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Jeannette zu Fürstenberg, Präsidentin des Wagniskapitalgebers General Catalyst, und Teekampagne-Gründer Günter Faltin haben am Freitagabend, 16. Oktober 2026, den Entrepreneurship Summit in Berlin eröffnet. Im voll besetzten Hörsaal A der Freien Universität ging es um Cosimo de’ Medici, um künstliche Intelligenz, um Europas Rückstand bei Daten und Kapital und um die Frage, was Gründer ausmacht. Fürstenbergs Antwort: Gründer sehen etwas, das andere noch nicht sehen, und sie halten Unsicherheit aus.

Der Summit läuft noch bis Sonntag. Wer am Samstag und Sonntag dabei sein will, bekommt weiterhin Tickets über Eventbrite, mit dem Code GRUENDERFREUNDE 20 Prozent günstiger. Programm und Speaker der beiden Tage stehen in unserem Vorbericht zum Entrepreneurship Summit 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auftakt am 16. Oktober 2026 um 18 Uhr im Hörsaal A der FU Berlin, 350 Plätze, voll besetzt.
  • Fürstenberg hat bei Faltin promoviert, ihre Dissertation über die Medici erschien 2012.
  • Die Magnificent Seven sind zusammen rund 24 bis 25 Billionen US-Dollar wert (Stand Anfang Oktober 2026).
  • Über Stripe liefen 2025 rund 1,9 Billionen US-Dollar, 57 Prozent der neuen Unternehmen saßen außerhalb der USA.
  • 48,6 Prozent der Deutschen würden aus Angst vor dem Scheitern nicht gründen, in den USA sind es 50,1 Prozent (GEM 2025).
  • Tickets für Samstag und Sonntag gibt es weiter, mit dem Code GRUENDERFREUNDE 20 Prozent günstiger.
Voll besetzter Hörsaal A im Henry-Ford-Bau von hinten, vorn auf der Leinwand die Ankündigung des Fireside Chats mit Jeannette zu Fürstenberg und Günter Faltin
Voller Hörsaal zum Auftakt des Entrepreneurship Summit 2026. Foto: Gründerfreunde

Jeannette zu Fürstenberg und Günter Faltin: Doktorandin und Doktorvater

Freitagabend, 18 Uhr, Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. Hörsaal A, laut Raumliste der FU ein ehemaliger Theatersaal mit 350 Plätzen, ist voll besetzt, als der Entrepreneurship Summit 2026 mit einem Fireside Chat beginnt. Auf der Bühne: Prof. Günter Faltin, Gründer der Teekampagne und der Stiftung Entrepreneurship, und Dr. Jeannette zu Fürstenberg von General Catalyst.

Die beiden kennen sich seit Langem. Fürstenberg hat an der FU Berlin bei Faltin promoviert, ihre Dissertation erschien 2012 mit einem Geleitwort von ihm. Ihr Thema damals: die Wechselwirkung zwischen unternehmerischer Innovation und Kunst, untersucht an der Renaissance und am Beispiel der Medici. Der Gedanke lag bei Faltin nahe. Er hatte schon 2007 eine Schrift mit dem Titel „Erfolgreich gründen. Der Unternehmer als Künstler und Komponist“ veröffentlicht.

Cosimo de’ Medici und der Wechselbrief: Was die Medici Gründern zeigen

Genau dort beginnt das Gespräch. Cosimo de’ Medici (1389 bis 1464) war Bankier, Staatsmann und einer der großen Mäzene von Florenz. Unter ihm wuchs die Bank, die sein Vater Giovanni di Bicci gegründet hatte, zu einem Netz mit Filialen von Rom und Venedig bis Brügge und London. Getragen wurde dieses Netz vom Wechselbrief, der lettera di cambio.

