der Kunden in ihrer eigenen Sprache zu weiteren Informationen führt. Ausgedruckt darf die Mitteilung nicht kleiner als DIN A4 sein, für das GARAN-Label gilt ein eigenes, kleineres Mindestmaß. Die Europäische Kommission stellt Leitlinien und die Vorlagen in allen EU-Sprachen bereit, als PDF, als JPG, als PNG und als SVG. Getrennt wird dabei nicht nach Kanal, sondern nach Farbe: Die farbige Fassung gilt für Laden und Shop, die schwarz-weiße nur für den Laden. Eine eigene Fassung für den E-Commerce gibt es allein beim GARAN-Label, als verschachtelte Anzeige.

Verlasse dich nicht auf einen Hinweis in den AGB. Verlangt ist eine gut sichtbare Platzierung, und daraus folgt für die Praxis: Die Mitteilung gehört dorthin, wo deine Kunden sie vor dem Kauf sehen, auf die Produktseite und in den Weg zum Checkout, nicht in ein Dokument, das niemand öffnet. Wer seinen Shop ohnehin gerade überarbeitet, sollte das zusammen mit dem Widerrufsbutton abräumen, denn beide Themen betreffen dieselben Seiten.

Quellen: Your Europe: Gewährleistungslabel und GARAN-Label | Vorlagen der Europäischen Kommission

Wann das GARAN-Label dazukommt

Das GARAN-Label, im Handel oft schlicht Garantielabel genannt, ist kein allgemeines Qualitätssiegel. Es gehört zu einer gewerblichen Haltbarkeitsgarantie, die der Hersteller freiwillig anbietet und die drei Bedingungen gleichzeitig erfüllen muss: Sie wird ohne zusätzliche Kosten gewährt, sie gilt für die gesamte Ware, und sie ist mehr als 2 Jahre gültig. Erfüllt deine Garantie diese Voraussetzungen, musst du das Garantielabel verwenden.

Daraus folgt die wichtigste Abgrenzung in der Praxis. Eine kostenlose Fünf-Jahres-Zusage für das komplette Produkt fällt darunter. Eine Zusage auf den Reißverschluss oder auf den Akku ist eine Teilgarantie und darf das Label nicht tragen. Ebenso wenig eine Garantie von genau zwei Jahren oder eine, für die du Geld nimmst.

Frage Mitteilung zur Gewährleistung GARAN-Label
Wen betrifft es? Verkäufer von Konsumgütern Hersteller mit passender Haltbarkeitsgarantie
Freiwillig oder Pflicht? Pflicht beim Verkauf an Verbraucher Pflicht, sobald die Garantie die Bedingungen erfüllt
Mindestdauer gesetzlich mindestens 2 Jahre mehr als 2 Jahre Garantiedauer
Kosten für den Kunden keine, gesetzlicher Anspruch muss ohne zusätzliche Kosten sein
Umfang Mangelrechte an der Ware nur für die gesamte Ware, nicht für Bauteile
Darstellung online farbig, gut sichtbar farbig, verschachtelte Anzeige möglich

Die Rollenverteilung ist dabei der Teil, den Eigenmarken unterschätzen. Stellt der Hersteller die Information zu einer passenden Haltbarkeitsgarantie bereit, musst du als Verkäufer vor Vertragsschluss hervorgehoben über Bestehen und Dauer dieser Herstellergarantie informieren. Wer selbst Garantieversprechen kommuniziert, wird daran gemessen. Ob eine Eigenmarke dabei als Herstellerin im rechtlichen Sinn gilt, hängt am Einzelfall und nicht am Logo auf der Verpackung. Prüfe die Rolle pro Produktlinie und halte das Ergebnis schriftlich fest, so wie du es bei der CE-Kennzeichnung für Eigenmarken ohnehin tun musst.

Fertig geflochtener Weidenkorb neben einem einzelnen losen Weidenstab.
Symbolbild, mit KI erzeugt

Drei Fälle aus dem Direktvertrieb

Shop verkauft zugekaufte Fremdprodukte

Eine kleine Marke verkauft Wohnaccessoires fremder Hersteller. Die allgemeine Mitteilung gehört sichtbar in den Shop. Das GARAN-Label wird erst relevant, wenn für ein Produkt eine passende kostenlose Haltbarkeitsgarantie des Herstellers vorliegt oder die Marke selbst ein solches Versprechen abgibt. Die Sofortmaßnahme: Durchsuche Produktseiten, FAQ, Anzeigen und Newsletter nach „Garantie“, „garantiert“ und „langlebig“. Die Trefferliste ist meist länger als gedacht.

Marktplatzseller mit Eigenmarke

Ein Team verkauft Küchenzubehör unter eigener Marke, gefertigt beim Zulieferer. Die externe Produktion beendet deine eigene Prüfpflicht nicht, auch wenn du beim Hersteller nicht von dir aus nach Garantieinformationen forschen musst. Kläre, wer Garantiegeber ist, welche Bedingungen tatsächlich existieren und ob Marktplatz, Shop und Verpackung dasselbe sagen. Auch auf Marktplätzen muss die Kennzeichnung geprüft werden, selbst wenn die Darstellung dort weniger Spielraum lässt als im eigenen Shop.

