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Das PFHxA Verbot ist für viele kleine Marken kein Chemiethema, sondern ein Sortimentsthema. Ab dem 10. Oktober 2026 gelten neue Beschränkungen, und sie treffen genau die Produkte, die im D2C-Handel besonders beliebt sind.
Stellt euch drei typische Situationen vor: Ihr verkauft eine wasserabweisende Jacke, ein Private-Label-Lippenprodukt oder Snacks in fettabweisender Kartonverpackung. Das Risiko steckt dann häufig nicht im sichtbaren Kernprodukt, sondern in der Ausrüstung des Stoffs, in der Rezeptur oder in der Barriereschicht der Verpackung.
PFHxA steht für Perfluorhexansäure. Sie gehört zu den PFAS, einer großen Gruppe besonders langlebiger Chemikalien, die unter anderem wasser-, fett- oder schmutzabweisende Eigenschaften ermöglichen können. Wichtig ist die Abgrenzung: Hier geht es um eine konkrete REACH-Beschränkung zu PFHxA, ihren Salzen und PFHxA-verwandten Stoffen. Daraus folgt nicht, dass jedes PFAS-haltige Produkt bereits verboten wäre.
Dieser Beitrag gibt euch eine Priorisierung für Sortiment, Verpackung, Einkauf, Import, technische Dokumentation und Shop-Prozesse. Er ersetzt keine Prüfung von Einzelfällen durch qualifizierte Fachberatung.
Quellen: ECHA-Themenseite zu PFAS
Inhaltsverzeichnis
- Was ab Oktober konkret eingeschränkt wird
- Welche Sortimente zuerst auf die Risikoliste gehören
- Fünf typische Konstellationen im Verkauf
- Der Monatsplan vor Einkauf, Import und Verkauf
- Warum Verpackungs-, Sicherheits- und Werberegeln nicht dasselbe sind
- FAQ
- Fazit

Was ab Oktober konkret eingeschränkt wird
REACH ist die EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Für euch relevant ist hier die Beschränkung des Inverkehrbringens, also die Frage, ob eine Ware überhaupt auf den EU-Markt darf.
„Inverkehrbringen“ heißt im D2C-Alltag: Die Ware wird erstmals auf dem EU-Markt bereitgestellt. Marken, Importeure und Händler sind deshalb nicht allein dadurch entlastet, dass ein Vorlieferant mündlich oder per Mail etwas zusichert.
Rechtlich geht es um Eintrag 79 in Anhang XVII der REACH-Verordnung. Er betrifft PFHxA, ihre Salze und PFHxA-verwandte Stoffe. In homogenem Material gelten 25 ppb für die Summe aus PFHxA und ihren Salzen sowie 1.000 ppb für die Summe PFHxA-verwandter Stoffe.
Homogenes Material bedeutet: Betrachtet wird eine einzelne, einheitliche Materialschicht oder Komponente. Bei einem Artikel können daher Oberstoff, Beschichtung, Druck, Klebstoff oder Verpackungsbarriere getrennt relevant sein.
Ob ein Produkt betroffen ist, hängt kumulativ von Stoffgruppe, Konzentration, konkreter Produktgruppe, Stichtag und eng begrenzten Ausnahmen ab. Die Marketingangabe „PFAS“ oder „PFAS-frei“ entscheidet das nicht.
Zur Übergangsregel: Erzeugnisse und Gemische, die nachweislich vor dem 10. Oktober 2026 in Verkehr gebracht wurden, sind nach der Verordnung von der Beschränkung ausgenommen. Für andere Textilien als Kleidung und Zubehör gilt grundsätzlich der 10. Oktober 2027. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Lagerbestand automatisch weiterverkauft werden darf. Entscheidend sind der Nachweis und der Einzelfall.