Den gab es schon vorher, die Medici machten ihn zum Rückgrat ihres Geschäfts. Ein Kaufmann zahlte in Florenz ein und bekam ein Schreiben, mit dem ein Partner in Brügge einem namentlich genannten Empfänger die Summe in örtlicher Währung auszahlte. Geld reiste so über die Alpen, ohne dass eine einzige Münze transportiert wurde. Und wer einen solchen Brief unterwegs stahl, hatte damit noch kein Geld. Eingelöst wurde er nur im Netzwerk, bei Leuten, die Empfänger und Handschrift kannten. Nebenbei half der Wechselbrief um das kirchliche Zinsverbot herum, denn der Zins steckte im Wechselkurs zwischen den Währungen. Wie das Verfahren funktionierte, hat der Wirtschaftshistoriker John H. Munro beschrieben. Aus dem Wechselbrief wurde später der Wechsel, bis heute ein klassisches Wertpapier.

Darum ging es im Kern: Fortschritt entsteht, wenn ein Mensch etwas sieht, das andere noch nicht sehen. Für Fürstenberg gilt das für Künstler und Bankiers der Renaissance genauso wie für Gründerinnen und Gründer heute. Ihren eigenen Blick dafür führt sie auf die Literatur zurück, an die sie ihr Großvater herangeführt hat. Wer viel liest, entwickelt ein Gespür für Facetten und dafür, dieselbe Sache aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen.

Was Gründer ausmacht: Vision, Obsession und Resilienz

Den Bogen in die Gegenwart schlägt Fürstenberg mit Helsing. Mit einem der Gründer des Münchner KI-Verteidigungsunternehmens hat sie sich früh ausgetauscht, lange bevor Helsing groß wurde. Heute sitzt sie in dessen Gremium. Gründer, sagt sie, sehen früh etwas, das für andere noch unsichtbar ist. Sie haben eine Vision, sammeln Datenpunkte, gehen ins Risiko und begeistern andere dafür. Wie das Kapital für solche Wetten organisiert ist, erklärt unser Ratgeber zu Venture Capital.

Und sie halten durch. Resilienz, also in Krisen elastisch dranzubleiben, nennt Fürstenberg als Merkmal, das sie bei erfolgreichen Gründern immer wieder findet. Einen Bauplan für Gründer gibt es dabei nicht. Unternehmer gleichen einander selten, viele sind von ihrer Idee geradezu besessen. Außenseiter will Fürstenberg sie trotzdem nicht nennen, sie greift lieber zu einem literarischen Bild: Gründer sind ganz besondere Teilchen im physikalischen Gefüge einer Gesellschaft.

Europa und die Datenökonomie: Warum die USA und China vorn liegen

Und Europa? Das deutsche Mindset, alles gründlich zu durchdenken und erst gut poliert durch die Tür zu schieben, ist nach Fürstenbergs Worten nicht das, was es im globalen Wettbewerb braucht. Damit tun wir uns in Europa schwer. Manchmal trägt die 80/20-Regel weiter. Dazu gehören interdisziplinäre Teams: Wo Menschen aus verschiedenen Fächern zusammenarbeiten, befruchten sie sich gegenseitig, und alle lernen aus der Durchmischung. So verzahnt sich Produktexzellenz besser mit dem Tempo, und es wächst der Mut, nach vorn zu gehen. Auch das führt zurück nach Florenz, wo unter den Medici Bankiers, Künstler, Architekten und Gelehrte aufeinandertrafen.

Strukturell, sagt Fürstenberg, war Europa für die Welle der Datenökonomie nicht gut aufgestellt. Die USA und China hatten große Binnenmärkte, daraus wuchs Kapitalkraft, und die trug das Cloud-Geschäft: erst für die eigenen Zwecke, dann als Produkt für alle. Amazon ist das Lehrstück, aus der Rechnerinfrastruktur des Händlers wurde 2006 Amazon Web Services. Heute bringen es die sogenannten Magnificent Seven, also Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla, zusammen auf rund 24 bis 25 Billionen US-Dollar Börsenwert (Stand Anfang Oktober 2026). Das ist, wie Fürstenberg sagt, ungefähr so viel wie Europas Aktienmarkt insgesamt, und deutlich mehr als alle börsennotierten Unternehmen der Eurozone zusammen.