Hersteller mit kostenloser Langzeitgarantie

Eine Marke sichert die Haltbarkeit des gesamten Produkts für fünf Jahre kostenlos zu. Hier lohnt der vollständige Durchgang: Bedingungen gegen die offiziellen Vorgaben prüfen, die Kennzeichnung korrekt einsetzen, dann Reklamationsweg und Zuständigkeiten festlegen. Ein Label ohne funktionierenden Folgeprozess erzeugt Supportfälle statt Vertrauen. Wenn im vierten Jahr die erste Meldung kommt und niemand im Team weiß, wer entscheidet, wird aus dem Verkaufsargument ein Problem.

Zwei gleich glasierte Keramikfliesen nebeneinander auf einem Brennwagen.
Symbolbild, mit KI erzeugt

Platzierung prüfen und Widersprüche finden

Die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat, beginnt nicht beim Download der Grafik, sondern bei einer Inventur deiner Versprechen. Erst danach weißt du, welche Kennzeichnung du überhaupt brauchst.

  • Sammle alle Aussagen zu Garantie, Haltbarkeit, Reparatur und Nachhaltigkeit aus Shop, Anzeigen, Social Posts, E-Mails, Verpackung, Beilegern und Marktplatzlistings an einer Stelle.
  • Ordne je Produktlinie zu: Verkäuferrolle, mögliche Herstellerrolle, Garantiegeber, Dauer, kostenlos oder kostenpflichtig, gesamte Ware oder Bauteil.
  • Binde die offizielle farbige Mitteilung gut sichtbar ein und setze das GARAN-Label nur dort, wo alle Bedingungen erfüllt sind.
  • Vergleiche Verpackung, Anleitung, Beileger und QR-Zielseiten mit den fertigen Produktseiten und den Garantiebedingungen.
  • Trenne die Standardantworten im Support: ein Textbaustein für Gewährleistungsfälle, ein anderer für freiwillige Garantien, mit festgelegter Eskalation.

Die Garantieerklärung selbst muss verständlich sein, die gesetzlichen Rechte unberührt lassen und Garantiegeber sowie Verfahren nennen. Gib sie spätestens bei Lieferung auf einem dauerhaften Datenträger mit.

Diese Fehler tauchen in D2C-Shops am häufigsten auf: „zwei Jahre Garantie“ schreiben, obwohl die gesetzliche Gewährleistung gemeint ist. Das Label für eine Teilgarantie verwenden. Online eine schwarz-weiße oder gestalterisch veränderte Fassung einbauen. Produktseite, Verpackung und Support-Makro mit unterschiedlichen Dauern veröffentlichen. Und einen Haltbarkeitsclaim für das ganze Produkt nutzen, obwohl der Nachweis nur ein Bauteil betrifft.

Der Nachhaltigkeitsteil hängt direkt daran. Seit dem 27. September 2026 wird Greenwashing durch die Änderung des Wettbewerbs- und des Verbraucherrechts stärker reglementiert. Umwelt- und Haltbarkeitsaussagen müssen deshalb nachprüfbar sein, was bei Verpackungen und Eigenmarken dieselben Produktdaten betrifft.

Quellen: Umweltbundesamt zu den neuen Regeln | Your Europe: Gewährleistungslabel und GARAN-Label

FAQ

Braucht jeder Shop beide Kennzeichnungen?

Nein. Die Mitteilung zur gesetzlichen Gewährleistung betrifft dich als Verkäufer von Konsumgütern. Das GARAN-Label kommt nur bei einer kostenlosen Haltbarkeitsgarantie für die gesamte Ware mit mehr als 2 Jahren Dauer hinzu.

Reicht ein Hinweis in den AGB?

Nein. Die harmonisierte Mitteilung muss online farbig und gut sichtbar dargestellt werden. Garantiebedingungen und AGB ersetzen diese Sichtbarkeit nicht.

Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme?

Die Claim-Inventur. Sammle alle Produkt- und Marketingaussagen ein und sortiere sie danach, ob sie die gesetzliche Gewährleistung, eine freiwillige Garantie oder reine Produktkommunikation betreffen.

Wo bekomme ich die offiziellen Dateien?

Bei der Europäischen Kommission. Sie stellt Praxisleitfäden und hochauflösende Vorlagen bereit, getrennt für E-Commerce und stationären Handel sowie für die verschachtelte Online-Anzeige des GARAN-Labels.

Gilt das auch für Verkäufe über Marktplätze?

Ja. Für Händler hängt die Pflicht am Verkauf an Verbraucher, nicht am Kanal. Prüfe die Darstellung dort genauso, auch wenn die Vorlagen weniger Gestaltungsspielraum bieten.

Fazit

Das Gewährleistungslabel im Online-Shop ist seit dem 27. September 2026 ein Umsetzungsprojekt mit festem Stand. Das GARAN-Label ist dabei kein Siegel für jede Garantie, sondern das Zeichen für einen eng begrenzten Fall: kostenlos, für die gesamte Ware, mehr als 2 Jahre. Wer die drei Ebenen sauber trennt und den Support früh einbindet, vermeidet Missverständnisse an der Kasse und im Postfach.

Starte mit der Inventur deiner Claims, nicht mit dem Label-Download. Die Grafik ist schnell eingebaut. Die Klärung von Rollen, Dauern und Supportprozessen braucht Wochen, und dort entstehen die Widersprüche, die später Geld kosten. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen.

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