TL DR: Portugal bietet 2026 EU-Bürgern volle Freizügigkeit, Nicht-EU-Bürgern Visa wie D7 (Rentner), D8 (Remote Worker), D2 (Unternehmer) und Golden Visa. Das alte NHR ist abgeschafft, der Nachfolger IFICI gewährt 20 % Pauschalsatz für Fachkräfte in IT, Forschung und Innovation. Rentner zahlen den progressiven Tarif bis 48 %. Lebenshaltungskosten 25 bis 30 % unter Deutschland, Mieten in Lissabon und Porto deutlich gestiegen. NIF ist der erste Pflicht-Schritt, danach SNS, Bankkonto und Mietvertrag.

Portugal zählt zu den beliebtesten Auswanderungszielen für deutschsprachige Bürger in Europa. EU-Bürger genießen volle Freizügigkeit, Nicht-EU-Bürger haben mit dem D7-Visum, dem D8 für digitale Nomaden und dem D2 für Selbstständige etablierte Wege. Das frühere NHR-Steuerregime mit 10 Prozent Pauschalsatz auf ausländische Renten wurde Ende 2023 abgeschafft und durch das IFICI-Programm (NHR 2.0) ersetzt, das gezielt hochqualifizierte Fachkräfte in Forschung, IT und Innovation adressiert.

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Rentner profitieren nicht mehr von den früheren Vergünstigungen. Lebenshaltungskosten liegen rund 25 bis 30 Prozent unter dem deutschen Niveau, allerdings sind die Mieten in Lissabon und Porto seit 2021 deutlich gestiegen. Dieser Leitfaden zeigt dir, welches Visum zu deinem Profil passt, wie das aktuelle Steuersystem funktioniert und worauf du bei der Vorbereitung achten solltest.

Warum Portugal als Auswanderungsziel interessant ist

Portugal verbindet mediterranes Klima mit politischer Stabilität, einer EU-Mitgliedschaft mit voller Freizügigkeit und einer offenen Kultur gegenüber Auswanderern. Lissabon und Porto haben sich zu Tech- und Startup-Hubs entwickelt, die Algarve zieht seit Jahrzehnten Rentner und Lifestyle-Auswanderer an, und Madeira bietet mit dem internationalen Geschäftszentrum (MIBC) bis Ende 2026 einen ermäßigten Körperschaftsteuersatz von 5 Prozent.

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Drei Faktoren machen Portugal für Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz besonders attraktiv. Erstens die einfache Niederlassung als EU-Bürger, ohne Visumshürden. Zweitens das öffentliche Gesundheitssystem (Serviço Nacional de Saúde, SNS), das nach der Anmeldung als Einwohner kostenlos oder zu sehr geringen Kosten zugänglich ist. Drittens die Kombination aus Sicherheit (Portugal liegt regelmäßig unter den Top-Ländern im Global Peace Index), gemäßigtem Klima und einer wachsenden internationalen Community vor allem in Lissabon, Porto, Cascais und an der Algarve.

In Kürze: Portugal verbindet mediterranes Klima mit EU-Mitgliedschaft, Tech-Hubs in Lissabon und Porto, dem MIBC-Regime in Madeira (5 % Körperschaftsteuer bis 2026/2028) und dem öffentlichen SNS-Gesundheitssystem. Top-Werte beim Global Peace Index, einfache Niederlassung für EU-Bürger, große internationale Community.

Aufenthaltsoptionen: Diese Wege führen nach Portugal

Als EU-Bürger brauchst du kein Visum. Du darfst einreisen, leben und arbeiten. Nach 90 Tagen meldest du dich bei der Câmara Municipal an und erhältst die Anmeldebescheinigung (Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia). Für Nicht-EU-Bürger gibt es mehrere Visa-Optionen, die sich nach Einkommensquelle, Vermögen und Tätigkeit unterscheiden.

