Inhalt dieses Artikels

Reverion aus Eresing bei München hat eine Series B über 154 Mio. Euro abgeschlossen. Das Unternehmen selbst beziffert die Runde auf 175 Millionen Dollar, es ist die bisher größte Finanzierung in seiner Geschichte. Mit dem Geld will das Energy-Tech-Unternehmen eine neue Fabrik in Deutschland aufbauen, die zehnmal so viele Kraftwerke fertigen kann wie heute. Bis zu 800 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Das Produkt ist ungewöhnlich für ein Startup: ein Kraftwerk im Container, das aus Gas Strom macht, ohne es zu verbrennen, und das im Biogas-Betrieb mehr CO₂ bindet, als es freisetzt. Wir haben uns die Runde, die Technik und die Zahlen genauer angesehen und ordnen ein, was Gründerinnen und Gründer daraus mitnehmen können.

Was Reverion baut

Reverion entwickelt Kraftwerke auf Basis von Festoxid-Brennstoffzellen. Sie wandeln Gas elektrochemisch in Strom um, also ohne Flamme und ohne Motor. Als Brennstoff dienen Biogas, Erdgas oder Wasserstoff. Das im Brennstoff enthaltene CO₂ scheiden die Anlagen in reiner Form ab, sodass es weiterverwendet oder dauerhaft gespeichert werden kann. Läuft die Anlage mit Biogas, ist ihre CO₂-Bilanz negativ.

Der zweite Kniff steckt im Namen. Die Anlagen arbeiten reversibel: Im Elektrolysebetrieb nehmen sie überschüssigen Strom auf und machen daraus speicherbare Gase. Ein Betreiber kann so auf Preissignale reagieren. Ist Strom teuer, erzeugt er ihn. Ist Strom billig, speichert er ihn als Gas.

Den Wirkungsgrad gibt Reverion mit 74,2 Prozent an, gemessen im laufenden Kundenbetrieb an Anlagen aus der Vorserienfertigung. Nach Angaben des Unternehmens ist das Weltrekord für thermische Kraftwerke und nahezu doppelt so viel wie bei konventionellen Generatoren. Für diese Technologie ist Reverion auch für den Deutschen Zukunftspreis 2026 nominiert, den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Verliehen wird er am 18. November 2026 in Berlin.

Die Series B in Zahlen

Angeführt wird die Runde von Kembara, einem europäischen Wachstumsfonds für Deeptech und Klimatechnologien. Neu dabei sind Allianz, KfW Capital, Aurum Impact und Carbon Equity. Die Bestandsinvestoren ziehen mit, darunter UVC Partners, Energy Impact Partners und der EIC Fund. So steht es in der Pressemitteilung von Reverion und in der Mitteilung von UVC Partners.

Kennzahl Wert laut Unternehmen und Investor
Volumen der Series B 154 Mio. Euro (175 Millionen Dollar)
Lead-Investor Kembara
Neue Investoren Allianz, KfW Capital, Aurum Impact, Carbon Equity
Bestandsinvestoren Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, EIC Fund, alfa8, Possible Ventures
Beitrag von UVC Partners 24,5 Mio. Euro, einschließlich eines Vehikels mit KfW Capital
Neue Fabrik 250 Megawatt Fertigungskapazität pro Jahr, bis zu 800 Stellen
Team am Stammsitz Eresing von 100 auf über 200 Mitarbeitende gewachsen
Anlagen im Regelbetrieb sieben, je 500 Kilowatt Leistung
Projektpipeline über zwei Milliarden Dollar Umsatzpotenzial

Eine Einzelheit lohnt den zweiten Blick. KfW Capital steigt nicht direkt ein, sondern über eine Zweckgesellschaft, die UVC Partners eigens dafür aufgesetzt hat und verwaltet. Das geschieht im Rahmen des Deutschlandfonds, mit dem der Bund privates Wagniskapital für Wachstumsunternehmen mobilisieren will. Wie das Programm funktioniert und für wen es sich lohnt, haben wir im Beitrag zum Deutschlandfonds für Startups erklärt.

