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Wer Venture Capital einsammelt, verkauft weder Zeit noch ein Produkt, sondern einen Teil seines Unternehmens. Der Preis dafür steckt in der Bewertung, und wie die zustande kommt, zeigt der Überblick über die Methoden der Startup-Bewertung. Hier geht es um die Mechanik dahinter: wie ein Fonds rechnet, welche Phase welches Geld bekommt, was in einer Runde tatsächlich passiert und wie stark Anteile dabei schrumpfen. Am Ende steht die unbequeme Frage, ob dein Vorhaben überhaupt in dieses Modell passt.

Was Venture Capital ist und wie ein Fonds rechnet

Venture Capital, auf Deutsch Wagniskapital oder Risikokapital, ist Eigenkapital von außen. Ein Fonds zahlt Geld in die Gesellschaft ein und erhält dafür Anteile. Es gibt keinen Zinssatz, keinen Tilgungsplan und keine Sicherheit, die du stellen müsstest. Verdient der Fonds daran, dann erst beim Verkauf seiner Anteile, dem Exit.

Dahinter steht eine harte Rechnung. Ein Fonds sammelt Kapital bei Versicherungen, Pensionskassen, Förderbanken und vermögenden Privatleuten ein und muss dieses Geld samt Rendite zurückliefern. Weil die Mehrzahl der Beteiligungen das nicht leistet, trägt ein kleiner Teil des Portfolios das Ergebnis. Genau deshalb fragen Investoren nicht in erster Linie, ob dein Unternehmen profitabel werden kann, sondern ob es sehr groß werden kann. Ein solides Geschäft mit stabilem Gewinn ist für dich ein Erfolg und für den Fonds ein Ausfall.

Woher das Geld kommt, ist dabei nicht gleichgültig. Im ersten Quartal 2026 stammten über drei Viertel der in deutsche Startups investierten Mittel aus dem Ausland, und Investoren aus den USA stellten 34 Prozent der insgesamt investierten Mittel. Der deutsche Markt hängt also an amerikanischen Fonds, und das prägt die Erwartungen an Tempo und Größe einer Runde.

Die Marktzahlen zeigen zugleich, wie schmal das Nadelöhr ist. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 5,1 Milliarden Euro Wagniskapital in 184 Transaktionen ab einer Million Euro vergeben. Im gesamten Jahr 2025 waren es 380 Transaktionen, der Höchststand lag 2022 bei 626 Deals. Das Geld ist also nicht verschwunden. Es verteilt sich auf immer weniger Unternehmen.

Quellen: KfW Research zum Wagniskapitalmarkt im zweiten Quartal 2026 | KfW Research zum ersten Quartal 2026

Backblech mit vielen flach gebliebenen Teiglingen, nur zwei sind hoch aufgegangen
Symbolbild, mit KI erzeugt

Von Pre-Seed bis Series B: welche Phase welches Geld bekommt

Finanzierungsrunden tragen Namen, und diese Namen stehen für den Reifegrad, nicht für eine Summe. Je später die Phase, desto mehr zählen die Zahlen und desto weniger die Erzählung. Die Tabelle fasst zusammen, worauf Investoren in welcher Phase schauen.

Phase Woran der Investor misst Wofür das Geld reicht Typische Geldgeber
Pre-Seed Team und Problem Prototyp, erste Nutzer Business Angels, Acceleratoren, Förderprogramme
Seed erste Umsätze und Nutzung Produkt marktreif machen, erster Vertrieb kleine Fonds, Angels
Series A wiederholbarer Vertrieb Vertrieb ausbauen, Team vergrößern Venture-Capital-Fonds
Series B Stückkosten und Marge neue Märkte, Zukäufe größere und internationale Fonds
Series C und später Weg zur Profitabilität Marktführung, Vorbereitung des Exits Wachstumsfonds, strategische Investoren

Wie stark sich das Kapital in den späteren Phasen bündelt, zeigt das zweite Quartal 2026. Startups in Deutschland sammelten 3,4 Milliarden Euro ein, und Scale-ups, also Unternehmen jenseits der Gründungsphase, erhielten davon 72 Prozent. Getragen wurde das Quartal von sieben Megatransaktionen über jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Für eine Pre-Seed-Runde heißt das vor allem eins: Die großen Schlagzeilen beschreiben einen anderen Markt als deinen.