AufenthaltstypZielgruppeZentrale VoraussetzungAufenthaltsdauer (Erstvergabe)
EU-FreizügigkeitBürger aus EU/EWR und SchweizGültiger Personalausweis oder Reisepass, Anmeldebescheinigung nach 90 TagenUnbefristet, Anmeldebescheinigung 5 Jahre gültig
D7-Visum (Passive Income)Rentner und Personen mit passivem Einkommen aus Nicht-EU-StaatenMindesteinkommen 870 €/Monat (Single), Mietvertrag in Portugal1 Jahr, danach 2-Jahres-Verlängerungen
D8-Visum (Digital Nomad)Remote Worker aus Nicht-EU-StaatenMindesteinkommen 3.480 €/Monat, Arbeitsvertrag mit ausländischem Arbeitgeber1 oder 2 Jahre, je nach Variante
D2-Visum (Entrepreneur)Selbstständige und UnternehmensgründerTragfähiger Geschäftsplan, ausreichende Eigenmittel2 Jahre, verlängerbar
Golden VisaVermögende Investoren aus Nicht-EU-StaatenInvestition ab 500.000 € in Investmentfonds oder ab 250.000 € in kulturelle Projekte2 Jahre, dann jeweils 3-Jahres-Verlängerungen
IFICI (NHR 2.0)Hochqualifizierte Fachkräfte in Forschung, IT, InnovationTätigkeit in qualifizierten Branchen, Bachelor-Abschluss, 5 Jahre keine Steuerresidenz in PortugalSteuerlicher Sonderstatus für 10 Jahre

D7-Visum: Der Klassiker für Rentner und passives Einkommen

Das D7-Visum richtet sich an Personen mit nachweislich stabilem passivem Einkommen aus dem Ausland: Renten, Mieteinnahmen, Dividenden, Lizenzgebühren. Mindestschwelle ist der portugiesische Mindestlohn, der 2026 bei 920 Euro pro Monat liegt. Praktisch sollten Sie 1.500 bis 2.000 Euro pro Monat als Sicherheitsmarge einplanen. Voraussetzung für die Beantragung ist ein Mietvertrag oder Eigentumsnachweis in Portugal sowie eine portugiesische Steuernummer (NIF). Das Visum wird zunächst für ein Jahr ausgestellt, danach in Zwei-Jahres-Schritten verlängert. Nach fünf Jahren kannst du den Daueraufenthalt beantragen.

In Kürze: EU-Bürger brauchen kein Visum, nach 90 Tagen Anmeldebescheinigung. Nicht-EU-Bürger nutzen das D7 für Rentner und passive Einkommen ab 920 € Mindestlohn (praktisch 1.500 bis 2.000 € monatlich empfohlen). Erste Vergabe 1 Jahr, dann 2-Jahres-Verlängerungen, Daueraufenthalt nach 5 Jahren möglich.

D8-Visum: Für digitale Nomaden und Remote Worker

Seit Oktober 2022 gibt es ein dediziertes Visum für Remote Worker aus Nicht-EU-Ländern. Voraussetzung ist ein Mindestmonatseinkommen von 3.480 Euro (viermal Mindestlohn) aus einer Tätigkeit für ausländische Auftraggeber.

Auswandern nach Portugal: Visum, IFICI, Steuern und Kosten im Überblick

Du brauchst entweder einen Arbeitsvertrag oder als Selbstständiger Rechnungen an internationale Kunden. Das D8 gibt es als Kurzzeit-Variante (bis zu ein Jahr, in Portugal als Aufenthaltskarte) oder als langfristige Aufenthaltserlaubnis (zwei Jahre, verlängerbar).

