mycs – Möbel individuell gestalten

Wer seine Wohnung neu einrichten möchte, hat in der Regel zwei Möglichkeiten: bezahlbare, aber genormte Standardmöbel, oder sündhaft teure Einzelanfertigungen. Das Berliner Startup mycs will das ändern und verkauft individuell gestaltete Möbel zu vernünftigen Preisen. Wir haben die Gründer Christoph Jung und Kachun To befragt, wie ihr Unternehmen funktioniert.

Was bedeutet eigentlich mycs?

In den Namen kann man eine Menge hinein interpretieren: mycs wird ausgesprochen wie „mix“. Bei uns kann sich jeder sein Wunschmöbel selber zusammen mixen – der Name repräsentiert somit auch das Konzept. Gleichzeitig steckt in dem „my“ auch der individuelle Ansatz, den wir anbieten wollen. Jeder kann mit Hilfe des Online-Konfigurators sein ganz persönliches Wunsch-Möbelstück designen.

Personalisierte Möbel aus hochwertigen Materialien, die in kürzester Zeit nach Hause geliefert werden – das steckt hinter dem Namen. Mit unserem Unternehmen wollten wir unsere Leidenschaft für Design und das große Interesse an moderner Technik und traditioneller Handwerkskunst zusammen bringen. In unserem Freundeskreis, aber auch persönlich, haben wir beide die Erfahrung gemacht, dass es meist lange dauert, bis die Wunschmöbel gefunden sind und noch länger, bis Esstisch und Co. dann geliefert werden. Am Ende wird häufig ein Kompromiss eingegangen – preislich oder beim Design. Wer zum Beispiel auf der Suche nach einem passenden Esstisch ist, hat häufig schon eine Idee oder Vorstellung im Kopf. Der Tisch muss zu den bereits vorhandenen Möbeln passen und sollte für eine bestimmte Personenzahl Platz bieten.

Wir haben uns diesem Anspruch angenommen und es uns zur Aufgabe gemacht, den Traum von individuell gestaltbaren Möbeln zu fairen Preisen wahr werden zu lassen – 2014 haben wir das Unternehmen mycs gegründet. Der Clou: ein Konfigurator, der es ermöglicht, aus einer Vielzahl an Größen, Designs, Farben und Oberflächen zu wählen, wobei sich der Preis automatisch anpasst. Jeder Kunde kann dabei selbst zum Designer werden und durch die modularen Produkte moderne, innovative Möbelstücke kreieren, ganz nach dem persönlichen Geschmack. So entstehen mit ein paar Klicks individuelle Traummöbel, die in wenigen Tagen zum Kunden nach Hause geliefert werden.

Ihr kommt ursprünglich aus der Unternehmensberatung – was konntet er aus dieser Zeit in Euer jetziges Geschäft übernehmen?

Bei der Beratung hat man vor allem Kommunikation gelernt. Als Unternehmer ist das eines der wichtigsten Skills. Wie erkläre ich komplexe Sachverhalte leicht verständlich? Wie gewinne ich die Unterstützung von Investoren, Kunden, meinem Team oder Kooperationspartner? Auch wichtig sind natürlich die harten Skills wie analytische Fähigkeiten, Accounting & Finance, und unser Lieblingsprogramm Excel, diese kann man immer einsetzen. Aber am meisten hilft, dass man es als Berater gewohnt ist, immer wieder ins kalte Wasser geschmissen zu werden und in kürzester Zeit komplexe Problemstellungen verstehen und lösen zu müssen. Das passiert einem Gründer eigentlich fast täglich.

Wo und unter welchen Bedingungen werden die Möbel hergestellt?

Die Möbel werden in Traditionsmanufakturen in Europa gefertigt. Wir haben uns bewusst gegen ein Sourcing aus China entschieden, da die Lieferkette sehr lang ist und nicht unserem Anspruch von schnellen und flexiblen Prozessen entspricht. Zudem pflegen wir eine sehr enge Zusammenarbeit mit unseren Herstellern und wollen auch räumlich nah dran sein, um stets eine hohe Produktqualität gewährleisten zu können. Unsere Möbel werden ausschließlich aus FSC-zertifizierten Hölzern aus Europa gefertigt. Öle und Lacke kommen aus Deutschland oder der Schweiz. Wir verwenden nur hochwertige Materialien wie Massivhölzer, MDF mit Echtholzfurnieren oder lackierten Oberflächen.

Wie hat sich das Geschäft seit der Gründung entwickelt?

Sehr positiv! Wir freuen uns riesig darüber, dass unsere Ziele bereits in den ersten Monaten übertroffen wurden – wir konnten im ersten Quartal monatliche Umsätze im sechsstelligen Bereich erzielen. Das bestätigt uns darin, dass wir mit mycs offensichtlich nicht nur ein Angebot bieten, das zu den Ansprüchen unserer Zeit passt, sondern auch den Geschmack unserer Kunden treffen, was Design und Qualität betrifft. Unser Team hat auch ordentlich Zuwachs bekommen: Wir sind mittlerweile 25, und nachdem wir unseren Showroom in Berlin geöffnet haben, planen wir einen weiteren in Hamburg, um potenziellen Kunden die Möglichkeit zu bieten, sich live von der Qualität zu überzeugen und die Materialien anzufassen.

mycs_Bild2Warum ist für Möbelkunden ein Onlineshop günstiger?

