EBITDA

EBITDA, kurz erklärt: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es zeigt, was das operative Geschäft erwirtschaftet, bevor Finanzierung und Investitionen hineinspielen.

EBITDA ist das Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Kennzahl zeigt, wie viel das operative Geschäft erwirtschaftet, bevor Finanzierung, Steuerlast und Investitionen der Vergangenheit hineinspielen. Deshalb rechnen Käufer, Banken und Investoren so gern damit, vor allem beim Unternehmenswert.

Was bedeutet EBITDA?

Die Abkürzung kommt aus dem Englischen: Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Auf Deutsch heißt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Depreciation meint die Abschreibung auf Maschinen, Fahrzeuge oder Computer, Amortization die Abschreibung auf Software, Lizenzen oder einen gekauften Firmenwert.

Im deutschen Handelsrecht kommt das EBITDA nicht vor. Die Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB kennt Umsatzerlöse, Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen, Zinsen und Steuern als eigene Posten, aber keine Zwischensumme mit diesem Namen. Wer EBITDA nennt, rechnet also selbst. Das macht die Kennzahl nützlich, aber auch anfällig: Zwei Unternehmen können sie unterschiedlich abgrenzen.

EBITDA berechnen: ein Beispiel

Am einfachsten rechnest du von oben nach unten. Das Beispiel zeigt eine kleine GmbH mit 1,2 Millionen Euro Umsatz. Die Zahlen sind ausgedacht, die Rechnung ist es nicht.

Posten Betrag in Euro
Umsatzerlöse 1.200.000
minus Materialaufwand 420.000
minus Personalaufwand 480.000
minus sonstige betriebliche Aufwendungen 150.000
EBITDA 150.000
minus Abschreibungen 60.000
EBIT (Betriebsergebnis) 90.000
minus Zinsaufwand 20.000
Ergebnis vor Steuern 70.000
minus Steuern vom Einkommen und Ertrag (rund 30 Prozent) 21.000
Jahresüberschuss 49.000

Die EBITDA-Marge setzt das EBITDA ins Verhältnis zum Umsatz: 150.000 geteilt durch 1.200.000 ergibt 12,5 Prozent. Erst die Marge macht Firmen unterschiedlicher Größe vergleichbar.

EBITDA, EBIT und Jahresüberschuss: der Unterschied

Die drei Kennzahlen beantworten verschiedene Fragen. Das EBITDA fragt, was das Tagesgeschäft abwirft. Das EBIT zieht zusätzlich die Abschreibungen ab und berücksichtigt damit, dass Maschinen und Software verschleißen und irgendwann ersetzt werden müssen. Der Jahresüberschuss schließlich ist das, was nach Zinsen und Steuern tatsächlich übrig bleibt.

Für ein Startup mit wenig Anlagevermögen liegen EBITDA und EBIT nah beieinander. Bei einem Produktionsbetrieb mit teuren Anlagen kann der Abstand groß sein. Genau dort wird das EBITDA gern zu freundlich gelesen: Abschreibungen sind zwar keine Auszahlung im laufenden Jahr, aber das Geld für die nächste Maschine muss trotzdem verdient werden. Für die Planung der Zahlungsfähigkeit ist deshalb ein Liquiditätsplan das bessere Werkzeug.

EBITDA und Unternehmenswert

Beim Kauf und Verkauf kleiner und mittlerer Unternehmen wird der Wert oft als Vielfaches des EBITDA angegeben. Mit einem angenommenen Multiplikator von 5 ergäbe sich im Beispiel ein Unternehmenswert von 750.000 Euro. Davon zieht man die Nettofinanzverschuldung ab, um den Kaufpreis für die Anteile zu erhalten. Welcher Multiplikator angemessen ist, hängt von Branche, Wachstum und Risiko ab. Für junge Firmen ohne Gewinn greifen andere Verfahren, die unser Ratgeber zur Startup-Bewertung erklärt.