D2-Visum: Für Unternehmer und Selbstständige

Das D2-Visum richtet sich an Personen, die in Portugal ein Unternehmen gründen oder als Freiberufler arbeiten möchten. Anders als beim D7 ist hier kein passives Einkommen, sondern ein tragfähiger Geschäftsplan zu belegen. Selbstständige zahlen monatliche Sozialabgaben von etwa 21 Prozent ihres deklarierten Einkommens. Die Gründung einer Sociedade Unipessoal por Quotas (Einpersonen-GmbH) ist mit 1 Euro Stammkapital möglich, das Verfahren über das Empresa na Hora-System dauert wenige Tage.

In Kürze: Das D8 Digital Nomad Visa verlangt 3.480 € Mindesteinkommen aus Auslandstätigkeit. Das D2 für Unternehmer setzt einen tragfähigen Geschäftsplan voraus, Selbstständige zahlen 21 % Sozialabgaben. Empresa na Hora ermöglicht Unternehmensgründung in wenigen Tagen mit 1 € Stammkapital.

Golden Visa: Für Investoren mit Investmentfokus

Das Golden Visa existiert nach der Reform 2023 nur noch für ausgewählte Investitionsklassen. Immobilieninvestitionen in Lissabon, Porto und an den Küsten qualifizieren nicht mehr. Verbleibende Wege sind Investitionen ab 500.000 Euro in zugelassene Investmentfonds oder ab 250.000 Euro in kulturelle Projekte. Vorteil: Sie müssen pro Jahr nur sieben Tage in Portugal verbringen, um den Status zu erhalten. Nach fünf Jahren kann der Daueraufenthalt und nach weiteren Voraussetzungen die portugiesische Staatsbürgerschaft beantragt werden.

IFICI: Das neue NHR 2.0 für Fachkräfte

Das frühere NHR-Regime mit 10 Prozent Pauschalsteuer auf ausländische Renten und Steuerbefreiung auf bestimmte ausländische Einkünfte wurde zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Der Nachfolger heißt offiziell „Regime Fiscal para Incentivo à Investigação Científica e Inovação“ (IFICI), umgangssprachlich auch NHR 2.0. Voraussetzungen sind eine Tätigkeit in qualifizierten Branchen wie Forschung, IT, Technologie oder Innovation, ein Bachelor-Abschluss (oder Bachelor plus drei Jahre einschlägige Berufserfahrung) und keine Steuerresidenz in Portugal in den fünf Jahren vor Antragstellung.

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Vorteile von IFICI: Pauschalsteuersatz von 20 Prozent auf qualifizierte portugiesische Einkünfte, Steuerbefreiung auf die meisten ausländischen Einkünfte (außer aus Ländern auf der portugiesischen schwarzen Liste, dort 35 Prozent). Wichtig: Hongkong, Liechtenstein und Uruguay wurden zum 1. Januar 2026 von der schwarzen Liste gestrichen, was die Standortwahl für internationale Strukturen erweitert. Renten sind unter IFICI nicht mehr privilegiert und werden voll progressiv besteuert.

In Kürze: Das Golden Visa qualifiziert ab 500.000 € Investmentfonds oder 250.000 € in Kulturprojekten – Immobilien sind seit 2023 ausgeschlossen. IFICI (NHR 2.0) ersetzt das alte NHR und richtet sich an hochqualifizierte Fachkräfte: 20 % Pauschalsatz auf qualifizierte Einkünfte, Steuerbefreiung auf die meisten Auslandseinkünfte, 10 Jahre Laufzeit.

Steuern in Portugal

Sobald du dich mehr als 183 Tage pro Kalenderjahr in Portugal aufhältst oder über eine ständige Unterkunft verfügst, wirst du steuerlich ansässig (residente fiscal). Damit unterliegst du mit deinem Welteinkommen der portugiesischen Steuerpflicht. Das Steuerjahr entspricht dem Kalenderjahr.