Quellen: Verordnung (EU) 2024/2462 | Umweltbundesamt zu PFAS in Textilien | IHK Ulm zu den Stichtagen
Welche Sortimente zuerst auf die Risikoliste gehören
Die folgenden Kategorien sind eine Priorisierung für eure D2C Compliance. Sie bedeuten nicht, dass jeder Artikel dieser Gruppen nicht konform wäre.
| Sortiment | Typische Risikosignale | Jetzt beim Lieferanten anfordern |
|---|---|---|
| PFAS Textilien: wasserabweisende Jacken, Outdoorwear, Handschuhe, Taschen, Accessoires, behandelte Leder-, Fell-, Haut- und Textilwaren, Schuhe für die breite Öffentlichkeit | Fluorierte Imprägnierung, Beschichtung oder schmutzabweisende Ausrüstung. Claims wie „wasserfest“, „fleckenresistent“ oder „easy care“ sind nur Anlass zur Prüfung, kein Stoffnachweis | Vollständige Material- und Ausrüstungsinformation, Erklärung zum PFHxA-Bezug, konkreter Prüfbericht oder belastbare Spezifikation mit SKU-, Material- oder Chargenbezug |
| PFAS Kosmetik: lang haltendes Make-up, Lippenprodukte, Foundation, Mascara, Pflege, Sonnenschutz | Komplexe Rezepturen mit Long-Wear- oder Transfer-Resistance-Funktion. Die INCI-Liste, also die international standardisierten Inhaltsstoffbezeichnungen, ersetzt allein keine Bewertung gegenüber der PFHxA-Beschränkung | Rezepturinformation, Erklärung zu PFHxA und verwandten Stoffen, Angaben zur verantwortlichen Person, Sicherheitsbewertung, Sicherheitsbericht und Produktinformationsdatei |
| PFAS Verbot Verpackung: Papier- und Kartonverpackungen mit Lebensmittelkontakt, Snackverpackungen, Backpapier, beschichtete Schalen, Burgerboxen, To-go-Verpackungen | Barrierebeschichtung, also eine Materialschicht, die zum Beispiel Fett oder Feuchtigkeit zurückhält. Direktkontakt sauber vom Versandkarton trennen | Materialaufbau inklusive Beschichtung, Angaben zur Lebensmittelkontakttauglichkeit, PFHxA-Erklärung, Chargen- oder Versionsbezug |
| Verbrauchermischungen: Imprägnier-, Pflege- und Schutzsprays für Endkund:innen | Mischung für die breite Öffentlichkeit mit fluorierten Wirkstoffen oder Beschichtungsbestandteilen | Sicherheitsdatenblatt, vollständige Rezepturangaben zu fluorierten Bestandteilen, PFHxA-Erklärung mit Datum |
Bei Kosmetik lohnt ein zweiter Blick auf die Verantwortlichkeiten. Kosmetika dürfen in der EU nur mit einer benannten verantwortlichen Person in Verkehr gebracht werden. Für importierte Kosmetik ist das grundsätzlich der Importeur, sofern nicht wirksam eine EU-Person schriftlich mandatiert wurde. Wer unter eigenem Namen oder eigener Marke verkauft, kann ebenfalls verantwortliche Person werden.
Bei Verpackung hilft eine saubere Definition: Lebensmittelkontaktmaterialien sind Gegenstände, die dazu bestimmt sind, direkt oder indirekt mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, bereits damit in Kontakt sind oder bei normaler beziehungsweise vorhersehbarer Verwendung damit in Kontakt kommen können. Der Versandkarton außen gehört in der Regel nicht in dieselbe Kategorie wie die Snackschale innen. Unabhängig von der Stoffprüfung braucht jede Marke, die befüllte Verpackungen an Endkund:innen verschickt, die Registrierung im Verpackungsregister LUCID.
Quellen: EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 | Verordnung (EG) Nr. 1935/2004

Fünf typische Konstellationen im Verkauf
Fall 1, Private-Label-Brand. Risiko: Das eigene Etikett ändert nichts an der Nachweispflicht. Nächster Schritt: vor jeder Nachbestellung Spezifikation, Materialliste oder Rezepturinformationen, aktuelle Lieferantenerklärung und Nachweise zur konkreten Produktversion anfordern.
Fall 2, Import aus Nicht-EU-Ländern. Risiko: Beim erstmaligen Bereitstellen in der EU übernehmt ihr häufig eine zentrale Rolle. Nächster Schritt: Verantwortlichkeiten vertraglich klären, Liefer- und Chargendaten sichern und risikobasierte Prüfungen mit dem Lieferanten vereinbaren.
