IPO (Initial Public Offering), kurz erklärt: Der erste öffentliche Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse, auf Deutsch Börsengang.
Ein IPO (Initial Public Offering) ist der erste öffentliche Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse, auf Deutsch Börsengang. Danach kann jeder die Aktien kaufen und verkaufen, und das Unternehmen erhält Zugang zum Kapitalmarkt. Für Startups ist der Börsengang einer der möglichen Wege, frühen Investoren den Ausstieg zu ermöglichen und Geld für weiteres Wachstum aufzunehmen.
Was bedeutet IPO?
Initial Public Offering heißt wörtlich „erstes öffentliches Angebot“. Bei einem IPO bietet ein Unternehmen seine Aktien erstmals dem breiten Publikum an. Dabei können neue Aktien ausgegeben werden, dann fließt das Geld in das Unternehmen, oder bestehende Aktionäre verkaufen ihre Aktien, dann fließt das Geld an sie. Meist ist es eine Mischung aus beidem.
Voraussetzung ist in Deutschland eine Aktiengesellschaft, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien oder eine Europäische Gesellschaft (SE). Eine GmbH muss vor dem Börsengang umgewandelt werden. Das allein zeigt schon, dass ein IPO eher am Ende als am Anfang des Startup-Wegs steht.
Wie viele Börsengänge gibt es in Deutschland?
Der deutsche Markt für Börsengänge ist überschaubar. Nach dem IPO-Barometer der Beratungsgesellschaft EY gab es 2025 in Deutschland sieben Börsengänge, weltweit waren es 1.259. Der größte deutsche Börsengang des Jahres war der Medizintechnikhersteller Ottobock mit Emissionserlösen von etwa 865 Millionen US-Dollar. Für 2026 sah EY Potenzial für bis zu zehn Börsengänge in Deutschland.
Unter den Börsengängen in Frankfurt war 2025 auch Aumovio, ein Spin-off des Autozulieferers Continental. Solche Abspaltungen großer Konzerne machen einen beachtlichen Teil der Neuzugänge aus. Was dabei rechtlich passiert, erklärt der Eintrag zum Spin-off.
Die Börsensegmente im Überblick
Wer an die Frankfurter Wertpapierbörse geht, wählt zwischen zwei grundlegend verschiedenen Märkten: dem regulierten Markt mit gesetzlichen Zulassungsregeln und dem Freiverkehr, dessen Regeln die Börse selbst setzt.
| Segment | Rechtsrahmen | Für wen |
|---|---|---|
| Prime Standard | Regulierter Markt mit zusätzlichen Pflichten der Börse | Große Unternehmen, die internationale Investoren ansprechen wollen |
| General Standard | Regulierter Markt mit den gesetzlichen Mindestpflichten | Unternehmen, die den regulierten Markt mit weniger Zusatzaufwand nutzen |
| Scale | Freiverkehr, Regeln der Deutschen Börse | Kleine und mittlere Wachstumsunternehmen |
Für die Zulassung zum regulierten Markt nennt die Börsenzulassungs-Verordnung Mindestanforderungen. Der voraussichtliche Kurswert der zuzulassenden Aktien muss nach § 2 BörsZulV mindestens 1 Million Euro betragen. Zum Zeitpunkt der Zulassung müssen nach § 9 BörsZulV mindestens 10 Prozent der Aktien beim Publikum liegen, der sogenannte Streubesitz. Für kleinere Wachstumsunternehmen bietet die Deutsche Börse mit Scale ein eigenes Segment im Freiverkehr.
Wie läuft ein Börsengang ab?
Ein IPO dauert in der Regel viele Monate. Am Anfang steht die Börsenreife: geprüfte Abschlüsse, eine belastbare Planung, eine Organisation, die die Berichtspflichten einer börsennotierten Firma erfüllen kann. Dann beauftragt das Unternehmen Banken, die den Börsengang begleiten und die Aktien platzieren.
Kern des Verfahrens ist der Wertpapierprospekt, der das Unternehmen, seine Risiken und das Angebot beschreibt und von der Finanzaufsicht gebilligt werden muss. Danach werben Unternehmen und Banken bei Investoren, legen eine Preisspanne fest und sammeln Zeichnungen ein. Am ersten Handelstag wird die Aktie erstmals an der Börse gehandelt. Bestehende Großaktionäre verpflichten sich meist, ihre Aktien für einige Monate nicht zu verkaufen, damit der Kurs nicht unter Druck gerät.
IPO als Ziel für Startups
Für die meisten Startups ist ein Börsengang eher die Ausnahme als die Regel. Häufiger endet die Reise eines Investors mit dem Verkauf an ein größeres Unternehmen oder an einen anderen Investor. Trotzdem prägt die Möglichkeit eines IPO die Finanzierung: Wagniskapitalgeber rechnen mit großen Ausstiegen, und ein Börsengang ist der sichtbarste davon. Wie Wagniskapital funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu Venture Capital; in welchen Stufen Startups davor Geld aufnehmen, steht im Beitrag zu den Finanzierungsphasen.
Wer schon früh von einem Börsengang träumt, sollte eines wissen: Die Anforderungen an Rechnungslegung, Kontrolle und Transparenz sind hoch und kosten jedes Jahr Geld. Der Gewinn ist der Zugang zu Kapital und eine Bewertung, die täglich am Markt sichtbar ist.
Vor dem Börsengang: Umwandlung und Prüfung
Die meisten deutschen Startups sind als GmbH gegründet. Vor einem Börsengang wird die Gesellschaft deshalb in eine Aktiengesellschaft oder eine SE umgewandelt, mit Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Das dauert und kostet, und es verändert die Art, wie Entscheidungen fallen. Viele Unternehmen erledigen diesen Schritt deshalb lange vor dem eigentlichen IPO.
Parallel prüfen die begleitenden Banken und ihre Anwälte das Unternehmen gründlich, denn sie haften für den Prospekt mit. Diese Prüfung folgt denselben Grundsätzen wie bei einer großen Finanzierungsrunde, ist aber deutlich umfangreicher; was dabei auf dem Tisch landet, beschreibt der Eintrag zur Due Diligence.
Häufige Fragen zum IPO
Was bedeutet IPO auf Deutsch?
Börsengang oder Erstemission. Ein Unternehmen bietet seine Aktien zum ersten Mal öffentlich an und lässt sie an einer Börse handeln.
Kann eine GmbH an die Börse gehen?
Nicht direkt. Börsenfähig sind Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Europäische Gesellschaften. Eine GmbH wird vor dem Börsengang in eine dieser Rechtsformen umgewandelt.
Was ist der Unterschied zwischen IPO und Direct Listing?
Beim IPO werden Aktien mithilfe von Banken neu angeboten und platziert. Beim Direct Listing werden bestehende Aktien ohne neues Angebot direkt zum Handel zugelassen. Das Unternehmen nimmt dabei zunächst kein frisches Geld auf.
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