Quellen: KfW Research zum zweiten Quartal 2026 | KfW Research zur Herkunft der Mittel

Wie eine Runde abläuft: Term Sheet, Prüfung, Notartermin

Der Ablauf ist erstaunlich gleichförmig. Am Anfang stehen Gespräche und ein Pitch, und wie der aufgebaut sein sollte, steht im Leitfaden für das Pitch Deck. Sagt ein Fonds grundsätzlich zu, folgt ein Term Sheet: eine Absichtserklärung mit Bewertung, Summe, Anteil und den wichtigsten Rechten. Verbindlich daran ist meist nur die Exklusivität, die dich für einige Wochen an diesen Investor bindet.

Danach prüft der Investor das Unternehmen in der Due Diligence. Verträge, Zahlen, Gesellschafterliste, Arbeitsverhältnisse, Rechte an Software und Marken: Gesichtet wird alles, was später teuer werden kann. Wer dabei auf eine ungeklärte Altbeteiligung oder auf fehlende Nutzungsrechte am eigenen Code stößt, bekommt einen Abschlag oder eine Absage.

Der formale Teil folgt beim Notar, denn eine Beteiligung an einer GmbH lässt sich nicht mit zwei Unterschriften am Küchentisch regeln. Üblich ist die Kapitalerhöhung: Die Gesellschaft gibt neue Anteile aus, der Investor übernimmt sie, und das Geld fließt in die Gesellschaft. Nach § 55 Abs. 1 GmbHG braucht die Übernahme jedes neuen Geschäftsanteils eine notariell aufgenommene oder beglaubigte Erklärung. Weil dabei der Gesellschaftsvertrag geändert wird, ist ein Gesellschafterbeschluss nötig, und der verlangt nach § 53 Abs. 2 GmbHG eine Mehrheit von drei Vierteln der abgegebenen Stimmen. Kauft ein Investor stattdessen Anteile von bestehenden Gesellschaftern, bedarf diese Abtretung nach § 15 Abs. 3 GmbHG eines in notarieller Form geschlossenen Vertrags, und das Geld landet beim Verkäufer statt im Unternehmen.

Quellen: § 55 GmbHG im Rechtsinformationssystem des Bundes | § 15 GmbHG im Rechtsinformationssystem des Bundes

Ein großer eiserner Schlüssel steckt gedreht im Schloss einer schweren Eichentür
Symbolbild, mit KI erzeugt

Rechenbeispiel: Was eine Runde mit den Anteilen macht

Beispiel: Zwei Gründerinnen halten gemeinsam alle Anteile ihrer GmbH. Ein Fonds setzt die Bewertung vor der Runde auf 4.000.000 Euro und legt 1.000.000 Euro ein. Nach der Einlage ist das Unternehmen mit 5.000.000 Euro bewertet, der Fonds hält 20 Prozent, und die beiden Gründerinnen halten zusammen 80 Prozent.

Ihr Anteil ist kleiner geworden, sein rechnerischer Wert nicht: 80 Prozent von 5.000.000 Euro sind mehr als alles von 4.000.000 Euro. Das ist der Kern der Verwässerung. Unangenehm wird sie erst, wenn eine Runde die Bewertung nicht hebt oder wenn mehrere Runden aufeinander folgen, ohne dass das Unternehmen in der Zwischenzeit gewachsen ist.

Achte deshalb weniger auf die Quote als auf die Rechte, die mit ihr kommen: Zustimmungsvorbehalte bei wichtigen Entscheidungen, Sitze im Beirat, Liquidationspräferenzen und Regeln für den Fall, dass ein Gründer das Unternehmen verlässt. Eine Liquidationspräferenz kann dazu führen, dass bei einem mittelmäßigen Verkauf fast der ganze Erlös an den Investor geht, obwohl er nur einen kleinen Teil der Anteile hält.