SteuerartSatzBemessungsgrundlage
Einkommensteuer (IRS, progressiv)13 % – 48 %Welteinkommen ab Steuerresidenz (mehr als 183 Tage)
Solidaritätszuschlag2,5 % – 5 %Auf Einkommensteile über 80.000 € bzw. 250.000 €
IRS Jovem0 % – 25 %Junge Arbeitnehmer unter 35: Steuerermäßigung gestaffelt über 10 Jahre
IFICI-Pauschalsatz20 %Auf qualifizierte Erwerbseinkünfte für IFICI-Berechtigte (10 Jahre)
Kapitalertragsteuer28 %Auf Veräußerungsgewinne und Kapitalerträge (Pauschalsatz)
Mehrwertsteuer (IVA)23 % (Standard) / 13 % / 6 %Standard- und ermäßigte Sätze, niedrigere Sätze in Madeira und auf den Azoren
Körperschaftsteuer (IRC)21 %Auf Unternehmensgewinne; 17 % für KMU bis 50.000 € Gewinn

Renten und Doppelbesteuerungsabkommen

Zwischen Portugal und Deutschland besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, ergänzt um österreichische und schweizerische Abkommen. Gesetzliche Renten aus Deutschland werden nach dem DBA grundsätzlich in Portugal besteuert. Wichtig: Bei Steuerfreistellung in Portugal kann durch eine Rückfallklausel das Besteuerungsrecht an Deutschland zurückfallen. Beamtenpensionen werden grundsätzlich im Quellenstaat (Deutschland, Österreich) besteuert, Betriebsrenten je nach DBA in Portugal.

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In Kürze: Steuerresidenz ab 183 Tagen Aufenthalt. Progressive IRS-Sätze 13 bis 48 % plus Solidaritätszuschlag bis 5 %. DBAs mit Deutschland, Österreich und der Schweiz vermeiden Doppelbesteuerung. Rückfallklausel kann das Besteuerungsrecht für Renten an Deutschland zurückfallen lassen, individuelle Prüfung nötig.

Wegzugsbesteuerung in Deutschland beachten

Bei Aufgabe des deutschen Wohnsitzes greift die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG. Beteiligungen ab 1 Prozent an Kapitalgesellschaften lösen beim Wegzug eine Besteuerung der stillen Reserven aus, auch ohne tatsächlichen Verkauf. Da Portugal in der EU liegt, ist eine zinslose Stundung nach § 6 Abs. 4 AStG grundsätzlich möglich, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Eine frühzeitige Planung mit einem auf internationales Steuerrecht spezialisierten Berater ist Pflicht.

Krypto-Besteuerung in Portugal

Bis Ende 2022 galten Krypto-Gewinne in Portugal als steuerfrei. Mit dem Staatshaushalt 2023 wurde ein vollständiges Krypto-Regime eingeführt: Veräußerungsgewinne bei einer Haltedauer unter 365 Tagen unterliegen 28 Prozent Pauschalsteuer.

Abbildung der Kryptowährungen in Münuform
Bitcoin, Ether und Ripple – einige der bekanntesten Kryptowährungen. Bildquelle: WorldSpectrum via pixabay.com

Bei einer Haltedauer ab einem Jahr sind Gewinne weiterhin steuerfrei. Wer signifikante Krypto-Bestände hält und nach Portugal auswandert, sollte die Realisierung steuerfreier Gewinne vor dem Umzug prüfen, sofern im Heimatland eine entsprechende Haltefrist erfüllt ist.

In Kürze: Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG bei 1-%-Beteiligungen, in der EU teilweise zinslose Stundung möglich. Krypto-Gewinne in Portugal: 28 % bei Haltedauer unter 365 Tagen, steuerfrei ab einem Jahr. Hongkong, Liechtenstein und Uruguay seit 1.1.2026 von der portugiesischen schwarzen Liste gestrichen.

Lebenshaltungskosten: Mit diesen Ausgaben musst du rechnen

Portugal liegt bei den Lebenshaltungskosten rund 25 bis 30 Prozent unter dem deutschen Niveau (ohne Miete). Mit Miete schließt sich die Lücke, da sie in Lissabon und Porto in den letzten fünf Jahren stark gestiegen ist. Kleinere Städte und ländliche Regionen sind weiterhin deutlich günstiger.