Das Produkt selbst macht nur einen Bruchteil des Preises im stationären Handel aus. Die großen Kostentreiber sind die Miete für die Verkaufsfläche, das Gehalt und die Kommission des Verkäufers sowie die Margen der Distributoren und Mittelmänner. Dadurch, dass wir hauptsächlich online verkaufen, sparen wir all diese Kosten und können bei gleicher Qualität zu der Premiumkonkurrenz bis zu 75 % günstigere Preise anbieten.

Welche Fehler machen Möbelhändler in der Regel, und was könnt ihr anders machen?

Die meisten Möbelhändler sind nicht mit der Zeit gegangen und haben sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Man wartet immer noch 12 Wochen oder länger auf seine Möbel, die Preise sind intransparent und man muss mit dem Verkäufer feilschen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist schlecht und man verbringt endlose Wochenenden auf der Suche nach den passenden Möbeln. Damit ist Schluss. Wir bieten Möbel ihrer Natur entsprechend als modulare Produkte an. Bei uns kann man verschiedene Farben, Größen, Funktionen und Designelemente kombinieren. Und das ganz einfach im Online-Konfigurator. Das Design wird stets in Echtzeit visualisiert und der Preis immer upgedated, so dass der Kunde genau sieht was er für sein Geld bekommt. Dadurch, dass wir teure Verkaufsflächen und Distributoren vermeiden, können wir sehr gute Qualität zu günstigen Preisen anbieten. Und noch ein toller Vorteil von Modularität: Die Lagerhaltung wird so effizient gestaltet, dass wir alle Module auf Lager halten und damit sofort liefern können. Wir sind wohl das erste Unternehmen in der Möbelindustrie, das vollständig Just-In-Time produziert. Kurz gesagt: Wir etablieren den Kundenfokus, die neueste Technologie und state-of-the-art Produktionsmethoden für die Möbelbranche.

Wie sind Eure Erfahrungen mit der Kundenresonanz, und wie geht Ihr mit Kritik und Reklamationen um?

Die Kundenresonanz ist durchweg sehr gut, das zeigt ein Blick auf unsere Bewertungen im Internet. Kritik ist für uns sehr wertvoll, um Schwachstellen zu identifizieren und uns zu verbessern. Wir wollen jeden Kunden mit unseren Möbeln und unserem Service glücklich machen. Das heißt für uns professionelle Beratung, hervorragende Produktqualität und zuverlässige schnelle Lieferzeiten.

Wie bringt Ihr als ambitionierte Gründer Beruf und Privatleben unter einen Hut?

Natürlich ist es als Gründer besonders schwer, wenn man Freizeit, Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchte, weil der Arbeitstag nicht nach 8 Stunden vorbei ist. Auch wenn man gerade nicht im Büro sitzt, ist man ja trotzdem mit seinem Unternehmen beschäftigt. Es ist daher wichtig, sich regelmäßig bewusst Zeit für sein Privatleben freizuschaufeln. Natürlich hilft es auch sehr, einen Partner zu haben, der sehr verständnisvoll ist.

Was ist in den nächsten 6 bis 12 Monaten von mycs erwarten ?

Zum Ende des Jahres werden Betten, Sofa und Stühle das Sortiment erweitern. Wir haben den Konfigurator extra so konzipiert, dass er auch auf anderen Möbelstücken funktioniert. Langfristig möchten wir natürlich alles bieten, was für die eigenen vier Wände an Möbeln benötigt wird. Wir können uns durchaus auch vorstellen, Balkon- und Gartenmöbel zu entwerfen, das ist alles eine Frage der Zeit.

Auch geographisch werden wir in den nächsten Monaten expandieren. Frankreich, BeNeLux und UK stehen ganz oben auf der Liste. Man kann sicherlich mit weiteren europäischen Ländern rechnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über mycs und seine Gründer

Gründerteam_Christoph Jung & Kachun To_mycsDie Gründer von mycs, Christoph Jung und Kachun To, lernten sich während ihrer gemeinsamen Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company kennen, wo sie zwei Jahre lang als Berater tätig waren. Christoph Jung (links) studierte zuvor Maschinenbau an der Universität DuisburgEssen. Im Anschluss absolvierte er seinen Master of Science in Mechatronics und seinen MBA in Technology Management an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Nach seiner Tätigkeit bei McKinsey & Company gründete er die Massivkonzept GmbH und verkaufte sie nach vier Jahren erfolgreich an das amerikanische Unternehmen Fab.com. Ein weiteres Jahr blieb er dort als Geschäftsführer.

Kachun To (rechts) studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe. Während seines Studiums verbrachte er ein Austauschjahr an der Graduate School of Engineering an der University of Tokyo. Nach seiner Zeit bei McKinsey & Company ging er nach Japan und arbeitete als Mitgründer am Aufbau des Onlineshops Locondo.jp, dem japanischen Zalando, das von Rocket Internet finanziert wurde. Von 2011 bis 2013 war Kachun To COO von iMAIBO, dem Joint Venture der größten Verlagsgruppe Südchinas und Finanzinvestoren aus Hong Kong. 2014 kreuzten sich die Wege von Christoph Jung und Kachun To erneut und sie gründeten die mycs GmbH mit der Vision, den  Möbelmarkt „aufzumixen“ und dabei klassische Möbelstücke auf innovative, moderne Art und Weise anzubieten. Das Konzept, Produkte aus unterschiedlichen Modulen zu erstellen, stammt ursprünglich aus der Automobilindustrie und ermöglicht eine nachhaltige Produktion sowie eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten. Mitte 2015 geht das Jungunternehmen mit Ess- und Schreibtischen sowie Regalen und Schränken im Programm online.

 

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