Fürstenberg verantwortet bei General Catalyst das Europageschäft. Die Firma hat im Oktober 2024 rund 8 Milliarden US-Dollar neues Kapital eingesammelt, ein Viertel davon ist laut Fürstenberg für Europa vorgesehen. Als besonders spannendes Feld nennt sie an diesem Abend Robotik.

Kennzahl Wert Stand
Börsenwert der Magnificent Seven rund 24 bis 25 Billionen US-Dollar Anfang Oktober 2026
Zahlungsvolumen über Stripe 1,9 Billionen US-Dollar, plus 34 Prozent Jahr 2025
Neue Stripe-Unternehmen außerhalb der USA 57 Prozent Jahr 2025
Neues Kapital von General Catalyst rund 8 Milliarden US-Dollar, ein Viertel für Europa Oktober 2024
Würden aus Angst vor dem Scheitern nicht gründen Deutschland 48,6 Prozent, USA 50,1 Prozent GEM 2025
Jugendliche mit Angst vor einem Krieg in Europa 81 Prozent (2019: 46 Prozent) Shell Jugendstudie 2024
Fehlende Pflegekräfte in Deutschland 280.000 bis 690.000 Vorausberechnung bis 2049
Die Zahlen hinter dem Fireside Chat mit Jeannette zu Fürstenberg. Quellen im Text verlinkt.

KI als Werkzeug für Gründer: Disegno, Aktivierungsenergie und Stripe

Gefragt, wie sie die Entwicklung heute sieht, setzt Fürstenberg bei der KI an. Sie macht es möglich, alles unterhalb der Benutzeroberfläche zu abstrahieren. Wer gründet, muss das Backend nicht mehr selbst bauen und kann schneller global gehen. Die Frage dahinter: Was fangen Gründer mit dieser neuen Aktivierungsenergie an, mit einem Werkzeugkasten, der Ideen in etwas Greifbares übersetzt?

Für diesen Schritt holt sie einen Begriff aus der Renaissance: disegno. Er meint die Zeichnung und zugleich die Idee dahinter. Giorgio Vasari fasste Malerei, Bildhauerei und Architektur als arti del disegno zusammen, Künste, die alle auf der Zeichnung aufbauen. Federico Zuccari unterschied später den disegno interno, die Idee im Kopf, vom disegno esterno, ihrer sichtbaren Umsetzung. In der Kunst ist es die Skizze, die eine Idee greifbar macht, und mit KI wird dieser Weg einfacher und schneller. Die Zeichnung war schon damals ein Arbeitsmittel: Nach ihr arbeitete eine ganze Werkstatt an einem gemeinsamen Werk, und mit ihr gewann man Auftraggeber wie Kardinäle und Fürsten. Heute hieße das Prototyp und Pitch Deck.

Jeannette zu Fürstenberg im braunen Anzug und Günter Faltin mit Mikrofon auf der Bühne vor der Leinwand mit ihren Porträts, davor das Publikum
Jeannette zu Fürstenberg und Günter Faltin im Fireside Chat. Foto: Gründerfreunde

Wie schnell der Weg nach draußen inzwischen geht, liest Fürstenberg an Stripe ab, an dem General Catalyst beteiligt ist. Die Zahlen des Zahlungsdienstleisters zeigen, wie schnell kleine und mittlere Unternehmen heute international wachsen. Laut Stripes Jahresbrief für 2025 liefen über die Plattform 1,9 Billionen US-Dollar, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. 57 Prozent der neu angemeldeten Unternehmen saßen außerhalb der USA, und doppelt so viele wie 2024 kamen binnen drei Monaten nach dem Start auf hochgerechnet 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Die eigentliche Ressource unserer Zeit ist für Fürstenberg deshalb die Kreativität. Das ist nah an Faltins eigenem Leitsatz: Kopf schlägt Kapital.