Fall 3, PFHxA Online-Shop auf Shopify oder einem anderen Shopsystem. Risiko: Kein Shopsystem prüft die chemikalienrechtliche Konformität für euch. Nächster Schritt: Risikoprodukte in der Produktdatenpflege markieren, Dokumente SKU-bezogen ablegen und eine Verkaufsfreigabe vor dem Listing definieren. Die SKU ist dabei eure interne Artikelnummer für eine eindeutig bestimmbare Produktvariante. Wer den Shop gerade erst aufbaut, plant diese Felder am besten gleich mit ein, siehe den Ratgeber Online-Shop erstellen.
Fall 4, Amazon-Seller oder anderer Marktplatzhandel. Risiko: Plattformen können Unterlagen anfordern oder Angebote bei Beschwerden prüfen. Das gilt auch für neue Kanäle wie den TikTok Shop. Nächster Schritt: Nachweise vorab zentral und schnell auffindbar hinterlegen und Produkttexte nicht mit unbelegten Material- oder Umweltversprechen überfrachten.
Fall 5, Food-Brand. Risiko: Das Lebensmittel selbst ist unauffällig, während die direkte Kontaktverpackung eine eigene Prüfung verlangt. Nächster Schritt: Produktverpackung, direkte Kontaktlage und Versandverpackung getrennt erfassen.
Der Monatsplan vor Einkauf, Import und Verkauf
Dieser Plan startet bei den hochriskanten SKUs, statt eine Vollprüfung des gesamten Unternehmens zu verlangen. Rechnet für jeden der sechs Schritte etwa eine halbe Arbeitswoche.
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Schritt 1, SKU-Mapping. Erfasst alle Produkte, Varianten und zugehörigen Verpackungen. Vergebt drei Risikostufen: hoch bei Imprägnierung, Kosmetik, Lebensmittelkontaktpapier oder -karton und Sprays; mittel bei unklarer Materialmischung; niedrig bei klarer, aktueller und produktbezogener Dokumentation.
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Schritt 2, Lieferanten verbindlich abfragen. Versendet eine standardisierte Anfrage zu Materialzusammensetzung oder Rezeptur, Ausrüstungen und Beschichtungen, Bezug zu PFHxA und verwandten Stoffen, Prüfberichten, Chargen- oder Versionsbezug, Aktualitätsdatum und fachlicher Kontaktperson. Akzeptiert keine pauschale Mail ohne Geltungsbereich, sondern haltet fest, für welche Artikel und Versionen die Erklärung gilt.
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Schritt 3, Produktakte aufbauen. Legt pro SKU und Version Spezifikation, Lieferantenerklärung, Prüfbericht, Einkaufs- und Liefernachweise sowie bei Kosmetik die erforderlichen Sicherheitsunterlagen geordnet ab. Eure technische Dokumentation ist die nachvollziehbare Nachweiskette, die zeigt, warum eine konkrete Produktversion verkauft werden darf.
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Schritt 4, Verpackungs-Review. Erfasst Papier- und Kartonmaterial mit Lebensmittelkontakt separat und fragt Beschichtungen, Fettbarrieren und eingesetzte Materialien ab. Food-Brands trennen dabei direkte Kontaktverpackung und Versandmaterial.
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Schritt 5, Einkauf und Lager steuern. Sichert kritische Nachbestellungen ab oder pausiert sie bis zur Klärung. Bewertet Lagerbestände nach Datum des Inverkehrbringens und verfügbarer Dokumentation. Definiert einen Sell-through-Plan, also einen dokumentierten Plan für wirtschaftliche und rechtlich zulässige Lagerentscheidungen. Eine pauschale Freigabe zum Abverkauf gibt es nicht.
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Schritt 6, Kommunikation bereinigen. Prüft Shoptexte, Datenblätter, FAQs und Marktplatzangaben gegen eure Belege. Legt einen internen Prozess für Kunden-, Plattform- und Behördenanfragen fest. Veröffentlicht keine neuen Aussagen wie „PFAS-frei“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“, solange sie nicht konkret für SKU und Material belegt sind.
Warum Verpackungs-, Sicherheits- und Werberegeln nicht dasselbe sind
Vier Rechtsbereiche laufen hier parallel, und sie haben unterschiedliche Anwendungsbereiche.
Die PFHxA-Beschränkung ist eine REACH-Stoffbeschränkung für PFHxA, ihre Salze und PFHxA-verwandte Stoffe in bestimmten Verwendungen und Konzentrationen.