KostenpunktSpanne (EUR/Monat)Hinweis
1-Zimmer-Wohnung Lissabon, Stadtzentrum800 – 1.200Stark gestiegene Mieten seit 2021
1-Zimmer-Wohnung Porto, Stadtzentrum600 – 900Deutlich günstiger als Lissabon
1-Zimmer-Wohnung kleinere Städte (Braga, Coimbra)400 – 700Moderate Mieten, gute Infrastruktur
Algarve und Küstenregionen700 – 1.200Saisonale Schwankungen, hohe Nachfrage
Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas, Müll)100 – 180Moderate Klimaanlage-Nutzung in den meisten Regionen
Internet (Glasfaser, ab 200 Mbit/s)30 – 50Hervorragende Verfügbarkeit landesweit
Lebensmittel (eine Person)200 – 350Lokale Produkte günstig, Importwaren teuer
Private Krankenversicherung (Single)30 – 80Stark altersabhängig
Öffentliche Verkehrsmittel (Monatsticket)30 – 45Lissabon und Porto gut ausgebaut

Für eine Einzelperson mit moderatem Lebensstil sind in Lissabon 1.400 bis 1.800 Euro pro Monat realistisch, in Porto 1.100 bis 1.400 Euro, in Braga oder Coimbra reichen oft 850 bis 1.150 Euro. Familien mit zwei Kindern müssen mit 2.500 bis 4.000 Euro rechnen, je nach Schulwahl. Internationale Schulen kosten 8.000 bis 18.000 Euro pro Kind und Jahr.

In Kürze: Lebenshaltungskosten 25 bis 30 % unter dem deutschen Niveau ohne Miete. Mit Miete schließt sich die Lücke in Lissabon und Porto. Einzelperson Lissabon: 1.400 bis 1.800 €, Porto: 1.100 bis 1.400 €, kleinere Städte 850 bis 1.150 €. Hauptkostentreiber sind Miete und private Krankenversicherung.

Wohnen, Krankenversicherung und Alltag

Beliebte Regionen für deutschsprachige Auswanderer sind Lissabon (Tech-Hub), Cascais (Premium-Wohnen mit Pendelanbindung an Lissabon), Porto (kreative Szene, niedrigere Kosten), die Silberküste rund um Caldas da Rainha, die Algarve (Lifestyle und Rentner) sowie Madeira (Premium-Lifestyle und MIBC-Steuerregime). Der Mietmarkt ist dynamisch, Verträge laufen meist 1 bis 3 Jahre, übliche Kaution beträgt zwei Monatsmieten.

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Umzug

Krankenversicherung: Als angemeldeter EU-Einwohner hast du Zugang zum Serviço Nacional de Saúde (SNS), kostenlos oder mit minimalen Zuzahlungen. Wartezeiten für Fachärzte und Operationen können lang sein, weshalb viele Auswanderer eine private Zusatzversicherung ab 30 bis 80 Euro pro Monat abschließen. Die deutsche GKV endet mit der Wohnsitzaufgabe, eine Anwartschaftsversicherung kann sinnvoll sein.

Wichtige erste Schritte vor Ort: NIF (portugiesische Steuernummer) beantragen, seit Juli 2025 auch online über das E-Balcão-Portal möglich. Anschließend NISS (Sozialversicherungsnummer), Bankkonto, Mietvertrag, SEF/AIMA-Anmeldung. Die NIF ist Voraussetzung für Bankkonto, Mietvertrag und Handyvertrag.

In Kürze: Beliebte Regionen: Lissabon, Cascais, Porto, Silberküste, Algarve, Madeira. Mietverträge 1 bis 3 Jahre, zwei Monatsmieten Kaution. SNS kostenlos für angemeldete Einwohner, lange Wartezeiten bei Fachärzten. Private Zusatzversicherung 30 bis 80 € monatlich.