Denken nicht der KI überlassen: Was Studien zeigen

Als Hilfsmittel ist die KI gut, das Denken selbst sollte man der Maschine aber nicht überlassen. Studien zeigen, wie schnell die eigenen kognitiven Fähigkeiten sonst nachlassen. Drei Beispiele:

  • In einem Feldversuch mit fast tausend Schülerinnen und Schülern, 2025 in der Fachzeitschrift PNAS erschienen, übten die Jugendlichen mit einer frei nutzbaren Version von GPT-4 zwar besser, schnitten in der Prüfung ohne KI aber um 17 Prozent schlechter ab als Mitschüler ohne Zugang. Eine Version mit eingebauten Lernhilfen fing den Effekt weitgehend auf.
  • Microsoft Research und die Carnegie Mellon University befragten 319 Wissensarbeiter: Je mehr Vertrauen jemand in die KI setzte, desto weniger dachte er kritisch nach, Selbstvertrauen wirkte umgekehrt.
  • Am MIT Media Lab maßen Forscher per EEG bei 54 Studierenden, die Aufsätze schrieben: Wer ChatGPT nutzte, zeigte die schwächste Vernetzung im Gehirn und erinnerte sich schlechter an den eigenen Text. Die Autoren sprechen von kognitiver Schuld, ihre Studie ist bislang eine Vorabveröffentlichung.

Deutschlands Chance: Vertrauen, Modelle, Energie und Fertigungstiefe

Was bleibt, ist das Menschliche: Beziehungen, kreativer Ausdruck und Vertrauen. Fürstenberg denkt die KI in Schichten. Vertrauen ist eine eigene Schicht, darunter liegen die Modelle, darunter die physische Infrastruktur bis hin zur Energie und der Frage, wie sie erzeugt wird. In dieser physischen Welt sieht sie eine Chance für Deutschland: Die industrielle Fertigungstiefe des Landes kann ein Vorteil sein, um ganz eigene Verbindungen zu knüpfen. Ihr Appell an den Saal: in dieser spannenden Zeit aktiv gestalten, statt sich passiv mitnehmen zu lassen.

Schule und Gründergeist: Projekte statt Theorie, Hackathons statt Angst

Wie diese Zukunft aussehen soll, fragt Fürstenberg nicht nur Gründer und Investoren. Gerade läuft ein globales Projekt an weiterführenden Schulen, das Jugendliche fragt: In welcher Welt möchtet ihr leben, wie soll die Welt von morgen aussehen, und wie kann sie gelingen? Auch dort, sagt sie, entstehen Umbruch und Impulse.

Für die Schule selbst hat sie eine klare Vorliebe: projektbasiertes Lernen. Das klassische Modell mit vorgegebenen, eher militärischen Strukturen überzeugt sie weniger. Klüger wäre es doch, gemeinsam ein Fahrrad zu bauen und dabei alles zu lernen, was dazugehört, Mathematik, Physik und vieles mehr, statt Theorie auf Vorrat. Die Forschung stützt den Ansatz: In einer randomisierten Studie der University of Southern California mit rund 3.500 Schülern an 76 Schulen in den USA schnitten Jugendliche aus projektbasierten Kursen in den Abschlussprüfungen besser ab als ihre Mitschüler in herkömmlichen Kursen.

Viele Gründer, die Fürstenberg kennt, haben selbst Dinge gebaut und ausprobiert, im Verteidigungsbereich etwa eine eigene Drohne, aus reiner Faszination. Lernen und Ideen sollte man feiern, auch wenn etwas schiefgeht. Deutschland, sagt sie, hat oft Angst zu scheitern und manchmal sogar Angst, richtig erfolgreich zu sein, womöglich wegen der Neider. Der Global Entrepreneurship Monitor misst diese Angst: 2025 sagten 48,6 Prozent der Deutschen, sie würden aus Angst vor dem Scheitern kein Unternehmen gründen. In den USA waren es 50,1 Prozent, in der Schweiz 46,5. Die Angst ist also kein deutsches Sonderproblem, umso mehr zählt der Umgang mit ihr. Und gegründet wird trotzdem: 13 Prozent der 18- bis 64-Jährigen steckten 2025 in einer frühen Gründungsphase, Platz sechs unter 26 Ländern. Warum Gründungen trotzdem scheitern, haben wir in zehn Gründen für das Scheitern von Start-ups zusammengetragen. Aus dem Lernerlebnis heraus, so Fürstenberg, lassen sich Kreativität und Resilienz fördern.