Wofür das Geld fließt: eine Fabrik mit 250 Megawatt

Den größten Teil des Kapitals steckt Reverion in einen zusätzlichen Produktionsstandort in Deutschland. Er soll die Fertigungskapazität um den Faktor zehn auf 250 Megawatt pro Jahr heben. Wo die Fabrik entsteht, nennen die Mitteilungen nicht. Parallel will das Unternehmen die Anlagen selbst größer machen, bis in die Megawatt-Klasse. Heute liefert eine Einheit 500 Kilowatt.

CEO und Mitgründer Stephan Herrmann beschreibt das Ziel so: „Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf.“ Mit der Series B lege man den Grundstein für die industrielle Großserienfertigung. COO Felix Fischer ergänzt, das Kapital solle auch den Weg in Richtung langfristiger Profitabilität ebnen.

Die Stellenzahlen zeigen, wie schnell das geht. Am Stammsitz ist das Team zuletzt von 100 auf über 200 Mitarbeitende gewachsen, am neuen Standort sollen bis zu 800 dazukommen. Erste internationale Projekte sind nach Angaben des Unternehmens in der Entwicklung.

Warum Rechenzentren die Nachfrage treiben

Angefangen hat Reverion bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen. Dort ersetzt ein Brennstoffzellenkraftwerk den klassischen Gasmotor und holt aus derselben Menge Biogas deutlich mehr Strom heraus. Diese Kundschaft ist geblieben, doch die Nachfrage kommt inzwischen zunehmend aus der Technologiebranche.

Der Grund sind Rechenzentren. Sie brauchen enorme Mengen Strom, und zwar rund um die Uhr. Netzanschlüsse verzögern sich vielerorts erheblich, und gegen neue Standorte wächst lokaler Widerstand. Reverion setzt genau dort an: Die Anlagen erzeugen den Strom direkt am Ort des Verbrauchs und beziehen ihr Gas aus der vorhandenen Gasinfrastruktur. Der Betreiber wird damit unabhängiger vom Netzausbau und von Preisschwankungen am Strommarkt.

Robert Trezona, der bei Kembara den Bereich Klima leitet, sieht den Wachstumsmarkt klar in der Stromversorgung von Rechenzentren. Große Betreiber bräuchten verlässliche Leistung, könnten aber keine Abstriche bei ihren Klimazielen machen. Johannes von Borries, Managing Partner von UVC Partners, formuliert es zugespitzt: Die meisten hätten in Reverion ein Biogas-Unternehmen gesehen, sein Fonds dagegen die effizienteste CO₂-neutrale Stromerzeugung der Welt.

Wer hinter Reverion steht

Reverion ist eine Ausgründung der Technischen Universität München. Die Idee entstand 2015 während der Promotion von Stephan Herrmann am Lehrstuhl für Energiesysteme, gemeinsam mit seinem Doktorvater Prof. Dr.-Ing. Hartmut Spliethoff. Die Reverion GmbH wurde im März 2022 gegründet, im April 2022 folgte die Seed-Runde. Eingetragen ist sie beim Handelsregister München unter HRB 274991, Sitz ist Eresing im Landkreis Landsberg am Lech.

Zum Gründerteam gehören fünf Personen: Stephan Herrmann als CEO, Felix Fischer als COO, Jeremias Weinrich als CPO, Maximilian Hauck als CTO und Luis Poblotzki als CDO. Danach ging es schnell. 2023 lief das erste 100-Kilowatt-Kraftwerk in Originalgröße, 2024 wurden drei Einheiten parallel für die Auslieferung gebaut.

Im September 2024 folgte die Series A über 62 Millionen Dollar, angeführt von Energy Impact Partners, mit Honda und dem EIC Fund. Damals meldete Reverion Vorbestellungen von über 100 Millionen Dollar. Zwei Jahre später hat sich die Pipeline auf über zwei Milliarden Dollar Umsatzpotenzial vergrößert.

Was Gründerinnen und Gründer von Reverion lernen können

Wie sich der Markt für Wagniskapital in Deutschland insgesamt entwickelt, zeigt unser Überblick zum VC-Markt Deutschland 2026. Aus dem Fall Reverion lassen sich drei Punkte ableiten, die über die Energiebranche hinaus gelten.