Vorbereitung: Schritt für Schritt zur Auswanderung

  1. Strategie und Visumstyp festlegen: EU-Freizügigkeit (kein Visum nötig) oder D7, D8, D2, Golden Visa, ggf. IFICI-Antrag im Folgejahr.
  2. NIF beantragen: Online über E-Balcão oder vor Ort beim Finanzamt (Finanças). Ohne NIF läuft praktisch nichts.
  3. Wohnsitz und Mietvertrag in Portugal: Mietvertrag ist Voraussetzung für viele Visa-Anträge und für die Anmeldebescheinigung.
  4. Wegzugsplanung mit deutschem Steuerberater: § 6 AStG, Behandlung von Beteiligungen, Stundungsmöglichkeiten innerhalb der EU.
  5. Krankenversicherung organisieren: Internationale Übergangsversicherung, dann SNS-Anmeldung mit Wohnsitz.
  6. Wohnsitzabmeldung in Deutschland: Erst nach Visumserteilung bzw. Mietvertrag in Portugal.
  7. Anmeldebescheinigung beantragen (EU-Bürger): Nach 90 Tagen bei der Câmara Municipal.
  8. Bankkonto eröffnen: NIF und Wohnsitznachweis erforderlich, viele Banken verlangen Nachweis regelmäßiger Einkünfte.
  9. IFICI-Antrag (falls qualifiziert): Bis 31. März des Folgejahres einreichen, das auf den Beginn der Steuerresidenz folgt.
  10. NISS und Steuererklärung: Sozialversicherungsnummer beantragen, erste IRS-Erklärung im Folgejahr abgeben.

Häufige Fehler und Stolperfallen

  • NHR-Erwartungen aus alten Ratgebern: Das alte NHR mit 10 Prozent Pauschalsatz auf Renten existiert nicht mehr. Wer 2026 nach Portugal zieht und Rentner ist, zahlt den progressiven Tarif bis 48 Prozent.
  • Mietmarkt unterschätzt: Lissabon und Porto haben das deutsche Großstadtniveau erreicht. Wer von Schnäppchen ausgeht, plant zu knapp.
  • NIF-Verzögerung: Ohne NIF kein Bankkonto, ohne Bankkonto kein Mietvertrag. NIF ist der erste Schritt, idealerweise bereits vor dem Umzug.
  • IFICI-Anforderungen unterschätzt: IFICI ist deutlich restriktiver als das alte NHR. Eine fachkundige Vorabprüfung ist Pflicht.
  • Krankenversicherungslücke: Zwischen GKV-Ende und SNS-Anmeldung darf keine Lücke entstehen, sonst können hohe Selbstkosten anfallen.
  • Wegzugsbesteuerung übersehen: Bei wesentlichen Beteiligungen kann die Steuer schnell zur Größenordnung des gesamten Auswanderungsbudgets werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Brauche ich ein Visum, um nach Portugal auszuwandern?

Als deutscher, österreichischer oder schweizerischer Staatsbürger nicht. EU- und EWR-Bürger genießen Freizügigkeit. Schweizer durch das bilaterale Abkommen. Nach 90 Tagen brauchst du eine Anmeldebescheinigung. Nicht-EU-Bürger benötigen ein Visum (D7, D8, D2 oder Golden Visa).

Was ist mit dem alten NHR-Status?

Das NHR-Regime wurde Ende 2023 für Neuankömmlinge abgeschafft. Bestehende NHR-Begünstigte behalten den Status für die volle 10-Jahres-Periode. Nachfolger ist das IFICI-Programm (NHR 2.0), das gezielt hochqualifizierte Fachkräfte adressiert. Rentner profitieren nicht mehr.

Wie hoch ist die Steuerbelastung für Rentner ohne IFICI?