Auf die Frage, was sie den Schulen konkret vorschlägt, antwortet sie: Lebensexperimente sind das Beste, und Hackathons sind großartig. Nachgefragt, was das genau ist, beschreibt sie einen Hackathon als gemeinsame Anstrengung, ein Problem zu lösen. Ihr Beispiel ist die Raumfahrt. Gemeinsam mit der Universität Turin geht es um die Frage, was sich im Weltraum eigentlich bauen lässt und welche Fertigungsprozesse dort möglich sind. Turin ist dafür ein naheliegender Ort, ein Raumfahrtcluster, in dem unter anderem Thales Alenia Space sitzt, nach Boeing der zweitgrößte Industrielieferant der Internationalen Raumstation. Im Hackathon haben Teilnehmergruppen erste Ideen und Prototypen lebendig gemacht, mit dem Ziel, dass daraus Gründungen und Unternehmen werden.

Superintelligenz, Arbeit und Sinn: die Fragen aus dem Publikum

Dann wird es grundsätzlich. Noch weiß niemand, was es bedeutet, in einer Welt mit Superintelligenz zu leben, und die ist nach Fürstenbergs Einschätzung nur noch ein bis drei Jahre entfernt. Umso wichtiger sei es, diese Systeme zu verstehen, um sie gestalten zu können und ihrer mächtig zu bleiben. Und selbst wenn das gelingt, wird das kommende Jahrzehnt aus ihrer Sicht das wichtigste der Menschheit. Welche Rolle der Mensch darin spielt, ist auch eine philosophische Frage. Beantwortet ist sie noch nicht, auch weil viele noch nicht greifen können, was gerade geschieht.

In der Fragerunde wird es endgültig philosophisch. Aus dem Publikum zitiert jemand Yuval Noah Harari, den Autor von „Sapiens“, „Homo Deus“ und „Nexus“, der schon vor Jahren vor einer „nutzlosen Klasse“ von Menschen warnte, deren Arbeit Maschinen übernehmen. Damit steht die große Frage im Raum: Was ist Arbeit eigentlich? Arbeit ist eine Sache der Sinngebung, eine Verortung in der Gemeinschaft, und nicht nur: Ich gehe hin, bekomme Geld und gehe nach Hause. Diesen Gedanken trägt im Ursprung auch die Idee des Sozialstaats in sich. Wie entsteht künftig Sinn in der Arbeit, wenn sich alles wandelt? Ein Vakuum droht gerade dort, wo Menschen füreinander sorgen, in der Kranken- und Altenpflege. Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass in Deutschland bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Gesellschaftlich dürfte es einen großen Wandel hin zu gemeinschaftlichen Werten geben, so der Tenor des Abends.

Eine weitere Frage betrifft die Jugend. Umfragen zeigen, dass viele junge Menschen Angst haben, vor der Klimakrise, vor KI, vor dem Wandel, vor globalen Krisen und Kriegen. Welche Rolle spielt diese Angst für das Miteinander und dafür, wie wir Zukunft gestalten? Die Shell Jugendstudie 2024 mit 2.509 Befragten zwischen 12 und 25 Jahren gibt der Frage Zahlen: 81 Prozent haben Angst vor einem Krieg in Europa, 2019 waren es 46 Prozent. 67 Prozent sorgen sich um die wirtschaftliche Lage und wachsende Armut, 63 Prozent fürchten den Klimawandel. Berichte über die Studie fassen das Ergebnis trotzdem so zusammen: trotz Sorgen pragmatisch und optimistisch.

