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Im Businessplan steht die entscheidende Frage meist in einem einzigen Satz: Ab wann trägt sich das? Banken, Förderstellen und die eigene Nervenstärke wollen darauf eine Zahl, keine Absichtserklärung. Genau diese Zahl liefert der Break-even-Point, auf Deutsch die Gewinnschwelle.
Die Rechnung dahinter ist Grundschulmathematik. Schwierig ist nur, die richtigen Kosten in die richtige Schublade zu legen. Dieser Text zeigt dir die Formel in beiden gebräuchlichen Formen, rechnet ein vollständiges Beispiel durch und benennt die drei Stellen, an denen sich Gründerinnen und Gründer regelmäßig selbst betrügen.
Was der Break-even-Point tatsächlich aussagt
Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem Erlöse und Gesamtkosten gleich hoch sind. Du machst dort weder Gewinn noch Verlust. Jedes zusätzlich verkaufte Stück bringt ab diesem Punkt Gewinn, jedes fehlende Stück Verlust.
Der praktische Nutzen liegt weniger in der Zahl selbst als in dem, was sie mit deiner Planung macht. Sie übersetzt eine vage Hoffnung in eine überprüfbare Menge: so viele Tassen, so viele Beratungsstunden, so viele Abos im Monat. Das ist eine Größe, die du am Monatsende nachzählen kannst, während sich ein Umsatzziel aus dem Bauch heraus nie widerlegen lässt.
Zwei Missverständnisse räumen wir gleich hier aus. Der Break-even-Point ist keine Aussage über deine Liquidität: Ein Unternehmen kann die Gewinnschwelle überschritten haben und trotzdem zahlungsunfähig sein, wenn Kunden spät zahlen. Und er ist keine Aussage über einen einzelnen Auftrag, sondern immer über einen Zeitraum, meist den Monat oder das Jahr.

Fixkosten, variable Kosten und der Deckungsbeitrag
Die gesamte Rechnung steht und fällt mit einer sauberen Trennung. Fixkosten fallen an, egal ob du etwas verkaufst: Miete, Versicherungen, Leasingraten, Buchhaltung, Software-Abos, dein eigener Kalkulationslohn. Variable Kosten entstehen erst durch das verkaufte Stück: Material, Fremdleistungen, Verpackung, Versand, Zahlungsgebühren.
Personal ist der Posten, der am häufigsten falsch einsortiert wird. Eine fest eingeplante Aushilfe ist ein Fixkostenblock, kein variabler: Ihre Stunden zahlst du auch in einem schwachen Monat, in dem niemand etwas kauft. Die Untergrenze für den Lohn gibt der gesetzliche Mindestlohn vor, seit 1. Januar 2026 sind das 13,90 Euro je Stunde. Den Betrieb kostet die Stunde mehr, denn Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und Entgeltfortzahlung kommen obendrauf. Nur Arbeit, die du wirklich pro Auftrag zukaufst, gehört auf die variable Seite.
Aus der Differenz von Preis und variablen Kosten je Stück entsteht die zentrale Größe: der Deckungsbeitrag. Er sagt, wie viel jedes verkaufte Stück zur Deckung deiner Fixkosten beiträgt. Ist er null oder negativ, gibt es überhaupt keinen Break-even-Point, gleichgültig wie viel du verkaufst. Wer Ware unter den variablen Kosten abgibt, vergrößert den Verlust mit jedem Stück.
Woher du die Zahlen nimmst, hängt davon ab, wie lange es dein Unternehmen gibt. Läuft der Betrieb bereits, liefert deine Einnahmenüberschussrechnung die Fixkosten des Vorjahres Zeile für Zeile. Vor der Gründung bleiben Angebote, Preislisten und die Konditionen deiner Lieferanten.
Quellen: BMAS, Mindestlohn

Die Formel in Stück und in Umsatz
Für die Gewinnschwelle in Stück teilst du die Fixkosten einer Periode durch den Deckungsbeitrag je Stück:
Break-even-Menge = Fixkosten / (Preis je Stück minus variable Kosten je Stück)
Weil sich Stückzahlen bei Dienstleistungen schlecht greifen lassen, gibt es die Formel auch als Umsatzgröße. Dafür multiplizierst du die Break-even-Menge mit dem Nettopreis:
Break-even-Umsatz = Break-even-Menge mal Preis je Stück
Verkaufst du sehr Unterschiedliches, etwa Kurse und Bücher, rechnest du nicht mit Stück, sondern mit der Deckungsbeitragsquote: dem Anteil, den der Deckungsbeitrag am Umsatz ausmacht. Die Fixkosten geteilt durch diese Quote ergeben ebenfalls den Break-even-Umsatz. Für die meisten Gründungen reicht die einfache Variante, solange du dich auf eine Hauptleistung beziehst.