Wann Venture Capital nicht passt

Der ehrlichste Satz zum Thema ist unbequem: Für die große Mehrheit der Gründungen in Deutschland ist Wagniskapital das falsche Instrument. Ein Handwerksbetrieb, eine Agentur, eine Praxis oder ein Onlineshop mit gesunder Marge wachsen aus dem eigenen Umsatz, und das ist kein Mangel, sondern ein Vorteil. Venture Capital passt dort, wo ein großer Markt schnell besetzt werden muss und wo lange Vorleistungen nötig sind, bevor überhaupt Geld zurückkommt.

Dazwischen liegen Wege, die in der Aufregung um Finanzierungsrunden oft übersehen werden:

  • Fremdkapital für Wachstum ohne Abgabe von Anteilen, etwa über Venture Debt
  • Business Angels mit kleineren Summen und Branchenerfahrung, teils unterstützt über den INVEST-Zuschuss für Wagniskapital
  • Förderkredite und öffentliche Programme, die kein Eigenkapital verlangen
  • Finanzierung aus Vorkasse und Kundenanzahlungen, abgesichert über einen belastbaren Liquiditätsplan

Bevor du Anteile abgibst, lohnt der Blick auf den Break-even-Point. Ein Unternehmen, das seine Kosten aus eigener Kraft deckt, verhandelt aus einer anderen Lage. Dieser Text ist allgemeine Information. Wie eine Beteiligung in deinem Fall gesellschaftsrechtlich und steuerlich zu gestalten ist, klärt deine Steuerberatung oder eine auf Gesellschaftsrecht spezialisierte Kanzlei.

Häufige Fragen zu Venture Capital

Muss ich Venture Capital zurückzahlen?

Nein. Der Fonds erhält Anteile und keinen Kredit. Sein Geld kommt zurück, wenn diese Anteile verkauft werden, etwa an einen größeren Fonds, an ein anderes Unternehmen oder über einen Börsengang. Scheitert das Unternehmen, ist das Kapital für den Fonds verloren.

Wie viele Anteile gibt man in einer Runde ab?

Das ergibt sich aus Summe und Bewertung, nicht aus einer festen Regel. Wichtiger als die Quote ist das Paket an Rechten, das der Investor dazu verhandelt, und die Frage, wie viel Spielraum für spätere Runden bleibt.

Brauche ich für eine Runde eine GmbH?

In der Praxis ja. Beteiligungen werden über Geschäftsanteile abgebildet, und Fonds investieren fast immer in eine GmbH oder eine AG. Wer als Einzelunternehmen oder als GbR startet, wandelt vorher um, und das braucht Zeit und einen Notartermin.

Wie lange dauert eine Finanzierungsrunde?

Von den ersten Gesprächen bis zum Notartermin vergehen in der Regel mehrere Monate, und ein guter Teil davon geht für die Due Diligence drauf. Rechne mit einem Zeitraum, den du aus eigener Liquidität überbrücken kannst. Eine Runde lässt sich nicht beschleunigen, indem man sie dringend braucht.

Was unterscheidet einen Fonds von einem Business Angel?

Der Angel investiert eigenes Geld, meist früh und in kleineren Summen, und bringt oft operative Erfahrung mit. Ein Fonds verwaltet fremdes Geld, kommt später dazu und ist seinen eigenen Geldgebern gegenüber zur Rendite verpflichtet. In derselben Runde können beide sitzen.

Fazit

Venture Capital ist keine Auszeichnung für eine gute Idee, sondern ein Geschäft mit klarem Zweck: Ein Fonds kauft Anteile, weil er auf einen Verkauf mit hohem Vielfachen setzt. Wer das versteht, führt andere Gespräche und liest ein Term Sheet anders. Die Zahlen aus dem deutschen Markt zeigen, dass dieses Geld in immer weniger Unternehmen fließt, und vor allem in spätere Phasen. Prüfe deshalb zuerst, ob dein Vorhaben diesen Weg wirklich braucht. Wenn ja, bring Zahlen, Verträge und Gesellschafterliste in Ordnung, bevor der erste Fonds danach fragt. Wenn nein, ist das eine gute Nachricht und keine Niederlage.

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