Fürstenbergs Antwort setzt bei der Führung an. Basisdemokratisch geführte Unternehmen funktionieren in der Regel nicht. Es braucht Führung und Stärke, einen klar definierten Weg und eine eigene Vision der Zukunft, die so greifbar ist, dass viele sie mitgestalten wollen. Wer erlebt, dass Zukunft gestaltbar ist, wird optimistisch, denn der Mensch kann gestalten. Daraus entstehen, wie schon die Philosophie zeigt, Antrieb und Gemeinschaft, und die Erfahrung, dass messbare Arbeit auf den Erfolg einzahlt.

Eine andere Frage greift den Grundsatz „Form folgt Funktion“ auf, den der Architekt Louis Sullivan 1896 prägte: Brauchen wir für die Zukunft ein Design, ein Framework? Fürstenberg setzt auf etwas anderes. Es werde immer einfacher, Zugang zu bekommen und mitzugestalten.

Pierre, ein Gründer aus München, will es konkret wissen: Was spricht dafür, in Deutschland zu gründen und nicht in die USA zu gehen? Fürstenberg zählt auf: Gründen ist hier günstiger, das Talent ist gut, und je nach Branche gibt es eine unmittelbare Kundenbasis und von dort die Möglichkeit, global zu gehen. Dazu kommen Dienstleistungen rund um die Industrie, die Frage, wie sich Produktion dort skalieren lässt, wo die Maschinen gebaut werden, und souveräne Anwendungen, die Europa widerstandsfähiger machen. Diese Potenziale gelte es zu heben. Sie selbst ist dabei einen anderen Weg gegangen: 2023 führte sie La Famiglia mit dem US-Investor General Catalyst zusammen, um mehr Kapitalkraft zu bekommen.

Winner takes all in der KI? Fürstenbergs Antwort

Eine Frage aus dem Publikum zielt aufs Geschäft: Ist generative KI als Gesamtmarkt ein Markt, in dem der Gewinner alles bekommt? Und ist „The winner takes it all“ eine Investmenthypothese? Als Beispiele fallen Harvey, die KI für Kanzleien, und Anthropic. Beide Namen liegen nah an Fürstenbergs eigenem Geschäft: General Catalyst beteiligte sich im September 2025 an Anthropics Finanzierungsrunde über 13 Milliarden US-Dollar, und Fürstenberg sitzt im Gremium von Legora, einem direkten Wettbewerber von Harvey.

Ihre Antwort: Rekursives Selbstlernen, also Modelle, die an ihrer eigenen Weiterentwicklung mitarbeiten, dazu eigene Entwicklungszyklen und Effizienz können Monopolstellungen auslösen. Der Markt werde aber nicht zulassen, dass es nur einen Anbieter gibt. Als Gegenstück erwartet Fürstenberg mehr Open Source. Die stärksten Modelle dagegen würden oft gar nicht veröffentlicht, weil niemand weiß, welche Sicherheitsrisiken von ihnen ausgehen. Beides hat Vorläufer: OpenAI hielt 2019 sein Sprachmodell GPT-2 zunächst zurück und gab die volle Fassung erst im November 2019 frei, nach Sorgen vor Missbrauch. DeepSeek veröffentlichte im Januar 2025 sein Modell R1 mit offenen Gewichten, und auch Mistral AI, in dessen Gremium Fürstenberg sitzt, stellt einen Teil seiner Modelle unter offener Lizenz zur Verfügung.

Was einen Gewinner ausmacht, zeigt sie an Max Junestrand, dem Gründer von Legora, einer schwedischen KI-Plattform für Kanzleien. Junestrand habe direkt nach dem Studium gegründet, aufgewachsen sei er auf einer schwedischen Insel und früher mit dem Ruderboot zur Schule gefahren. Er sei besessen vom Produkt und wolle immer auf den ersten Platz, denn Zweiter heiße für ihn verloren. Diese hohe Energiedichte übertrage sich auf die ganze Organisation. Die Zahlen passen dazu: Legora wurde 2023 in Stockholm gegründet, damals noch unter dem Namen Leya, und sammelte im März 2026 unter Führung von Accel 550 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 5,55 Milliarden US-Dollar ein. Bevor das Produkt stand, soll Junestrand rund hundert Anwälte zum Mittagessen eingeladen und ihnen dafür ihren Stundensatz bezahlt haben, um ihre Arbeit zu verstehen.