Das Finanzamt rechnet anders. Im vereinfachten Ertragswertverfahren, etwa bei Schenkung oder Erbschaft von Anteilen, multipliziert es einen bereinigten Jahresertrag nach Steuern mit dem gesetzlichen Kapitalisierungsfaktor von 13,75. Dieser Jahresertrag ist ausdrücklich nicht das EBITDA. Wer beide Werte nebeneinanderlegt, sieht schnell, warum Verhandlungspreis und Steuerwert weit auseinanderliegen können.

Das EBITDA anderer Firmen nachrechnen

Jahresabschlüsse deutscher Kapitalgesellschaften stehen im Unternehmensregister. Für einen Wettbewerbsvergleich hilft das aber nur bei größeren Firmen. Kleine Kapitalgesellschaften müssen nach § 326 HGB nur Bilanz und Anhang offenlegen, Kleinstgesellschaften nur die Bilanz. Eine Gewinn- und Verlustrechnung fehlt dann, und ohne sie lässt sich kein EBITDA bilden. Große Gesellschaften weisen Umsatz, Material, Personal und sonstige Aufwendungen einzeln aus. Mittelgroße dürfen Umsatz und Materialaufwand nach § 276 HGB zum Rohergebnis zusammenfassen; das EBITDA lässt sich trotzdem bilden: Rohergebnis minus Personalaufwand minus sonstige betriebliche Aufwendungen.

Achte beim Vergleich auf „bereinigte“ Werte. Viele Firmen rechnen Einmaleffekte heraus und nennen das Ergebnis Adjusted EBITDA. Das ist legitim, solange erklärt wird, was fehlt. Ohne diese Erklärung ist die Zahl nicht vergleichbar.

EBITDA im Businessplan und im Pitch

Im Businessplan zeigt die EBITDA-Planung, ab wann das operative Geschäft sich selbst trägt. Banken lesen daraus, ob ein Kredit aus dem laufenden Geschäft bedient werden kann. Investoren interessiert eher der Weg dorthin: Wie stark verbessert sich die Marge, wenn der Umsatz wächst? Ein Startup, das bei doppeltem Umsatz von minus 20 auf plus 5 Prozent EBITDA-Marge kommt, erzählt eine andere Geschichte als eines, dessen Kosten im gleichen Takt mitwachsen.

Plane das EBITDA deshalb nicht als einzelne Zahl, sondern als Reihe über drei bis fünf Jahre, und zeige die Annahmen dahinter: Preise, Personalaufbau, Marketingbudget. Für wagniskapitalfinanzierte Startups ist ein negatives EBITDA in den ersten Jahren normal, wie unser Ratgeber zu Venture Capital zeigt. Entscheidend ist, dass die Rechnung nachvollziehbar bleibt und die Abschreibungen auf eigene Software oder Anlagen nicht verschwiegen werden.

Häufige Fragen zum EBITDA

Ist ein hohes EBITDA immer gut?

Ein hohes EBITDA zeigt ein ertragreiches Tagesgeschäft. Es sagt aber nichts über Schulden, Steuerlast und Investitionsbedarf. Ein Unternehmen mit hohem EBITDA und sehr hohen Zinsen kann trotzdem Verlust machen.

Kann das EBITDA negativ sein?

Ja. Viele Startups haben in der Aufbauphase ein negatives EBITDA, weil Personal- und Marketingkosten die Umsätze übersteigen. Investoren achten dann darauf, wie schnell sich das EBITDA mit wachsendem Umsatz verbessert.

Wo finde ich das EBITDA im Jahresabschluss?

Nirgends als eigene Zeile. Du errechnest es aus der Gewinn- und Verlustrechnung: Jahresüberschuss plus Steuern vom Einkommen und Ertrag, plus Zinsaufwand, plus Abschreibungen, abzüglich Zinserträgen. Das Ergebnis muss mit der Rechnung von oben nach unten übereinstimmen.

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