Family Office, kurz erklärt: Eine Organisation, die das Vermögen einer sehr wohlhabenden Familie verwaltet und anlegt, oft auch mit Beteiligungen an Startups.
Ein Family Office ist eine Organisation, die das Vermögen einer sehr wohlhabenden Familie verwaltet und anlegt. Es kümmert sich um Geldanlage, Immobilien, Beteiligungen, Steuern und oft auch um Nachfolge und Stiftungen. Für Startups sind Family Offices interessant, weil viele von ihnen einen Teil des Vermögens in junge Unternehmen investieren, direkt oder über Wagniskapitalfonds.
Was ist ein Family Office?
Der Begriff beschreibt keine Rechtsform, sondern eine Aufgabe. Ein Family Office bündelt alles, was mit dem Vermögen einer Familie zu tun hat, an einer Stelle. Dazu gehören die Auswahl von Vermögensverwaltern und Fonds, die Übersicht über alle Anlagen, die Abstimmung mit Steuerberatern und Anwälten und die Vorbereitung der nächsten Generation. Größere Family Offices beschäftigen eigene Investmentteams, die selbst Unternehmen prüfen und Beteiligungen eingehen.
Häufig steht hinter einem Family Office eine Unternehmerfamilie, die ihr Unternehmen verkauft hat oder deren Firma hohe Gewinne ausschüttet. Gerade solche Familien kennen das Gründen aus eigener Erfahrung und investieren deshalb gern in junge Firmen ihrer Branche. In Deutschland vertritt der Verband unabhängiger Family Offices nicht bankgebundene Single und Multi Family Offices.
Single Family Office und Multi Family Office
| Merkmal | Single Family Office | Multi Family Office |
|---|---|---|
| Für wen | Eine einzige Familie | Mehrere Familien |
| Wem es gehört | Der Familie selbst | Meist unabhängigen Partnern oder einer Bank |
| Typische Vermögensgröße | Sehr große Vermögen, die eigenes Personal rechtfertigen | Auch kleinere Vermögen, Kosten werden geteilt |
| Startup-Investments | Oft direkt, mit eigenem Investmentteam | Eher über Fonds oder als Vermittler |
Für Gründer ist der Unterschied praktisch wichtig. Ein Single Family Office entscheidet selbst und kann schnell sein, wenn eine Investition zur Familie passt. Ein Multi Family Office handelt im Auftrag seiner Mandanten und legt deren Geld häufiger in Fonds an als direkt in einzelne Startups.
Wie Family Offices investieren
Wie viel Family Offices in nicht börsennotierte Unternehmen stecken, zeigt der jährliche Bericht der Schweizer Bank UBS. Für den Global Family Office Report 2025 wurden 317 Single Family Offices aus mehr als 30 Märkten befragt, die im Schnitt 1,1 Milliarden US-Dollar verwalteten. Ihr Anteil an privaten Märkten lag 2024 bei 21 Prozent des Portfolios. Wer für 2025 Änderungen plante, wollte ihn im Schnitt auf 18 Prozent senken, vor allem bei direkten Investitionen. Bei europäischen Family Offices ohne die Schweiz machte Private Equity 27 Prozent der Portfolios aus.
Diese Zahlen zeigen zweierlei. Family Offices sind ein großer Kapitalgeber für nicht börsennotierte Firmen. Sie reagieren aber auf das Umfeld: Wenn Verkäufe und Börsengänge stocken, kommt das Geld aus früheren Beteiligungen langsamer zurück, und neue Direktinvestments werden vorsichtiger. Für Startups heißt das, dass sich ein Gespräch gut vorbereitet lohnt, auch wenn es länger dauern kann.
Family Office als Investor gewinnen
Family Offices sind schwerer zu finden als Wagniskapitalfonds, weil viele bewusst unauffällig bleiben. Der Zugang läuft meist über persönliche Empfehlungen: über Mitinvestoren, Business Angels, Banken, Anwälte oder Netzwerke von Unternehmern aus derselben Branche. Eine Kaltakquise per Massenmail hat dagegen kaum Aussicht.
Inhaltlich achten Family Offices oft auf Dinge, die Fonds weniger wichtig sind. Sie denken in Generationen statt in einer Fondslaufzeit von zehn Jahren, haben häufig einen Bezug zu ihrer eigenen Branche und schätzen langfristige Partnerschaft. Ein Startup, das in die Wertschöpfung des Familienunternehmens passt, hat deshalb gute Chancen. Wichtig bleibt die übliche Sorgfalt: Wie bei jeder Finanzierung gehören Bewertung und Rechte in ein sauberes Term Sheet, und die Rolle des Family Office in späteren Finanzierungsrunden sollte früh geklärt sein. Einen Überblick über die übrigen Kapitalquellen gibt unser Ratgeber zu Venture Capital.
Family Office oder Business Angel?
Beide investieren privates Geld, unterscheiden sich aber im Maßstab. Ein Business Angel ist eine Einzelperson, die ihr eigenes Geld und ihre Erfahrung einbringt und meist mit kleineren Beträgen in einer frühen Phase einsteigt. Ein Family Office handelt im Auftrag einer ganzen Familie, verfügt über ein Team und kann größere Summen bewegen, auch in späteren Runden. Häufig sitzen beide in derselben Runde: Der Angel bringt Branchenkenntnis und schnelle Entscheidungen, das Family Office die Kapitalkraft für die nächsten Schritte. Wer beide anspricht, sollte die Unterlagen auf die jeweilige Rolle zuschneiden.
Häufige Fragen zum Family Office
Ab welchem Vermögen lohnt sich ein Family Office?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Ein eigenes Single Family Office mit eigenem Personal lohnt sich erst bei sehr großen Vermögen. Familien mit kleineren Vermögen nutzen häufiger die Dienste eines Multi Family Office, das sich die Kosten mit anderen Mandanten teilt.
Investieren Family Offices in frühe Startups?
Ja, manche sogar sehr früh, oft gemeinsam mit Business Angels. Andere beteiligen sich erst in späteren Runden oder nur über Fonds. Welche Phase ein Family Office bevorzugt, erfährt man am besten über Empfehlungen und frühere Beteiligungen.
Was unterscheidet ein Family Office von einem VC-Fonds?
Ein Wagniskapitalfonds legt Geld vieler Investoren für eine feste Laufzeit an und muss es danach zurückzahlen. Ein Family Office investiert das Vermögen einer Familie und ist an keine Fondslaufzeit gebunden. Es kann deshalb geduldiger sein.
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