Zehn entscheidende Jahre: Fürstenbergs Schlusswort

Gegen Ende stellt Faltin die Frage, um die sein Summit mit dem Motto „Entrepreneurship for everyone“ kreist: Was ist der Kick, damit Menschen sehen, dass Unternehmertum für sie zugänglich ist? Fürstenbergs Antwort: Rückschläge gibt es immer. Es geht darum, sich ins Ungewisse hineinzulehnen und nicht so leicht aufzugeben. Und die Breite der Werkzeuge, die heute jedem zur Verfügung stehen, einfach zu nutzen und dabei zu lernen, wie daraus greifbare Wertschöpfung wird.

Zum Schluss kommt Fürstenberg auf ihren großen Gedanken zurück: Die nächsten zehn Jahre werden die entscheidenden der Menschheit. Wer sie gestalten will, braucht eine Tugend, die viele Gründer mitbringen, den Umgang mit Unsicherheit. Oft mussten sie schon im Lebenslauf oder in der Kindheit Unwegsamkeiten aushalten, und genau davon kann man viel lernen. Ihr letzter Gedanke an den Saal: das eigene geistige Bewusstsein so zu bündeln, dass daraus aktiv und positiv der Wille entsteht, Dinge zu ändern. Darin liegt für sie der Weg zum Erfolg.

Einen Satz hängt sie noch an, und für den bekommt sie den Applaus des Saals: Bei allem dürfe man nicht vergessen, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, unser Land zusammenzuhalten.

Jeannette zu Fürstenberg: Lebenslauf und Werdegang

Dr. Jeannette zu Fürstenberg

Jeannette zu Fürstenberg studierte Kommunikationswissenschaft und Volkswirtschaft an der LMU München und Wirtschaft an der ESCP Business School in Paris. Nach Stationen bei Ernst & Young, Synthesis und AXA promovierte sie an der FU Berlin, die Arbeit erschien 2012. Seit 2013 gründet, investiert und berät sie in der Start-up-Szene. 2016 gründete sie mit Robert Lacher den Wagniskapitalgeber La Famiglia, gedacht als Brücke zwischen Gründern und dem deutschen Mittelstand, aus dem sie selbst kommt. 2023 ging La Famiglia mit General Catalyst zusammen, seitdem verantwortet sie dort das Europageschäft, seit Januar 2026 als Präsidentin und Managing Director. Sie führt die europäische Initiative AI Champions mit weit über hundert Unternehmen, von Mistral AI und Black Forest Labs bis SAP, Siemens und Mercedes-Benz, und sitzt in den Gremien von Helsing, Mistral AI, Legora und Iceye. Das Manager Magazin nannte sie 2025 die mächtigste Start-up-Investorin Europas. Die Kunst ist geblieben: 2011 gründete sie mit ihrem Mann „Fürstenberg Zeitgenössisch“, ein Stipendien- und Ausstellungsprogramm für junge Künstler.

Prof. Günter Faltin

Günter Faltin, Jahrgang 1944, studierte Volkswirtschaft in St. Gallen und Tübingen und wurde 1972 in Konstanz promoviert. 1977 kam er als Professor an die FU Berlin und baute dort den Arbeitsbereich Entrepreneurship auf, den er bis 2013 leitete. 1985 startete er die Teekampagne, die nach Angaben des Tea Board of India seit 1995 der größte Importeur von Darjeeling-Tee weltweit ist. 2001 gründete er mit Dietrich Winterhager die Stiftung Entrepreneurship, die den Summit seit 2009 jährlich ausrichtet. Als Business Angel begleitete er unter anderem die ebuero AG und die RatioDrink AG. Sein Buch „Kopf schlägt Kapital“ erschien bis 2017 in elf Auflagen und neun Sprachen. Für die Teekampagne bekam er 2009 den Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises, 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2018 die Ehrendoktorwürde der Staatlichen Universität Tiflis. Sein Kerngedanke: Ein gut durchdachtes Konzept, das Entrepreneurial Design, zählt mehr als viel Kapital.