Rechenbeispiel: die Töpferei von Lena
Beispiel: Lena dreht Tassen und verkauft sie auf Märkten und im eigenen Shop. Ihre monatlichen Fixkosten aus Werkstattmiete, Versicherung, Strom-Grundpreis und Buchhaltung betragen 2.340 Euro. Eine Tasse kostet sie an Ton, Glasur und Verpackung 4,50 Euro, verkaufen tut sie sie für 24 Euro netto.
Beispiel: Der Deckungsbeitrag je Tasse beträgt damit 19,50 Euro. Teilt sie ihre Fixkosten durch diesen Betrag, liegt die Gewinnschwelle bei 120 Tassen im Monat, was einem Break-even-Umsatz von 2.880 Euro entspricht.
| Größe | Beispielwert | Woher der Wert kommt |
|---|---|---|
| Fixkosten je Monat | 2.340 Euro | Miete, Versicherung, Grundpreise, Buchhaltung |
| Nettopreis je Tasse | 24 Euro | eigene Preisliste |
| Variable Kosten je Tasse | 4,50 Euro | Ton, Glasur, Verpackung |
| Deckungsbeitrag je Tasse | 19,50 Euro | Preis minus variable Kosten |
| Break-even-Menge | 120 Tassen | Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag |
| Break-even-Umsatz | 2.880 Euro | Menge mal Nettopreis |
Beispiel: Interessant wird die Rechnung erst, wenn Lena an einer Stellschraube dreht. Hebt sie den Preis auf 27 Euro, steigt der Deckungsbeitrag auf 22,50 Euro, und die Gewinnschwelle fällt auf 104 Tassen. Drei Euro mehr je Tasse ersparen ihr also sechzehn Tassen Arbeit im Monat, vorausgesetzt, ihre Kundschaft kauft zum höheren Preis genauso viel. Ob sie das tut, sagt keine Formel, das sagt nur der Markt.
Dieselbe Rechnung wirkt auch in die andere Richtung. Mietet Lena eine größere Werkstatt, wandert der Aufschlag vollständig in die Fixkosten und hebt die Schwelle sofort an. Fixkosten sind Versprechen an die Zukunft, variable Kosten sind Entscheidungen im Moment.
Rechne netto, sonst rechnest du dich reich
Der Betrag, den deine Kundin zahlt, ist nicht dein Umsatz. Auf die meisten Lieferungen und Leistungen kommen 19 Prozent Umsatzsteuer, und die gehört dem Finanzamt. Für den Break-even-Point rechnest du deshalb durchgehend mit Nettopreisen und Nettokosten, sonst erscheint deine Gewinnschwelle deutlich zu niedrig.
Eine Ausnahme gibt es: Wer die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzt, weist keine Umsatzsteuer aus. Dann ist der Preis, den du nimmst, tatsächlich dein Umsatz. Dafür holst du dir die Vorsteuer auf Ton, Glasur und Verpackung nicht zurück, deine variablen Kosten liegen also brutto und damit höher. Beide Effekte gehören in dieselbe Rechnung, wie du sie auch in deinen Steuern im Kleingewerbe wiederfindest.
Quellen: § 12 UStG | § 19 UStG
Warum an der Gewinnschwelle noch nichts übrig bleibt
Oberhalb des Break-even-Points steht Gewinn vor Steuern, und das ist ein wesentlicher Unterschied zu dem, was auf deinem Konto ankommt.
- Dein eigener Lohn. Wer ihn nicht in die Fixkosten einrechnet, bekommt eine Schwelle, die nur den Betrieb trägt, nicht die Person dahinter. Setze den Betrag an, den du zum Leben brauchst, bevor du rechnest.