Die PPWR, also die EU-Verpackungsverordnung, bringt für Lebensmittelkontaktverpackungen zusätzlich eine breitere PFAS-Regel, und zwar bereits seit dem 12. August 2026. Sie nennt 25 ppb für ein einzelnes gezielt gemessenes PFAS, 250 ppb für die Summe gezielt gemessener PFAS und 50 ppm für PFAS einschließlich polymerer PFAS. Diese Werte und der Anwendungsbereich sind nicht mit der PFHxA-REACH-Beschränkung gleichzusetzen.
Die GPSR regelt die allgemeine Produktsicherheit, nicht die PFHxA-Stoffbeschränkung. Im Fernabsatz verlangt sie unter anderem sichtbare Angaben zu Hersteller, gegebenenfalls zur EU-verantwortlichen Person, zur Produktidentifizierung sowie Warn- und Sicherheitsinformationen. Eine gemeinsame Produktakte hilft praktisch, ersetzt aber keine separate Prüfung.
Für Umweltaussagen (Green Claims) gelten seit dem 27. September 2026 strengere Vorgaben gegen Greenwashing. Nutzt „PFAS-frei“ nur, wenn Reichweite, getestetes Material beziehungsweise Produkt und Beleglage die Aussage wirklich tragen. Übernehmt keine vagen Nachhaltigkeitsbegriffe aus Lieferantenwerbung.
Quellen: Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR) | GPSR Verordnung (EU) 2023/988 | Richtlinie (EU) 2024/825 | WKO zu den PFAS-Grenzwerten der PPWR | IHK Lippe zu den neuen Regeln für Umweltaussagen
FAQ
Was ist das PFHxA Verbot genau?
Es handelt sich um eine REACH-Beschränkung (Eintrag 79 in Anhang XVII) für PFHxA, ihre Salze und PFHxA-verwandte Stoffe. Sie gilt ab dem 10. Oktober 2026 in definierten Produktgruppen und oberhalb festgelegter Konzentrationen in homogenem Material.
Sind damit alle PFAS verboten?
Nein. PFHxA ist eine Untergruppe der PFAS. Weitere PFAS-Regulierungen laufen getrennt, etwa die PFAS-Vorgaben der PPWR für Lebensmittelkontaktverpackungen.
Darf ich Lagerware nach dem Stichtag weiterverkaufen?
Erzeugnisse und Gemische, die nachweislich vor dem 10. Oktober 2026 in Verkehr gebracht wurden, sind nach der Verordnung ausgenommen. Entscheidend ist, dass ihr dieses frühere Inverkehrbringen belegen könnt.
Reicht eine Lieferantenerklärung „PFAS-frei“ aus?
Eine pauschale Aussage ohne Geltungsbereich, Datum, Material- und Chargenbezug trägt in der Praxis selten. Besser sind produktversionsbezogene Erklärungen plus Spezifikation oder Prüfbericht.
Gilt das auch für meinen Online-Shop auf Shopify?
Ja, die Pflichten hängen am Produkt und an eurer Rolle im Markt, nicht am Shopsystem. Für euren PFHxA Online-Shop bedeutet das: Risikoprodukte markieren, Nachweise SKU-bezogen ablegen und Verkaufsfreigaben vor dem Listing definieren.
Fazit: Erst Transparenz schaffen, dann verkaufen
Das PFHxA Verbot verlangt von kleinen Marken keine eigene Chemieabteilung, sondern einen dokumentierten, risikobasierten Prozess. Markiert diese Woche die risikoreichsten SKUs, die wichtigsten Lieferant:innen und alle Lebensmittelkontaktverpackungen. Danach priorisiert ihr Nachweise und Einkauf.
Pro-Tipp: Legt eine einzige Produktakten-Struktur an, die PFHxA-Nachweise, Kosmetik- oder Verpackungsunterlagen und GPSR-Angaben zusammenführt. Das spart euch bei jeder Plattform- oder Kundenanfrage Stunden.
Wer Materialdaten, Erklärungen und Verpackungsinformationen vor dem 10. Oktober 2026 aktiv prüft, reduziert Verkaufs-, Plattform- und D2C-Compliance-Risiken, statt erst auf Sperrungen, Beschwerden oder Abmahnungen zu reagieren.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen.


