Entrepreneurship Summit 2026: Tickets für Samstag und Sonntag

Der Entrepreneurship Summit 2026 geht am Samstag und Sonntag mit Keynotes, Panels, Workshops und dem Proof of Concept weiter, bei dem Gründerteams ihre Produkte live verkaufen. Tickets gibt es über Eventbrite, laut Veranstalter zwischen 30 und 240 Euro. Mit dem Code GRUENDERFREUNDE bekommen unsere Leser 20 Prozent Rabatt auf alle Tickets. Das komplette Programm steht auf der Seite der Stiftung Entrepreneurship, unsere Übersicht im Vorbericht und den Termin in unserem Eventkalender.

Dennis Weidner von Gründerfreunde und Florian Komm von der Stiftung Entrepreneurship lächeln in die Kamera, im Hintergrund das volle Foyer des Henry-Ford-Baus
Dennis Weidner von Gründerfreunde mit Florian Komm von der Stiftung Entrepreneurship im Foyer. Foto: Gründerfreunde

Gründerfreunde war auf Einladung der Stiftung Entrepreneurship beim Summit. Organisiert hat ihn für die Stiftung Florian Komm, mit dem wir den Summit seit Jahren begleiten.

Häufige Fragen zu Jeannette zu Fürstenberg und dem Entrepreneurship Summit

Wer ist Jeannette zu Fürstenberg?

Dr. Jeannette zu Fürstenberg ist Präsidentin und Managing Director des Wagniskapitalgebers General Catalyst und verantwortet dort das Europageschäft. 2016 gründete sie La Famiglia, das 2023 mit General Catalyst zusammenging. Sie sitzt in den Gremien von Helsing, Mistral AI, Legora und Iceye.

Was hat Jeannette zu Fürstenberg mit den Medici zu tun?

Ihre Doktorarbeit an der FU Berlin untersucht die Wechselwirkung zwischen unternehmerischer Innovation und Kunst am Beispiel der Medici. Sie erschien 2012 mit einem Geleitwort von Günter Faltin. Beim Entrepreneurship Summit 2026 begann ihr Gespräch mit Faltin deshalb bei Cosimo de’ Medici.

Woher kennen sich Jeannette zu Fürstenberg und Günter Faltin?

Fürstenberg hat bei Faltin an der Freien Universität Berlin promoviert. Faltin leitete dort bis 2013 den Arbeitsbereich Entrepreneurship.

Was rät Jeannette zu Fürstenberg Gründern?

Sie rät, Unsicherheit auszuhalten, früher mit 80 Prozent an den Markt zu gehen statt alles zu polieren, in interdisziplinären Teams zu arbeiten und KI als Werkzeug zu nutzen, ohne ihr das Denken zu überlassen.

Warum in Deutschland gründen und nicht in den USA?

Laut Jeannette zu Fürstenberg ist Gründen in Deutschland günstiger, das Talent ist gut, und je nach Branche gibt es eine unmittelbare Kundenbasis, von der aus Gründer global wachsen können. Chancen sieht sie vor allem dort, wo sich Produktion, Dienstleistungen und souveräne Anwendungen mit Deutschlands Industrie verbinden lassen.

Gibt es noch Tickets für den Entrepreneurship Summit 2026?

Ja. Für Samstag und Sonntag gibt es weiterhin Tickets über Eventbrite, laut Veranstalter zwischen 30 und 240 Euro. Mit dem Code GRUENDERFREUNDE gibt es 20 Prozent Rabatt.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Grundlage ist die Mitschrift unserer Redaktion vor Ort, die Fotos stammen von Gründerfreunde.

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Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.