- Steuern. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird der Gewerbeertrag um einen Freibetrag von 24.500 Euro gekürzt, bevor Gewerbesteuer anfällt. Die Einkommensteuer kennt diesen Freibetrag nicht. Sie hat mit dem Grundfreibetrag eine eigene Schwelle, die aber für dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen gilt und nicht für den Betrieb: Ein Nebeneinkommen aus einer Anstellung zehrt bereits an ihr.
- Zahlungsziele. Eine gestellte Rechnung ist Umsatz, aber noch kein Geld. Wie du Fristen und Angaben sauber setzt, steht im Leitfaden zum Rechnung schreiben.
Quellen: Handelskammer Hamburg, Gewerbesteuer
Das Break-even-Datum als Planungsgröße
Für den Businessplan ist die Menge nur die halbe Antwort. Die zweite Hälfte ist der Zeitpunkt, an dem du die Schwelle voraussichtlich erreichst, und der entscheidet darüber, wie viel Kapital du bis dahin brauchst.
Dafür trägst du deine geplanten Absatzmengen Monat für Monat gegen die Break-even-Menge ab. Der Monat, in dem die Planlinie die Schwelle schneidet, ist dein Break-even-Datum. Die Summe aller Verluste bis dorthin ist dein Kapitalbedarf für die Anlaufphase, und genau diese Summe wollen Banken und Förderstellen sehen. Eine einfache Tabellenkalkulation genügt dafür; wer lieber in einer geführten Struktur plant, findet Werkzeuge in unserer Übersicht der Businessplan-Tools.
Rechne die Schwelle danach nicht einmal, sondern jedes Mal neu, wenn sich ein Vertrag ändert. Eine neue Miete, ein anderer Lieferant, eine Preiserhöhung: Jede dieser Bewegungen verschiebt den Punkt, und eine Gewinnschwelle aus dem Gründungsjahr beschreibt im dritten Jahr ein anderes Unternehmen.
Häufige Fragen zum Break-even-Point
Wie berechnet man den Break-even-Point?
Du teilst die Fixkosten einer Periode durch den Deckungsbeitrag je Stück, also durch die Differenz aus Nettopreis und variablen Kosten je Stück. Das Ergebnis ist die Menge, die du verkaufen musst, um alle Kosten zu decken.
Was ist der Unterschied zwischen Break-even-Point und Gewinnschwelle?
Keiner. Gewinnschwelle ist die deutsche Bezeichnung für denselben Punkt. Manche Lehrbücher nennen ihn zusätzlich Kostendeckungspunkt oder Nutzenschwelle.
Gehört mein eigener Unternehmerlohn in die Fixkosten?
In die steuerliche Gewinnermittlung nicht, dort ist der Gewinn deine Vergütung. In die Kostenrechnung schon: Sie führt für Einzelunternehmen und Personengesellschaften den kalkulatorischen Unternehmerlohn als eigene Kostenart, gerade damit die Rechnung mit der einer Kapitalgesellschaft vergleichbar bleibt. Für die Gründungsplanung rechnest du ihn unbedingt hinein, sonst liefert die Rechnung eine Schwelle, von der du nicht leben kannst.
Was mache ich, wenn ich viele verschiedene Produkte verkaufe?
Dann rechnest du mit der Deckungsbeitragsquote statt mit Stückzahlen: Fixkosten geteilt durch den Anteil, den der Deckungsbeitrag am Umsatz ausmacht. Alternativ bildest du Produktgruppen mit ähnlicher Marge und rechnest je Gruppe.
Wie oft sollte ich den Break-even neu rechnen?
Mindestens jährlich, außerdem bei jeder Änderung an Miete, Personal, Einkaufspreisen oder deinem eigenen Preis. Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten, sobald die Kostenstruktur einmal sauber getrennt ist.
Fazit
Der Break-even-Point macht aus einer Hoffnung eine Stückzahl. Du brauchst dafür nur drei sauber getrennte Größen und eine Division, und du bekommst dafür eine Zahl, die sich am Monatsende überprüfen lässt. Die eigentliche Arbeit steckt in der Trennung von fix und variabel sowie darin, den eigenen Lohn und die Steuern nicht zu vergessen.
Rechne netto, plane den Zeitpunkt mit und rechne neu, sobald sich ein Vertrag ändert. Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt im Einzelfall keine Steuerberatung; bei der Einordnung deiner Kosten helfen dir deine Steuerkanzlei oder die Gründungsberatung deiner Kammer.



