Erst beweisen, dann skalieren. Reverion ging mit Anlagen im Kundenbetrieb in die Series B, nicht mit einer Laborzahl. Der Rekordwirkungsgrad wurde beim Kunden gemessen. Für Hardware-Startups ist das der Unterschied zwischen einer Hoffnung und einem belastbaren Geschäftsmodell. Welche Nachweise in welcher Phase erwartet werden, steht in unserem Beitrag über die Finanzierungsphasen eines Startups.

Bestandsinvestoren sind ein Signal. Sechs Geldgeber aus früheren Runden gehen erneut mit. Neue Investoren lesen das als Vertrauensbeweis derer, die das Unternehmen von innen kennen.

Ein Markt kann sich unterwegs verschieben. Gestartet ist Reverion mit Landwirten, die ihre Biogasanlagen modernisieren wollten. Die größte Nachfrage kommt heute aus einem Markt, an den bei der Gründung kaum jemand dachte. Wer seine Technik breit genug anlegt, kann solche Wellen mitnehmen. Ein kleineres Beispiel aus dem Energiebereich ist HEIONTEC, das Strom aus vorhandener Abwärme gewinnen will.

Fabriken finanzieren Hardware-Unternehmen oft nicht allein mit Eigenkapital, sondern ergänzen es um Kredite und Förderdarlehen. Welche Rolle Venture Debt als Ergänzung zu Eigenkapital spielen kann, haben wir separat aufgeschrieben.

Fazit

Reverion zeigt, dass ein Energie-Startup aus dem bayerischen Eresing in die Liga der großen Klimafinanzierungen aufsteigen kann, wenn Technik und Nachweis stimmen. 154 Mio. Euro sind viel Geld, doch der eigentliche Test kommt erst: Eine Fabrik mit 250 Megawatt Jahreskapazität muss gebaut, besetzt und ausgelastet werden. Gelingt das, entsteht in Deutschland ein Hersteller für saubere, steuerbare Kraftwerke, den der Strombedarf der Rechenzentren gut gebrauchen kann. Wir wünschen dem Team in Eresing viel Erfolg und schauen wieder hin, wenn der Standort der neuen Fabrik feststeht.

Häufige Fragen zu Reverion

Was macht Reverion?

Reverion baut reversible Brennstoffzellenkraftwerke im Container. Sie erzeugen Strom aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff und können umgekehrt überschüssigen Strom in speicherbare Gase umwandeln. Im Biogas-Betrieb arbeiten sie CO₂-negativ.

Wie hoch ist die Series B von Reverion?

Die Series B umfasst 154 Mio. Euro beziehungsweise 175 Millionen Dollar. Es ist die bisher größte Finanzierungsrunde des Unternehmens.

Wer investiert in Reverion?

Lead-Investor ist Kembara. Neu dabei sind Allianz, KfW Capital, Aurum Impact und Carbon Equity. Aus früheren Runden gehen Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, der EIC Fund, alfa8 und Possible Ventures mit.

Was bedeutet CO₂-negativ bei Reverion?

Die Anlagen scheiden das CO₂ aus dem Brennstoff in reiner Form ab, sodass es gespeichert oder weiterverwendet werden kann. Stammt das Gas aus Biomasse, wird der Atmosphäre damit unterm Strich CO₂ entzogen.

Wo baut Reverion die neue Fabrik?

Bekannt ist bisher nur, dass der Standort in Deutschland liegt und 250 Megawatt Fertigungskapazität pro Jahr haben soll. Einen Ort nennt das Unternehmen noch nicht. Bis zu 800 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Mitteilungen von Reverion und UVC Partners sowie gegen die Pressemitteilung von UnternehmerTUM vom 29. September 2026 abgeglichen. Das Foto stammt aus den Pressematerialien von Reverion.

Newsletter abonnieren

Vorheriger ArtikelEinspruch gegen den Steuerbescheid: Frist, Form und Muster für Gründer
Nächster ArtikelImmerRuf: KI-Telefonassistent für Handwerk und kleine Betriebe ab 99 Euro
Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.