Renten unterliegen dem progressiven IRS-Tarif von 13 bis 48 Prozent, gegebenenfalls plus Solidaritätszuschlag. Bei einer durchschnittlichen Bruttorente von 2.000 Euro liegt die Belastung typischerweise bei 18 bis 25 Prozent. Doppelbesteuerung wird durch das DBA vermieden.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?

Für eine Einzelperson sind in Lissabon 1.400 bis 1.800 Euro pro Monat realistisch, in Porto 1.100 bis 1.400 Euro, in kleineren Städten 850 bis 1.150 Euro. Hauptkostentreiber ist die Miete, die in Lissabon und Porto deutsches Großstadtniveau erreicht hat.

Wann erhalte ich die portugiesische Staatsbürgerschaft?

Nach fünf Jahren legalem Aufenthalt können EU-Bürger und Inhaber von D-Visa die Einbürgerung beantragen. Voraussetzungen sind Portugiesisch auf A2-Niveau, einwandfreier Leumund und ausreichende Integration. Portugal erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft.

Wie funktioniert das Krankenversicherungssystem?

Als angemeldeter Einwohner hast du Zugang zum öffentlichen SNS, kostenlos oder mit geringen Zuzahlungen. Wartezeiten bei Fachärzten können lang sein. Viele Auswanderer schließen daher eine private Zusatzversicherung ab 30 bis 80 Euro pro Monat ab.

Kann ich als Remote Worker in Portugal arbeiten?

Als EU-Bürger uneingeschränkt. Nicht-EU-Bürger nutzen das D8-Visum (Digital Nomad Visa) mit Mindesteinkommen von 3.480 Euro pro Monat. Nach 183 Tagen Aufenthalt wirst du in Portugal steuerresident und versteuerst dort dein Welteinkommen.

Was passiert mit meiner deutschen Rente?

Die deutsche gesetzliche Rente kannst du auch in Portugal beziehen. Das DBA Deutschland-Portugal regelt die Besteuerung; bei Rückfallklausel kann das Besteuerungsrecht an Deutschland zurückfallen. Eine individuelle Prüfung mit dem Finanzamt ist nötig.

Wie lange dauert die Auswanderung?

Als EU-Bürger reicht der Umzug an sich. Visumsverfahren für Nicht-EU-Bürger dauern 3 bis 6 Monate. Die komplette Vorbereitung inklusive NIF, Wohnungssuche, Wegzugsplanung umfasst realistisch 4 bis 9 Monate.

Lohnt sich Madeira mit dem MIBC-Regime?

Madeira bietet bis Ende 2026 (Lizenzierung) bzw. Ende 2028 (Anreize) einen Körperschaftsteuersatz von 5 Prozent für internationale Dienstleistungsunternehmen. Für unternehmerisch denkende Auswanderer mit internationaler Kundschaft eine attraktive Option. Voraussetzung sind Substanzanforderungen wie lokale Mitarbeiter und Büro.

Fazit: Für wen Portugal als Auswanderungsziel passt

Portugal eignet sich besonders für EU-Bürger, die ohne Visumshürden in ein mediterranes Klima ziehen wollen, für hochqualifizierte Fachkräfte, die das IFICI-Regime nutzen können, für Remote Worker mit D8-Visum und für Unternehmer mit internationalem Geschäft, die das MIBC-Regime in Madeira prüfen. Wer als Rentner mit einer durchschnittlichen Rente auswandert und auf das alte NHR gehofft hatte, sollte die neue Steuerlage realistisch durchrechnen.

Der entscheidende Hebel für eine erfolgreiche Auswanderung liegt in der Vorbereitung. NIF, Wegzugsbesteuerung, Krankenversicherung und Mietmarkt gehören vor den Umzug auf den Tisch. Mit sauberer Planung bleibt Portugal eines der attraktivsten Ziele in Europa.

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